{"id":172659,"date":"2025-06-07T21:36:34","date_gmt":"2025-06-07T21:36:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/172659\/"},"modified":"2025-06-07T21:36:34","modified_gmt":"2025-06-07T21:36:34","slug":"schwester-sucht-nach-dem-seit-43-jahren-vermissten-jens-strehmel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/172659\/","title":{"rendered":"Schwester sucht nach dem seit 43 Jahren vermissten Jens Strehmel"},"content":{"rendered":"<p>Vorlesen<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"transition-colors duration-200 cursor-pointer text-inherit no-underline text-black bg-whitelilac rounded-8 grid items-center group py-[6px] px-8 text-12 hover:bg-magenta hover:text-whitelilac gap-8 grid-cols-[min-content_34px] hover:dark:text-salemsfur\" href=\"https:\/\/news.google.com\/publications\/CAAqBwgKMLWxtQswwszMAw\" aria-label=\"Auf Google News folgen\">News folgen<\/a><img style=\"--width:16;--height:16\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/sharing-menu-icon.1eb71368.svg.svg+xml\" alt=\"Teilen Menu auf machen\" title=\"Teilen Menu auf machen\" class=\"&#10;        block&#10;        h-[calc(var(--height)_\/_16_*_1rem)]&#10;        w-[calc(var(--width)_\/_16_*_1rem)]&#10;        max-w-none&#10;        group-hover:invert group-hover:grayscale group-hover:contrast-200 dark:group-hover:invert dark:contrast-200 dark:grayscale dark:invert\" decoding=\"async\"\/>Artikel teilen<\/p>\n<p class=\"font-bold text-18 leading-17\">Vor mehr als 40 Jahren verschwand ein junger Mann in Westberlin. Die Polizei suchte nie nach ihm. Seine Schwester hofft bis heute, ihn wiederzufinden.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Jens Strehmel will zum Arbeitsamt, um sein <a class=\"transition-colors duration-200 cursor-pointer text-inherit no-underline text-salemsfur md:hover:text-magenta md:hover:border-magenta md:focus:text-magenta border-current border-b border-solid break-words\" href=\"https:\/\/www.t-online.de\/themen\/arbeitslosengeld\/\" data-sctrack=\"BodyAnchor\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Arbeitslosengeld<\/a> abzuholen. Damals, im April 1982 in Westberlin, vor mehr als 43 Jahren. Seitdem fehlt von dem damals 21-J\u00e4hrigen jede Spur. Wollte er untertauchen? Ist ihm etwas zugesto\u00dfen? Oder hat er sich gar etwas angetan? Keiner wei\u00df es.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Seine Schwester Jaqueline hat die Hoffnung bis heute nicht aufgegeben, eines Tages noch zu erfahren, was mit Jens passiert ist. Sie ist mittlerweile verheiratet, hei\u00dft Jaqueline J\u00e4nike und arbeitet als Lehrerin an einer Grundschule in <a class=\"transition-colors duration-200 cursor-pointer text-inherit no-underline text-salemsfur md:hover:text-magenta md:hover:border-magenta md:focus:text-magenta border-current border-b border-solid break-words\" href=\"https:\/\/www.t-online.de\/themen\/potsdam\/\" data-sctrack=\"BodyAnchor\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Potsdam<\/a>. &#8222;Moment, ich brauche noch Taschent\u00fccher&#8220;, sagt sie vor dem Gespr\u00e4ch in ihrer Potsdamer Wohnung. Das Verschwinden ihres Bruders geht ihr bis heute sehr nahe. An der Wand h\u00e4ngt ein Bild, auf dem sie und Jens als Kinder mit einem Tigerbaby posieren. &#8222;Das war im Tierpark. Fast jedes DDR-Kind hat so ein Bild&#8220;, sagt J\u00e4nike.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Aufgewachsen sind die Geschwister n\u00e4mlich in Ostberlin. Die Mutter arbeitete in einem Gem\u00fcseladen, der Vater als Ingenieur beim Fernsehen. Irgendwann sei ihr Vater aus der SED ausgetreten, erz\u00e4hlt J\u00e4nike. &#8222;Dann fingen die Repressalien an.&#8220; Ihr Vater sei vom Leiter eines \u00dcbertragungswagens bis zum Pf\u00f6rtner degradiert worden. Sie habe nicht auf die Sportschule gedurft, obwohl sie eine talentierte Leichtathletin war. Die Familie stellt einen Ausreiseantrag. &#8222;Ab da hatten wir keine Freunde mehr an der Schule. Allen wurde verboten, mit uns zu spielen.&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"#focus-1\" class=\"transition-colors duration-200 focus-within:text-magenta block text-current relative\" data-sctrack=\"FocusGalleryImage.Reference\"><img   loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/jaqueline-jaenike-in-ihrem-garten-in-potsdam.jpg\" alt=\"Jaqueline J\u00e4nike in ihrem Garten in Potsdam: &quot;Wenn Jens wieder irgendwas ausgefressen hatte, wurde draufgehauen.&quot;\" title=\"Jaqueline J\u00e4nike in ihrem Garten in Potsdam: &quot;Wenn Jens wieder irgendwas ausgefressen hatte, wurde draufgehauen.