{"id":175948,"date":"2025-06-09T04:54:36","date_gmt":"2025-06-09T04:54:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/175948\/"},"modified":"2025-06-09T04:54:36","modified_gmt":"2025-06-09T04:54:36","slug":"berlin-verhuellt-seinen-reichstag-wieder-im-stil-von-christo-und-doch-ganz-anders-pfingstmontag-geht-es-los","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/175948\/","title":{"rendered":"Berlin verh\u00fcllt seinen Reichstag wieder, im Stil von Christo und doch ganz anders &#8211; Pfingstmontag geht es los"},"content":{"rendered":"<p><strong>Br\u00fccken, Geb\u00e4ude, Inseln oder Seen, nichts war vor Christo und Jeanne-Claude sicher. Wer einmal die Atmosph\u00e4re rund um ihre spektakul\u00e4ren, tempor\u00e4ren Projekte erlebt hat, erinnert sich ein Leben lang daran. Ab Pfingstmontag steht der Reichstag in Berlin erneut im Mittelpunkt.<\/strong><\/p>\n<p>Ihre Verpackungen sind legend\u00e4r. Wie \u00fcberdimensionale Geschenke haben sie Geb\u00e4ude, Br\u00fccken oder B\u00e4ume eingepackt. Sie haben Menschen kilometerlang \u00fcber einen See schlendern lassen. Weltweit hat Christo gemeinsam mit seiner Frau Jeanne-Claude Menschen begeistert. Unvergessen jenes Sommerm\u00e4rchen, welches das K\u00fcnstlerpaar 1995 mit dem verh\u00fcllten Reichstag Berlin beschert hat. Das Bauwerk, das die wechselvolle Geschichte Deutschlands widerspiegelt, zog silbrig gl\u00e4nzend und mit blauem Seil verschn\u00fcrt f\u00fcnf Millionen Menschen an. Jetzt wird der Reichstag zw\u00f6lf N\u00e4chte lang dank ausgekl\u00fcgelter Lichtillumination erneut zum skulpturalen Objekt. Pfingstmontag geht es los.<\/p>\n<p>An den Strippen ziehen dieses Mal Roland Specker und Peter Schwenkow. Beide waren Mitte der Achtzigerjahre die Mitinitiatoren des Vereins &#8222;Berliner f\u00fcr den Reichstag&#8220;, jetzt wollen sie mit einem besonderen Projekt zur Zeitreise einladen. Ob er ein Nostalgiker oder einfach nur ein Christo-Enthusiast sei, fragt ntv.de Peter Schwenkow beim Gespr\u00e4ch in Berlin. &#8222;Eigentlich bin ich Berlin-Fan&#8220;, sagt er spontan. &#8222;Unterschiedlichste Konzerte und Veranstaltungen vor dem Reichstag verbinden mich beruflich und pers\u00f6nlich seit 1984 mit dem Geb\u00e4ude. Als Roland Specker mich fragte, ob ich Lust h\u00e4tte, dieses Christo-Projekt mit ihm zu machen, habe ich eine Nacht dr\u00fcber geschlafen und dann zugesagt.&#8220;<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/AP9601100317.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Umsonst und drau\u00dfen geht in Berlin immer - 1995 kamen f\u00fcnf Millionen Menschen zu Christos und Jeanne-Claudes Meisterwerk.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/AP9601100317.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Umsonst und drau\u00dfen geht in Berlin immer &#8211; 1995 kamen f\u00fcnf Millionen Menschen zu Christos und Jeanne-Claudes Meisterwerk.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Associated Press)<\/p>\n<p>   Ich sehe was, was Du nicht siehst<\/p>\n<p>Christo und Jeanne-Claude begrenzten ihre spektakul\u00e4ren Aktionen auf maximal 16 Tage. Diese verg\u00e4nglichen Kunstwerke haben die beiden unsterblich gemacht. Christo selbst war \u00fcberzeugt, dass man Werke, die man nur einmal im Leben sieht, besser im Ged\u00e4chtnis beh\u00e4lt. Die Philosophie dahinter: Indem das Duo ein vertrautes Geb\u00e4ude wie den Reichstag den Blicken entzieht, wird es pl\u00f6tzlich sichtbar. Dem Publikum werden neue An- und Einsichten geschenkt. Das, was man nicht sieht, sieht man besser.