{"id":183461,"date":"2025-06-12T02:25:16","date_gmt":"2025-06-12T02:25:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/183461\/"},"modified":"2025-06-12T02:25:16","modified_gmt":"2025-06-12T02:25:16","slug":"deutsche-sympathien-fuer-trumps-diktaturplaene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/183461\/","title":{"rendered":"Deutsche Sympathien f\u00fcr Trumps Diktaturpl\u00e4ne"},"content":{"rendered":"<p>Es ist gerade eine Woche her, seit Bundeskanzler Friedrich Merz den amerikanischen Pr\u00e4sidenten Donald Trump im Oval Office umschmeichelte und von der deutschen Presse daf\u00fcr gefeiert wurde, dass er sich gut mit dem rechtsextremen R\u00fcpel im Wei\u00dfen Haus verstand. Seither ist zur Gewissheit geworden, dass Trump nicht nur ein Politiker mit faschistischen Neigungen ist, sondern gezielt die Errichtung einer Milit\u00e4rdiktatur unter seiner pers\u00f6nlichen Kontrolle anstrebt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/d9ba058f-ae86-4714-9b9a-b8999bcba415\" style=\"max-height:100%\"\/>Bundeskanzler Friedrich Merz und Pr\u00e4sident Donald Trump im Oval Office [Photo by Bundesregierung\/Steffen Kugler]<\/p>\n<p>Das ist die Bedeutung von Trumps Entscheidung, die Nationalgarde und Milit\u00e4reinheiten nach Los Angeles und in andere amerikanische St\u00e4dte zu schicken, um die Massendeportation von Migranten zu erzwingen und Proteste dagegen gewaltsam zu unterdr\u00fccken. Wie die WSWS <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/06\/10\/pers-j10.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aufgezeigt<\/a> hat, schafft Trump in einem kalkuliert herbeigef\u00fchrten und fortschreitenden Staatsstreich einen neuen, diktatorischen Rahmen f\u00fcr die kapitalistische Klassenherrschaft.<\/p>\n<p>Doch obwohl sich dieser schleichende Staatsstreich auf offener B\u00fchne vollzieht, hat bisher nicht ein f\u00fchrender deutscher Politiker dagegen protestiert oder auch nur warnend die Stimme erhoben. Dieselben Politiker, die nicht m\u00fcde werden, die Kriegsoffensive gegen Russland mit der Verteidigung von \u201eFreiheit\u201c, \u201eDemokratie\u201c und \u201ewertebasierter Ordnung\u201c zu rechtfertigen, h\u00fcllen sich in Schweigen, wenn in den USA die Demokratie zerschlagen wird.<\/p>\n<p>Viele hegen heimliche oder offene Sympathien f\u00fcr Trump. Sie f\u00fcrchten zwar seine Handelskriegsma\u00dfnahmen und einen m\u00f6glichen R\u00fcckzug aus der Nato, aber sein brachiales Vorgehen gegen Migranten und Oppositionelle verfolgen sie mit heimlicher Bewunderung und Neid. Das wird sehr deutlich, wenn man die Kommentare von Journalisten liest, die in der Glasglocke der Berliner Politik in enger Symbiose mit f\u00fchrenden Politikern leben.<\/p>\n<p>Einige verstehen sehr gut, was in Washington vor sich geht. So schreibt der langj\u00e4hrige SZ-Journalist und Historiker Joachim K\u00e4ppner in der S\u00fcddeutschen Zeitung, Amerikas Demokratie habe \u201e\u00fcber zweieinhalb Jahrhunderte autorit\u00e4ren Versuchungen widerstanden\u201c, doch jetzt schwinde die Gewissheit mit jeder Woche, \u201edass die Demokratie nicht durch eine entfesselte Exekutive dauerhaft geschw\u00e4cht wird\u201c. Der US-Pr\u00e4sident zeige, \u201edass er keine Mittel zu jenem autorit\u00e4ren Umbau der Gesellschaft scheut, den seine Gegner zu Recht bef\u00fcrchten\u201c.<\/p>\n<p>Auch der Spiegel bezeichnet Trumps Vorgehen in einem Leitartikel seines New Yorker Korrespondenten Marc Pitzke als \u201eein kalkulierter Schritt in Richtung einer autorit\u00e4ren Regierung\u201c. Ihm gehe es \u201eum die schlagkr\u00e4ftige Inszenierung seines Allmachtsanspruchs, den er auch auf allen anderen Feldern durchsetzt\u201c. Die n\u00e4chsten Schritte w\u00e4ren die Aktivierung des Insurrection Acts und \u201edie Ausrufung eines Notstands, womit sich Wahlen aushebeln lie\u00dfen\u201c.