{"id":176183,"date":"2025-06-09T07:11:09","date_gmt":"2025-06-09T07:11:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/176183\/"},"modified":"2025-06-09T07:11:09","modified_gmt":"2025-06-09T07:11:09","slug":"alltag-russischstaemmiger-menschen-in-dresden-wir-reden-nicht-ueber-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/176183\/","title":{"rendered":"Alltag russischst\u00e4mmiger Menschen in Dresden: &#8222;Wir reden nicht \u00fcber Politik&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\n&#8222;Eigentlich geht&#8217;s den russischen Menschen gut hier&#8220;, erz\u00e4hlt Elena H. (Name liegt der Redaktion vor), Verk\u00e4uferin in einem Supermarkt in Dresden. &#8222;Anfangs&#8220; &#8211; sie meint die Wochen nach Kriegsbeginn 2022 &#8211; &#8222;waren viele Ger\u00fcchte, dass die Deutschen gegen uns sind. Meine Tochter sagte, ich solle lieber schweigen statt Russisch zu sprechen. Sie hatte Angst um mich.&#8220; Operns\u00e4ngerin Anna Netrebko habe ja auch nicht singen d\u00fcrfen &#8211; erst in New York nicht, dann auch nicht in Nowosibirsk, Tschaikowsky-Werke wurden nicht gespielt. Was sollte man denn da denken?\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSie habe auch bef\u00fcrchtet, ihre deutschen Nachbarn in Dresden w\u00fcrden &#8222;komisch reagieren&#8220;. Aber alle seien normal geblieben.\n<\/p>\n<p>Gef\u00fchlte Stimmungen im Alltag<\/p>\n<p class=\"text\">\nJ\u00f6rg Eichler vom S\u00e4chsischen Fl\u00fcchtlingsrat h\u00f6rt wenig aus der russischst\u00e4mmigen Community in Dresden. Er sagt, Russen w\u00fcrden von einer &#8222;diffusen Stimmung&#8220; berichten, von &#8222;gef\u00fchlten Stimmungen&#8220; im Alltag. &#8222;Beispielsweise wechseln Russen, die schon l\u00e4nger hier sind, lieber ins Deutsche beim Sprechen. Mir sind aber keine direkten Attacken gegen Russen in Beratungsgespr\u00e4chen zu Ohren gekommen.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Supermarkt-Mitarbeiterin Stefanie L. (Name der Redaktion bekannt) sei einmal w\u00e4hrend der Arbeit von einem Kunden angep\u00f6belt worden. &#8222;Er schrie, ob ich mich nicht sch\u00e4me. Wof\u00fcr sollte ich mich sch\u00e4men? Ich kann ja nichts daf\u00fcr&#8220;, erz\u00e4hlt die junge Frau, die in Dresden geboren ist. 2022 sei der Markt auch bei Facebook beschimpft und beleidigt worden. Einmal habe jemand die Eingangst\u00fcr beschmiert. Doch es sei eine deutsche Nachbarin gekommen und habe das abgewischt.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Es ist unser Alltag. Ich lese keine Nachrichten \u00fcber den Krieg.<\/p>\n<p>Stefanie L.<br \/>\nDresdnerin mit russischen Wurzeln<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Wir hatten das Gef\u00fchl, dass der Hass gegen Putin auf uns abgeladen wurde. Manche denken, ich habe die Telefonnummer zu Putin und kann mit dem reden. Was hat unser Laden mit dem Krieg zu tun?&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nFr\u00fcher warb der Mix-Markt damit, russische Lebensmittel zu verkaufen. Jetzt ist das ein &#8222;Supermarkt f\u00fcr osteurop\u00e4ische Spezialit\u00e4ten&#8220;. In den Regalen und K\u00fchltruhen liegen auch Waren aus Moldawien, Rum\u00e4nien, der Ukraine, Polen und Bulgarien. &#8222;An die typisch russische Schokolade kommen wir nicht mehr ran&#8220;, sagt die Verk\u00e4uferin mit Blick auf Einfuhrprobleme bei russischen Waren. Selbst die Matrjoschka-Puppen aus Russland k\u00f6nne man nicht bestellen, beklagt ihre Kollegin. Im Laden gebe es nur noch zwei echt russische. Die anderen Fig\u00fcrchen seien aus China. Ob die auch gut sind? Schulterzucken.\n<\/p>\n<p>Ukrainer und Russen arbeiten gemeinsam<\/p>\n<p class=\"text\">\nAndererseits habe es auch schon Streit mit ukrainischen Kunden gegeben, die beim Einkaufen nur Ukrainisch sprechen wollten. &#8222;Bei Diskussionen sagen wir nichts Pers\u00f6nliches, egal, wie der Kunde reagiert. Wir versuchen, alle zu beruhigen&#8220;, sagt Elena H. und winkt ab. &#8222;Propaganda ist doch auf beiden Seiten. Man darf auch nicht alles glauben. Manche Dinge passen mir auch nicht. Aber ich verstehe auch die Ukrainer, die Hass empfinden.&#8220; Im Supermarkt arbeiten ebenfalls ukrainische Angestellte. &#8222;Es kommt manchmal Streit auf, aber wir reden nicht \u00fcber Politik&#8220;, sagt Stefanie L. dazu.