{"id":182958,"date":"2025-06-11T21:48:12","date_gmt":"2025-06-11T21:48:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/182958\/"},"modified":"2025-06-11T21:48:12","modified_gmt":"2025-06-11T21:48:12","slug":"kuenstler-ed-clark-ein-grosses-kunstwerk-steht-ueber-allem-egal-ob-der-maler-schwarz-oder-weiss-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/182958\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstler Ed Clark: \u201eEin gro\u00dfes Kunstwerk steht \u00fcber allem \u2013 egal ob der Maler schwarz oder wei\u00df war\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Meister des abstrakten Expressionismus und des Eigensinns \u2013 der Maler Ed Clark setzte seine Energie in Farben um, die allein vom Bild erz\u00e4hlen. Dem Label \u201eBlack Art\u201c hat er sich immer entzogen, im Gegensatz zu Sammlern und Museumsleuten.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Ed Clark (1926 bis 2019) h\u00e4tte allen Grund gehabt, sauer zu sein. Geboren in New Orleans, aufgewachsen in Chicago und gro\u00df geworden in New York, hielten ihn \u2013 einen der herausragendsten abstrakten Maler seiner Zeit \u2013 der Kunstmarkt und die Museen fast sein Leben lang klein. Doch seine energisch auf die Leinwand gebrachten Farbstreifen leuchten und vibrieren wie Sonnenunterg\u00e4nge, und sie zeugen von einer Zen-artigen Konzentration, die so gar nicht zu seinem lustvollen Lebensstil passte. <\/p>\n<p>Ed Clark wusste, wer er war \u2013 und er muss erkannt haben, dass die kleinen, von afroamerikanischen K\u00fcnstlern betriebenen Galerien in Downtown Manhattan zu klein f\u00fcr ihn waren. Er h\u00e4tte weiter oben mitspielen m\u00fcssen, zwischen dem Museum of Modern Art und den Galerien von Betty Parsons und Sidney Janis, wo Jackson Pollock, Mark Rothko und Willem de Kooning als die erste Generation abstrakter Expressionisten Kunstgeschichte schrieben. Clark trank mit ihnen in der Beatnik-Kneipe Cedar Tavern, ebenso wie er mit Donald Judd und Yayoi Kusama befreundet war. Doch f\u00fcr Schwarze war kein Platz im Kunstbetrieb. <\/p>\n<p>In den gro\u00dfen Kunstmuseen der USA pr\u00e4sentiert zu werden, ging nur mithilfe von Ausstellungen mit Titeln wie \u201eAfro-American Artists: New York and Boston\u201c 1970 im Museum of Fine Arts in Boston oder \u201eAfro-American Abstraction\u201c 1980 im New Yorker P.S.1. Das war so, als h\u00e4tte man das Getto von der Stra\u00dfe in den White Cube geholt. \u201eNiemand w\u00fcrde darauf kommen, eine Schau \u00fcber \u201awei\u00dfe K\u00fcnstler\u2018 zu machen\u201c, konstatierte Clark in einem Interview 1980 \u2013 dem Jahr, als das Studio Museum in Harlem seine Retrospektive ausrichtete und f\u00fcnf Jahre, bevor William Rubins Buch \u201ePrimitivismus in der Kunst des 20. Jahrhunderts\u201c erstmals darauf hinwies, dass die Avantgarde von Picasso bis Pollock ohne die Kunst aus den Kolonien Afrikas und Ozeaniens nicht denkbar ist.<\/p>\n<p>Ed Clark: K\u00fcnstler durch und durch<\/p>\n<p>In diesem Klima hielt sich Clarks Reichweite also in Grenzen. Erst 2013, als ihn das Art Institute in Chicago und der K\u00fcnstler David Hammons in der Jack Tilton Gallery in New York pr\u00e4sentierten, wurde er von einem gr\u00f6\u00dferen Publikum \u201eentdeckt\u201c. Fortan vertrat ihn die Megagalerie Hauser &amp; Wirth. Doch da er damals bereits an Demenz litt, ging der sp\u00e4te Ruhm weitgehend an ihm vorbei.<\/p>\n<p>Dass Ed Clark nie verbitterte, sondern das Leben exzessiv genoss, erz\u00e4hlt seine Tochter Melanca WELT: \u201eEr liebte das Leben und die Frauen, und er war ein wundervoller Vater. Die Idee von Treue war ihm fremd, auch wenn er viermal verheiratet war. Er bereiste die Welt und sog alles in sich auf. Und er verk\u00f6rperte er genau das, was er war: K\u00fcnstler durch und durch.