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/international-mayday-online-rally-2025.html?utm_campaign=imd2025&amp;utm_term=article-banner-de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/1749695113_900_7202b309-0152-4e1f-b3a5-9a2ca134b7e0\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/1749695114_535_ce02ee3a-cbae-4ad7-99c8-95cceb4f6e23\"\/><\/a><\/p>\n<p>Doch Schlussfolgerungen ziehen beide Autoren keine. Selbst die Frage, weshalb niemand ein Amtsenthebungsverfahren gegen den M\u00f6chtegern-F\u00fchrer im Wei\u00dfen Haus anstrebt, wie es gegen Richard Nixon oder Bill Clinton aus viel geringerem Anlass stattfand, stellen sie nicht. Das w\u00fcrde sie zwingen, sich mit den Demokraten auseinanderzusetzen, die \u2013 abgesehen von einigen hohlen Worten \u2013 keinen Widerstand gegen Trump leisten. Diese f\u00fcrchten die sich entwickelnde Massenbewegung viel mehr als eine autorit\u00e4re Diktatur und sprechen f\u00fcr die gleiche Finanzoligarchie wie Trump.<\/p>\n<p>Auch Kritik an der deutschen Regierung, die sich weiterhin um beste Beziehungen zu Trump bem\u00fcht, sucht man vergebens. Schlie\u00dflich ist K\u00e4ppners langj\u00e4hriger Kollege Stefan Kornelius, der 37 Jahre lang f\u00fcr die SZ schrieb, zuletzt als Ressortleiter Politik, inzwischen als Sprecher der Bundesregierung daf\u00fcr verantwortlich, Merz\u2018 Politik unter das Volk zu bringen.<\/p>\n<p>Andere Journalisten bem\u00fchen sich dagegen gar nicht, ihr Wohlwollen f\u00fcr Trump zu verbergen. Besonders deutlich tut dies Nikolas Busse, der verantwortliche Redakteur f\u00fcr Au\u00dfenpolitik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, des Sprachrohrs der Frankfurter B\u00f6rse.<\/p>\n<p>Busse r\u00e4t zu einem \u201edifferenzierten\u201c Blick auf Trump. Man m\u00fcsse zwischen seiner \u201eneoisolationistischen Au\u00dfenpolitik\u201c, die Europas Sicherheitskonzeption bis ins Mark treffe, und seinem \u201eUmgang mit irregul\u00e4rer Migration\u201c unterscheiden. Hier verfolge Trump \u201eim Grundsatz eine Linie, die sich auch in Europa durchsetzt, sowohl in einzelnen Staaten als auch in der EU\u201c. Dass sich Trump mit Merz so gut verstanden habe, \u201elag zu einem nicht geringen Teil an der Wende in der Asylpolitik, die der Kanzler vollziehen will\u201c.<\/p>\n<p>Busse begr\u00fcndet dann lange, weshalb er Trumps brutale, inhumane Abschiebepolitik grunds\u00e4tzlich unterst\u00fctzt. Im Kern gehe es \u201eum die Frage, wie viel Migration westliche L\u00e4nder vertragen,\u201c schreibt er in AfD-Manier. \u201eDie Vorstellung, dass jeder auf der Welt sich \u00fcberall niederlassen d\u00fcrfe\u201c, sei \u201efr\u00fcher nur eine linke Utopie\u201c gewesen. Inzwischen sei sie in vielen westlichen Staaten Praxis. \u201eDas konnte auf Dauer nicht gut gehen.\u201c Leider h\u00e4tten sich die \u201eParteien, die traditionell im Westen regierten, dieser Einsicht zu lange verschlossen\u201c.<\/p>\n<p>Die Zeit argumentiert \u00e4hnlich wie die F.A.Z., auch wenn sie sich nicht so offen wie diese hinter Trumps Jagd auf Migranten stellt. Stattdessen macht sie Trumps W\u00e4hler \u2013 und die Demonstranten, die gegen seine Gestapo-Methoden protestieren \u2013 f\u00fcr Trumps Staatsstreich verantwortlich.<\/p>\n<p>\u201eTrump ist f\u00fcr sein Versprechen, Kriminelle ohne Aufenthaltsstatus abzuschieben, von einer Mehrheit gew\u00e4hlt worden,\u201c behauptet Zeit-Redakteur Sascha Chaimowicz. Trumps Gegnern wirft er, gest\u00fctzt auf vereinzelte, aufgebauschte Gewaltszenen, vor, Trump weitere Anh\u00e4nger in die Arme zu treiben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/north-30-jahre-krieg\/00.html\" class=\"no-underline pointer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/19b71883-5de1-401a-8f7f-7226c4b24a37\" style=\"max-height:100%\"\/><\/p>\n<p>David North<\/p>\n<p>30 Jahre Krieg: Amerikas Griff nach der Weltherrschaft 1990\u20132020<\/p>\n<p>Seit dem ersten Golfkrieg 1990\u20131991 f\u00fchren die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg.\u00a0Gest\u00fctzt auf ein marxistisches Verst\u00e4ndnis der Widerspr\u00fcche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Milit\u00e4rinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.