{"id":181325,"date":"2025-06-11T07:13:10","date_gmt":"2025-06-11T07:13:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/181325\/"},"modified":"2025-06-11T07:13:10","modified_gmt":"2025-06-11T07:13:10","slug":"nach-welt-recherche-spanische-polizei-beantragt-haftbefehl-gegen-afghanischen-ex-botschafter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/181325\/","title":{"rendered":"NACH WELT-RECHERCHE: Spanische Polizei beantragt Haftbefehl gegen afghanischen Ex-Botschafter"},"content":{"rendered":"<p>Dem fr\u00fcheren afghanischen Botschafter in Spanien, Rahim Peerzada, droht ein Strafprozess: Nach WELT-Recherchen zu Vorw\u00fcrfen sexualisierter Gewalt beantragte die Polizei einen internationalen Haftbefehl. Nun entscheidet ein Richter, ob Spanien seine Auslieferung aus den USA verlangt.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Fast ein Jahr lang ruhten die Ermittlungen. Doch nun gibt es Bewegung <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article255755168\/WELT-Recherche-Nach-Missbrauchsvorwuerfen-drohen-dem-afghanischen-Botschafter-in-Spanien-Ermittlungen.html\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article255755168\/WELT-Recherche-Nach-Missbrauchsvorwuerfen-drohen-dem-afghanischen-Botschafter-in-Spanien-Ermittlungen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">im Fall Rahim Peerzada<\/a>. Eine auf Gewalt gegen Frauen spezialisierte Einheit der spanischen Polizei (UFAM) hat das Verfahren wieder aufgenommen und dem Gericht in Madrid die Ergebnisse ihrer Ermittlungen vorgelegt und einen internationalen Haftbefehl beantragt. <\/p>\n<p>Das geht aus einer E-Mail hervor, die eines der mutma\u00dflichen Opfer erhalten hat und die WELT vorliegt. In dem Schreiben hei\u00dft es: \u201eWir haben dem Gericht alle Informationen \u00fcbermittelt.\u201c Diese betr\u00e4fen die Aussage des mutma\u00dflichen Opfers und \u201eandere m\u00f6gliche Betroffene, die keine Aussage machen wollten\u201c. Weiter hei\u00dft es in der Mail: \u201eJetzt warten wir auf die Entscheidung des Richters, was mit ihm geschehen soll \u2013 ob er ausgeliefert wird oder nicht&#8230;\u201c Der ehemalige afghanische Botschafter in Spanien ist derzeit in den USA inhaftiert. <\/p>\n<p>Die E-Mail ging an eine 37-j\u00e4hrige Afghanin, die vor knapp einem Jahr Vergewaltigungsvorw\u00fcrfe gegen Peerzada erhoben hatte. Sie lebt inzwischen in der N\u00e4he von K\u00f6ln und zeigt sich vorsichtig hoffnungsvoll. \u201eIch hoffe jetzt, dass das Gericht bald t\u00e4tig wird\u201c, sagte die Frau WELT am Telefon. In der ersten Recherche dieser Redaktion wurde sie als Anis bezeichnet und m\u00f6chte weiterhin anonym bleiben. Sie wirft Peerzada vor, sie 2022 in Madrid mit K.-o.-Tropfen bet\u00e4ubt und anschlie\u00dfend vergewaltigt zu haben. \u201eMein Leben wird nie wieder so sein wie zuvor \u2013 aber wenigstens bekomme ich die Chance auf Gerechtigkeit.\u201c<\/p>\n<p>Vor wenigen Monaten stellte sich die Lage noch anders dar: Die Staatsanwaltschaft in Madrid hatte die Vorermittlungen zu den Vorw\u00fcrfen unter Verweis auf Peerzadas diplomatische Immunit\u00e4t eingestellt. Nachdem jedoch die WELT im M\u00e4rz die Recherche zu den Vorw\u00fcrfen sexualisierter Gewalt gegen Peerzada ver\u00f6ffentlicht hatte, erkl\u00e4rte das spanische Au\u00dfenministerium, Peerzada vertrete \u201ekeine offizielle Delegation, ist in Spanien nicht akkreditiert und genie\u00dft in unserem Land keine diplomatische Immunit\u00e4t\u201c. <\/p>\n<p>Das Ministerium entfernte ihn und die gesamte afghanische Delegation von der Liste der offiziell im Land akkreditierten Diplomaten. Die Hintergr\u00fcnde der pl\u00f6tzlichen Neubewertung blieben nebul\u00f6s. Aber: Damit wurde der Weg frei f\u00fcr strafrechtliche Ermittlungen gegen den Afghanen, der ab 2021 de facto die Botschaft leitete, nachdem der damalige Botschafter Humayoon Rasaw infolge der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus235312410\/Afghanistan-Die-Fehler-der-Evakuierungsmission.html\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus235312410\/Afghanistan-Die-Fehler-der-Evakuierungsmission.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Macht\u00fcbernahme der Taliban<\/a> im selben Jahr zur\u00fcckgetreten war.<\/p>\n<p>Die Beantragung des internationalen Haftbefehls h\u00e4tte m\u00f6glicherweise fr\u00fcher erfolgen k\u00f6nnen. Eine Recherche der WELT zeigt: Was die Ermittlungen der spanischen Polizei zus\u00e4tzlich verz\u00f6gert haben d\u00fcrfte, war die lange Bearbeitungszeit der deutschen Kollegen. Bereits im Oktober 2024 hatte die spanische Polizei gegen\u00fcber Anis best\u00e4tigt, dass sie die deutschen Beh\u00f6rden gebeten habe, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Eine der WELT vorliegende E-Mail an Anis endet mit den Worten: \u201eWir hoffen, dass sie sich bald mit Ihnen in Verbindung setzen.