<\/p>\n<p>Am 13. Juni w\u00e4ren Christo und Jeanne-Claude 90 Jahre alt geworden, ein Grund mehr zu feiern. Specker und Schwenkow wollen keinen Abklatsch des ikonischen Christo-Reichstags schaffen. &#8222;Es soll eine Hommage und keine Kopie werden&#8220;, so Schwenkow. Sie seien froh, dass die Genehmigung reibungslos innerhalb von drei Monaten gegeben wurde. Anders als bei Christo und Jeanne-Claude. Seit 1971 folgten sie dem Traum des verpackten Reichstags. An diesem Ort prallten f\u00fcr das Paar zwei Welten aufeinander. Berlin war f\u00fcr den in Bulgarien geborenen und aufgewachsenen Christo ein Beispiel der Trennung zwischen Ost und West. Es war der Mikrokosmos, der politische und soziale Unterschiede spiegelte.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/imago820107375.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Pressekonferenz mit Peter Schwenkow, Roland Specker und Vladimir Yavachev, Christos Neffen und Direktor der Projekte.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/imago820107375.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Pressekonferenz mit Peter Schwenkow, Roland Specker und Vladimir Yavachev, Christos Neffen und Direktor der Projekte.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: IMAGO\/Eventpress)<\/p>\n<p>   Unerm\u00fcdlich hartn\u00e4ckig (oder Let&#8217;s go)<\/p>\n<p>X-Mal stellten sie ihr Projekt vor, erlitten viele R\u00fcckschl\u00e4ge. Es war ein langer Weg durch die deutsche B\u00fcrokratie. In der Politik schlugen die Wellen hoch. Der Reichstag sollte vor dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin als k\u00fcnftiges Parlamentsgeb\u00e4ude renoviert werden und zudem eine gl\u00e4serne Kuppel bekommen. Christo ergriff die Chance dieser diffusen Zwischenzeit, brachte seine Kunst der Verwandlung erneut ins Spiel. Am 25. Februar 1994 debattierte der Deutsche Bundestag, damals noch in Bonn, 70 Minuten lang \u00fcber Pro und Contra. Mit 292 Stimmen f\u00fcr das Projekt konnten Christo und Jeanne-Claude ihre Vision endlich realisieren. <\/p>\n<p>&#8222;Ich bin ein positiver Mensch, ich glaube daran, dass man umsetzen kann, was man sich vornimmt&#8220;, erinnert sich Schwenkow. Voller Neugier und Enthusiasmus wartete er nach der positiven Bundestagsabstimmung auf den &#8222;Wrapped Reichstag&#8220;. Der wurde sechs Jahre nach dem Mauerfall zum Symbol f\u00fcr den Neubeginn Deutschlands und nicht f\u00fcr eine geteilte Stadt. Der Kulturmanager schw\u00e4rmt, wie friedlich und ruhig die vielen hunderttausend Menschen an dem Kunstwerk zusammenkamen. Jetzt w\u00fcnscht er sich \u00c4hnliches f\u00fcr die Jubil\u00e4ums-Inszenierung. Die Lichtshow ist kostenlos, so wie alle Christo-Verpackungen, die im \u00f6ffentlichen Raum die Besuchenden begeisterten.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde sei dieses Mal die Frage gewesen, ob mit ausgekl\u00fcgelter Technik die Plastizit\u00e4t und der Eindruck von 1995 abgebildet werden k\u00f6nne, erz\u00e4hlt Peter Schwenkow. Und weiter: &#8222;Die Monumentalit\u00e4t und der sich bewegende Stoff werden durch 24 Hochleistungsprojektoren von drei verschiedenen Plattformen aus auf das Geb\u00e4ude vergr\u00f6\u00dfert wiedergegeben.&#8220; Nach einem Testlauf gibt Schwenkow sich optimistisch. Allerdings m\u00fcsse jeder selbst f\u00fcr sich entscheiden, ob die Lichtprojektion gegl\u00fcckt sei. Die 20-min\u00fctige Filmschleife basiert auf Bildern der urspr\u00fcnglichen Verh\u00fcllung. Sie soll wie Kunst aussehen und nicht wie eine Diashow. <\/p>\n<p>Lebendiger Koloss<\/p>\n<p>Das K\u00fcnstlerpaar, das sich mit den Vornamen ansprechen lie\u00df, definierte seine Arbeit als Gemeinschaftswerk. Im Herbst 1958 trafen sie in Paris aufeinander, wohin Christo \u00fcber Umwege gekommen war. Er verdiente damals sein Geld als Portr\u00e4tmaler. Jeanne-Claude, die ebenfalls in der Stadt lebte und als Flugbegleiterin arbeitete, lernte er bei einem Auftrag kennen. Die beiden wurden ein Paar. Im selben Jahr begann er Farbdosen, Zeitungsstapel sowie Fahrr\u00e4der mit Plastikfolie oder Stoff einzupacken, zu verschn\u00fcren und zur Skulptur zu erheben. 