{"id":170183,"date":"2025-06-06T16:35:14","date_gmt":"2025-06-06T16:35:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/170183\/"},"modified":"2025-06-06T16:35:14","modified_gmt":"2025-06-06T16:35:14","slug":"muss-150-jahre-alt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/170183\/","title":{"rendered":"\u201eMuss 150 Jahre alt werden\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"font-sans font-medium\">D\u00fcsseldorf. Der D\u00fcsseldorfer Arnold Pascher (70) besitzt in seinem Lager abertausende B\u00fccher. Beim B\u00fccherbummel auf der K\u00f6 wird er nur einen Bruchteil davon los.<\/p>\n<p>Pariser Feeling auf der K\u00f6. Was die \u201eBouquinistes\u201c, die Pop-up-B\u00fccherst\u00e4nde entlang der Seine f\u00fcr die franz\u00f6sische Hauptstadt sind,<a href=\"https:\/\/www.nrz.de\/lokales\/duesseldorf\/article409115194\/buecherbummel-auf-der-koe-das-sind-die-programm-highlights.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.nrz.de\/lokales\/duesseldorf\/\" data-paid-status=\"default\" data-article-publish-date=\"1748854560\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> das ist der B\u00fccherbummel<\/a> &#8211; ein paar Nummern kleiner &#8211; f\u00fcr D\u00fcsseldorf. Zurzeit und<a href=\"https:\/\/www.nrz.de\/staedte\/duesseldorf\/article242330296\/Pfingsten-in-Duesseldorf-Zehn-Eventtipps-fuer-die-Feiertage.html\" data-category-full-path=\"\/staedte\/duesseldorf\/\" data-paid-status=\"default\" data-article-publish-date=\"1716008820\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> noch \u00fcber Pfingsten<\/a> stellen auf der K\u00f6 dann nicht nur Verlage und Antiquariate ihre Werke auf der Prachtmeile aus &#8211; es gibt auch Live-Musik, Lesungen und ein Programm f\u00fcr Gro\u00df und Klein. Bei der 38. Ausgabe des B\u00fccherbummels &#8211; und quasi von Beginn an mit dabei: Arnold Pascher. Der 70-J\u00e4hrige kann sich noch an die Anf\u00e4nge erinnern: \u201e1986, zur Premiere, waren da vielleicht 20 St\u00e4nde, die ihre B\u00fccher zum Teil auf Tapeziertischen verkauften. Wenn da jemand mal ein Buch vom Tisch nahm und es dann nach dem Durchbl\u00e4ttern wieder zur\u00fcckstellte, brach der Tisch auch schon gerne Mal zusammen.\u201c<\/p>\n<p>+++ <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/nrz_duesseldorf\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Folgen Sie der NRZ D\u00fcsseldorf jetzt auch bei Instagram!<\/a> +++<\/p>\n<p>Inzwischen ist der B\u00fccherbummel mond\u00e4ner geworden. Alles ist gewachsen, Literatur wird nicht mehr auf Tapeziertischen ver\u00e4u\u00dfert, sondern in einigerma\u00dfen schicken Zelten. Es gibt ein Musikprogramm, zahlreiche Imbiss- und Getr\u00e4nkewagen, aber auch ein umfassendes Auflagenpaket durch das Ordnungsamt. Arnold Pascher ist in diesem Jahr mit \u201e180 bis 200 Bananenkisten dabei\u201c. In eine solche Bananenkiste passen eine ganze Menge Romane, Bildb\u00e4nde, Kinderb\u00fccher oder Grafiken. \u201eMit ganz viel Arbeit und gutem Wetter erzielen wir hier einen wirtschaftlichen Erfolg\u201c, sagt er. \u201eIch hoffe, dass ich dieses Jahr nur 50 Bananenkisten mit zur\u00fccknehmen muss.\u201c<\/p>\n<p>        Nach Sturm Ela wurde der B\u00fccherbummel-Verein gegr\u00fcndet<\/p>\n<p>Seit gut zehn Jahren gibt es auch einen Verein, der die Geschicke rund um den B\u00fccherbummel auf der K\u00f6 leitet. Der Verein ist verantwortlich f\u00fcr die Organisation und Durchf\u00fchrung des Festivals und vergibt traditionell einen Lesef\u00f6rderpreis.\u00a0Vorstandsmitglieder sind neben Arnold Pascher Dorothe D\u00fcsedau, J\u00fcrgen Kron und Kurt Nellessen als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer<\/p>\n<p>Der Verein wurde gegr\u00fcndet, nachdem an Pfingsten 2014 Sturm Ela in D\u00fcsseldorf gew\u00fctet hatte. Das Kulturfest fiel in diesem Jahr aus und stand danach arg auf der Kippe. Pascher und seine Mitstreitenden waren es, die &#8211; mit viel Kraftanstrengung &#8211; daf\u00fcr sorgten, dass es im Jahr darauf wieder einen B\u00fccherbummel auf der K\u00f6 gab.<\/p>\n<p>   D\u00fcsseldorfer Antiquar: 120 Holzpaletten voller B\u00fccher  <\/p>\n<p>Das, was der D\u00fcsseldorfer auf der K\u00f6nigsallee (etwa in H\u00f6he gegen\u00fcber Hausnummer 30) verkauft, ist allerdings nur ein Bruchteil seiner literarischen Schatzkammer. Pascher hat in der Nachbarstadt Neuss eine Lagerhalle gemietet, die vollgestopft ist mit gedruckten Buchstaben. Rund 50 B\u00fccher passen vielleicht in eine dieser &#8211; f\u00fcr \u201efahrende Buchh\u00e4ndler\u201c sehr wichtigen &#8211; Bananenkiste. Auf eine Holzpalette passen vielleicht nochmal 50 dieser Kisten. Der Mann hat letztens einmal grob die Paletten nachgez\u00e4hlt. \u201eD\u00fcrften ungef\u00e4hr 120 inzwischen Paletten sein\u201c, sagt Pascher und grinst. Wie viele B\u00fccher das insgesamt sind, kann jeder f\u00fcr sich selbst ausrechnen. \u201eIch rechne jedenfalls nicht mehr\u201c, sagt Pascher. Wie sich das alles ansammeln konnte? \u201eKeine Ahnung, da fragst Du besser meinen Therapeuten.