{"id":173169,"date":"2025-06-08T02:26:10","date_gmt":"2025-06-08T02:26:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/173169\/"},"modified":"2025-06-08T02:26:10","modified_gmt":"2025-06-08T02:26:10","slug":"erstmals-soll-in-deutschland-ein-goldschakal-erschossen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/173169\/","title":{"rendered":"Erstmals soll in Deutschland ein Goldschakal erschossen werden."},"content":{"rendered":"<p>Schakaljagd auf Sylt &#8211; das mag nach Aprilscherz klingen, passiert aber gerade wirklich. Etwa 20 bis 30 J\u00e4gerinnen und J\u00e4ger versuchten, das Tier auf seinen n\u00e4chtlichen Streifg\u00e4ngen vors Gewehr zu bekommen, sagte Manfred Uekermann, der stellvertretende Kreisj\u00e4germeister Nordfrieslands. Es w\u00e4re der erste beh\u00f6rdlich genehmigte und best\u00e4tigte Abschuss eines Goldschakals in Deutschland, wie es vom Deutschen Jagdverband (DJV) hei\u00dft.<\/p>\n<p>Gibt es Schakale nicht nur in der Steppe?<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist der Goldschakal (Canis aureus) &#8211; anders als der Wolf, der hier vor seiner Ausrottung schon einmal heimisch war &#8211; ein Neuank\u00f6mmling in Deutschland und anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Besonders h\u00e4ufig sind Goldschakale im Nahen Osten, in Indien und in weiteren Regionen Asiens.<\/p>\n<p>In Europa siedelten Goldschakale als einzige hier vorkommende Schakalart urspr\u00fcnglich vor allem im s\u00fcd\u00f6stlichen Balkan, breiten sich aber immer mehr Richtung Norden und Westen aus. In der afrikanischen Savanne lebt der Schabrackenschakal (Canis mesomelas), in Afrika s\u00fcdlich der Sahara der Streifenschakal (Canis adustus).<\/p>\n<p>Warum soll der Schakal auf Sylt sterben?<\/p>\n<p>Goldschakale sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders gesch\u00fctzt und geh\u00f6ren hierzulande nicht zu den regul\u00e4r jagdbaren Arten. Der Schakal hat auf Sylt aber zahlreiche L\u00e4mmer gerissen. Das Landesamt f\u00fcr Umwelt in Schleswig-Holstein erteilte daraufhin eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung.<\/p>\n<p>\u00abIn diesem Fall liegen gleich drei gewichtige Gr\u00fcnde vor, deshalb bef\u00fcrworte ich eine Ausnahmegenehmigung durch das Landesamt f\u00fcr Umwelt\u00bb, hatte Umweltminister Tobias Goldschmidt (Gr\u00fcne) erkl\u00e4rt. Es gehe darum, weitere Sch\u00e4den bei Nutztieren zu verhindern. Das Tier bedeute auch eine Gefahr f\u00fcr Bodenbr\u00fcter. \u00abZudem hat die Deichsch\u00e4ferei eine besondere Bedeutung f\u00fcr den K\u00fcstenschutz.\u00bb<\/p>\n<p>Schafe sind in vielen Regionen ein zentrales Element des nat\u00fcrlichen Deichschutzes. Der kurz gehaltene Grasbewuchs sch\u00fctzt ebenso wie die Bodenverdichtung durch das Herumlaufen der Tiere und das Wegfressen von Geh\u00f6lzsch\u00f6\u00dflingen vor Erosion.<\/p>\n<p>Warum t\u00f6tet der Schakal mehr L\u00e4mmer, als er fressen kann?<\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen der Mehrfacht\u00f6tung durch Raubtiere &#8211; Surplus Killing genannt &#8211; tritt meist auf, wenn Beutetiere eingez\u00e4unt sind. Die Schafe auf Sylt k\u00f6nnen weder effektiv fliehen noch sich verteidigen. Ihr Herumlaufen l\u00f6st den Beutefangreflex immer wieder aufs Neue aus &#8211; in freier Wildbahn hingegen w\u00fcrden die anderen Tiere einer Herde hingegen verschwinden, wenn eines erbeutet wurde.<\/p>\n<p>Bekannt ist das Ph\u00e4nomen zum Beispiel auch von W\u00f6lfen, die viele Tiere einer Nutztier-Herde t\u00f6ten k\u00f6nnen, oder von in H\u00fchnerst\u00e4lle eindringenden Mardern und F\u00fcchsen. Typisch f\u00fcr Goldschakale ist zudem, dass sie Vorr\u00e4te mit Kadavern anlegen, die sich nicht gleich fressen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ist denn sicher, dass ein Schakal der \u00dcbelt\u00e4ter ist?