{"id":183763,"date":"2025-06-12T05:20:12","date_gmt":"2025-06-12T05:20:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/183763\/"},"modified":"2025-06-12T05:20:12","modified_gmt":"2025-06-12T05:20:12","slug":"sister-europe-nell-zinks-roman-ueber-verlorene-existenzen-ndr-de-kultur-buch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/183763\/","title":{"rendered":"&#8222;Sister Europe&#8220;: Nell Zinks Roman \u00fcber verlorene Existenzen | NDR.de &#8211; Kultur &#8211; Buch"},"content":{"rendered":"<p>\nStand: 12.06.2025 06:00 Uhr\n<\/p>\n<p class=\"preface\">Nell Zinks Roman &#8222;Sister Europe&#8220; skizziert eine melancholische Berliner Februarnacht voller zielloser Figuren, die durch eine spannungsarme Handlung und subtile Gesellschaftskritik treiben.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Katrin Kr\u00e4mer<\/p>\n<p>So richtig gerne begleitet man die handelnden Figuren nicht in diese ungem\u00fctliche Berliner Februarnacht. Es ist k\u00fchl und regnerisch, man m\u00f6chte keinen Hund vor die T\u00fcre jagen. Schon gar nicht den majest\u00e4tischen Gro\u00dfpudel Mephisto. Des \u00fcberz\u00fcchteten Pudels Kern ist, dass er auch kaltes, feuchtes Wetter nicht vertr\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"quote\">\nEr war sieben Jahre alt und lebhaft und trug sein schwarzes Fell in Lammschur, mit Schnurrbart, Knoten auf dem Kopf und Puscheln an allen Extremit\u00e4ten, ein weicher rabenschwarzer Flaum, der seine empfindliche Haut vor der Sonne sch\u00fctzte.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><b>AUDIO:<\/b> Schriftstellerin Nell Zink zur US-Wahl (4 Min)<\/p>\n<p>Eine tr\u00fcbselige Berlin-Nacht<\/p>\n<p>Der Hund ist aber nur eine Begleiterscheinung im Roman, reine Staffage. Als Livias Besch\u00fctzer darf er aber mit zu einem Kulturevent ins Berliner InterConti-Hotel. An diesem Abend trifft Livia hier ihren alten Freund, den Kunstkritiker Demian. Zur Literaturpreisverleihung werden Demians Freund Toto und sein Internet-Date Avancia ebenso kommen wie Demians Sohn Kilian. Der 15-J\u00e4hrige nennt sich inzwischen Nicole, weil er gerade dabei ist, vielleicht doch eventuell lieber, aber sicher ist er nicht, eine Frau zu werden. Demian hadert mit Kilians Entscheidung, l\u00e4sst es sich aber nicht anmerken, weil ihn das uncool machen w\u00fcrde und politisch total unkorrekt w\u00e4re. Demians Frau, Kilians Mutter Harriet, schaut der Tochterwerdung des Sohns gleichg\u00fcltig zu.<\/p>\n<p class=\"quote\">\nDie Reaktion ihrer Mutter war eher ein &#8222;Was immer Du sagst, Sch\u00e4tzchen&#8220;, und Nicole fragte sich, ob sie ihr \u00fcberhaupt zugeh\u00f6rt hatte.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt l\u00e4sst Nell Zink ihre Figuren viel &#8222;aneinander hin&#8220;, statt miteinander reden in dieser Nacht, die der langweiligen Preisverleihung folgt. Die Auszeichnung ging \u00fcbrigens an den arabischen Autor Masud, das Geld wurde von der Emirs-Witwe Naema gestiftet. Statt ihrer ist ihr schwuler Neffe, Prinz Radi, anwesend und zieht anschlie\u00dfend mit den Zufallsbekanntschaften durch die Nacht. Vorher versucht er aber noch Kilian-Nicole zu verf\u00fchren, die es unbedingt darauf anlegt, erste sexuelle Erfahrungen zu machen. Aber der Prinz z\u00f6gert.<\/p>\n<p class=\"quote\">\nEr wollte nicht, dass es zu einfach war. Au\u00dferdem hegte er einen Widerwillen gegen\u00fcber h\u00fcbschen wei\u00dfen Oberschichtjungs, die ihr Geschlecht wechselten. Eigentlich tauschten die ihre Privilegien doch gegen ein Schild ein, auf dem TRITT MICH stand, das sie in Nicoles Alter aber jederzeit wieder ablegen konnten.