{"id":174531,"date":"2025-06-08T15:14:24","date_gmt":"2025-06-08T15:14:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/174531\/"},"modified":"2025-06-08T15:14:24","modified_gmt":"2025-06-08T15:14:24","slug":"norman-foster-auf-lange-sicht-wird-alles-besser-davon-bin-ich-ueberzeugt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/174531\/","title":{"rendered":"Norman Foster: \u201eAuf lange Sicht wird alles besser, davon bin ich \u00fcberzeugt\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Kurz vor seinem 90. Geburtstag hat Stararchitekt Norman Foster den Glauben an den Fortschritt nicht verloren. Er tr\u00e4umt von sanfter Mobilit\u00e4t auf dem Wasser, entwirft modulare Notunterk\u00fcnfte und will kompakte Kernreaktoren bauen. Eine Begegnung in Venedig.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Installation glitzert im Licht der Mittagssonne, die am Himmel \u00fcber Venedig steht: Ein futuristischer Bootsanleger, der am Arsenale ins Hafenbecken hineinragt, dem historischen Waffenlager der Lagunenstadt. Der Steg ist umh\u00fcllt von einer r\u00f6hrenf\u00f6rmigen Dachkonstruktion aus beweglichen Aluminium-Elementen, die an die Schuppen eines silbernen Drachens erinnern und gleichzeitig als Windschutz und als Schattenspender dienen. Zur K\u00fchlung an besonders hei\u00dfen Tagen kann das Ger\u00fcst Spr\u00fchnebel aussto\u00dfen, der Zugang zum Wasser m\u00fcndet in einer rechteckigen Plattform. Dort sind Wasserfahrr\u00e4der der kalifornischen Firma Schiller angeleint, mit denen die Besucher der Architektur-Biennale Probefahrten \u00fcbers Wasser machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das glitzernde Gebilde tr\u00e4gt die Handschrift des britischen Architekten Norman Foster. \u201eEs soll zum Nachdenken \u00fcber eine sanftere und leisere Form der Fortbewegung anregen\u201c, sagt der Baumeister bei einem Gespr\u00e4ch im Kaminzimmer des Palazzo Pisani Moretta, einem Prachtbau am Canal Grande, in dem eine begleitende Ausstellung zum Steg-Projekt zu sehen ist. Foster, der am kommenden Wochenende seinen 90. Geburtstag feiert, hat eine Vorliebe f\u00fcr cremefarbene Anz\u00fcge und macht einen erstaunlich sportlichen Eindruck f\u00fcr sein Alter. Er hat es sich nicht nehmen lassen, mit dem Wasserfahrrad, das auf zwei mit Luft gef\u00fcllten Kufen ruht wie ein Katamaran, ein paar Runden im Hafenbecken zu drehen. \u201eMan kommt damit nur recht langsam voran, aber es macht einen Riesenspa\u00df\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Es ist schon eine lustige Vorstellung, dass die Wasserstra\u00dfen Venedigs mit Touristen auf geliehenen Wasserbikes bev\u00f6lkert sein k\u00f6nnten wie die Gehsteige von Berlin mit Elektrorollern. Gegen diese Art von Individualverkehr d\u00fcrften nicht nur die Gondolieri der Stadt einiges einzuwenden haben, aber man wird ja wohl noch tr\u00e4umen d\u00fcrfen, denn auch darum geht bei der Architektur-Biennale, die in diesem Jahr unter dem Motto \u201eIntelligenz \u2013 nat\u00fcrlich, k\u00fcnstlich, kollektiv\u201c steht. Der Bootsanleger, den Foster als begehbaren Diskussionsbeitrag zur Zukunft der urbanen Mobilit\u00e4t versteht, ist aus einer Zusammenarbeit der Norman Foster Foundation und Porsche hervorgegangen. <\/p>\n<p>An der Plattform ist deshalb auch Platz f\u00fcr <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/iconist\/trends\/article248052926\/Porsche-Der-Sportwagenbauer-bringt-die-E-Mobilitaet-jetzt-aufs-Wasser-mit-dem-850-Fantom-Air.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/iconist\/trends\/article248052926\/Porsche-Der-Sportwagenbauer-bringt-die-E-Mobilitaet-jetzt-aufs-Wasser-mit-dem-850-Fantom-Air.