{"id":17382,"date":"2025-04-09T04:39:13","date_gmt":"2025-04-09T04:39:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/17382\/"},"modified":"2025-04-09T04:39:13","modified_gmt":"2025-04-09T04:39:13","slug":"nachgefragt-geheimnisse-einer-stuttgarter-spitzenwaren-firma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/17382\/","title":{"rendered":"Nachgefragt: Geheimnisse einer Stuttgarter Spitzenwaren-Firma"},"content":{"rendered":"<p>Der Berliner Herbert Stattler hat in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart-Bad_Cannstatt\" title=\"Bad Cannstatt\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bad Cannstatt<\/a> in der Galerie Wiedmann seine Kunstwerke Ende des Jahres 2022 ausgestellt, jetzt ist ein Buch daraus entstanden. Unter dem Titel \u201eSpitzenwaren. Ein Album 1900 bis 1954\u201c erscheint es mit Texten von Martin Bauer. Es vereint Kunst und besondere Stuttgarter Firmengeschichte mit historischer Bedeutung.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Herr Stattler, was war der Ausl\u00f6ser respektive der Antrieb daf\u00fcr?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\"> <b\/>In der Ausstellung \u201eSpitzenwaren\u201c konnten die Besucher die originalen Zeichnungen sehen \u2013 doch jede Ausstellung ist an Ort und Zeit gebunden. Im Buch sind die Werke zwar keine Originale, aber in besonderer Druckqualit\u00e4t reproduziert, die dem eigenen Charakter der Bleistiftzeichnungen sehr nahekommen. Und: Jede der 38 Zeichnungen wird von einem begleitenden Essay erg\u00e4nzt, der ihren Hintergrund beleuchtet \u2013 das erm\u00f6glicht nur das Buch.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Sie haben Spitzenwaren gezeichnet von der einstigen Stuttgarter Spitzenwarenfirma Oberdorff &amp; Straub, sich aber auch beispielsweise mit Gesch\u00e4ftspost auseinandersetzt. Was hat Sie dabei erstaunt?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\"> <b\/>Beim Durchsehen der Dokumente wurde f\u00fcr mich deutlich, wie stark historische Umbr\u00fcche auf ein Unternehmen einwirken \u2013 und auf die Menschen, die dort arbeiten. Wir sprechen hier von der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts, vom Ersten Weltkrieg, der Weltwirtschaftskrise und der NS-Diktatur bis zur Nachkriegszeit. Das hinterl\u00e4sst Spuren \u2013 in der Gesch\u00e4ftskorrespondenz gleicherma\u00dfen wie in den Entw\u00fcrfen f\u00fcr die Spitzen.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Die Firmenkorrespondenz ist im Buch k\u00fcnstlerisch verarbeitet, aber auch inhaltlich. Was ist f\u00fcr Sie inhaltlich wichtig und \u00fcberraschend gewesen, k\u00f6nnen Sie ein Beispiel geben?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\"> <b\/>Nehmen wir die Adresshefte, die von den Handelsvertretern der Firma benutzt wurden. Diese reisten mit Musterkoffern durch Europa, um die Spitzenwaren an die gro\u00dfen Kaufh\u00e4user und Fachh\u00e4ndler zu verkaufen. In so einem Adressheft waren unter den Namen der St\u00e4dte die Anschriften der dort zu besuchenden H\u00e4ndler verzeichnet. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgart-im-zweiten-weltkrieg-der-judenladen-in-der-seestrasse-perfides-spiel-mit-gestellten-bildern.c4ce5ed1-19a9-49cf-aa70-073ecae66ead.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Manchmal finden sich kleine Randbemerkungen zu den jeweiligen Kunden<\/a>, etwa \u201eist faul\u201c oder \u201ePlatz zu besuchen ist nicht lohnend\u201c. Doch dann tauchen Eintragungen auf, in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.filmprojekt-stuttgart-im-zweiten-weltkrieg-folge-4-offene-luegen-ueber-den-judenladen-in-der-seestrasse.bea1229d-4dd1-4572-a477-9f76c10f2821.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">denen ein Name durchgestrichen und mit einem Judenstern <\/a>versehen ist. Ich sitze also im Archiv und bemerke, was diese kleine Markierung mit blauem Buntstift bezeugt, en passant, einfach beil\u00e4ufig, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgart-im-zweiten-weltkrieg-das-gift-der-propaganda-und-was-dagegen-hilft.33ca766a-c7a4-4857-a015-8bf977228d75.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">n\u00e4mlich dass eine Katastrophe geschieht<\/a>. Es sind winzige <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.filmprojekt-stuttgart-im-zweiten-weltkrieg-nie-gesehene-bilder-aus-dem-krieg-neue-serie-mit-14-filmen.e6c5d5c7-669d-4772-adfb-046476e4a0ae.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spuren der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik<\/a>. Das musste ich unbedingt zeichnen und im Buch festhalten.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Was erhoffen Sie sich mit dem Buch, wen m\u00f6chten Sie damit ansprechen?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\"> <b\/>Alle, die sich f\u00fcr die Verbindung von Wirtschaft und Geschichte auf der einen Seite und dessen k\u00fcnstlerische Umsetzung auf der anderen interessieren. F\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stolpersteine-in-stuttgart-ein-mahnmal-das-waechst-und-waechst.9de8198f-6f20-4799-8c79-850cab020ec0.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lebenswege hinter einem Unternehmen <\/a>\u2013 f\u00fcr Erfolge, Br\u00fcche, Verluste und wie man diese Entwicklung anschaulich machen kann. Das Buch richtet sich dar\u00fcber hinaus nicht nur an ein Stuttgarter Publikum, sondern an alle, die einem Zusammenhang von pers\u00f6nlichen Geschichten und historischen Entwicklungen nachgehen wollen. <\/p>\n<p>Spitzenwaren. Ein Album 1900 bis 1954, Herbert Stattler mit Texten von Martin Bauer, Spector Books, Leipzig, ISBN 978-3-95905-883-4, 168 Seiten, 86 Euro. Das Buch wird am 10. Mai in Berlin in der Galerie Vincenz Sala um 18 Uhr vorgestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Berliner Herbert Stattler hat in Bad Cannstatt in der Galerie Wiedmann seine Kunstwerke Ende des Jahres 2022&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":17383,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,11374,30,11376,11375,1441,5251],"class_list":{"0":"post-17382","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-galerie-wiedmann","12":"tag-germany","13":"tag-herbert-stattler","14":"tag-spitzenwaren","15":"tag-stuttgart","16":"tag-stuttgart-bad-cannstatt"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114306165206419683","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17382","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17382"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17382\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17383"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17382"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17382"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17382"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}