{"id":171448,"date":"2025-06-07T10:37:13","date_gmt":"2025-06-07T10:37:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/171448\/"},"modified":"2025-06-07T10:37:13","modified_gmt":"2025-06-07T10:37:13","slug":"bachfest-veranstaltet-erstmals-ein-collegium-musicum-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/171448\/","title":{"rendered":"Bachfest veranstaltet erstmals ein Collegium Musicum \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Auch Michael Maul, Intendant des Leipziger Bachfestes, liebt Zeitreisen. Denn wenn man Bachs Musik jedes Jahr in einem gro\u00dfen Festival feiert, dann lohnt es sich auch, sich in die Zeit zur\u00fcckzuversetzen, in der Johann Sebastian Bach wirkte. Und er leitete eben nicht nur den Thomanerchor und die Kirchenmusik in St. Thomas uns St. Nikolai. Neben seiner mitrei\u00dfenden Kirchenmusik pflegte er in seiner Leipziger Zeit auch weiter die weltliche Musik. Und so kann man sich Bach gut vorstellen, wie er vom Thomaskirchhof zum Zimmermannschen Kaffeehaus in der Katharinenstra\u00dfe eilte, um dort mit den besten Musikern der Stadt fr\u00f6hlich weltliche Musik zu machen.<\/p>\n<p>Also nichts da mit einem grimmigen, beh\u00e4bigen Kantor, der sich nur mit der Obrigkeit herum\u00e4rgert. Das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Collegium_Musicum_%281701%29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Collegium musicum<\/a> im <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zimmermannsches_Kaffeehaus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zimmermannschen Kaffeehaus<\/a> war eine Institution, im Grunde die eigentliche Instanz f\u00fcr hochkar\u00e4tige moderne Musik in Leipzig zwischen 1701 und 1751.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/4bb0920b036e4121bdcf8f17db30a65a.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/zeitreise\/2025\/06\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/zeitreise\/2025\/06\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Wobei das Ende nicht ganz unerwartet kam, denn das 1743 gegr\u00fcndete Gro\u00dfe Concert, aus dem sp\u00e4ter das heutige Gewandhausorchester werden sollte, zog nat\u00fcrlich die besten Musiker ab. Aber da hatte Johann Sebastian Bach \u2013 wohl auch aus Altersgr\u00fcnden \u2013 die Leitung des Collegium Musicum schon lange abgegeben.<\/p>\n<p>In Telemanns Fu\u00dfstapfen<\/p>\n<p>\u00dcbernommen hatte er diese 1729 in Nachfolge von Georg Balthasar Schott. Gr\u00fcnder des Collegiums war wiederum im Jahr 1701 Georg Philipp Telemann, der \u201emit Unterst\u00fctzung des B\u00fcrgermeisters Franz Conrad Romanus eine Schar musikbegeisterter Kommilitonen\u201c um sich sammelte, um auf hohem Niveau zu musizieren. Da war freilich noch die Neukirche auf dem heutigen Matth\u00e4ikirchhof der Hauptspielort der Truppe.<\/p>\n<p>Das \u00e4nderte sich erst 1708, als der Hofchocolatier Johann Lehmann das Collegium in sein Kaffeehaus am Markt 16 holte, wo es Mittwoch- und Freitagabend von 20 bis 22 Uhr musizierte. Da wurde dann tats\u00e4chlich der Treffpunkt des musikliebendn Leipzig, das hier eben nicht nur die neueste Musik h\u00f6rte, vorgetragen von jungen, musikbegeisterten Leuten, sondern daneben auch fr\u00f6hlich Kaffee und Schokolade trank.