{"id":180017,"date":"2025-06-10T18:51:10","date_gmt":"2025-06-10T18:51:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/180017\/"},"modified":"2025-06-10T18:51:10","modified_gmt":"2025-06-10T18:51:10","slug":"lobby-coup-in-berlin-booking-com-kontrolliert-jetzt-gastwelt-club-mit-tageskarte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/180017\/","title":{"rendered":"Lobby-Coup in Berlin \u2013 Booking.com kontrolliert jetzt \u201eGastwelt\u201d-Club mit: Tageskarte"},"content":{"rendered":"<p>In Berlin gibt es eine Vereinigung, die sich \u201eDenkfabrik Zukunft der Gastwelt (<a href=\"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">DZG<\/a>)\u201c nennt. Ungef\u00e4hr 25 Hotels oder Hotelmarken und rund 15 gastronomische Unternehmen oder Marken sind dort Mitglied. Hinzu kommen ein Dutzend kleinere Verb\u00e4nde und Beratungsgesellschaften. Die \u201eDenkfabrik\u201c nennt sich \u201eSpitzenorganisation der Gastwelt\u201c. W\u00e4hrend in 25 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern von den Hotelverb\u00e4nden derzeit eine Sammelklage gegen Booking.com vorbereitet wird, ist <strong>Alexandra Wolframm<\/strong>, Leiterin Regierungsbeziehungen\/Public Affairs DACH, von Booking.com gerade in den DZG-Aufsichtsrat gew\u00e4hlt worden. Dort sitzt sie neben <strong>Dirk Iserlohe<\/strong>, Chef der Muttergesellschaft von Dorint.<\/p>\n<p>Dorint geh\u00f6rte zu den Hotelgesellschaften, die im letzten Jahr vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof (EuGH), gemeinsam mit Steigenberger, Lindner und Maritim, laut FAZ, gegen Booking.com zu Felde zogen. \u00dcber den Hotelverband IHA wurde\u00a0parallel eine Massenklage organisiert, \u00fcber die im Februar 2025 vor dem Landgericht Berlin erstmals verhandelt wurde. Laut IHA haben sich mehr als 1700 Hotels der Klage angeschlossen. Es geht um einen dreistelligen Millionenbetrag. Im Dezember 2025 wird mit einer Entscheidung gerechnet.<\/p>\n<p>Zu der Berufung einer Vertreterin von Booking.com in den Aufsichtsrat der DZG kommentierte der Unternehmer und Hotelier <strong>Marco Nussbaum<\/strong>: \u201eEin Schelm, wer da Interessenskonflikte wittert. Kritisch, ironisch und leider real: Die Plattform, gegen die aktuell eine EU-weite Sammelklage wegen missbr\u00e4uchlicher Marktpraktiken l\u00e4uft, hat also direkten Einfluss auf eine Organisation, die angeblich die Branche sch\u00fctzen soll? Das f\u00fchlt sich ein bisschen so an, als h\u00e4tte man den Fuchs zum Aufseher im H\u00fchnerstall gemacht. Transparenz, Sicherheit und eine faire Partnerschaft zwischen Hotels und Plattformen, das w\u00e4ren die Mindestanforderungen. Doch solange entscheidende Akteure aus der Plattformwelt auch in den Gremien sitzen, die eigentlich f\u00fcr Ausgleich sorgen sollen, sollte sich jeder einmal die Frage stellen: Wer sch\u00fctzt die Branche eigentlich wirklich?\u201c<\/p>\n<p>Die Antwort von <strong>Alexandra Wolframm<\/strong>, der Vertreterin von Booking.com im Aufsichtsrat der DZG, lie\u00df nicht lange auf sich warten. Die Unternehmens-Lobbyistin spricht dem Hotelverband Deutschland ab, ein zukunftsorientierter Verband zu sein. Der IHA trage Grabenk\u00e4mpfe aus, die befremdlich erschienen.\u00a0 Und die Sammelklage entbehre jeder rechtlichen Grundlage<\/p>\n<p>W\u00e4hrend also die \u201eGastwelt-Denkfabrik\u201c Booking.com an seinen Tisch der Kontrolleure in den Aufsichtsrat holt, planen Hotelverb\u00e4nde in ganz Europa\u00a0einen konzertierten Gro\u00dfangriff auf Booking.com, um f\u00fcr die aus ihrer Sicht \u201e\u00fcberh\u00f6hte Provisionen und unfairen Bedingungen\u201c Schadenersatz zu erhalten. (Tageskarte <a href=\"https:\/\/www.tageskarte.io\/hotellerie\/detail\/ueberhoehte-provisionen-hotelverband-kontert-einwaende-von-bookingcom.