{"id":173439,"date":"2025-06-08T05:01:15","date_gmt":"2025-06-08T05:01:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/173439\/"},"modified":"2025-06-08T05:01:15","modified_gmt":"2025-06-08T05:01:15","slug":"grossbritannien-oekolinker-populismus-als-ziel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/173439\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfbritannien \u2013 \u00d6kolinker Populismus als Ziel"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img306745\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/306745.jpeg\" alt=\"\u00bbWir brauchen eine Partei, die mutiger ist\u00ab: Zack Polanski will Vorsitzender der Gr\u00fcnen werden. Im Bild bei einer Demo gegen das \u00d6l- und Gasfeld Rosebank 2023.\"\/><\/p>\n<p>\u00bbWir brauchen eine Partei, die mutiger ist\u00ab: Zack Polanski will Vorsitzender der Gr\u00fcnen werden. Im Bild bei einer Demo gegen das \u00d6l- und Gasfeld Rosebank 2023.<\/p>\n<p>Foto: IMAGO\/ZUMA Wire<\/p>\n<p>Zumindest in einem Punkt herrscht Einvernehmen: nicht Labour. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190515.grossbritannien-labour-zurueck-zum-kahlschlag.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Viele linke W\u00e4hler sind emp\u00f6rt \u00fcber die Sparpolitik<\/a>, die Premierminister Keir Starmer verordnet hat, entsetzt \u00fcber seine scharfe Rhetorik \u00fcber Migranten, ern\u00fcchtert angesichts der Aufweichung der Klimapolitik. Unter seiner F\u00fchrung hat sich Labour so weit nach rechts bewegt, dass sich ein wachsender Teil der progressiven W\u00e4hlerschaft ein Votum f\u00fcr die nominell sozialdemokratische Partei nicht mehr vorstellen kann.<\/p>\n<p>Uneinig ist man sich jedoch dar\u00fcber, welche Alternative die beste ist. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190408.grossbritannien-enttaeuschte-linke-denken-ueber-neue-partei-nach.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sollte eine neue landesweite Partei gegr\u00fcndet werden?<\/a> Oder w\u00e4re es besser, auf lokaler Ebene anzufangen, wie es etwa die Liverpool Community Independents tun? Oder sollte man zun\u00e4chst Basisarbeit betreiben, sich in sozialen Bewegungen engagieren? Manche verweisen auf eine weitere M\u00f6glichkeit: die Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p>Die Partei erzielte in den Wahlen vom Juli 2024 einen kleinen Durchbruch. Die Green Party of England and Wales (die Gr\u00fcnen in Schottland und Nordirland sind separate Parteien) gewann \u00fcber 1,8 Millionen Stimmen, das sind mehr als doppelt so viele wie 2019. Das britische Mehrheitswahlrecht verhinderte zwar, dass sich dies in eine entsprechende Anzahl an Sitzen im Parlament \u00fcbersetzte; aber immerhin gewannen die Gr\u00fcnen vier Mandate \u2013 drei mehr als bislang. In 39 von 575 Wahlkreisen kamen sie hinter Labour an zweiter Stelle.<strong> <\/strong>In ganz Gro\u00dfbritannien kamen die Gr\u00fcnen auf knapp sieben Prozent der Stimmen \u2013 vier Prozentpunkte mehr als 2019.<\/p>\n<p>Sie erreichten diesen Erfolg durch dezidiert progressive Forderungen<strong>.<\/strong> In ihrem Wahlprogramm versprachen die Gr\u00fcnen unter anderem den Bau Hunderttausender Sozialwohnungen, ein Ende der Privatisierung im staatlichen Gesundheitsdienst, die Verstaatlichung der Wasser- und Energieversorgung, Steuererh\u00f6hungen f\u00fcr \u00d6lkonzerne und Reiche, eine St\u00e4rkung der Rechte von Besch\u00e4ftigten sowie massive Investitionen in erneuerbare Energien.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>Den Wahlerfolg haben die Gr\u00fcnen mit dezidiert progressiven Forderungen erzielt.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#8211;<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit diesen Vorschl\u00e4gen gelang es der Green Party, bei verschiedenen W\u00e4hlergruppen Unterst\u00fctzung zu gewinnen. Lange Zeit wurde die Partei als eine Bastion der wei\u00dfen Mittelklasse bel\u00e4chelt \u2013 Umweltfreunde mit Bambus-Kaffeebechern, die es sich leisten k\u00f6nnen, f\u00fcr eine Partei zu stimmen, die sowieso nie an der Regierung sein wird. Aber das hat sich ge\u00e4ndert. In den vergangenen Jahren hat sie mehr j\u00fcngere Leute angelockt, insbesondere Uniabsolventen in den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten. Dar\u00fcber hinaus hat sie vermehrt ethnische Minderheiten f\u00fcr sich gewonnen sowie muslimische W\u00e4hler. Letzteres hat insbesondere mit ihrer klaren Haltung zum Krieg in Gaza zu tun: Anders als die Labour-Partei forderten die Gr\u00fcnen schon fr\u00fch einen Waffenstillstand und ein Ende der britischen Waffenlieferungen an Israel.