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ein rasantes Elektroboot, das der Sportwagenbauer gemeinsam mit dem \u00f6sterreichischen Schiffsbauer Frauscher entwickelt hat<\/a>. Porsche leistet sich solche spielerischen Projekte abseits des Kerngesch\u00e4fts, um sich als Marke zu pr\u00e4sentieren, die \u00fcber den Tellerrand hinausschaut und von zukunftsorientiertem Denken bestimmt ist. Den konkreten Planungen der Installation sei ein intensiver Austausch von Ansichten zur Mobilit\u00e4t und zur Gestaltung vorangegangen, sagt Michael Mauer, Designvorstand bei Porsche.<\/p>\n<p>Komplexe Anforderungen, klare Formen<\/p>\n<p>Die Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t durch ein Zusammenspiel von Design, Architektur und Technik geh\u00f6rt zu den zentralen Themen in der Karriere von Norman Foster. Ein weiteres Spezialgebiet sind Vorzeigebauten, die weder plump noch protzig wirken, sondern Technikbeflissenheit und Fortschrittsgeist ausstrahlen. Er gilt als Inbegriff des genialischen Stararchitekten und hat sich mit Gro\u00dfprojekten einen Namen gemacht, die komplexe Anforderungen in klare Formen \u00fcberf\u00fchren und denen man ihre architektonische Finesse gleich ansieht, darunter der zapfenartige Gherkin-Tower in der Londoner City und das ringf\u00f6rmige Apple-Hauptquartier im kalifornischen Cupertino. <\/p>\n<p>Forsters B\u00fcro gestaltet Flugh\u00e4fen und U-Bahn-Linien, Universit\u00e4tsbibliotheken und Konzerth\u00e4user, Viadukte und Wolkenkratzer. Es war f\u00fcr die Erneuerung des Wembley-Stadions und den Bau der Millennium Bridge \u00fcber die Themse verantwortlich, es hat die Dachkonstruktion des Dresdner Hauptbahnhofs, den Commerzbank-Tower im Frankfurter Finanzviertel und das Elefantenhaus im Kopenhagener Zoo entworfen. Zum Portfolio geh\u00f6ren aber auch repr\u00e4sentative Bauten f\u00fcr Autokraten wie die sogenannte Pyramide des Frieden und der Eintracht in der kasachischen Hauptstadt Astana.<\/p>\n<p>Wenn die Objekte erst einmal dastehen, kann man sich kaum noch vorstellen, dass sie auch ganz anders h\u00e4tten aussehen k\u00f6nnen, aber hinter jedem Projekt verbergen sich umst\u00e4ndlichste Planungsabl\u00e4ufe und Abstimmungsorgien. \u201eSteve Jobs hat gesagt: Betrachtet mich nicht als Kunden, sondern als Teil des Design-Teams\u201c, erinnert sich Foster an die Entstehung der Apple-Zentrale. \u201eWir hatten irgendwann unseren Heureka-Moment, aber auch wenn der Entwurf aussieht, als sei daf\u00fcr nur ein einziger Strich erforderlich gewesen, stand ein extrem intensiver Prozess dahinter, der sich \u00fcber neun Monate hinzog.\u201c<\/p>\n<p>Fosters bekanntestes Projekt in Deutschland ist die Kuppel \u00fcber dem Berliner Reichstagsgeb\u00e4ude, eine architektonische Intervention, die Licht und Transparenz in ein Bauwerk mit einer dunklen Vergangenheit bringt und es mit rund drei Millionen Schaulustigen im Jahr zum meistbesuchten Parlament der Welt gemacht hat. Auch bei diesem Vorhaben h\u00e4tten sich die Vorgaben des Auftraggebers ge\u00e4ndert, erinnert sich Foster. \u201eDas Projekt wurde in der zweiten Phase der Ausschreibung dramatisch zusammengek\u00fcrzt.\u201c W\u00e4hrend die anderen Teilnehmer des Wettbewerbs daraufhin einfach ihre bestehenden Entw\u00fcrfe verkleinerten, h\u00e4tte er einen ganz neuen Ansatz f\u00fcr den Bundestag entwickelt: \u201eIch wollte eine Situation schaffen, in der die B\u00fcrger den Politkern bei der Arbeit zuschauen k\u00f6nnen.