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">berichtete<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Alexandros Vassilikos<\/strong>, Pr\u00e4sident von HOTREC, erkl\u00e4rte: \u201eEurop\u00e4ische Hoteliers haben lange unter unfairen Bedingungen und \u00fcberh\u00f6hten Kosten gelitten. Jetzt ist es an der Zeit, gemeinsam aufzutreten und Wiedergutmachung zu fordern. Diese gemeinsame Initiative sendet eine klare Botschaft: Missbr\u00e4uchliche Praktiken im digitalen Markt bleiben nicht unbeantwortet.\u201c<\/p>\n<p>Bei der Denkfabrik in Berlin, die auch Sprachrohr f\u00fcr die Hoteliers sein will, sitzen Hotels und Booking.com dennoch an einem Tisch, und Booking ist sogar im Aufsichtsrat. Zweck der Organisation ist auch die \u201eWahrung der gemeinsamen Interessen der Vereinsmitglieder\u201c, die sich in Teilen j\u00fcngst noch vor dem h\u00f6chsten Gericht Europas gegen\u00fcberstanden. Dabei wird der Ton zwischen Vertretern der Hotellerie und Booking.com, auch jenseits der Gerichtss\u00e4le, immer rauer.<\/p>\n<p>Als Booking.com im letzten Jahr die Hotels anschrieb und diese aufforderte, eine Fassung des \u201ePartnervertrages mit Booking.com\u201c zu best\u00e4tigen, bezeichnete<strong> Markus Luthe<\/strong>, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des <a href=\"https:\/\/www.hotellerie.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Hotelverbandes Deutschland<\/a> dies als \u201eeinzige Frechheit und einen Versuch der \u00dcbert\u00f6lpelung\u201c. Unmissverst\u00e4ndlich und dreist werde als Verpflichtung der Unterkunft die Einhaltung der Parit\u00e4t von Booking eingefordert, so Luthe damals. \u00a0<\/p>\n<p>Auch Vertreter direkter Mitglieder der Denkfabrik\u00a0sind zu weilen auf Booking.com nicht gut zu sprechen. Motel One ist Mitglieder der Denkfabrik, und dessen Gr\u00fcnder <strong>Dieter M\u00fcller <\/strong>konnte sich 2023 gut vorstellen in Deutschland vollst\u00e4ndig auf Vermittlungsportale zu verzichten. In einem Interview mit der S\u00fcddeutschen Zeitung ging\u00a0M\u00fcller auf Konfrontation zur Online-Plattform Booking\u00a0und sagte: \u201eDas ist ein unsportlicher Wettbewerb, und die Hotellerie wird darauf eine Antwort finden, indem der g\u00fcnstigste Preis nicht \u00fcber die Portale, sondern nur auf der eigenen Seite des Hotels buchbar sein wird. Manchmal fragen wir uns: Wei\u00df Booking \u00fcberhaupt noch, dass sie keine eigenen Hotelzimmer haben und sie Hotels brauchen?\u201c Andererseits ist Motel One-Mitglied in einer Lobby-Vereinigung, bei der die Interessenvertretung eines Wirtschaftszweiges, zum dem auch die Hotellerie geh\u00f6rt, nun auch von einer Booking.com-Vertreterin mit kontrolliert wird.<\/p>\n<p>Booking.com hat seine Lobby-Aktivit\u00e4ten in den letzten Jahren in Berlin best\u00e4ndig ausgebaut. So lud das Unternehmen im letzten Jahr\u00a0unter anderem zu einer Diskussionsveranstaltung im Berliner Parlamentsviertel, die von dem TV-Talker <strong>Markus Lanz<\/strong> moderiert wurde. Auch im Jahr 2024 war Booking.com einer der Hauptsponsoren des Tourismusgipfels des Bundesverbandes der deutschen Tourismuswirtschaft. Die Denkfabrik wird gef\u00fchrt von <strong>Marcel Klinge<\/strong>, einem ehemaligen Bundestagsabgeordneten, der in der vorletzten Legislaturperiode im Bundestag sa\u00df. Veranstaltungen der Lobby-Vereinigung finden regelm\u00e4\u00dfig in R\u00e4umlichkeiten des Parlaments statt. Zwar waren auf der letzten gro\u00dfen Veranstaltung der Denkfabrik keine Politiker aus &#8222;der ersten Reihe&#8220; vertreten, dennoch wird den Mitgliedern die M\u00f6glichkeit geboten, sich in den Hallen des Bundestages zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Berlin gibt es eine Vereinigung, die sich \u201eDenkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG)\u201c nennt. 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