<\/p>\n<p>Aber seit den Wahlen ist es eher still geworden um die Gr\u00fcnen. Sie haben es kaum geschafft, \u00f6ffentlichkeitswirksam in die politischen Debatten zu intervenieren, ihr Profil bleibt blass, die Umfragewerte stagnieren. Das liegt sicherlich auch an den Medien, die wenig Interesse haben an den Greens \u2013 im Unterschied etwa zu Nigel Farage von der Rechtspartei Reform UK, der bei jeder Gelegenheit in Fernsehstudios oder zu Interviews eingeladen wird. Hinzu kommt: Die Gr\u00fcnen haben mit Carla Denyer und Adrian Ramsey eine Doppelspitze, und sowohl sie als auch er sind betont zur\u00fcckhaltend. <strong> <\/strong><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Farage halten sie sich an die freundlichen Gepflogenheiten der Westminster-Gesellschaft, sie sind brav und scheuen sich vor Kontroversen. \u00bbDenyer und Ramsay scheinen nette Leute zu sein\u00ab, schrieb Joe Todd, Organiser und ehemaliger Labour-Aktivist unter Jeremy Corbyn, vor einigen Monaten auf Novara Media. \u00bbAber das ist genau das Problem. Die Leute sind w\u00fctend, und sie wollen, dass ihre Politiker mit ihnen w\u00fctend sind.\u00ab Er verweist auf den Erfolg der deutschen Linkspartei in den Bundestagswahlen im Februar; die \u00bbfeurigen Anti-Establishment-Reden\u00ab von Heidi Reichinnek h\u00e4tten zumindest teilweise zu diesem Erfolg beigetragen. So etwas sei auch in Gro\u00dfbritannien m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Hier kommt Zack Polanski ins Spiel. Der 42-j\u00e4hrige Vizechef der Green Party, der seit vier Jahren als Abgeordneter im Londoner Regionalparlament sitzt, hat k\u00fcrzlich angek\u00fcndigt, in den kommenden F\u00fchrungswahlen im August anzutreten \u2013 er will Denyer und Ramsay als Parteichef abl\u00f6sen. Seine Motivation entspringt genau der Kritik, die viele Linke an seine Partei richten: Sie sei zu lahm und zu nett. \u00bbWir brauchen eine Partei, die mutiger ist\u00ab, sagte er in dem kurzen Video, in dem er Anfang Mai seine Kandidatur bekanntgab. Er spricht von einem \u00bb\u00d6kopopulismus\u00ab, der sich gleicherma\u00dfen gegen die Klimakrise wie die gesellschaftliche Ungleichheit richtet: gegen das Gro\u00dfkapital, die Waffenkonzerne und die \u00d6lindustrie \u2013 und der dies auf offensive Weise klarmacht. Man gewinne nicht, \u00bbindem man h\u00f6flich mit einem System weitermacht, das das Leben der Menschen zerst\u00f6rt\u00ab, sagte er in einem Interview mit Open Democracy. Stattdessen m\u00fcssten die Gr\u00fcnen \u00bbklar sagen, wof\u00fcr wir stehen und wogegen wir sind \u2013 ohne uns zu entschuldigen\u00ab.<\/p>\n<p>\u00d6kopopulismus bedeute f\u00fcr ihn auch, die Lebensrealit\u00e4t von vielen Menschen anzuerkennen: Wer sich Sorgen mache, ob das Geld f\u00fcrs Essen und die Heizung reicht, f\u00fcr den habe die Klimakrise nicht die h\u00f6chste politische Priorit\u00e4t. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, die konkreten Probleme der Menschen mit der Klimakrise zu verbinden, etwa, indem man auf die Macht der Konzerne und den Einfluss der Milliard\u00e4rsklasse abhebt.<\/p>\n<p>Er stellt dabei die Graswurzelarbeit in den Vordergrund, also Organizing an der Basis. \u00bbDie Leute sind manchmal besessen von Westminster\u00ab, sagte er. \u00bbAber Parlamentsabgeordnete zu gewinnen, steht am Ende des Prozesses. Entscheidend ist, wie man dorthin gelangt, also wie man die Leute einbindet.\u00ab Daf\u00fcr m\u00fcsse man auch mit jenen Leuten reden, die anderer Meinung sind \u2013 darunter W\u00e4hler von Reform UK. Er verweist auf das Beispiel USA: \u00bbViele Leute, die [den linken demokratischen Pr\u00e4sidentschaftsanw\u00e4rter] Bernie Sanders unterst\u00fctzen, w\u00e4hlten sp\u00e4ter Donald Trump.\u00ab Diese Leute h\u00e4tten nicht vom linken politischen Lager ins rechte gewechselt \u2013 vielmehr h\u00e4tten sie in Sanders jemanden gesehen, der ihre Probleme ernst nahm und mit Leidenschaft redete. Eine klare und populistische Botschaft sei also entscheidend, um der Rechten den Boden streitig zu machen und W\u00e4hler f\u00fcr eine progressive Alternative zu gewinnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00bbWir brauchen eine Partei, die mutiger ist\u00ab: Zack Polanski will Vorsitzender der Gr\u00fcnen werden. 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