\u201c Clark wusste das schon von klein auf. Das Kunststudium in Chicago erm\u00f6glichte ihm die G.I. Bill f\u00fcr Veteranen, nachdem er im Zweiten Weltkrieg auf Guam gedient hatte. Das Geld reichte, um es in Paris fortzusetzen. <\/p>\n<p>Im Louvre stand er stundenlang vor den Impressionisten und den rosa und hellblau leuchtenden Gem\u00e4lden der Renaissance. Er freundete sich mit Joan Mitchell, Sam Francis und Al Held an, den amerikanischen K\u00fcnstlern der dortigen Szene, und er traf sein Idol, den abstrakten Maler Nicolas de Sta\u00ebl. Seinen fig\u00fcrlichen Malstil legte er schnell ab und landete im Kubismus, der da allerdings schon fast verj\u00e4hrt war. <\/p>\n<p>Als Kunstzentrum wurde das Paris der Nachkriegszeit gerade von New York abgel\u00f6st, wo der Abstrakte Expressionismus als Inbegriff des amerikanischen Freiheitsgef\u00fchls aufkam. Also packte Clark 1956 die Koffer fand dort mit dem Action Painting seine Sprache: eine Mischung aus Farbfeldmalerei und expressiven, aber dennoch reduzierten, klar und oft horizontal gesetzten Gesten, die er mit einem Besen auf raumf\u00fcllende Leinw\u00e4nde brachte.<\/p>\n<p>Wie hochpolitisch und diese subtil performative Geste war, hat damals niemand verstanden, und auch Clark sah seine Kunst nicht als Politik. Sie war f\u00fcr ihn das Feld der Emotionen, so wie das Leben selbst es war. Statt einer \u201eIn your face\u201c-Metapher f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung der Schwarzen war der Besen vor allem die Verl\u00e4ngerung seines Armes und die Malerei das Medium, mit dem er nichts anderes als Licht und Raum erzeugen wollte. <\/p>\n<p>\u201eIch versuche, das Farbfeld als solches herauszufordern\u201c, sagte er 1980 in einem Interview. \u201eManchmal scheitere ich, wenn es zu sehr an Natur erinnert, denn darauf will ich nicht bewusst hinaus. Ich m\u00f6chte malen, wie die Farbe wirkt, auch psychologisch.\u201c Heraus kamen Bilder von einer so sinnlichen Sogkraft und pulsierenden Pr\u00e4zision, dass man sich fragt, wie sie so lange im Dunkeln der Kunstgeschichte bleiben konnten.<\/p>\n<p>Clark wusste darauf schon fr\u00fch eine Antwort. 1969, als er tempor\u00e4r wieder in Paris wohnte, schrieb er einen Artikel in der Publikation der Galerie Maeght \u00fcber den Rassismus in der Branche, in der \u201ewei\u00dfe K\u00fcnstler totale Freiheit haben, w\u00e4hrend Schwarze keinerlei Unterst\u00fctzung bekommen.\u201c Anlass war seine Teilnahme an der Schau \u201eLes Trois Noirs U.S.A.\u201c im American Center for Artists in Paris, der er nur widerwillig zugestimmt hatte.<\/p>\n<p class=\"c-inline-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<ul class=\"c-inline-teaser-list__content\">\n<li class=\"c-inline-teaser-list__element\">\n<p>Weltplus ArtikelKulturelle Aneignung<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201eMir gefiel es nicht, weil es sich f\u00fcr mich so anf\u00fchlte, als w\u00fcrde man Amerikas schmutzige W\u00e4sche in Frankreich ausbreiten\u201c, sagte Clark in dem besagten Gespr\u00e4ch. \u201eUnd tats\u00e4chlich \u2013 sie bewerteten die Ausstellung nicht \u00e4sthetisch, sondern politisch. Sie wurde in allen Magazinen erw\u00e4hnt, aber nie ging es um die Werke, sondern nur um das Schicksal der Schwarzen in Amerika. Ich f\u00fchlte mich dabei nicht wohl. In Frankreich hatte ich mich bis dahin immer einfach als K\u00fcnstler gef\u00fchlt.\u201c Als solche Motto-Ausstellungen auch in den USA stattfanden, gaben Besitzer von Clarks Werken seine Bilder ohne sein Einverst\u00e4ndnis als Leihgaben.<\/p>\n<p>Oft waren es schwarze Sammler, die, wie Clark beklagte, nur <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus180957856\/Blackness-Was-ist-eigentlich-schwarze-Kunst.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus180957856\/Blackness-Was-ist-eigentlich-schwarze-Kunst.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schwarze K\u00fcnstler<\/a> kauften. Dass deren Kunst, wie er es umschrieb, immer \u201eirgendwie \u201aethnisch\u2018 und \u201adschungelhaft\u2018\u201c aussehen musste, um \u00fcberhaupt gesehen zu werden, \u00e4rgerte ihn ebenfalls \u2013 dazu z\u00e4hlte er auch die Malerei von Jean-Michel Basquiat und Faith Ringgold. F\u00fcr ihn bedienten sie schwarze Klischees des \u201ePrimitiven\u201c, statt in k\u00fcnstlerische Fragen einzutauchen und sich im Kunstbetrieb auf Augenh\u00f6he zu behaupten.