\u201c<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise ist Arnold Pascher derjenige D\u00fcsseldorfer mit den meisten B\u00fcchern in Privatbesitz. Ein B\u00fccher-Messi sozusagen. \u201eNa ja\u201c, sagt der sympathische Mann im karierten Hemd, mit dem man innerhalb von 30 Sekunden warm werden kann. \u201eIch habe das Problem, dass ich nicht Nein sagen kann.\u201c Der Antiquar hat sich in der Stadt und in der Region einen Namen gemacht &#8211; als literarischer Problembeheber. Er kommt bei Haushaltsaufl\u00f6sungen, k\u00fcmmert sich um Nachl\u00e4sse, kauft B\u00fccher auf, wenn der Wohnzimmerschrank vor lauter Literatur zu bersten droht. Noch vor zwei Monaten hat er 1000 Kinderb\u00fccher f\u00fcr 300 Euro aus einem Privathaushalt aufgekauft. \u201eDas waren zwei Keller voll, aber die Erben waren wirklich sehr nett.\u201c<\/p>\n<p>   Verkauf auf Flohm\u00e4rkten war schon fr\u00fcher immer guter Zugewinn  <\/p>\n<p>Arnold Pascher ist ein echter D\u00fcsseldorfer, das &#8211; mit Abstand &#8211; j\u00fcngste von sieben Geschwistern. Er, das Nesth\u00e4kchen, sei von den Eltern immer verw\u00f6hnt worden, erz\u00e4hlt er. Es gab immer Zeitschriften \u201ef\u00fcr den Jungen\u201c, dadurch kam wohl die Affinit\u00e4t zum Lesen. Die ersten B\u00fccher: die Rin Tin Tin- oder Fury-Reihe, sp\u00e4ter kamen Karl May und Gedichte von James Kr\u00fcss dazu. Zum Handel mit B\u00fcchern kam Pascher dann jedoch \u00fcber Umwege. Er studierte Sozialp\u00e4dagogik, arbeitete im D\u00fcsseldorfer Kinderhilfezentrum und sp\u00e4ter als Leiter eines Abenteuerspielplatzes in Ratingen-West. \u201eIch habe aber immer schon B\u00fccher auf Flohm\u00e4rkten verkauft, als es noch keine reinen B\u00fccherm\u00e4rkte gab\u201c, erz\u00e4hlt er. \u201eDas war immer ein guter Zugewinn. Und selbst sp\u00e4ter als Buchh\u00e4ndler konnte ich dadurch zweimal statt nur einmal pro Jahr in Urlaub fahren.\u201c<\/p>\n<p>   D\u00fcsseldorf-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!<\/p>\n<p class=\"text-body2 mt-2\">Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.<\/p>\n<p class=\"text-caption text-copy-secondary\">\n          Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der<br \/>\n          <a href=\"https:\/\/www.nrz.de\/services\/newsletter-adconsent\" class=\"text-overline text-copy-accent-negative dark:underline\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Werbevereinbarung<\/a><br \/>\n          zu.\n        <\/p>\n<p>1988 \u00fcbernahm Arnold Pascher eine Buchhandlung mitsamt Antiquariat an der Ecke Oststra\u00dfe\/Leopoldstra\u00dfe. In dem Ladenlokal werden heute nicht alte Schinken, sondern hippe Sneakers verkauft. Sp\u00e4ter zog er mit dem Gesch\u00e4ft in das Wehrhahn-Center um. Irgendwann kam der Online-Handel dazu. \u201eIch war in den neunziger Jahren einer der ersten Idioten, die \u00fcber Amazon verkauft haben, ich habe die mit gro\u00df gemacht, darauf bin ich nicht stolz, aber es war damals wichtig f\u00fcrs \u00dcberleben.\u201c Heute, sagt der zweifache Vater und vierfache Opa, sei das Internet eher Fluch statt Segen. \u201eWenn ich ein Buch dort f\u00fcr 19,99 Euro anbiete, gibt es immer einen H\u00e4ndler, der das unterbietet. Und wenn Du Pech hast, musst Du das Ding am Ende f\u00fcr 4,99 Euro verkaufen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Lesen Sie auch diese Nachrichten aus D\u00fcsseldorf<\/strong><\/p>\n<p>Arnold Pascher bezieht nur eine kleine Rente. Um das zu verdeutlichen, hebt er die Hand und l\u00e4sst zwischen Daumen und Zeigefinger nicht viel Platz. Mit dem Buchhandel h\u00e4lt sich der sympathische Mann \u00fcber Wasser. \u201eDas ist auch okay, denn ich bin gen\u00fcgsam.\u201c Und genug zu verkaufen hat er noch allemal, weil sich genug Literatur in seiner Schatzkammer befindet. \u201eNa ja, das sind ehrlicherweise viel zu viele B\u00fccher, das ist schon bitter, das hier d\u00fcrfen meine beiden T\u00f6chter eigentlich gar nicht lesen. Um die alle noch loszuwerden, muss ich 150 Jahre alt werden.\u201c<\/p>\n<p>  <script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"D\u00fcsseldorf. Der D\u00fcsseldorfer Arnold Pascher (70) besitzt in seinem Lager abertausende B\u00fccher. 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