&quot;\" width=\"4000\" height=\"2250\" class=\"w-full h-full max-w-full rounded-8\" decoding=\"async\"\/><img style=\"--width:32;--height:32\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/zoom-in.f7dae02f.svg.svg+xml\" alt=\"Vergr\u00f6\u00dfern des Bildes\" title=\"Vergr\u00f6\u00dfern des Bildes\" class=\"&#10;        block&#10;        h-[calc(var(--height)_\/_16_*_1rem)]&#10;        w-[calc(var(--width)_\/_16_*_1rem)]&#10;        max-w-none&#10;        absolute bottom-8 right-8 rounded-4 bg-snow p-8\" decoding=\"async\"\/>Jaqueline J\u00e4nike in ihrem Garten in Potsdam: &#8222;Wenn Jens wieder irgendwas ausgefressen hatte, wurde draufgehauen.&#8220; (Quelle: Yannick von Eisenhart Rothe\/t-online)<\/a><\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">1978 wird der Ausreiseantrag tats\u00e4chlich genehmigt. Die Strehmels beziehen eine kleine Wohnung in Lichtenrade. Jens ist 17 Jahre alt, Jaqueline 16. Sie geht jetzt im Westen auf die Schule und macht ihr <a class=\"transition-colors duration-200 cursor-pointer text-inherit no-underline text-salemsfur md:hover:text-magenta md:hover:border-magenta md:focus:text-magenta border-current border-b border-solid break-words\" href=\"https:\/\/www.t-online.de\/themen\/abitur\/\" data-sctrack=\"BodyAnchor\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Abitur<\/a>. Er nicht. Er hatte die Schule noch in der DDR abgeschlossen. &#8222;Wir waren alle entwurzelt, aber ich hatte immerhin die Schule, um anzukommen. Er hatte erst mal gar nichts&#8220;, sagt J\u00e4nike. Im Winter habe der Bruder gemeinsam mit dem Vater etwas Geld durch Schneeschippen verdient. Etwas sp\u00e4ter habe er sich von zwielichtigen Leuten f\u00fcr eine &#8222;Dr\u00fcckerkolonne&#8220; anwerben lassen, die an T\u00fcren klingelte und Leuten Zeitungsabos aufschwatzte. &#8222;Als er da wieder wegwollte, wollten die ihn nicht gehen lassen. Er musste in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abhauen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Die Kindheit ihres Bruders sei kompliziert gewesen. &#8222;Jens galt als sogenanntes schwieriges Kind&#8220;, sagt J\u00e4nike. Ein kleiner Raufbold sei er gewesen, der h\u00e4ufig angeeckt sei. Aus ihrer heutigen Sicht als P\u00e4dagogin glaubt sie, dass ihr Bruder ein hochsensibles Kind war, das sehr gelitten habe. Unter dem Drill der DDR und unter den Traumata der Eltern.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Der Vater der Strehmels war Jude, Jahrgang 1935. Den Holocaust \u00fcberlebte er als Kind bei Bekannten im Harz, mit einer Schwester und seiner Mutter versteckt im Keller von Herbst 1942 bis Kriegsende. &#8222;Mein Vater hat durch sein Trauma alle seine Probleme und Sorgen mit Humor versteckt&#8220;, sagt J\u00e4nike. Man habe viel Spa\u00df mit ihm haben k\u00f6nnen. &#8222;Aber er konnte nicht erkennen, wenn man ihn als starken Vater brauchte.&#8220;<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Ihre Mutter habe als Kind Gewalt durch ihren Stiefvater erlebt, sagt J\u00e4nike. Das habe sie dann an ihre Kinder weitergegeben. Vor allem Jens habe das abbekommen. &#8222;Wenn er wieder irgendwas ausgefressen hatte, wurde draufgehauen. Statt zu schauen, was ihm eigentlich fehlte.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Heute w\u00fcrde das ganz anders laufen&#8220;<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Ihr eigenes Verh\u00e4ltnis zu ihrem Bruder beschreibt J\u00e4nike als klassisches Geschwisterverh\u00e4ltnis. &#8222;Mal standen wir einander bei, mal haben wir uns fast die Augen ausgekratzt. Wie das bei Kindern eben so ist.&#8220; In Schulsachen h\u00e4tten sie einander ausgeholfen. Er sei k\u00fcnstlerisch sehr begabt gewesen, sie hat ein Sprachtalent. &#8222;Er hat dann Bilder f\u00fcr mich gemalt, ich habe seine Russisch-Hausaufgaben gemacht&#8220;<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Als Jens verschwindet, dauert es ein paar Wochen, bis die Familie sich ernsthafte Sorgen macht. Schlie\u00dflich gehen die Eltern zur Polizei. Dort werden sie abgewimmelt. &#8222;Ihnen wurde gesagt, dass Jens erwachsen ist und damit ein Recht darauf hat, nicht gefunden zu werden&#8220;, sagt J\u00e4nike. Bis heute wurde nie polizeilich nach ihm gesucht. Seine Schwester glaubt, dass die Eltern damals nicht hartn\u00e4ckig genug waren. &#8222;Sie waren noch recht frisch im Westen und eingesch\u00fcchtert von dieser neuen Welt. Heute w\u00fcrde das ganz anders laufen&#8220;, sagt sie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"VorlesenNews folgenArtikel teilen Vor mehr als 40 Jahren verschwand ein junger Mann in Westberlin. 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