{"id":171538,"date":"2025-06-07T11:25:13","date_gmt":"2025-06-07T11:25:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/171538\/"},"modified":"2025-06-07T11:25:13","modified_gmt":"2025-06-07T11:25:13","slug":"wie-ein-arztwechsel-fuer-eine-familie-aus-spenge-zum-albtraum-wurde-haller-kreisblatt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/171538\/","title":{"rendered":"Wie ein Arztwechsel f\u00fcr eine Familie aus Spenge zum Albtraum wurde | Haller Kreisblatt"},"content":{"rendered":"<p id=\"absatz1\" class=\"em_text\">Spenge. \u201eLukas wollte halt nicht mehr im Wartezimmer neben Kindern sitzen\u201c, sagt Frank Pillkahn. Sein Sohn ist mittlerweile 17 Jahre alt. Eigentlich sollte es nur ein einfacher Wechsel zum Hausarzt werden, weil sich Lukas mittlerweile zu alt f\u00fcr den Kinderarzt f\u00fchlt. Doch Lukas ist querschnittsgel\u00e4hmt, hat Epilepsie und eine komplizierte Krankengeschichte. Er braucht verschiedene Medikamente und Therapien. Auf einmal muss die Familie jedoch k\u00e4mpfen, um Medikamente zu bekommen, die Lukas schon seit Jahren nimmt. Der Arztwechsel wird zum Albtraum.<\/p>\n<p id=\"absatz2\" class=\"em_text\">\u201eIch brauche einen Rolli\u201c, sagt Lukas. Doch das ist nicht alles, was er braucht. Er nimmt mehrere Medikamente wegen seiner Epilepsie ein. Von Geburt an ist auch sein Hirnwasserablauf gest\u00f6rt. Deswegen hat er einen sogenannten \u201eShunt\u201c eingesetzt bekommen, also einen k\u00fcnstlichen Abfluss f\u00fcr das Hirnwasser. Wegen seiner Querschnittsl\u00e4hmung hat er zudem mit gewissen k\u00f6rperlichen Einschr\u00e4nkungen zu k\u00e4mpfen. Auch daf\u00fcr braucht er Medikamente und Ergotherapie. \u00dcber Jahre hinweg hat die Familie einen Behandlungsplan erstellt, mit dem sie zufrieden ist. Immer bekamen sie alles von Lukas\u2019 Kinder\u00e4rztin Franziska Sudbrak verschrieben.<\/p>\n<p id=\"absatz4\" class=\"em_text\">Das \u00e4ndert sich pl\u00f6tzlich, als Lukas im Oktober vergangenen Jahres zum Hausarzt wechselt. Statt alles von einer \u00c4rztin zentral verschrieben zu bekommen, wird die Familie f\u00fcr verschiedene Teile der Behandlung zu verschiedenen Fach\u00e4rzten geschickt, berichten die Pillkahns. Zudem habe wegen einiger Behandlungen ein Hin und Her mit ihrer Krankenkasse begonnen. W\u00e4hrend dieser Zeit wird bei Lukas zu allem \u00dcberfluss auch noch eine Speiser\u00f6hrenentz\u00fcndung festgestellt, in deren Folge er keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen kann. Die Folge: Weitere G\u00e4nge zu verschiedenen \u00c4rzten und weitere Medikamente und Spezialnahrung, die die Familie besorgen muss.<\/p>\n<p>\u201eMan f\u00e4hrt f\u00fcr alles doppelt und dreifach hin und her\u201c<\/p>\n<p class=\"em_text\">\u201eAuf einmal h\u00f6rte man W\u00f6rter wie \u2019Budget\u2019\u201c, erinnert sich Frank Pillkahn. Und nicht nur das: \u201eMan f\u00e4hrt f\u00fcr alles doppelt und dreifach hin und her.\u201c Ein neues Medikament f\u00fcr Lukas\u2019 Speiser\u00f6hre h\u00e4tten sie zum Beispiel zun\u00e4chst nur im Krankenhaus verschrieben bekommen. Der Vater versucht, bei dem b\u00fcrokratischen Aufwand Priorit\u00e4ten zu setzen, ein Medikament nach dem anderen anzugehen. Doch ein gutes halbes Jahr nach dem Arztwechsel steht der Behandlungsplan, den die Familie jahrelang gewohnt war, immer noch nicht. So werden zum Beispiel eine Lymphdrainage und Spritzen, die Lukas seit Jahren nimmt, von der Krankenkasse immer noch nicht genehmigt. \u201eBei dieser ganzen Lauferei: Irgendwann f\u00e4ngt man an, Kraft zu verlieren\u201c, sagt der Vater.<\/p>\n<p id=\"absatz6\" class=\"em_text\">Die zust\u00e4ndige Krankenkasse best\u00e4tigt, dass die Lymphdrainage und die Spritzen noch nicht genehmigt seien. Bei der Lymphdrainage seien vom Hausarzt eingereichte Dokumente nicht ausreichend gewesen. Seit vergangenem Dezember gebe es dazu einen Schriftwechsel mit der Familie. Die Spritzen seien \u201enicht verordnungsf\u00e4hig\u201c, hei\u00dft es weiter.