{"id":180487,"date":"2025-06-10T23:09:27","date_gmt":"2025-06-10T23:09:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/180487\/"},"modified":"2025-06-10T23:09:27","modified_gmt":"2025-06-10T23:09:27","slug":"wie-timelean-aus-halle-deutschlands-bahnprojekte-effizienter-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/180487\/","title":{"rendered":"Wie TimeLEAN aus Halle Deutschlands Bahnprojekte effizienter macht"},"content":{"rendered":"<p class=\"fp-paragraph\"><strong>Halle\/MZ.<\/strong> &#8211; Die Idee zu seiner Software hatte Tobias Richter, als er vor etwa zehn Jahren vor einer Wand voller bunter Zettel sa\u00df und dachte: \u201eSo kann ich nicht weiterarbeiten\u201c. Wieso der heute 43-J\u00e4hrige zu dieser Erkenntnis kam, ist komplex. Deswegen nur so viel: Richter ist Projektsteuerer. Er begleitet und organisiert Bauprojekte, fast ausschlie\u00dflich bei der Deutschen Bahn. Daf\u00fcr benutzt er eine spezielle Methode \u2013 das Lean-Management. Was das genau ist, dazu sp\u00e4ter mehr. Zu dieser Methode geh\u00f6rten aber die Zettel, von denen jeder f\u00fcr eine Aufgabe steht. Und weil das Bahnprojekt, das Richter zu dieser Zeit steuerte, sehr gro\u00df war, waren es viele, sehr viele Zettel: \u201eMir wurde klar, dass ich eine Software brauche, um diese Masse an Aufgaben besser zu organisieren\u201c.<\/p>\n<p>Vorzeige-Start-up mit Wurzeln in Halle<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Aus diesem Zettel-Moment ist ein Unternehmen geworden. Es hei\u00dft TimeLEAN, wurde 2019 gegr\u00fcndet und ist, das kann man ohne viel \u00dcbertreibung sagen, ein Start-up, wie es sich Wirtschaftsf\u00f6rderer landauf, landab am liebsten hundertfach backen w\u00fcrden \u2013 gerade in \u00f6konomisch eher tr\u00fcben Zeiten. Wirtschaftlich erfolgreich und mit einer partizipativen Firmenkultur konnte sich TimeLEAN in den vergangenen Jahren in der Branche einen Namen machen und betreut heute einige der wichtigsten Bahnprojekte Deutschlands: mehrere Hochgeschwindigkeitskorridore, die Fehmarnbeltquerung, das ICE-Werk in Cottbus, die Friesenbr\u00fccke an der deutsch-niederl\u00e4ndischen Grenze und nicht zuletzt Stuttgart 21 \u2013 das gr\u00f6\u00dfte Infrastrukturvorhaben Europas.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Um zu erfahren, wie ein junges Unternehmen aus Halle, das 2024 circa zwei Millionen Euro Umsatz machte,  zu diesen Projekten kommen konnte, muss man ins Zentrum der Saalestadt fahren. Dort hat TimeLEAN seit kurzem seinen Sitz in einem alten Sportkaufhaus \u2013 ein durchaus symbolischer Ort. Wo heute mit Software und modernen Arbeitsmethoden Geld verdient wird, machte fr\u00fcher der mittlerweile aus den Innenst\u00e4dten gewichene Einzelhandel Umsatz. \u201eBei uns kommen immer wieder Leute vorbei, die erz\u00e4hlen, wie sie hier Fu\u00dfb\u00e4lle oder Schlittschuhe gekauft haben\u201c, erz\u00e4hlt Saskia Meenken, die bei TimeLEAN f\u00fcr Personal und Firmenkultur zust\u00e4ndig ist. Auf vier Etagen hat sich das Start-up ausgebreitet. \u201eUnser altes B\u00fcro wurde zu klein \u2013 und wir wollten bewusst auch mehr Platz f\u00fcr die Mitarbeiter haben.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"fp-lazyload lazyload\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/99991696-69a7-4623-a733-2c23e42dfe4a.jpeg\"  data- style=\"display: block; width: 100%;\" loading=\"lazy\" alt=\"Von 2013 bis 2025 wurde der Bahnknoten Halle umgebaut und mordernisiert.\"\/>Von 2013 bis 2025 wurde der Bahnknoten Halle umgebaut und mordernisiert.<\/p>\n<p> (Foto: Deutsche Bahn AG)<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Die gesamte untere Etage, die sich nach au\u00dfen hin zu zwei Seiten mit gro\u00dfen Fensterfronten \u00f6ffnet, ist eine Art Gemeinschaftsfl\u00e4che. Hier steht ein gro\u00dfer Tisch, an dem Pausen stattfinden. \u201eWir veranstalten hier auch Workshops und wollen k\u00fcnftig eine Art Akademie etablieren\u201c, verr\u00e4t Tobias Richter. Um die Ecke ist zudem ein abgetrennter Bereich, der mit Pflanzen voll gestellt ist. \u201eDas ist unser Sauerstoffraum\u201c, erkl\u00e4rt Saskia Meenken. \u201eBei der Einrichtung des neuen B\u00fcros waren alle Mitarbeiter beteiligt \u2013 da war das ein gro\u00dfer Wunsch.