<\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>\u201eDie Bilder der Gewalt, die in diesen Tagen aus Los Angeles kommen, sind f\u00fcr viele nicht nur Nachrichten, sondern ein emotionaler Angriff auf ihr Sicherheitsgef\u00fchl,\u201c schreibt Chaimowicz. \u201eWenn demokratische Politiker diese Bilder rhetorisch wegmoderieren und sich stattdessen auf die Debatte konzentrieren, ob Trump gerade die Demokratie abschafft, riskieren sie, ein zentrales Moment zu \u00fcbersehen: dass viele Menschen nicht wegen Verfassungsfragen, sondern wegen konkreter \u00c4ngste w\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n<p>Man kennt diese Argumentation aus der Geschichte: Nicht die Industriellen, die Hitler finanzierten, nicht die Politiker, die ihn in die Regierung holten, und nicht die Parteien, die 1933 f\u00fcr das Erm\u00e4chtigungsgesetz stimmten, waren f\u00fcr seinen Aufstieg verantwortlich, sondern die Arbeiter, die den Nazis Widerstand leisteten und damit die \u00c4ngste der Besitzenden und des Kleinb\u00fcrgertums sch\u00fcrten.<\/p>\n<p>Die Nazi-Bonzen, die als Wirtschaftskapit\u00e4ne, Richter, Professoren, Polizeichefs und Gener\u00e4le Hitlers Herrschaft absicherten und nach dem Krieg ihre Karriere in der Bundesrepublik fortsetzten, redeten sich alle damit heraus, dass das \u201eVolk\u201c Hitler unterst\u00fctzt und sie nur Befehle befolgt h\u00e4tten \u2013 eine \u00fcble historische L\u00fcge.<\/p>\n<p>Es gibt in den USA und weltweit rasch wachsenden Widerstand gegen Trump und das kapitalistische System, dessen Niedergang er verk\u00f6rpert.<\/p>\n<p>Trump und andere Rechtsextreme konnten \u00fcberhaupt nur deshalb Wahlerfolge erzielen, weil Demokraten, Sozialdemokraten und angebliche Linke gemeinsam mit den Gewerkschaften jahrzehntelang die soziale Umverteilung zugunsten der Reichen organisiert haben und deshalb zutiefst verhasst sind. Anders als Mussolini und Hitler f\u00fchren Trump und Konsorten keine faschistischen Massenbewegungen von Kriegsveteranen und heruntergekommenen Kleinb\u00fcrgern. Die eigentliche Machtbasis von Trump ist die Oligarchie von Multimilliard\u00e4ren, die durch die systematische Pl\u00fcnderung der Arbeiterklasse entstanden ist.<\/p>\n<p>Aus demselben Grund unterst\u00fctzen deutsche Politiker und Medien Trump oder versuchen, sich mit ihm zu arrangieren. Auch sie f\u00fcrchten, dass die eskalierende kapitalistische Krise heftige Klassenk\u00e4mpfe ausl\u00f6sen wird. Sie reagieren darauf wie in den 1930er Jahren mit Diktatur und Krieg. Die Merz-Regierung geht, wie Trump, brutal gegen Migranten vor, um die demokratische Rechte der gesamten Arbeiterklasse anzugreifen. Und sie r\u00fcstet auf wie seit Hitler nicht mehr, um die wachsenden sozialen Spannungen nachau\u00dfen zu lenken und Eroberungskriege zu f\u00fchren. Die SPD spielt dabei eine f\u00fchrende Rolle.<\/p>\n<p>Der Widerstand dagegen w\u00e4chst und wird weiter wachsen. Die entscheidende Frage ist, ihn mit einer sozialistischen Perspektive zu bewaffnen, welche die Arbeiterklasse international im Kampf gegen den Kapitalismus und f\u00fcr eine sozialistische Gesellschaft vereint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist gerade eine Woche her, seit Bundeskanzler Friedrich Merz den amerikanischen Pr\u00e4sidenten Donald Trump im Oval Office&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":183462,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,9825,16571,13,7893,14,15,12,113,4017,4018,4016,64,4019,4020,103,2021],"class_list":{"0":"post-183461","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-diktatur","11":"tag-faz","12":"tag-headlines","13":"tag-los-angeles","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-trump","18":"tag-united-states","19":"tag-united-states-of-america","20":"tag-us","21":"tag-usa","22":"tag-vereinigte-staaten","23":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika","24":"tag-welt","25":"tag-zeit"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114668026418975061","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/183461","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=183461"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/183461\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/183462"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=183461"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=183461"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=183461"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}