{"id":180789,"date":"2025-06-11T02:03:09","date_gmt":"2025-06-11T02:03:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/180789\/"},"modified":"2025-06-11T02:03:09","modified_gmt":"2025-06-11T02:03:09","slug":"angst-vor-chaos-antenne-muenster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/180789\/","title":{"rendered":"Angst vor Chaos &#8211; Antenne M\u00fcnster"},"content":{"rendered":"<p>Los Angeles (dpa) &#8211; Die Atmosph\u00e4re ist nach den Demonstrationen und den Ausschreitungen in Los Angeles aufgeheizt, als kurz vor Mittag die Nationalgarde am Bundesgef\u00e4ngnis im Stadtzentrum aufmarschiert. In Tarnmontur, mit Schlagst\u00f6cken und Schilden beziehen die Soldaten Stellung &#8211; geschickt von US-Pr\u00e4sident Donald Trump, um die Einwanderungsbeh\u00f6rde ICE zu sch\u00fctzen, die seine beispiellosen Massenabschiebungen durchf\u00fchren soll. Ein Hupen unterbricht die Szene: \u00abSchei\u00df auf ICE, schei\u00df auf die Bullen\u00bb, schreit ein Mann aus einem Auto.\u00a0<\/p>\n<p>Seit Freitag protestieren Menschen in der US-Westk\u00fcstenmetropole, in der fast eine Million Menschen ohne g\u00fcltige Papiere leben, gegen die einsch\u00fcchternden Razzien der Beh\u00f6rden. Meistens friedlich \u2013 doch wenige Ausnahmen sorgen international f\u00fcr Aufsehen: Es gibt sie auch &#8211; die brennenden Autos, Steinw\u00fcrfe auf Polizeiwagen, die Besetzung eines Highways. Viele sehen in den von Trump geschickten Soldaten eine Provokation. Die Angst davor, dass die Situation weiter eskaliert, liegt in der Luft.\u00a0<\/p>\n<p>Trump in Turbulenzen<\/p>\n<p>Eine weitere Zuspitzung k\u00f6nnte Trump nach turbulenten Tagen jedoch politisch gelegen kommen. Noch w\u00e4hrend der Republikaner mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Wei\u00dfen Haus in der vergangenen Woche Steak a\u00df, implodierte seine M\u00e4nnerfreundschaft mit Multimilliard\u00e4r Elon Musk vor den Augen des Landes. Der Schlagabtausch m\u00fcndete darin, dass Musk dem Pr\u00e4sidenten (ohne Belege) in die N\u00e4he des Missbrauchs Minderj\u00e4hriger r\u00fcckte.<\/p>\n<p>Ungew\u00f6hnlicherweise verzichtete Trump auf einen vernichtenden Gegenschlag: Eine anhaltende, offene Feindschaft mit dem wohl reichsten Mann der Welt k\u00f6nnte den Schwung aus Trumps radikalem Umbau der US-Gesellschaft nehmen. Und ein Pr\u00e4sident, der seine eigene Koalition nicht zusammenhalten kann, wirkt schwach. In LA kann Trump nun St\u00e4rke zeigen. Und das tut er.\u00a0<\/p>\n<p>Eine Million ohne Aufenthaltsgenehmigung<\/p>\n<p>Trump hat die gr\u00f6\u00dften Massenabschiebungen der US-Geschichte versprochen. Millionen Menschen, meist aus Lateinamerika, leben seit Jahrzehnten geduldet, aber ohne Aufenthaltserlaubnis im Land. Alleine in Los Angeles &#8211; das die hispanische Identit\u00e4t auch im Namen tr\u00e4gt &#8211; sollen es knapp eine Million sein.<\/p>\n<p>Trump sch\u00fcrte im Wahlkampf Angst vor ihnen und ihrer angeblichen kriminellen Energie. Er bekommt viel Zustimmung f\u00fcr seine harte Linie, auch wenn Studien seine Behauptung widerlegen, Migranten w\u00fcrden die Zahl der Straftaten hochtreiben. Doch das Narrativ h\u00e4lt sich &#8211; und komplettes Chaos in LA w\u00fcrde Trump scheinbar nur best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Viele der \u00abIllegalen\u00bb, wie die Regierung sie nennt, f\u00fcrchten die Staatsmacht, die Trump entfesselt hat: Vermummte ICE-Leute tauchen da in unauff\u00e4lligen Wagen auf Baustellen in Florida und New Orleans oder vor Baum\u00e4rkten in New York und Los Angeles auf und nehmen Menschen ohne Papiere fest. Es droht die Abschiebung. Doch mit der Angst w\u00e4chst auch die Wut \u00fcber unmenschliche Behandlung.<\/p>\n<p>Alltag nur an der Oberfl\u00e4che &#8211; Los Angeles im Ausnahmezustand<\/p>\n<p>Seit Tagen versammeln sich &#8211; manchmal Tausende &#8211; vor dem Bundesgef\u00e4ngnis, wo sie festgenommene Migranten vermuten. Hier und an anderen Orten kam es zu vereinzelten Zusammenst\u00f6\u00dfen. Unter den Protestierenden: viele mit lateinamerikanischen Wurzeln, liberale Trump-Gegner \u2013 und nach Einbruch der Dunkelheit zunehmend Randalierer, die offenbar die Lust an der Gewalt treibt.