\u201c<\/p>\n<p>Die Hoffnung der spanischen Ermittler erf\u00fcllte sich jedoch nicht. Im November schrieb dieselbe Polizeieinheit erneut an Anis: \u201eEs tut uns sehr leid zu h\u00f6ren, dass sich bisher niemand mit Ihnen in Verbindung gesetzt hat. Wir werden es erneut versuchen \u2026\u201c<\/p>\n<p>Erst am 17. Dezember 2024 wurde Anis schlie\u00dflich im Rahmen eines spanischen Rechtshilfeersuchens auf der Polizeiwache in Dillenburg als Zeugin vernommen. Doch es vergingen weitere drei Monate, bis die Ergebnisse dieser Befragung an die spanischen Beh\u00f6rden weitergeleitet wurden.<\/p>\n<p>\u201eDie Erledigungsst\u00fccke des hiesigen Rechtshilfevorgangs wurden mit Schreiben vom 14.03.2025 an die spanischen Beh\u00f6rden \u00fcbersandt\u201c, teilte die Staatsanwaltschaft Limburg WELT mit. Anschlie\u00dfend vergingen nochmals rund drei Wochen, bis die Unterlagen in Spanien eintrafen \u2013 da sie per regul\u00e4rer Post statt \u00fcber Interpol-Kan\u00e4le versendet wurden.<\/p>\n<p>Eine mit dem Verfahren vertraute Person erkl\u00e4rte gegen\u00fcber WELT, dass sowohl die lange Dauer als auch der gew\u00e4hlte Versandweg im Vergleich zu \u00e4hnlichen internationalen Rechtshilfeverfahren als \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnlich gelten.<\/p>\n<p>Die Staatsanwaltschaft Limburg teilte auf Anfrage der WELT mit, das Verfahren sei nach seinem Eingang \u201eumgehend bearbeitet\u201c worden. Zu den Gr\u00fcnden f\u00fcr die Verz\u00f6gerung oder f\u00fcr den gew\u00e4hlten Versandweg machte die Beh\u00f6rde keine weiteren Angaben. Auch zu weiteren Einzelheiten \u00e4u\u00dferte sie sich nicht und verwies auf die Zust\u00e4ndigkeit der spanischen Beh\u00f6rden. <\/p>\n<p>Momentan befindet sich Rahim Peerzada in den USA in Haft. Ende M\u00e4rz wurde er bei seiner Einreise am Flughafen Washington Dulles unter dem Namen Mohammad Rahim Wahidi festgenommen. Nach WELT-Recherchen wurde er dort unter anderem von FBI-Beamten zu Vorw\u00fcrfen des sexuellen Missbrauchs befragt, die die WELT Anfang M\u00e4rz \u00f6ffentlich gemacht hatte. Mehrere Frauen hatten im Gespr\u00e4ch mit dieser Redaktion von Peerzadas \u00fcbergriffigem Verhalten berichtet. Eine mittlerweile in Deutschland lebende Betroffene schilderte eine mutma\u00dfliche Vergewaltigung, zwei weitere Frauen werfen ihm ebenfalls sexuelle \u00dcbergriffe vor. Auf die Konfrontation durch WELT reagierte Peerzada mit einer pauschalen Erkl\u00e4rung: Er wies alle gegen ihn erhobenen Vorw\u00fcrfe als unbegr\u00fcndet zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wie zuerst Politico (wie WELT Teil des Axel-Springer-Verlags) berichtete, k\u00f6nnte die Inhaftierung Peerzadas zudem mit einem Verfahren gegen seinen Schwager Farhad Shakeri zusammenh\u00e4ngen. Die US-Staatsanwaltschaft des Southern District of New York beschuldigt Shakeri, ein iranischer Agent zu sein und zusammen mit zwei Komplizen im Auftrag der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) einen Auftragsmord geplant haben soll. Eine Anfrage der WELT an Peerzadas US-Anwalt zur m\u00f6glichen Verbindung blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.<\/p>\n<p><b>Wir sind das WELT-Investigativteam: Haben Sie Hinweise zu Missst\u00e4nden bei der Unido oder \u00e4hnlichen Themen? Dann melden Sie sich gerne, auch vertraulich \u2013 <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256235094\/mailto:lennart.pfahler@welt.de\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;mailto:lennart.pfahler@welt.de&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>per E-Mail <\/b><\/a><b>oder \u00fcber den verschl\u00fcsselten Messenger Threema (X4YK57TU).<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dem fr\u00fcheren afghanischen Botschafter in Spanien, Rahim Peerzada, droht ein Strafprozess: Nach WELT-Recherchen zu Vorw\u00fcrfen sexualisierter Gewalt beantragte&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":181326,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[7451,15323,29,508,30,13,167,60922,14,15,12,4026,15451,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-181325","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-afghanistan","9":"tag-balken-inbox","10":"tag-deutschland","11":"tag-diplomatie","12":"tag-germany","13":"tag-headlines","14":"tag-investigation","15":"tag-metoo-bewegung","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-spanien","20":"tag-taliban","21":"tag-top-news","22":"tag-top-meldungen","23":"tag-topmeldungen","24":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114663496356586977","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/181325","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=181325"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/181325\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/181326"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=181325"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=181325"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=181325"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}