{"id":173824,"date":"2025-06-08T08:43:14","date_gmt":"2025-06-08T08:43:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/173824\/"},"modified":"2025-06-08T08:43:14","modified_gmt":"2025-06-08T08:43:14","slug":"laerm-mindern-fuer-den-artenschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/173824\/","title":{"rendered":"L\u00e4rm mindern f\u00fcr den Artenschutz"},"content":{"rendered":"<p>Wale sind soziale Wesen. Sie leben in Gruppen, ziehen gemeinsam durchs Meer. Dabei kommunizieren die S\u00e4ugetiere \u00fcber tausende Kilometer Entfernung miteinander. Doch seit Aufkommen der motorisierten Schifffahrt ist die Reichweite ihrer Kommunikation erheblich geschrumpft, denn der L\u00e4rm von Schiffspropellern st\u00f6rt die Tiere: \u201eStellen Sie sich einen Konzertsaal vor, in dem dutzende Menschen miteinander sprechen. Wie k\u00f6nnen sich da zwei Personen, die an gegen\u00fcberliegenden Ecken des Raumes stehen, miteinander unterhalten?\u201c, zieht Leonie F\u00f6hring, Doktorandin an der Fachhochschule Kiel, einen anschaulichen Vergleich. Sie forscht zur Emission von L\u00e4rm, die durch Kavitation an Schiffspropellern entsteht.<\/p>\n<p>Kavitation? \u201eWasser verdampft bei hohen Temperaturen \u2013 wenn der Druck stark absinkt, auch schon bei Umgebungstemperatur\u201c, erkl\u00e4rt F\u00f6hring. \u201eBeim Verdampfen bilden sich Dampfblasen. Gelangen diese anschlie\u00dfend in einen Bereich mit h\u00f6herem Druck, fallen sie in sich zusammen. Bei dieser kraftvollen Implosion entsteht auch L\u00e4rm. F\u00f6hring: \u201eTypische Schiffspropeller von Handelsschiffen zeigen das Ph\u00e4nomen der Kavitation. An den Bl\u00e4ttern der Propeller entsteht ein starker Unterdruck, der die Dampfblasen erzeugt.\u201c An Bord kann die Ausbreitung des L\u00e4rms eingeschr\u00e4nkt werden, unter Wasser ist das kaum m\u00f6glich. Eine Folge: Stress f\u00fcr die Meeresbewohner.<\/p>\n<p><strong>Kavitation im Tunnel<\/strong><\/p>\n<p>Das physikalische Ph\u00e4nomen k\u00f6nnen Wissenschaftler*innen an der FH Kiel im Kavitationstunnel des Schiffbaustr\u00f6mungslabors simulieren, einer gro\u00dfen, in sich geschlossenen R\u00f6hre, die vollkommen mit Wasser gef\u00fcllt ist. Ein Propeller treibt die Fl\u00fcssigkeit darin an, sodass eine Str\u00f6mung entsteht. Ein gl\u00e4sernes Fenster an der oberen Seite des Tunnels erlaubt den Blick ins Innere. An dieser Stelle platzieren die Wissenschaftler*innen Modelle von Schiffspropellern und Tragfl\u00e4chen. Um die Verh\u00e4ltnisse am Originalpropeller nachzubilden, senkt eine Vakuumpumpe den Druck im Tunnel ab.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kavitationskanal_1.jpg\" alt=\"Kavitationskanal\" title=\"\" class=\"img-fluid test\"\/>\u00a9F. KleinMithilfe eines Kamerasystems und eines PIV-Aufbaus (Particle Image Velocimetry) k\u00f6nnen die Wissenschaftler*innen die Str\u00f6mung untersuchen.