{"id":174012,"date":"2025-06-08T10:26:14","date_gmt":"2025-06-08T10:26:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/174012\/"},"modified":"2025-06-08T10:26:14","modified_gmt":"2025-06-08T10:26:14","slug":"ohne-auslaendische-pflegekraefte-aufgeschmissen-kritik-an-britischer-migrationspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/174012\/","title":{"rendered":"Ohne ausl\u00e4ndische Pflegekr\u00e4fte aufgeschmissen &#8211; Kritik an britischer Migrationspolitik"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 08.06.2025 11:43 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die britische Labour-Regierung hat neue, strenge Einwanderungsgesetze angek\u00fcndigt. So sollen etwa Pflegekr\u00e4fte k\u00fcnftig nicht mehr aus dem Ausland rekrutiert werden, obwohl sie f\u00fcr die Gesundheitsbranche unverzichtbar sind.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/mareike-aden-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Mareike Aden\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/mareike-aden-102.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;One, two, three &#8211; und jetzt mit den Armen kreisen.&#8220; Im Victoria Care Center, einem Pflegeheim im Westen Londons, hat gerade die sogenannte Activity Time begonnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEtwa ein Dutzend Bewohnerinnen und Bewohner sind im Gemeinschaftsraum versammelt. Die meisten sitzen im Rollstuhl und werden wegen Demenz oder anderer neurologischer Erkrankungen betreut.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZun\u00e4chst sollen sie mit den Armen rudern, dann &#8211; so fest es geht &#8211; in die Handfl\u00e4chen ihrer Pflegerinnen und Pfleger boxen. Die kommen von den Philippinen, aus Indien oder Zimbabwe.<\/p>\n<p>    Einheimische Pfleger ziehen oft weiter<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Ohne ausl\u00e4ndische Pflegekr\u00e4fte w\u00fcrde hier alles zusammenbrechen&#8220;, sagt Rachel, eine Frau Mitte vierzig, die seit zwei Jahren im Heim lebt.<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>\n                    Wir brauchen sie f\u00fcr alles, vom Moment des Aufstehens bis zum Schlafengehen. Nat\u00fcrlich hatten wir auch schon Pfleger aus England, aber die bleiben meist nicht lang und sind oft weniger engagiert. Die warten nur auf einen besser bezahlten Job.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Rachel lebt im Pflegeheim Victoria Care Center im Westen Londons. Sie f\u00fcrchtet, dass Angebote wie die Activity Time k\u00fcnftig ausfallen, sollte es bald keine ausl\u00e4ndischen Pflegekr\u00e4fte mehr geben.\n                    <\/p>\n<p>    Keine speziellen Visa mehr<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn Pflege- und Sozialeinrichtungen im ganzen Vereinigten K\u00f6nigreich spielen Pflegekr\u00e4fte aus asiatischen und afrikanischen L\u00e4ndern eine zentrale Rolle. Seit dem Brexit haben sie vielerorts die Pflegekr\u00e4fte aus EU-L\u00e4ndern ersetzt &#8211; unterst\u00fctzt und gef\u00f6rdert von Politik und Beh\u00f6rden durch spezielle Visa.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch damit soll nun Schluss sein, wie Premierminister Keir Starmer angek\u00fcndigt hat. Die Rekrutierung ausl\u00e4ndischer Pflegekr\u00e4fte werde eingestellt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Erst kam der Brexit, da mussten wir L\u00f6sungen finden und hatten uns gerade dran gew\u00f6hnt.\u00a0Und jetzt das&#8220;, sagt die Direktorin Sadya Bhattarai. &#8222;Diese erneuten \u00c4nderungen k\u00f6nnten f\u00fcr das gesamte Gesundheitswesen noch sch\u00e4dlicher sein. Vielleicht m\u00fcssen Pflegeeinrichtungen sogar schlie\u00dfen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Eine Pflegekraft im Victoria Care Center, einem Pflegeheim im Westen Londons, macht Gymnastik mit Heimbewohnern. Ohne die Pflegenden aus dem Ausland f\u00fcrchten sie hier gro\u00dfe Personall\u00fccken.\n                    <\/p>\n<p>    Premier Starmer: &#8222;Kontrolle \u00fcber Grenzen zur\u00fcckgewinnen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Abschaffung der Care-Worker-Visa, die Pflegekr\u00e4ften bislang den Zugang ins Land und zum britischen Arbeitsmarkt erleichtert haben, sind ein zentraler Baustein der Ma\u00dfnahmen, die Starmer im Mai angek\u00fcndigt hat. Seither werden sie heftig diskutiert. Ziel der Regierung ist es, die Nettozuwanderung zu senken: Im Jahr 2023 erreichte sie mit rund 860.000 Menschen ein Rekordhoch &#8211; trotz Brexit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Die Labour-Regierung schlie\u00dft das Labor &#8211; das Experiment ist vorbei&#8220;, sagte Starmer mit Blick auf die Migrationspolitik der konservativen Vorg\u00e4ngerregierung. &#8222;Wir werden tun, wof\u00fcr die Menschen im Land mehrfach gestimmt haben: die Kontrolle \u00fcber unsere Grenzen zur\u00fcckgewinnen.&#8220;\u00a0\u00dcberall &#8211; bei Arbeitsvisa, Familiennachzug und Studienaufenthalten &#8211; werde es k\u00fcnftig strengere Regeln geben, so Starmer.<\/p>\n<p>    Rhetorik der Rechten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Aufsehen und Aufruhr sorgte vor allem die Wortwahl des Premierministers. Wenn die Zuwanderung so weitergehe, dann &#8211; so warnte er &#8211; drohe Gro\u00dfbritannien zu einer &#8222;Insel der Fremden&#8220; zu werden.