<\/p>\n<p><a class=\"article-detail-image use-fancybox\" href=\"https:\/\/www.haller-kreisblatt.de\/_em_daten\/_cache\/image\/1xdDFwMHBYbWtoblQvRHBwSitJeXZPRGV3Zys1dHJBampVYnJkQXd2ckpXUmY5WEVHeFoxMDErbnZoWnAyblZPRkszV1pnaW4xZk4xNVF0bU4yL0VVdnlPakxDSDJ6VmxrNjFvQUhxWm1uSm89\/250605-0843-536864879.jpg\" rel=\"article-detail-image-overlay nofollow noopener\" title=\"Frank Pillkahn zeigt anhand eines alten Fotos, wie sehr die j\u00fcngste Erkrankung der Speiser\u00f6hre Lukas mitgenommen hat. - \u00a9 Jan-Henrik Gerdener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" itemprop=\"image\" class=\"media-object img-responsive\" width=\"500\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/250605-0843-536864879.jpg\" alt=\"Frank Pillkahn zeigt anhand eines alten Fotos, wie sehr die j\u00fcngste Erkrankung der Speiser\u00f6hre Lukas mitgenommen hat. - \u00a9 Jan-Henrik Gerdener\"\/><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Frank Pillkahn zeigt anhand eines alten Fotos, wie sehr die j\u00fcngste Erkrankung der Speiser\u00f6hre Lukas mitgenommen hat.<br \/>\n(\u00a9 Jan-Henrik Gerdener)<\/p>\n<p id=\"absatz7\" class=\"em_text\">Verkompliziert wird alles durch Lukas\u2019 akute neue Speiser\u00f6hrenentz\u00fcndung, die auch mehrere Eingriffe erforderlich macht, wie Frank Pillkahn berichtet. Durch die gest\u00f6rte Nahrungsaufnahme nimmt sein Sohn in der Zeit erheblich ab. Der Zustand von Lukas sorgt bei der Familie f\u00fcr zus\u00e4tzliche Belastung. \u201eIch will nur, dass es meinem Sohn gut geht\u201c, sagt Frank Pillkahn.<\/p>\n<p id=\"absatz8\"><b class=\"bold\">Lesen Sie auch: <\/b><a href=\"https:\/\/www.haller-kreisblatt.de\/lokal\/werther\/24020541_Hiobsbotschaft-fuer-die-Patienten-Hausarzt-schliesst-seine-Praxis-in-Werther.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kein Nachfolger gefunden: Beliebter Hausarzt in Werther gibt Praxis auf<\/a><\/p>\n<p id=\"absatz9\">Doch was macht es der Familie so schwer? \u201eEin Patient wie Lukas Pillkahn \u00fcberschreitet an allen Ecken und Enden die Budgets\u201c, erkl\u00e4rt Kinder\u00e4rztin Franziska Sudbrak, die ihn jahrelang behandelt hat. Die \u201eBudgets\u201c von Arztpraxen werden relevant, wenn sie diese \u00fcberschreiten. \u201eAm Ende des Quartals bildet die Kasse eine gro\u00dfe Summe aller verursachten Kosten f\u00fcr Medikamente, die Sie verordnet haben. Liegen Sie dann als einzelner Arzt deutlich \u00fcber dem Durchschnitt ihrer vergleichbaren Kollegen, kriegen Sie einen \u2019Regress\u2019 &#8211; egal, ob im Einzelnen alles gerechtfertigt war. Zum Schluss geht es darum, nicht mehr zu verordnen als ihre Vergleichsgruppe\u201c, erkl\u00e4rt Sudbrak.<\/p>\n<p> Nach einem halben Jahr zieht die Familie die Rei\u00dfleine<\/p>\n<p id=\"absatz10\" class=\"em_text\">Eine Regressforderung bedeutet: Der Arzt muss begr\u00fcnden, warum er eine Behandlung verschrieben hat, ansonsten muss er die Kosten selbst \u00fcbernehmen. \u201eDa m\u00fcssen Sie der Kasse auf einmal 30.000 Euro zahlen. Als kleiner Arzt sind Sie da ruiniert\u201c, sagt Sudbrak. \u201eDas wollen alle \u00c4rzte vermeiden.\u201c<\/p>\n<p id=\"absatz11\" class=\"em_text\">In jedem Fall bedeute es f\u00fcr den behandelnden Arzt viel Arbeit, selbst wenn er das Geld am Ende wiedersehe. \u201eDann schreiben Sie einen 30-seitigen Brief zur\u00fcck, sehen zwei Jahre das Geld nicht, bis die Schiedsstellen bei der Krankenversicherung die Auszahlung der 30.000 Euro genehmigen\u201c, sagt Sudbrack. Dass eine Kinder\u00e4rztin wie sie der Familie alles verschreiben konnte, Hausarzt und Fach\u00e4rzte das nun aber nicht mehr so pauschal tun, erkl\u00e4rt sich Sudbrak mit den Unterschieden im Patientenstamm. W\u00e4hrend sie vielleicht nur einen Patienten wie Lukas habe, h\u00e4tten Haus\u00e4rzte mehr Patienten mit chronischen oder langfristigen Erkrankungen, weil sie ja auch deutlich mehr \u00e4ltere Menschen betreuen.<\/p>\n<p id=\"absatz12\" class=\"em_text\">Familie Pillkahn zieht schlie\u00dflich die Rei\u00dfleine. Nach rund einem halben Jahr geht Lukas Pillkahn wieder zur Kinder\u00e4rztin. \u201eSo lange es geht, bleibt Lukas Pillkahn in kinder\u00e4rztlicher Behandlung\u201c, sagt Franziska Sudbrak. Familie Pillkahn hofft, dass wenn Lukas schlie\u00dflich doch aufgrund seines Alters gezwungen sein wird, dauerhaft zu einem Hausarzt zu wechseln, sich mit Hilfe seiner Kinder\u00e4rztin ein besserer Weg auftut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Spenge. \u201eLukas wollte halt nicht mehr im Wartezimmer neben Kindern sitzen\u201c, sagt Frank Pillkahn. 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