<\/p>\n<p>Das war eine Institution in Leipzig, die es sogar in Zedlers Lexikon schaffte, dann freilich schon unter dem Namen: Bachisches Collegium musicum. Was eben auch bedeutete: Die musikliebenden Leipziger verbanden den Namen von Johann Sebastian Bach mit dieser vergn\u00fcgten Kaffee-Hausmusik, die dann ab 1723 an einem anderen Ort \u2013 im Zimmermannschen Kaffeehaus in der Katharinenstra\u00dfe \u2013 zu h\u00f6ren war.<\/p>\n<p>Und man darf sich das Ganze nicht so beschaulich vorstellen wie ein heutiges Caf\u00e9. Hier ging es eine ganze Dimension gr\u00f6\u00dfer zu: Der Saal des Zimmermannschen Kaffeehauses bot gr\u00f6\u00dferen Musikensembles \u2013 auch mit Trompeten und Pauken \u2013 sowie etwa 150 Zuh\u00f6rern Platz.<\/p>\n<p>Das d\u00fcrfte oft schon gewirkt haben wie sp\u00e4ter im Gro\u00dfen Concert. Und Bach fand hier eben nicht nur ein kleines Liebhaberpublikum, sondern eigentlich das ganze musikliebende Leipzig, das nach seiner \u00dcbernahme der Leitung eben auch wegen seiner St\u00fccke kam.<\/p>\n<p>Und er brachte mit dem musizierenden Studenten praktisch alles zur Auff\u00fchrung, was als weltliche Musik eben keinen Platz in den Gottesdiensten der Kirchen fand: Seine weltlichen Kantaten samt der ber\u00fchmten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schweigt_stille,_plaudert_nicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kaffeekantate<\/a>, seine Brandenburgischem Konzerte und die zu Cembalokonzerten umgearbeiteten Violinkonzerte.<\/p>\n<p>Steif und beh\u00e4big kann man sich das alles eigentlich nicht vorstellen.<\/p>\n<p>Comeback in den Salles de Pologne<\/p>\n<p>Und das brachte Michael Maul, den Intendanten des Bachfests, auf die Idee, das Collegium musicum wieder aufleben zu lassen. Nur gibt es heute nat\u00fcrlich kein Caf\u00e9 mehr, das in dieser Weise Platz f\u00fcr solche Konzerte b\u00f6te. Das Zimmermannsche Kaffeehaus ist genauso verschwunden. Das Geb\u00e4ude selbst wurde in den Bombardements im Dezember 1943 zerst\u00f6rt. Heute erinnert eine Gedenktafel am Nachfolgebau an der Stelle an das verschwundene Kaffeehaus und das Collegium Musicum.<\/p>\n<p>Aber wo kann man das dann wieder mit Leben erf\u00fcllen? Einen attraktiven Ort f\u00fcr das Revival fand Michael Maul<a href=\"https:\/\/www.bachfestleipzig.de\/de\/bachfest\/salles-de-pologne\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> in den Salles de Pologne in der Hainstra\u00dfe<\/a>, die mit ihrem Ambiente ein wenig an den Konzertsaal im Zimmermannschan Kaffeehaus erinnern m\u00f6gen. Dort findet am Freitag, 13. Juni, um 9 Uhr das erste Konzert im Format Collegium Musicum statt.<\/p>\n<p>Mit gedeckten Tischen, Speis und Trank. Und nat\u00fcrlich musikalischer \u201eBegleitung\u201c durch jene Leipziger Studentinnen und Studenten, die das am besten k\u00f6nnen: jenen der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater. Das muss zumindest erw\u00e4hnt werden, denn die Karten sollen, so Michael Maul, schon im Handumdrehen weg gewesen sein.<\/p>\n<p>Was zumindest darauf hindeutet, wie sehr sich Musikliebhaber dieses 300 Jahre alte Musikformat w\u00fcnschen Und wie modern Bachs Verst\u00e4ndnis von Musikauff\u00fchrungen damals schon war.<\/p>\n<p>Gespielt werden nat\u00fcrlich Bachsche Musiken \u2013 auch die Kaffeekantate.<\/p>\n<p>Nur ist man sich nicht ganz sicher, wie lange Bach zuletzt die Musiken im Zimmermannschan Kaffeehaus leitete, ob bis 1737 oder bis zum Tod des Caf\u00e9tiers Gottfried Zimmermann im Jahr 1741.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auch Michael Maul, Intendant des Leipziger Bachfestes, liebt Zeitreisen. 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