\u00a0Auch aus den eigenen Reihen bekam Starmer deutliche Kritik: Die Sprache sei spaltend und erinnere an die Rhetorik der politischen Rechten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nManche f\u00fchlten sich gar an den konservativen Politiker Enoch Powell erinnert. Der warnte 1968 in einer ber\u00fcchtigten Parteitagsrede vor einem angeblichen B\u00fcrgerkrieg infolge von Zuwanderung. Er sprach von &#8222;rivers of blood&#8220;, von Fl\u00fcssen voller Blut, sollte die Einwanderung aus Commonwealth-L\u00e4ndern nicht gestoppt werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nPowell behauptete, wei\u00dfe Briten w\u00fcrden zu Fremden im eigenen Land. Der damalige konservative Oppositionsf\u00fchrer Edward Heath entlie\u00df ihn aus dem Schattenkabinett und bis heute gilt die Rede Powells als Z\u00e4sur in der britischen Einwanderungsdebatte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Leider erinnert die Rhetorik von Starmer in der Tat an Powell&#8220;, kommentierte nun Lord Alfred Dubs, der f\u00fcr Labour im Oberhaus sitzt und in seiner Partei als moralische Instanz in Migrations- und Asylfragen gilt. Dubs kam als Kind mit den sogenannten Kindertransporten aus Prag nach Gro\u00dfbritannien &#8211; und wurde so vor den Nazis gerettet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wenn Politiker solche Worte w\u00e4hlen, f\u00fchrt das dazu, dass Neuank\u00f6mmlinge vielen Menschen nicht mehr willkommen sind&#8220;, sagte er. Und Dubs f\u00fcgte hinzu: &#8222;Das ist eigentlich nicht der Starmer, den wir kennen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nViele vermuten &#8211; und darauf spielt auch Dubs an &#8211; dass Starmer so drastische Worte w\u00e4hlte, um den steigenden Umfragewerten der rechtspopulistischen Reform-Partei von Nigel Farage etwas entgegenzusetzen. Die Reform-Partei hatte zuletzt auch bei den Kommunalwahlen gro\u00dfe Erfolge erzielt.<\/p>\n<p>    Entt\u00e4uschung \u00fcber Labour<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Victoria Care Center klingt Rachel immer verbitterter, je l\u00e4nger sie \u00fcber das Ende der Pflege-Visa spricht.\u00a0&#8222;Wenn wir hier nicht genug Pfleger haben, bekommen wir weniger Hilfe und verlieren noch mehr Selbstst\u00e4ndigkeit&#8220;, sagt sie. Auch die Activity time k\u00f6nnte dann wom\u00f6glich bald ausfallen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDabei bringe sie das durch die Tage. &#8222;Das alles ist ein missgl\u00fcckter Versuch der Politik, mehr Jobs f\u00fcr Leute aus England zu schaffen &#8211; unter dem Vorwand, es g\u00e4be nicht genug Arbeit. Aber das stimmt doch gar nicht und wird nicht klappen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNeben ihr nickt Direktorin Bhattarai. &#8222;Es ist wirklich schwer, Menschen aus Gro\u00dfbritannien langfristig f\u00fcr diesen Job zu begeistern&#8220;, sagt sie. &#8222;Wir versuchen es immer wieder.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGerade von der Labour-Partei, die sie bei der Parlamentswahl 2024 gew\u00e4hlt hat, habe sie mehr erwartet, sagt Rachel.\u00a0&#8222;Labour war doch immer die Partei, die an der Seite der einfachen Leute steht &#8211; davon sind sie heute meilenweit entfernt. Jetzt klingen und handeln sie fast wie die Konservativen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUmfragen des Instituts YouGov zeigen: Nur etwa ein Drittel der Labour-W\u00e4hler unterst\u00fctzt die Versch\u00e4rfung der Einwanderungsregeln &#8211; w\u00e4hrend sie bei Anh\u00e4ngern der Konservativen und der Reform-Partei auf breite Zustimmung st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>    Einwanderung sank zuletzt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEnde Mai, keine zwei Wochen nach Starmers umstrittener Rede, wurde bekannt, dass die Netto-Einwanderung nach Gro\u00dfbritannien sich im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr &#8211; f\u00fcr viele \u00fcberraschend &#8211; fast halbiert habe und bei rund 430.000 Personen lag.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMehr als 80 Prozent kamen aus Nicht-EU-L\u00e4ndern. Wie oder ob \u00fcberhaupt diese neuen Zahlen die Regierungspl\u00e4ne beeinflussen k\u00f6nnten, ist noch v\u00f6llig unklar. Doch im Londoner Victoria Care Home haben sie doch noch ein wenig Hoffnung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 08.06.2025 11:43 Uhr Die britische Labour-Regierung hat neue, strenge Einwanderungsgesetze angek\u00fcndigt. So sollen etwa Pflegekr\u00e4fte k\u00fcnftig nicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":174013,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,551,13,20162,382,14,15,12,6382,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-174012","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-grossbritannien","11":"tag-headlines","12":"tag-labour","13":"tag-migration","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-starmer","18":"tag-uk","19":"tag-united-kingdom","20":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","21":"tag-vereinigtes-koenigreich","22":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","23":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114647268555480090","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/174012","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=174012"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/174012\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/174013"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=174012"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=174012"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=174012"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}