\n<\/p>\n<p>Keine Politik in der russisch-orthodoxen Kirche<\/p>\n<p class=\"text\">\nPolitik bleibt auch f\u00fcr Priester Roman Bannack der russisch-orthodoxen Kirche in Dresden drau\u00dfen. Auch fotografieren lassen will er sich nicht. Der f\u00fcr die Kirche zust\u00e4ndige orthodoxe <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/welt\/osteuropa\/politik\/russland-orthodoxe-kirche-ukraine-krieg-102.html\" title=\"Russland: Wie die orthodoxe Kirche Putins Krieg unterst\u00fctzt \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Moskauer Patriarch Kyrill I.\u00a0gilt als wichtiger Putin-Verb\u00fcndeter<\/a> und nennt den Krieg gegen die Ukraine &#8222;Heimatverteidigung&#8220;. W\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs mit Bannack stehen weiter hinten vor einem Kreuz zwei Frauen und beten und weinen lautlos. Woher die \u00e4ltere und die j\u00fcngere Frau vor dem Kerzentisch wohl sind: Russland oder Ukraine?\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Wenn man mich um ein Gebet f\u00fcr den Sohn bittet, der im Krieg ist, gibt mir das im Inneren zu denken: Auf welcher Seite des Krieges steht derjenige?&#8220; Doch Politik werde in der Kirche nicht diskutiert. &#8222;Es geht auch nicht anders&#8220;, sagt der Priester. Zur Gemeinde geh\u00f6ren nach seinen Worten 50 Prozent Russen und 50 Prozent Ukrainer.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Die Menschen haben sich hier arrangiert. <\/p>\n<p>Roman Bannack<br \/>\nRussisch-orthodoxer Priester in Dresden<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\n&#8222;So lange wir an Christus glauben k\u00f6nnen, ist das \u00c4u\u00dferliche egal&#8220;, sagt Bannack, denn Politik und Zust\u00e4nde wechselten. Am Freitag vor Pfingsten hat er mit 200 bis 300 orthodoxen Christen das 151. Kirchweihfest gefeiert. In all den Jahren habe es schon viele Zust\u00e4nde und Systeme gegeben, nur w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges sei die Kirche in der Fritz-L\u00f6ffler-Stra\u00dfe in Dresden geschlossen geblieben.\n<\/p>\n<p>Touristen aus Tschechien ersetzen kaufkr\u00e4ftiges russisches Publikum<\/p>\n<p class=\"text\">\nStichwort Ver\u00e4nderungen: Mittlerweile kommen immer weniger russische Staatsb\u00fcrger nach Sachsen und Dresden. &#8222;In den letzten Jahren gab es aufgrund der Reisebeschr\u00e4nkungen kaum noch Kunden aus Russland in der Altmarkt-Galerie und dementsprechend auch keine werblichen Aktivit\u00e4ten in diese Richtung&#8220;, sagt der Center-Manager Christian Polkow. Bis zu einem Viertel der Kundschaft im Einkaufszentrum seien Touristen. &#8222;Wir k\u00f6nnen sehr sicher sagen, dass aktuell die Tschechen, oft als Tagestouristen, die meiste Kaufkraft f\u00fcr den Einzelhandel mit nach Dresden bringen.&#8220;\n<\/p>\n<p>\u00dcbernachtungszahlen eingebrochen<\/p>\n<p class=\"text\">\nKnapp 90.000 \u00dcbernachtungen russischer Touristen z\u00e4hlten Sachsens Statistiker im Vor-Corona-Jahr 2019 im Freistaat. Voriges Jahr waren es weniger als 8.500. &#8222;In den ersten drei Monaten des Jahres 2025 ist die Zahl der \u00dcbernachtungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um weitere 10,9 Prozent gesunken&#8220;, sagt Veronika Hiebl. Sie ist die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen und wei\u00df, was Ausw\u00e4rtige hierzulande interessiert.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Die russischen G\u00e4ste waren haupts\u00e4chlich in den St\u00e4dten Dresden und Leipzig unterwegs, mit Schwerpunkt Dresden. Sie haben sich vornehmlich f\u00fcr Kultur, Musik und Shopping (inklusive Luxus) interessiert und in 4- bis 5-Sterne-Hotels \u00fcbernachtet, erkl\u00e4rt die TMGS-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Hiebl.\u00a0Eine gro\u00dfe Rolle habe auch der Medizintourismus gespielt. &#8222;Die Unikliniken in Dresden und Leipzig sowie die Herzzentren und orthop\u00e4dische Kliniken waren stark gefragt.&#8220;\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Fakt ist, dass, solange dieser f\u00fcrchterliche russische Angriffskrieg dauert, wir in keinster Weise \u00fcber Tourismus nachdenken brauchen und werden.<\/p>\n<p>Veronika Hiebl<br \/>\nGesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Dar\u00fcber, wie die Anreise heutzutage erfolgt, liegen uns keinen gesicherten Informationen vor. M\u00f6glicherweise \u00fcber die Drehkreuze Istanbul und Dubai. Zu Bus- oder Zuganreisen gibt keine Statistiken&#8220;, so Veronika Hiebl.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Eigentlich geht&#8217;s den russischen Menschen gut hier&#8220;, erz\u00e4hlt Elena H. 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