\u201c Manche seiner Ideen seien bei den Volksvertretern auf Ablehnung gesto\u00dfen, die \u00fcber die Art der Erweiterung zu entscheiden hatten. \u201eWas sollen wir mit einem Restaurant auf dem Dach, haben einige gefragt, wer will denn schon da oben essen\u201c, erz\u00e4hlt Foster. \u201eHinterher hie\u00df es dann, der Architekt hat einen Fehler gemacht, das Restaurant ist viel zu klein.\u201c<\/p>\n<p>Auch wenn es derzeit den Anschein haben mag, dass die Welt am Abgrund steht und viele Fortschritte wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden, hat Foster seinen Optimismus nicht verloren. So sieht er K\u00fcnstliche Intelligenz \u2013 ein zentrales Thema der Biennale \u2013 nicht als Bedrohung f\u00fcr die Jobs von Designern und Architekten, sondern als Werkzeug, das dem kreativen Prozess eine Richtung geben kann. Beim Bauen sei die Chemie essenziell, die durch den Austausch zwischen dem Auftraggeber und dem Architekten entsteht. \u201eIch glaube, dass KI die Bedeutung zwischenmenschlicher Begegnungen eher vergr\u00f6\u00dfern wird\u201c, sagt Foster. \u201eSolche Begegnungen lassen sich nicht durch ein Programm ersetzen, denn wir leben in einer k\u00f6rperlichen Welt und nicht in einer virtuellen. Der Sessel, auf dem ich sitze, der Raum, in dem wir uns aufhalten, das Wasser, das uns umgibt \u2013 das alles ist Teil unserer physischen Realit\u00e4t und unseres Erlebens.\u201c<\/p>\n<p>Hier die friedliche Kernkraft, dort die Atombombe\u00a0<\/p>\n<p>Die kommerziellen Auftr\u00e4ge \u00fcberl\u00e4sst Foster inzwischen zu weiten Teilen seinen Partnern. Er selbst steckt viel Energie in seine Stiftung, die er 1997 mit dem Geld des renommierten Pritzker-Preises gr\u00fcndete und die als eine Art interdisziplin\u00e4rer Thinktank breit gef\u00e4cherte Weltverbesserungsma\u00dfnahmen erarbeitet. Die Norman Foster Foundation war unter anderen an den Entw\u00fcrfen von modularen Notunterk\u00fcnften f\u00fcr Vertriebene beteiligt, die aus nachhaltigem Beton bestehen, vor zwei Jahren bei der Biennale vorgestellt wurden und in diesem Jahr in S\u00fcdamerika zum Einsatz kommen sollen. Gemeinsam mit den Bewohnern eines Slums im indischen Bundesstaat Odisha entwickelte sie ein modernes Hygiene-Konzept mit \u00f6ffentlichen Waschr\u00e4umen. Und in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern vom MIT in Boston forscht sie an kompakten Kernreaktoren, die als dezentrale Energiequelle dienen und damit die Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Brennstoffen verringern sollen. \u201eMit zwei Containern, die in diesen Raum passen, k\u00f6nnte man ein ganzes Stadtviertel mit sauberem Strom versorgen\u201c, schw\u00e4rmt Foster, auch wenn die Machbarkeit solcher Mikrokraftwerke noch mit vielen Fragezeichen versehen ist.<\/p>\n<p>Am Ende habe jede Innovation zwei Seiten: hier die friedliche Nutzung der Kernenergie, dort die Atombombe. Hier die Gl\u00fchbirne, dort der elektrische Stuhl. Hier das Impfserum, dort der biologische Kampfstoff. Norman Foster beugt sich in seinem Sessel nach vorn und wedelt mit seinem Smartphone: \u201eDieses Ger\u00e4t ist f\u00fcr uns heute v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich. Dabei ist es noch nicht lange her, dass man eine Vermittlung anrufen musste, um sich \u00fcber eine Landleitung mit einem anderen Menschen verbinden zu lassen. Auf lange Sicht wird alles besser, davon bin ich \u00fcberzeugt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kurz vor seinem 90. Geburtstag hat Stararchitekt Norman Foster den Glauben an den Fortschritt nicht verloren. 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