\u201c<\/p>\n<p>Mitbestimmung als Erfolgsfaktor bei TimeLEAN<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Mitbestimmung, da ist sich Meenken sicher, ist ein Faktor, der \u00fcber den Erfolg einer Firma mitentscheidet. \u201eBei uns soll eben nicht von oben diktiert werden, was gemacht wird.\u201c Damit hebe man sich von anderen Arbeitgebern ab. Das gilt auch f\u00fcr den gesamten Blick auf die Besch\u00e4ftigten. Die werden nicht nur als Arbeitskraft gesehen, die die Aufgaben eines bestimmten Jobs zu erledigen hat. \u201eWir gehen da ganzheitlicher heran, sehen und beachten die vielen verschiedenen Rollen, die Menschen haben &#8211; etwa, wenn sie Eltern sind oder ein Ehrenamt haben.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"fp-lazyload lazyload\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/f3de47f7-c2c8-4df0-affb-7f2c583b88df.jpeg\"  data- style=\"display: block; width: 100%;\" loading=\"lazy\" alt=\"Saskia Meenken ist bei TimeLEAN f\u00fcr die Firmenkultur und das Personal zust\u00e4ndig. \"\/>Saskia Meenken ist bei TimeLEAN f\u00fcr die Firmenkultur und das Personal zust\u00e4ndig. <\/p>\n<p> (Foto: Andreas Stedtler)<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Auch innerhalb des Unternehmens gebe es solche Rollen, die \u00fcber den reinen Job hinausgehen. Ein einfaches Beispiel: Jemand muss sich um die Pflanzen im Sauerstoffraum k\u00fcmmern. \u201eWenn jemand diese Rolle annimmt, hat er weniger Zeit f\u00fcr andere Rollen &#8211; aber das ist dann auch in Ordnung\u201c, sagt Saskia Meenken. Und Tobias Richter erg\u00e4nzt: \u201eMan darf das nicht falsch verstehen: Hier k\u00f6nnen nicht alle den ganzen Tag die Pflanzen gie\u00dfen\u201c, meint der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. \u201eWir haben ja Anforderungen der Kunden und Termine, die wir einhalten m\u00fcssen.\u201c Aber der umfassendere Blick auf die derzeit 29 Mitarbeiter f\u00fchre bei diesen zu einer h\u00f6heren Zufriedenheit, was wiederum motiviere: \u201eNur wenn es den Menschen gut geht, kann es auch der Firma gut gehen &#8211; davon bin ich \u00fcberzeugt\u201c.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Was bei TimeLEAN intern praktiziert wird, ist auch ein Teil dessen, was die Firma innerhalb des Lean-Managements in Projekten anwendet. \u201eLean\u201c ist englisch und bedeutet schlank. Entsprechend wird innerhalb des Lean Managements versucht, Prozesse zu erleichtern, sie zu entschlacken und dadurch zu optimieren  &#8211; also Wartezeiten, \u00dcberproduktionen oder Fehler zu minimieren. Die Methode stammt aus Japan und wurde bei Toyota entwickelt. \u201eEin guter Freund hat mal gesagt: Lean ist Kinderstube mit gesundem Menschenverstand\u201c, erz\u00e4hlt Richter. Man achtet und respektiert sich und hat alle Projektbeteiligten im Blick. Und: \u201eMan darf den letzten nicht vor dem ersten Schritt machen \u2013 sonst f\u00e4llt man auf die Nase.\u201c<\/p>\n<p>Vom Bahnknoten Halle zu Stuttgart 21<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Was klingt wie eine Binsenweisheit, wird oft genug bei Bauprojekten nicht beachtet. Da kommt der Schienenschleifer, bevor die Schiene \u00fcberhaupt verlegt ist. Und das f\u00fchrt zu Verz\u00f6gerungen, die bei vielen Gro\u00dfvorhaben der Republik zu beobachten waren und sind. Ein Beispiel ist das Verkehrs- und St\u00e4dtebauprojekt Stuttgart 21, das eigentlich 2019 fertig sein sollte und bei demTimeLEAN seit Ende 2023 im Rahmen der Terminsteuerung unterst\u00fctzt. Als Retter? So w\u00fcrde Tobias Richter sich nicht bezeichnen. \u201eWir sind eine unabh\u00e4ngige Instanz, die einen neuen Blick auf das Projekt einbringt und die Arbeitsabl\u00e4ufe neu strukturiert\u201c, sagt der Unternehmer.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"fp-lazyload lazyload\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/340c021b-d0ff-4101-8929-fc658a83e5d7.jpeg\"  data- style=\"display: block; width: 100%;\" loading=\"lazy\" alt=\"Teil des Bahnknotens Halle: Derin der Nacht imposant erleuchtete,  neue G\u00fcterbahnhof.