1961 kam den beiden erstmals der Gedanke, \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude in etwas R\u00e4tselhaftes zu transformieren.<\/p>\n<p>Stoff, seine Struktur, die unterschiedliche Qualit\u00e4t und der Faltenwurf haben K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler seit der Antike fasziniert. Gemalt taucht das Material ebenso auf wie in der Bildhauerei. Die Verh\u00fcllung des Reichstags folgt dieser klassischen Tradition. 109.400 Quadratmeter graues Polypropylen-Gewebe wurde mit Aluminium beschichtet. Eine raffinierte Idee, denn je nach Tageszeit schimmerte es blass Silber oder d\u00fcster Grau. Der Wind und das st\u00e4ndig wechselnde Licht auf den Falten des Tuchs machten den steinernen Koloss lebendig.<\/p>\n<p>Und tsch\u00fcss<\/p>\n<p>Nach zwei Wochen verschwand das alles. Das Material wurde wiederverwertet. Die Kosten ihrer Projekte trugen Christo und Jeanne-Claude \u00fcbrigens immer selbst aus Verk\u00e4ufen von Collagen, Zeichnungen oder Modellen. Sie lehnten jede Art von Sponsoring ab, so bewahrten sie ihre k\u00fcnstlerische Freiheit. Auch Peter Schwenkow und Roland Specker finanzieren heute den Gro\u00dfteil des erleuchteten Reichstags selbst &#8211; ganz ohne den Einsatz von Steuergeldern. Warum machen sie das? &#8222;Wir beide haben von Berlin aus Karriere gemacht, jetzt im h\u00f6heren Alter k\u00f6nnen wir auch mal was zur\u00fcckgeben&#8220;, ist Schwenkow \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/1-Kafer.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Das Werk &quot;Verpackter 1961 Volkswagen K\u00e4fer Saloon&quot; ist ab dem 11. Juni in der Berliner Neuen Nationalgalerie ausgestellt.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/1-Kafer.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Das Werk &#8222;Verpackter 1961 Volkswagen K\u00e4fer Saloon&#8220; ist ab dem 11. Juni in der Berliner Neuen Nationalgalerie ausgestellt.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Wolfgang Volz \/ Christo and Jeanne-Claude Foundation)<\/p>\n<p>Sie haben jetzt Lust auf mehr Kunst von Christo und Jeanne-Claude bekommen? Im schw\u00e4bischen K\u00fcnzelsau zeigt Unternehmer und M\u00e4zen Reinhold W\u00fcrth Werke aus seinem Christo-Konvolut. Er war mit dem K\u00fcnstlerpaar eng befreundet und hat mit 130 Arbeiten eine der gr\u00f6\u00dften Sammlungen ihrer Werke. Und die Berliner Neue Nationalgalerie zeigt den verpackten VW-K\u00e4fer. Wo auch immer Sie sich f\u00fcr Christo hinbegeben &#8211; es ist herrlich, im Chaos dieser immer lauter werdenden Weltger\u00e4usche sich von einfacher Sch\u00f6nheit und Freude treiben zu lassen.<\/p>\n<p>30 Jahre &#8222;Verh\u00fcllter Reichstag&#8220;, Illumination auf der Westfassade des Reichstags, 9. bis 20. Juni, circa 21.30 Uhr bis 1 Uhr <\/p>\n<p>&#8222;Verh\u00fcllt, verschn\u00fcrt, gestapelt, Christo und Jeanne-Claude&#8220;, bis zum 25. Januar, Museum Reinhold-Wu\u0308rth-Stra\u00dfe 15, 74653 Ku\u0308nzelsau-Gaisbach &#8211; der Eintritt ist frei<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Br\u00fccken, Geb\u00e4ude, Inseln oder Seen, nichts war vor Christo und Jeanne-Claude sicher. 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