{"id":170880,"date":"2025-06-06T22:54:11","date_gmt":"2025-06-06T22:54:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/170880\/"},"modified":"2025-06-06T22:54:11","modified_gmt":"2025-06-06T22:54:11","slug":"gefluechtet-vor-dem-krieg-nun-in-chemies-erster-dabei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/170880\/","title":{"rendered":"Gefl\u00fcchtet vor dem Krieg, nun in Chemies Erster dabei"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit Yehor Chyher hat die Regionalligamannschaft der Chemiker ein neues Gesicht dazubekommen. In Leipzig und bei Chemie hat der Ukrainer eine neue Heimat gefunden.<\/strong><\/p>\n<p>Yehor Chyher hinkt gerade etwas, als er den Alfred-Kunze-Sportpark betritt. Am Tag zuvor hat er f\u00fcr die Chemie-U23 gespielt, bekam dabei einen Schlag aufs Knie. \u201eTut ziemlich weh, aber ich hoffe, es geht schnell wieder weg\u201c, sagt er.<br \/>Hart sein, Schmerzen ertragen: Diese Tugenden bekam er schon fr\u00fcher in die Wiege gelegt, in der Nachwuchsakademie des ukrainischen Traditionsvereins FK Dnipro. \u201eDie Ausbildung dort war sehr oldschool: Man musste K\u00e4mpfen bis zum Umfallen. Taktik stand an zweiter Stelle\u201c, erinnert er sich. \u201eHauptsache, das eigene Tor gut bewachen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Flucht ins sichere Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>Yehor Chyher stammt aus dem ukrainischen Dnipro, schon zu Sowjetzeiten als Zentrum der R\u00fcstungs- und Raumfahrtindustrie bekannt. Heute liegt die \u201eRaketenstadt\u201c mit ihren knapp eine Million Einwohnern nur 100 Kilometer von der Frontlinie entfernt.<\/p>\n<p>Der russische Angriff auf die Ukraine war f\u00fcr ihn ein Schock. Trotzdem versp\u00fcrt er keinen Hass auf den Aggressor als Ganzes. Nach kurzem Nachdenken sagt er: \u201eEs gibt den Slogan ,Don\u2019t hate the country \u2013 hate the government\u2018. Ich glaube, das trifft es ganz gut.\u201c<\/p>\n<p>Obwohl seine Familie russisch-ukrainisch gemischt ist, stand beim Einmarsch Russlands f\u00fcr ihn au\u00dfer Frage, wem seine Loyalit\u00e4t galt. \u201eIch bin in Dnipro aufgewachsen, f\u00fchle mich als Ukrainer. Mit Freunden habe ich mich vorbereitet, was wir tun w\u00fcrden, wenn zu einem Einmarsch in Dnipro kommt und wir die Stadt verteidigen m\u00fcssen.\u201c Zum Einmarsch war es nicht gekommen, daf\u00fcr erlebte Yehor Chyher Bombenhagel und Raketenbeschuss. \u201eManche Raketen schlugen nur einen Kilometer von unserem Wohnhaus entfernt ein. Das war schon sehr be\u00e4ngstigend.\u201c<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2022 zog die Familie \u2013 Vater, Mutter, Bruder und Schwester \u2013 die Rei\u00dfleine, verlie\u00df die Heimat, fl\u00fcchtete nach Deutschland. Yehor war erst 16 Jahre alt. Sie \u00fcbernachteten f\u00fcr ein paar Tage in einem Hotel in Straubing bei M\u00fcnchen. Yehor und sein damals 14-j\u00e4hriger Bruder wurden auf Wohnungssuche geschickt. Ohne Erfolg: \u201eVon zehn Haust\u00fcren ging nur eine auf, und das war ein Pole, der auch keinen Platz hatte\u201c, sagt Yehor.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck hatte sein Vater noch Kontakt zu einem alten Studienkollegen, einem Ukrainer, der schon jahrzehntelang in Leipzig wohnt. \u201eEr hat uns dabei geholfen, im Haus einer deutsch-ukrainisch-j\u00fcdischen Familie unterzukommen.\u201c Die Chyhers beantragten Asyl, und der Antrag wurde gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p><strong>In Leipzig und bei Chemie schnell Anschluss gefunden<\/strong><\/p>\n<p>So traurig er ist, dass er seiner Heimat den R\u00fccken kehren musste, so gut gef\u00e4llt es ihm seitdem in Deutschland, auch in Leipzig. \u201eDie Menschen sind sehr nett, auch der Staat. Es gab nie Streit, auch keinen Hass mir oder meiner Familie gegen\u00fcber\u201c, sagt Yehor Chyher. Er ging viel nach drau\u00dfen, auf die Leute zu, kn\u00fcpfte Kontakte, fand Freunde. \u201eIch wollte mir hier gleich ein Leben aufbauen, nicht nur irgendwo drinnen bleiben. Das ist mir sehr wichtig.\u201c<\/p>\n<p>Schmunzeln muss er, als er erz\u00e4hlt, wie er bei Chemie gelandet ist. Auf einem Basketball-Platz in Leutzsch kam er ins Gespr\u00e4ch mit seinem Kontrahenten und erz\u00e4hlte, dass seine Leidenschaft eigentlich dem Fu\u00dfball gilt. Auf Google Maps zeigte ihm der Mitspieler den Alfred-Kunze-Sportpark. Yehor verlor keine Zeit und begab sich in Begleitung seines Vaters zu einem Training. \u201eWas wir nicht wussten: Es war das Training der U19. Eigentlich war ich ja noch B-Jugend-Spieler\u201c, sagt Yehor Chyher. Trainer Cenk G\u00fcltas lie\u00df ihn dennoch mittrainieren \u2013 und der Blondschopf \u00fcberzeugte sofort. \u201eNach dem Training kam Cenk zu mir und sagte: ,Gut so, Junge, wir nehmen dich.\u2018\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit Yehor Chyher hat die Regionalligamannschaft der Chemiker ein neues Gesicht dazubekommen. 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