<\/p>\n<p>Man w\u00fcrde gern wissen, was Clark zu den Tendenzen der vergangenen Jahre gesagt h\u00e4tte, als Galerien, Museen und Biennalen begannen, sich im Namen der sogenannten Identit\u00e4tspolitik in spr\u00f6de, ethnografische Kitschkabinette zu verwandeln, in denen \u00c4sthetik gegen Politik eingetauscht wird und Wandtexte sich lesen wie Aufs\u00e4tze aus dem Sozialkundeunterricht. Clark dagegen hat in seiner Downtown-Szene keine \u201eBlack Art\u201c-Bewegung erlebt: \u201eEs wurde nicht politisch \u00fcber Rasse gesprochen oder in die Kunst hineingelesen.\u201c Dennoch wusste er genau, wie die Machtmechanismen funktionierten.<\/p>\n<p>\u201eIch bekomme jetzt wegen der \u201aSchwarzen-Thematik\u2018 mehr Aufmerksamkeit, auch wenn im Museum of Modern Art niemand meinen Namen kennt\u201c, sagte er. \u201eIch bin sicher, es ist unbewusst. Die Kuratoren denken nicht: \u201aWir schlie\u00dfen schwarze K\u00fcnstler aus.\u2018 Das ist das Letzte, woran sie denken. Sie ignorieren uns einfach \u2013 weil sie sich nicht vorstellen k\u00f6nnen, dass wir dazugeh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4t von Clarks Arbeiten, die bei <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.hauserwirth.com\/hauser-wirth-exhibitions\/ed-clark-paint-is-the-subject\/\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.hauserwirth.com\/hauser-wirth-exhibitions\/ed-clark-paint-is-the-subject\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Hauser &amp; Wirth<\/a> beim Zurich Art Weekend vorgestellt werden, spricht in ihrer Energie f\u00fcr sich. Seine Bilder sind klar, kraftvoll und autonom, strahlend, ernsthaft und lebensfroh. Sie sind Akte der Selbstbehauptung, ohne Politik zu machen. Das Pochen auf Identit\u00e4t, um sich abzugrenzen und sich allein \u00fcber seine Zugeh\u00f6rigkeit zu einer unterdr\u00fcckten Minorit\u00e4t zu identifizieren, h\u00e4tte seinem Kunststreben widersprochen.<\/p>\n<p>Ed Clark wollte kein Opfer sein, weder als Mensch noch als K\u00fcnstler. Sosehr er Ausgrenzung und Rassismus erfahren musste und benannte, so eigenm\u00e4chtig setzte er sich dar\u00fcber hinweg und lebte das Leben, das ihm gefiel. Er wusste: \u201eEin gro\u00dfes Kunstwerk steht \u00fcber allem. Es ist egal, ob Goya wei\u00df oder schwarz war.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEd Clark. Paint Is the Subject\u201c, 13. Juni bis 13. September 2025, Galerie Hauser &amp; Wirth, Z\u00fcrich. Die Ausstellung er\u00f6ffnet zum Zurich Art Weekend, das vom 13. bis 15. Juni in mehr als 70 Galerien, Museen und Off-Spaces stattfindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Meister des abstrakten Expressionismus und des Eigensinns \u2013 der Maler Ed Clark setzte seine Energie in Farben um,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":182959,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,61330,29,2907,214,9718,30,1794,2148,2705,215],"class_list":{"0":"post-182958","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-clark","10":"tag-deutschland","11":"tag-ed","12":"tag-entertainment","13":"tag-galerien","14":"tag-germany","15":"tag-kunst-und-design","16":"tag-kunsthandel","17":"tag-malerei","18":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114666936977447729","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/182958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=182958"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/182958\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/182959"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=182958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=182958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=182958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}