{"id":17289,"date":"2025-04-09T03:44:17","date_gmt":"2025-04-09T03:44:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/17289\/"},"modified":"2025-04-09T03:44:17","modified_gmt":"2025-04-09T03:44:17","slug":"schreiben-ohne-lobby-die-freie-szene-beim-muenchner-literaturfest-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/17289\/","title":{"rendered":"Schreiben ohne Lobby: Die freie Szene beim M\u00fcnchner Literaturfest &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">\u201eHunger. Satt. Hunger. Satt\u201c, wiederholt die monotone Stimme aus dem Lautsprecher. Nikolai Vogel kniet mitten im Saal, in der Hand einen Zettel. \u201eMehr oder weniger?\u201c, fragt er in den Raum. Es geht um Ateliers, Bezahlung, Champagner, Demokratie. Systematisch arbeitet sich der M\u00fcnchner K\u00fcnstler durch das Alphabet. Wonach hungert die Kulturszene? Was haben die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler satt? \u201eMehr Zukunft\u201c, postuliert Vogel schlie\u00dflich und legt damit den Grundstein f\u00fcr die Diskussionsrunde.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Einen Tag lang ist die freie Szene in der Monacensia zu Hause. Tags\u00fcber informieren Lesereihen, Schreibwerkst\u00e4tten und Zeitschriften aus <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a> beim Open House \u00fcber ihr Angebot. Die anschlie\u00dfende Diskussionsrunde tr\u00e4gt das Motto: \u201eRecht auf Stadt\u201c. Lisa Jay Jeschke und Chris Reitz haben gemeinsam die M\u00fcnchner Schiene des Literaturfests kuratiert. Gleich zu Beginn wird klar: Es geht um mehr als die Sorgen und N\u00f6te der Kultur. Es geht um Widerstand gegen wuchernde Mieten, um schwindende Freir\u00e4ume f\u00fcr Kunst, Kultur und Natur.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Irene G\u00f6tz, Professorin f\u00fcr empirische Kulturwissenschaft und europ\u00e4ische Ethnologie an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen, geht es nicht prim\u00e4r um die Kultur. In ihrem Buch \u201eKein Ruhestand. Wie Frauen mit Altersarmut umgehen\u201c, besch\u00e4ftigte sie sich 2019 mit dem Tabu der Prekarisierung, also der drohenden Armut und sozialen Ausgrenzung. \u00a0Einerseits seien da die Best Ager, zahlungskr\u00e4ftige Seniorinnen mit Luxusvillen, andererseits die Flaschensammlerinnen, deren magere Rente keine M\u00fcnchner Wohnung erlaubt, geschweige denn, Teilhabe an der Kultur. Die Folge: Alterseinsamkeit auf dem Land.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Auch Nikolai Vogel f\u00fcrchtet die Verdr\u00e4ngung aus den St\u00e4dten. Man werde ja nicht mit offenen Armen empfangen. \u201eInnenst\u00e4dte stehen leer und verfallen\u201c, beklagt der K\u00fcnstler und Sprecher der Platform-Ateliers in Obersendling, \u201eaber Eigent\u00fcmer lassen Objekte lieber leer stehen, als sie billiger zu vermieten\u201c.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/platform-muenchen-kistlerhofstrasse-70-sendling-aus-fuer-ateliers-lux.4q11Fj33X9mkRHbxRc5fej\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Den seit 2009 existierenden Platform-Ateliers droht seit vergangenem Jahr das Aus.<\/a> Schuld seien das klaffende Haushaltsloch und die damit einhergehenden Sparma\u00dfnahmen im Kulturbereich. Die Diskussionsteilnehmer beklagen umfassende K\u00fcrzungen; dabei br\u00e4uchte es noch dringend mehr F\u00f6rderung.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Auf die Frage, ob man von seiner Kunst leben k\u00f6nne, gebe es keine zufriedenstellende Antwort, meint Vogel. Verneinung und Zustimmung w\u00fcrden seiner Erfahrung nach gleicherma\u00dfen Unglauben hervorrufen. Dass viel Arbeit unbezahlt bleibt, sei die Regel, berichtet die M\u00fcnchner Autorin Christina Madenach. Sie kuratiert die Lesereihe \u201eLix\u201c im HochX und leitet eine Romanwerkstatt. Die eigene Kreativit\u00e4t, soweit nicht \u00fcberlebenswichtig, bleibe hintangestellt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">F\u00fcr die Anwesenden ist Prekarisierung kein Fremdwort. Hie und da h\u00f6rt man ein m\u00fcdes, sarkastisches Lachen. \u201eWir haben keine Lobby\u201c, bemerkt Nikolai Vogel trocken. Doch mit einer solch niederschmetternden Erkenntnis kann und will man sich an diesem Abend nicht zufriedengeben. Christina Madenach fordert mehr Sicherheit bei der Planung von Kulturprojekten, mehrj\u00e4hrige F\u00f6rderungen und niedrigschwellige Antr\u00e4ge. Es soll mehr Raum f\u00fcr Inklusion, Experimente und faire Honorare geben. \u201eWie viele Menschen gibt es, die potenziell schreiben, Theater spielen wollen?\u201c, fragt sie. Recht auf Stadt hei\u00dfe auch Recht auf Kulturmachen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">F\u00fcr Aufbruchstimmung sorgt eine, die nicht zur Diskussionsrunde geh\u00f6rt. Gleich zweimal unterbricht <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/kuenstliche-intelligenz-literatur-autorenrechte-urheberrecht-monika-pfundmeier-interview-1.6114682\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Monika Pfundmeier<\/a> aus dem Publikum die Runde. Die Autorin ist im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller Bayern aktiv. Leidenschaftlich wirbt sie daf\u00fcr, in Gewerkschaften und Verb\u00e4nden gemeinsam f\u00fcr die Rechte aller Kulturschaffenden einzutreten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Je schwieriger die Umst\u00e4nde, desto weniger Freiraum bleibe den Betroffenen, sich zu organisieren, so zitiert Irene G\u00f6tz den franz\u00f6sischen Soziologen Pierre Bourdieu. Doch das sei kein Grund aufzugeben. \u201eWir m\u00fcssen Geschichten erz\u00e4hlen, die Spa\u00df und Hoffnung machen\u201c, sagt Vogel. M\u00fcnchen ben\u00f6tige die Kultur, denn auf ihr fu\u00dfe die Beliebtheit der Landeshauptstadt. \u201eVielleicht kann Kunst mehr wachr\u00fctteln, als man glaubt\u201c, f\u00fcgt G\u00f6tz hinzu, \u201evielleicht hat Bourdieu doch unrecht.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eHunger. Satt. Hunger. 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