<\/p>\n<p>Auch wenn das Leben in der Mitte der Metropole auch am Dienstag gr\u00f6\u00dftenteils normal scheint, deuten nicht nur die zahlreichen Schm\u00e4hungen gegen Trump und ICE an den W\u00e4nden im Stadtzentrum auf den Ausnahmezustand hin. Autobahnabfahrten in das Viertel rund um das Gef\u00e4ngnis sind gesperrt, Hubschrauber fliegen \u00fcber den angrenzenden Stra\u00dfen, Hotels verteilen Sicherheitspl\u00e4ne an ihre G\u00e4ste. Die Stadt wappnet sich f\u00fcr eine weitere ungewisse Nacht.<\/p>\n<p>Trump mobilisierte Tausende Soldaten der Nationalgarde und Hunderte Marineinfanteristen gegen den Willen des demokratischen Gouverneurs Gavin Newsom. Die gro\u00dfe Sorge ist, dass die Truppen schlie\u00dflich genau zu dem Chaos f\u00fchren k\u00f6nnten, das Trump zuvor beschworen hatte. Die Situation wird auch als Machtprobe gesehen: Wie weit kann Trump seine Autorit\u00e4t im liberalen Kalifornien ausdehnen? Newsom, dem Pr\u00e4sidentschaftsambitionen nachgesagt werden, wirft dem Pr\u00e4sidenten vor, einen \u00abB\u00fcrgerkrieg auf den Stra\u00dfen Amerikas\u00bb zu provozieren.<\/p>\n<p>\u00abDie Regierung spielt verr\u00fcckt. Und unser Gouverneur spielt mit\u00bb<\/p>\n<p>Viele Menschen in Los Angeles dagegen wiegeln bei solchen Worten ab. Sie kenne das schon, erz\u00e4hlt eine Frau, die im Stadtzentrum bei einer Autovermietung arbeitet: \u00abJedes Mal, wenn es einen Protest gibt, wird es richtig h\u00e4sslich.\u00bb Sonst sei die Nationalgarde aber auch nicht mobilisiert worden. Trumps Ma\u00dfnahme sei unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig: \u00abDie Regierung spielt verr\u00fcckt. Und unser Gouverneur spielt mit, und das macht alles nur noch schlimmer.\u00bb<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen heizen einige amerikanische Medien die Situation an: Die propagandafreundliche rechtskonservative Moderatorin Laura Ingraham l\u00e4sst auf Trumps Haus-und-Hof-Sender Fox News in ihrer abendlichen Show die krassesten Szenen der letzten Tage aus Los Angeles in schneller Folge aneinander schneiden. Das erzeugt den Eindruck, dass in der US-Showmetropole etwas v\u00f6llig aus dem Ruder l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Trump wittert einen Sieg<\/p>\n<p>Am anderen Ende des Landes schaut die New Yorkerin Susan die Show von Ingraham in einer Bar im Flughafen JFK. \u00abDiese verdammten Idioten brennen die ganze Stadt nieder!\u00bb, emp\u00f6rt sie sich. Wenn man sie fragt, r\u00e4umt sie ein, dass sie auch nicht wisse, ob Trumps Soldaten nun das richtige Mittel seien. Aber Autos anz\u00fcnden, Steine auf Polizisten schmei\u00dfen? Das m\u00fcsse bestraft werden.<\/p>\n<p>Es sind genau solche Szenen, die Trump, der sich seit jeher als Vork\u00e4mpfer f\u00fcr Recht und Ordnung geriert, und seiner Bewegung neue Kraft verleihen. Der Pr\u00e4sident wittert einen politischen Sieg und neue Energie im amerikanischen Kulturkampf. Einen Erfolg hat er schon errungen: Von Elon Musk redet erst mal niemand mehr. Wie hoch der Preis daf\u00fcr ist, wird sich noch zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Los Angeles (dpa) &#8211; Die Atmosph\u00e4re ist nach den Demonstrationen und den Ausschreitungen in Los Angeles aufgeheizt, als&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":180790,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1843],"tags":[3364,507,29,30,382,8970,1209,121,139,64],"class_list":{"0":"post-180789","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenster","8":"tag-de","9":"tag-demonstration","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-migration","13":"tag-muenster","14":"tag-nordrhein-westfalen","15":"tag-polizei","16":"tag-regierung","17":"tag-usa"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114662277364177703","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180789","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=180789"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180789\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/180790"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=180789"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=180789"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=180789"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}