{"id":177033,"date":"2025-06-09T15:03:12","date_gmt":"2025-06-09T15:03:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/177033\/"},"modified":"2025-06-09T15:03:12","modified_gmt":"2025-06-09T15:03:12","slug":"eu-vorschrift-verbietet-backpulver-im-weinbau-winzer-muessen-teures-industrieprodukt-einsetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/177033\/","title":{"rendered":"EU-Vorschrift verbietet Backpulver im Weinbau \u2013 Winzer m\u00fcssen teures Industrieprodukt einsetzen"},"content":{"rendered":"<p>Im Kampf gegen den Echten Mehltau nutzten viele Weinbauern jahrzehntelang ein simples Mittel: Natriumhydrogencarbonat, bekannt als Backpulver. Preiswert, umweltvertr\u00e4glich und leicht zu handhaben \u2013 dieser Grundstoff galt im Weinbau als bew\u00e4hrte L\u00f6sung. Die EU entzog nun \u00fcberraschend die Zulassung dieses Hausmittels. Stattdessen d\u00fcrfen Landwirte nur noch ein Industrieprodukt mit identischem Wirkstoff einsetzen \u2013 zum sechsmal h\u00f6heren Preis (<a href=\"https:\/\/www.topagrar.com\/acker\/news\/eu-verbietet-backpulver-gegen-echten-mehltau-im-weinbau-d-20014475.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">topagrar: 01.06.25<\/a>).<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Neue Regeln, alte Wirkstoffe \u2013 und massive Mehrkosten<\/p>\n<p>Das Unternehmen Biofa aus M\u00fcnsingen erhielt k\u00fcrzlich die Zulassung f\u00fcr ein Pflanzenschutzmittel namens \u201eNatrisan\u201c, das fast ausschlie\u00dflich aus Hydrogencarbonat besteht. Damit verliert Backpulver automatisch den Status als sogenannter Grundstoff. Denn laut EU-Regelung darf ein Wirkstoff nicht gleichzeitig als einfach zug\u00e4nglicher Grundstoff und als kommerzielles Pflanzenschutzmittel gelten. F\u00fcr Winzer bedeutet das: Der Griff zum g\u00fcnstigen B\u00e4ckerei-Zulieferer entf\u00e4llt, stattdessen drohen hohe Zusatzkosten durch die Agrarindustrie.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" data-pagespeed-lazy-src=\"https:\/\/blackout-news.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/xWeinberg-Spritzen-shutterstock_46139596.jpg.pagespeed.ic.TxN0GdCuCP.jpg\" alt=\"EU verbietet Backpulver im Weinbau \u2013 teures Ersatzmittel sorgt f\u00fcr Proteste und massive Mehrkosten bei Winzern in ganz Europa\" class=\"wp-image-41861\" data-pagespeed-lazy-  src=\"\/pagespeed_static\/1.JiBnMqyl6S.gif\" onload=\"pagespeed.lazyLoadImages.loadIfVisibleAndMaybeBeacon(this);\" onerror=\"this.onerror=null;pagespeed.lazyLoadImages.loadIfVisibleAndMaybeBeacon(this);\"\/>EU verbietet Backpulver im Weinbau \u2013 teures Ersatzmittel sorgt f\u00fcr Proteste und massive Mehrkosten bei Winzern in ganz Europa<\/p>\n<p>Ein Winzer aus Rheinland-Pfalz beziffert die j\u00e4hrlichen Mehrausgaben f\u00fcr seinen Betrieb auf rund 5.000 Euro. Der Verein \u201eLand schafft Verbindung Rheinland-Pfalz\u201c geht von einem Preisvervielfachung aus. Das Unverst\u00e4ndnis in der Branche ist gro\u00df. Die Entscheidung l\u00f6se nicht nur wirtschaftlichen Frust aus, sondern zerst\u00f6re auch Vertrauen in die politische Regulierung.<\/p>\n<p>Kritik an Biofa \u2013 Boykott und Erkl\u00e4rungsversuche<\/p>\n<p>Biofa sieht sich massiven Protesten ausgesetzt. Landwirte \u00e4u\u00dfern in sozialen Netzwerken und Verbandsforen offene Kritik, einige rufen zum Boykott auf. Das Unternehmen reagierte mit einer dreiseitigen Stellungnahme auf der eigenen Homepage. Darin betont der Hersteller, keinesfalls aus Profitgier zu handeln und den Betrieben keine zus\u00e4tzlichen Kosten aufb\u00fcrden zu wollen.<\/p>\n<p>Zugleich verweist Biofa auf einen anderen Konflikt: Die EU-Kommission habe in fr\u00fcheren Verfahren unrechtm\u00e4\u00dfig auf unternehmenseigene Studiendaten zur\u00fcckgegriffen, ohne Entsch\u00e4digung. Laut Biofa sei genau diese Nutzung Grundlage f\u00fcr die damalige Genehmigung von Backpulver als Grundstoff gewesen. Die Kommission selbst habe anschlie\u00dfend zur formellen Zulassung von \u201eNatrisan\u201c geraten.<\/p>\n<p>Rechtlich zul\u00e4ssig, aber \u00f6konomisch fragw\u00fcrdig<\/p>\n<p>Der Deutsche Weinbauverband erkennt die Rechtslage an, zeigt sich aber besorgt \u00fcber die Auswirkungen auf die Weinwirtschaft. Dass ein Unternehmen, das ein Pflanzenschutzmittel entwickle, auch \u00f6konomische Interessen verfolge, sei nachvollziehbar. Dennoch sei es problematisch, wenn rechtliche Grauzonen zulasten landwirtschaftlicher Betriebe ausgenutzt w\u00fcrden. Der Verband spricht von einer \u201erechtlich eindeutigen Situation\u201c, f\u00fcr die derzeit keine kurzfristige L\u00f6sung in Sicht sei.<\/p>\n<p>Politische Intervention bleibt aus, denn juristisch scheint die Entscheidung unangreifbar. Die betroffenen Landwirte f\u00fchlen sich allein gelassen. Viele sehen darin ein Beispiel, wie \u00fcberregulierte Verfahren und wirtschaftliche Interessen am Ende auf dem R\u00fccken kleiner und mittlerer Betriebe ausgetragen werden.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Wirtschaftliche Schieflage statt Pflanzenschutzinnovation<\/p>\n<p>F\u00fcr die Winzer stellt sich die Lage klar dar: Der Wirkstoff bleibt derselbe, doch der Preis steigt dramatisch. Das bisherige Mittel \u2013 \u00f6kologisch bew\u00e4hrt und betrieblich erprobt \u2013 ist nicht mehr legal einsetzbar. Statt Innovation erleben viele Landwirte ein B\u00fcrokratieprodukt mit fatalen Folgen f\u00fcr ihre Rentabilit\u00e4t. Eine einfache, wirksame L\u00f6sung verschwindet \u2013 und wird durch eine teure Industrievariante ersetzt.<\/p>\n<p>Der politische Wille zur Entlastung fehlt bisher. Ob sich das \u00e4ndert, bleibt offen. Sicher ist nur: Die europ\u00e4ische Landwirtschaft steht erneut vor einer Belastungsprobe, bei der Praxisn\u00e4he und wirtschaftlicher Verstand zu kurz kommen.<\/p>\n<p>Lesen Sie auch:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Kampf gegen den Echten Mehltau nutzten viele Weinbauern jahrzehntelang ein simples Mittel: Natriumhydrogencarbonat, bekannt als Backpulver. 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