<\/p>\n<p>Ja. Tats\u00e4chlich werden Schafe und L\u00e4mmer oft von freilaufenden Hunden get\u00f6tet. Dass f\u00fcr die rund 100 Risse auf Sylt seit 19. Mai ein Goldschakal verantwortlich ist, wurde aber gesichert \u00fcber Proben genetisch nachgewiesen. Zudem gibt es mit Handy und Wildtierkamera gemachte Aufnahmen.<\/p>\n<p>Wie kam der Schakal auf die Insel?<\/p>\n<p>Gesehen hat das wohl niemand. Sylt ist \u00fcber den etwa acht Kilometer durchs Wattenmeer f\u00fchrenden Hindenburgdamm mit dem Festland verbunden, \u00fcber den das Tier vermutlich gelaufen ist. Von Rehen und anderen Arten ist bekannt, dass sie den Damm als Weg zur Insel nutzen. Hundeartige wie Wolf, Kojote und Schakal k\u00f6nnen aber auch schwimmen.<\/p>\n<p>Gibt es Goldschakale \u00fcberall in Deutschland?<\/p>\n<p>Weitgehend. Erste best\u00e4tigte Nachweise gab es 1997 im s\u00fcdlichen Brandenburg. In den Jahren darauf folgten Dutzende Sichtungen in immer mehr Bundesl\u00e4ndern, zuletzt in Rheinland-Pfalz. Gesamtzahlen f\u00fcr Deutschland sind bislang nicht bekannt.<\/p>\n<p>Die Art breitet sich der Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) zufolge in Mittel-, West- und Nordeuropa aus. Wandernde Goldschakale k\u00f6nnen dem Naturschutzbund (Nabu) zufolge bei der Suche nach neuen Revieren erhebliche Strecken von mehreren hundert Kilometern zur\u00fccklegen. Nach LCIE-Hochrechnungen leben inzwischen etwa 150.000 Goldschakale in Europa. Zum Vergleich: Der Wolfsbestand in dieser Region wird auf 23.000 Tiere gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Muss ich Angst vor einem Goldschakal haben?<\/p>\n<p>Nein. Die sehr scheuen Tiere meiden den Kontakt mit Menschen und sind keine Gefahr, auch nicht f\u00fcr ausgewachsene Rinder oder Pferde &#8211; f\u00fcr kleinere Nutztiere wie Schafe oder Ziegen aber schon.<\/p>\n<p>Warum habe ich noch nie einen gesehen?<\/p>\n<p>Der kleine Bruder des Wolfes macht sich weitgehend unbemerkt auf den Weg in immer neue Gefilde: Er ist scheu, nachtaktiv und recht leicht mit einem Fuchs oder auch einem schlanken Hund zu verwechseln. Direkte Beobachtungen sind selten, die meisten Nachweise werden durch Fotofallen erbracht.\u00a0<\/p>\n<p>Wie erkenne ich so ein Tier?<\/p>\n<p>Der Goldschakal verdankt seinen Namen seiner oft gelbgrauen Fellf\u00e4rbung. Er hat einen fuchs\u00e4hnlichen Puschelschwanz und wiegt etwa zehn Kilogramm. Damit ist er gr\u00f6\u00dfer als ein Fuchs und kleiner als ein Wolf, mit dem er eng verwandt ist.<\/p>\n<p>Der Goldschakal wirkt hochbeiniger als ein Fuchs und hat anders als dieser meist keine helle, sondern eine dunkle Schwanzspitze. Typisch sind zudem die Winsel-, Heul- und Belllaute der Tiere, mit denen sie sich verst\u00e4ndigen.<\/p>\n<p>Wie verhalten sich Goldschakale und was fressen sie?<\/p>\n<p>Goldschakale leben oft im Familienverband aus den Eltern und ihrem j\u00fcngeren Nachwuchs. \u00c4ltere Jungtiere wandern ab und suchen eigene Reviere. Paare bleiben lebenslang zusammen.<\/p>\n<p>Zum bevorzugten Lebensraum geh\u00f6ren Feuchtgebiete, die Tiere passen sich aber gut an ganz verschiedene Lebensr\u00e4ume und Kulturlandschaften an. In Wolfsterritorien lassen sie sich allerdings ungern nieder: Der gro\u00dfe Bruder stellt eine t\u00f6dliche Gefahr dar.<\/p>\n<p>Goldschakale sind Allesfresser. Sie futtern Kleins\u00e4uger, Amphibien und Fische ebenso wie Insekten, Aas und pflanzliche Nahrung wie \u00c4pfel und Fr\u00fcchte. An seine Beute schleicht sich ein Goldschakal \u00e4hnlich wie ein Fuchs an und springt dann \u00fcberraschend auf sie los.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schakaljagd auf Sylt &#8211; das mag nach Aprilscherz klingen, passiert aber gerade wirklich. 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