<\/p>\n<p>Um zu verstehen, was an den Modellen passiert, machen die Wissenschaftler*innen in Zusammenarbeit mit dem Labor f\u00fcr numerische Mechanik und Str\u00f6mungsmesstechnik die Str\u00f6mung mithilfe von Particle Image Velocimetry, kurz PIV, sichtbar: Dazu versetzen sie das Wasser im Kavitationstunnel mit kleinen Kunststoffpartikeln. Diese reflektieren das Licht eines Lasers, der das Wasser bestrahlt. Zur gleichen Zeit fotografiert eine Kamera den Versuch in zeitlich kurzen Abst\u00e4nden. Anhand zweier Momentaufnahmen k\u00f6nnen die Wissenschaftler*innen die Verschiebung der Partikel betrachten und R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Str\u00f6mung ziehen. Und noch mehr erkl\u00e4rt F\u00f6hring: \u201eDie Dampfblase selbst f\u00e4llt durch Abwesenheit von Partikeln auf, gleichzeitig k\u00f6nnen wir das Verhalten der Str\u00f6mung um die Blase herum beobachten.\u201c<\/p>\n<p><strong>Den Zerfallsprozess verlangsamen<\/strong><\/p>\n<p>Doch wie l\u00e4sst sich Kavitationsl\u00e4rm reduzieren? Laut F\u00f6hring wird bisher meist versucht, die Kavitation an sich zu verkleinern. Das Problem: \u201eDas bezahlt man in der Regel mit einem Verlust des Wirkungsgrads\u201c, wei\u00df die Doktorandin. \u201eUnd das f\u00fchrt wiederum zu einem erh\u00f6hten Treibstoffverbrauch.\u201c Eine andere M\u00f6glichkeit: Schiffe k\u00f6nnten ihre Geschwindigkeit drosseln und eine l\u00e4ngere Fahrtzeit in Kauf nehmen. Dann w\u00fcrde der Druck am Propeller nicht so stark abfallen, Kavitation vermieden und Treibstoff gespart werden. Doch auch in der Schifffahrt ist Zeit Geld.<\/p>\n<p>Deshalb ist das Ziel von F\u00f6hrings Forschungen ein anderes: hohe Effizienz bei niedriger Ger\u00e4uschemission \u2013 Naturschutz, der Hand in Hand mit dem Klimaschutz geht. \u201eWir versuchen, zu verstehen, was dieses Ph\u00e4nomen so laut macht\u201c, erkl\u00e4rt F\u00f6hring und erg\u00e4nzt: \u201eWir wissen bereits, dass es eine entscheidende Rolle spielt, wie rapide der Zerfallsprozess abl\u00e4uft.\u201c W\u00fcrde die Blase langsamer kollabieren, w\u00e4re das Ger\u00e4usch wesentlich leiser. Die Wissenschaftlerin will herausfinden, welche Bedingungen dieses Szenario beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kavitationskanal_2.jpg\" alt=\"Kavitationskanal\" title=\"\" class=\"img-fluid test\"\/>\u00a9F. KleinIm Kavitationstunnel k\u00f6nnen Wissenschaftler*innen der FH Kiel k\u00fcnstlich Kavitation erzeugen.<\/p>\n<p>Das Problem mit der Kavitation ist im Schiffsbau bereits seit Jahrzehnten bekannt. Leider l\u00e4sst sich die L\u00e4rmbelastung schwer vorhersagen \u2013 im Gegensatz zu Dingen wie Antriebsleitung oder Widerstand des Schiffs. Sicher ist jedoch, dass der L\u00e4rm eines Schiffspropellers Wale in ihrem Verhalten beeintr\u00e4chtigt \u2013 ob Kommunikation, Nahrungs- und Partnersuche. Auch deshalb sind viele Walarten vom Aussterben bedroht. Eine technische L\u00f6sung, die weder Abstriche bez\u00fcglich Natur- und Klimaschutz macht, w\u00fcrde einen wichtigen Teil zum Artschutz beitragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wale sind soziale Wesen. Sie leben in Gruppen, ziehen gemeinsam durchs Meer. 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