\"\/>Teil des Bahnknotens Halle: Derin der Nacht imposant erleuchtete,  neue G\u00fcterbahnhof.<\/p>\n<p> (Foto: Hendrik Schmidt\/dpa)<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Dabei nutzten er und seine Mitarbeiter eine Methode des Lean-Managements, die sich \u201eLetzter Planer\u201c nennt. \u201eWir schauen uns das Projekt vom Ende her an und arbeiten uns zum Ist-Zustand\u201c, erkl\u00e4rt Richter. \u201eWas ist der letzte Schritt vor Erreichen des Ziels, welcher Schritt kommt davor, welcher davor &#8211; und so weiter.\u201c So baue sich ein Prozessbaum auf, der bis zum heutigen Tag dauere. \u201eUnd den kann man dann abarbeiten, mit t\u00e4glichen To-dos, Wochen- und Monatspl\u00e4nen.\u201c Die TimeLEAN-Software, die Richter mit seinen IT-Experten entwickelt hat, bildet genau diese Prozesse ab &#8211; und ersetzt damit die Zettelwand. \u201eDas Gute ist, dass wir den Verantwortlichen vor Ort die Arbeit mit dem Programm beibringen und sie es dann auch ohne uns nutzen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Dass diese Herangehensweise funktioniert, zeigte sich bei Richters erstem Lean-Projekt: dem Bahnknoten Halle. \u201eIch war zuvor in Leipzig beim Citytunnel als Projektsteuerer\u201c, erz\u00e4hlt der Hallenser. Sein Chef habe ihm damals angeboten, beim Bahnknoten mitzuarbeiten &#8211; unter Anwendung des Lean-Managements. \u201eIch kannte das damals gar nicht, habe dann Workshops besucht und mich eingelesen.\u201c Wie sich zeigte, funktionierte die Methode. Der Umbau des Bahnknotens war bis 2025 geplant. \u201eUnd wir sind in diesem Jahr fertig geworden.\u201c<\/p>\n<p>Expansion mit Augenma\u00df: Wohin die Reise f\u00fcr TimeLEAN geht<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Innerhalb des Bahn-Kosmos sprach sich dieser Erfolg herum. \u201eWir mussten uns bisher noch bei keinem Projekt um die Steuerung bewerben, wir wurden immer gefragt\u201c, sagt Richter. Auch bei Stuttgart 21. Dort habe es etwa eineinhalb Jahre gedauert, bis alle Prozesse aufgestellt waren. Damit verbunden war, da TimeLEAN immer mit Terminen arbeitet, auch die Festlegung eines Fertigstellungsdatums. Verraten will Tobias Richter das nicht: \u201eAber ein Ende ist durchaus in Sicht.\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">F\u00fcr TimeLEAN allerdings geht es weiter. Wichtig dabei sei, sagt Saskia Meenken, das Wachstum gut zu steuern. Als N\u00e4chstes er\u00f6ffnet ein B\u00fcro in Hamburg, eines in Dresden gibt es bereits. Auch die Nutzung der Software in anderen Branchen soll vorangetrieben werden. \u201eUns nutzt zum Beispiel schon ein Festival\u201c, sagt Meenken. \u201eAuch andere Baubereiche w\u00e4ren vorstellbar.\u201c Allerdings verbrauchten die aktuellen Auftr\u00e4ge so viele Ressourcen, dass f\u00fcr Expansionen wenig Zeit bleibe. \u201eWenn wir \u00fcbertreiben, geht das zulasten der Mitarbeiter &#8211; und dann auch der Firma\u201c, ist Tobias Richter \u00fcberzeugt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Halle\/MZ. &#8211; Die Idee zu seiner Software hatte Tobias Richter, als er vor etwa zehn Jahren vor einer&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":180488,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1860],"tags":[3364,29,548,663,3934,30,4062,17332,13,14,15,17331,860,12],"class_list":{"0":"post-180487","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-halle-saale","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-germany","14":"tag-halle","15":"tag-halle-saale","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-saale","20":"tag-sachsen-anhalt","21":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114661593483605187","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180487","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=180487"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180487\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/180488"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=180487"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=180487"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=180487"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}