{"id":177825,"date":"2025-06-09T22:31:09","date_gmt":"2025-06-09T22:31:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/177825\/"},"modified":"2025-06-09T22:31:09","modified_gmt":"2025-06-09T22:31:09","slug":"tatort-mit-faber-und-herzog-ein-strukturelles-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/177825\/","title":{"rendered":"&#8222;Tatort&#8220; mit Faber und Herzog: Ein strukturelles Problem"},"content":{"rendered":"<p>                    &#8222;Tatort&#8220; mit Faber und Herzog<br \/>\n                Ein strukturelles Problem<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t              \tVon Ingo Scheel<br \/>\n\t\t\t\t              09.06.2025, 21:53 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p><strong>H\u00e4usliche Gewalt war das Thema im Dortmunder &#8222;Tatort&#8220;. K\u00fcrzlich erst hat der Bundestag das sogenannte Gewalthilfegesetz beschlossen. Ein \u00fcberf\u00e4lliger Schritt, der lediglich einen Haken hat: Das Gesetz tritt erst 2032 in Kraft.<\/strong><\/p>\n<p>Anno 1976 wurde es in Berlin er\u00f6ffnet, das erste Frauenhaus Deutschlands, das Frauen Schutz vor der Gewalt ihrer Ehem\u00e4nner und Freunde bieten sollte. Seinen Ursprung hatte es in der autonomen Frauenbewegung, das Familienministerium finanzierte, heute h\u00e4ngt eine Gedenktafel am Haus in der Richard-Strauss-Stra\u00dfe 22 im Stadtteil Grunewald. &#8222;Gewalt ist kein privates, sondern ein strukturelles Problem&#8220;, hei\u00dft es da. &#8222;Autonom, solidarisch und hierarchiefrei&#8220;, wurde es vom feministischen &#8222;Frauen helfen Frauen e.V.&#8220; betrieben. Im Jahre 2000 schloss es seine T\u00fcren, der verantwortliche Tr\u00e4gerverein l\u00f6ste sich auf. Von Generationenkonflikten und unterschiedlichen Vorstellungen war die Rede.<\/p>\n<p>Heute haben Frauenh\u00e4user in Deutschland l\u00e4ngst den Weg von den autonomen Gruppen in die Mitte der Gesellschaft gefunden, im Kern keine gute Nachricht, denn es zeigt, wie hoch der Bedarf ist, wie aktuell das Thema, wie akut und durch alle Schichten die Bedrohung f\u00fcr Frauen ist. Am Sonntagabend z\u00e4hlte ein Frauenhaus beim Dortmunder &#8222;Tatort&#8220; zu den Schaupl\u00e4tzen, h\u00e4usliche Gewalt zur Primetime. Der Fall um die get\u00f6tete Meike Gebken (Nadja Becker), die vor ihrem Mann ins Frauenhaus gefl\u00fcchtet war, ein wohl exemplarischer Fall, wenngleich dramaturgisch nat\u00fcrlich angereichert.<\/p>\n<p>Beinah t\u00e4glich stirbt in Deutschland eine Frau an h\u00e4uslicher Gewalt, so sagt es das Lagebild des Bundeskriminalamts. &#8222;Jede dritte Frau wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer oder sexualisierter Gewalt. Jede dritte Frau &#8211; das hei\u00dft, wir alle kennen jemanden&#8220;, so Lisa Paus, bis vergangenen Monat Gr\u00fcnen-Bundesministerin f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Zahlen sind dramatisch, jede einzelne ein tragisches Schicksal: 2023 wurden mehr als 52.000 Frauen Opfer von Sexualstraftaten, das bedeutet einen Anstieg von 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Noch dramatischer sind die Zahlen bei den F\u00e4llen von h\u00e4uslicher Gewalt: mehr als 256.000 Betroffene, davon mehr als 70 Prozent Frauen und M\u00e4dchen, weist die Statistik aus. 360 Frauen wurden 2023 von Partnern oder Ex-Partnern get\u00f6tet &#8211; also, siehe oben, fast jeden Tag ein Femizid.<\/p>\n<p>Gesetz tritt erst in sieben Jahren in Kraft<\/p>\n<p>Rund 400 Frauenh\u00e4user sowie \u00fcber 40 Schutz- oder Zufluchtswohnungen mit mehr als 6000 Pl\u00e4tzen stehen heute in Deutschland zur Verf\u00fcgung, zudem etwa 750 Fachberatungsstellen bei Gewalt gegen Frauen. Ein grundlegendes Problem ist die Finanzierung. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise m\u00fcssen Frauen mit geregeltem Einkommen die Kosten von 25 bis 100 Euro am Tag selbst tragen, je nach Bundesland variieren die Bestimmungen.<\/p>\n<p>Abhilfe schaffen soll nun das sogenannte Gewalthilfegesetz, aus dem sich der Rechtsanspruch auf Schutz ergibt. Kosten f\u00fcr Beratung und Unterbringung sollen demgem\u00e4\u00df erstattet werden, \u00fcber 2,5 Milliarden Euro will die Bundesregierung bereitstellen. Ende Januar wurde das Gesetz beschlossen, am 14. Februar hat der Bundesrat dem Gesetz &#8222;f\u00fcr ein verl\u00e4ssliches Hilfesystem bei geschlechtsspezifischer und h\u00e4uslicher Gewalt&#8220; zugestimmt. Von einem &#8222;historischen Moment&#8220; sprach Lisa Paus, und in der Tat &#8211; es ist ein l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lliger Schritt, bei dem sich eine Frage dennoch aufdr\u00e4ngt: Warum kann dieses Gesetz erst 2032 &#8211; zum Mitschreiben: in sieben Jahren &#8211; in Kraft treten?<\/p>\n<p>Sieben Jahre &#8211; geht man von den aktuellen Zahlen aus, sind das 2500 Femizide. Sieben Jahre &#8211; &#8222;damit sollen die L\u00e4nder genug Zeit haben, ihre Hilfesysteme entsprechend auszubauen&#8220;, so steht es auf der Website des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. &#8222;Wir haben nichts zu verlieren au\u00dfer unserer Angst&#8220;, so stand es auf einem Flyer zum zehnj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des ersten Frauenhauses. Angesichts der aktuellen Zahlen ist jedoch auch klar: Es gibt keine Zeit zu verlieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Tatort&#8220; mit Faber und Herzog Ein strukturelles Problem Von Ingo Scheel 09.06.2025, 21:53 Uhr Artikel anh\u00f6ren Diese Audioversion&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":177826,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1773],"tags":[29,214,6063,9973,3236,30,1000,6452,5402,11752,471,1780,218,684,215],"class_list":{"0":"post-177825","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-serien","8":"tag-deutschland","9":"tag-entertainment","10":"tag-femizid","11":"tag-fernsehserie","12":"tag-frauen","13":"tag-germany","14":"tag-gewalt","15":"tag-haeusliche-gewalt","16":"tag-maenner","17":"tag-mord-und-totschlag","18":"tag-serien","19":"tag-series","20":"tag-tatort","21":"tag-tv","22":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114655781413714235","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/177825","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=177825"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/177825\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/177826"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=177825"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=177825"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=177825"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}