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>Zinks Figuren taumeln trostlos umher<\/p>\n<p>Spoiler: Man wird es nicht miteinander treiben. Aber man l\u00e4sst sich treiben in dieser m\u00e4andernden Geschichte. Und aus dieser Ereignis- und Ziellosigkeit besteht im Wesentlichen die d\u00fcnne Handlung. Zinks Figuren sind Gestalten, die nicht wissen, wohin mit sich, die anscheinend auch nicht einmal auf der Suche nach etwas sind. Diese Gemengelage gibt &#8222;Sister Europe&#8220; etwas ungeheuer Trostloses. Dass Nell Zink Gesellschaftssatire kann, hat sie in ihren fr\u00fcheren Romanen bewiesen. In &#8222;Sister Europe&#8220;, titelgebend ist ein &#8211; f\u00fcr den Roman bedeutungslos bleibender &#8211; Song der englischen Punkrockband &#8222;The Psychedelic Furs&#8220;, gibt die Autorin uns zumindest punktuelle Gesellschaftskritik mit auf den Weg. Weil die literaturpreisstiftende omin\u00f6se Naema kaum R\u00fcckmeldungen auf ihre Einladung bekommen hat, wird Demian gebeten, so viele Leute wie m\u00f6glich mitzubringen. Aber im Februar scheint es schwierig zu sein, jemanden zu finden, denn alle jetten &#8211; Klimawandel her oder hin &#8211; durch die Welt.<\/p>\n<p>Wie &#8222;Berlin Alexanderplatz&#8220; auf Speed<\/p>\n<p>Dass ihre eigenen Romanfiguren &#8211; von &#8222;Charakteren&#8220; zu sprechen w\u00e4re falsch, weil bei den nomadischen Existenzen kaum Innenleben beschrieben wird -, sich selbst nur oberfl\u00e4chliche Zukunftsgedanken machen, weil sie nicht einmal einen Gedanken an M\u00fclltrennung verschwenden w\u00fcrden, macht solche Moralismen inhaltsleer. &#8222;Sister Europe&#8220; ist zwar wenigstens in ordentlichem Berlin-Tempo erz\u00e4hlt, ein wenig &#8222;Berlin Alexanderplatz&#8220; auf Speed, der Roman ist aber insgesamt viel zu \u00fcberfrachtet. Starke Handlungsstr\u00e4nge, die die Geschichte zusammenhalten w\u00fcrden, fehlen. F\u00fcr ein Lekt\u00fcrefazit w\u00e4re daher nur noch Demian zu zitieren:<\/p>\n<p class=\"quote\">\n&#8222;Was haben wir hier eigentlich verloren?&#8220;<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>Sister Europe<\/p>\n<p>von Nell \u00a0Zink<\/p>\n<dl>\n<dt class=\"dtHidden\">Seitenzahl:<\/dt>\n<dd>272 Seiten<\/dd>\n<dt class=\"dtHidden\">Genre:<\/dt>\n<dd>Roman<\/dd>\n<dt class=\"dtHidden\">Zusatzinfo:<\/dt>\n<dd>Aus dem Englischen von Tobias Schnettler<\/dd>\n<dt>Verlag:<\/dt>\n<dd>Rowohlt<\/dd>\n<dt>Bestellnummer:<\/dt>\n<dd>978-3-498-00736-2<\/dd>\n<dt>Preis:<\/dt>\n<dd>24 \u20ac<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Dieses Thema im Programm:<\/p>\n<p>NDR Kultur |<br \/>\nNeue B\u00fccher |<br \/>\n12.06.2025 | 12:40 Uhr<\/p>\n<p>Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/Romane-Buch-Rezensionen-Lesungen-und-Podcasts,romane107.html\" title=\"Inhalte zum Thema &#039;Romane&#039;\" aria-label=\"Inhalte zum Thema &#039;Romane&#039;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Romane<\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/ndr_printlogo.gif\" alt=\"NDR Logo\" title=\"NDR Logo\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 12.06.2025 06:00 Uhr Nell Zinks Roman &#8222;Sister Europe&#8220; skizziert eine melancholische Berliner Februarnacht voller zielloser Figuren, die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":183764,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,1797,1796,548,663,158,3934,3935,13,14,438,40925,15,439,440,83,1795,1800,12,61559],"class_list":{"0":"post-183763","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-buch","11":"tag-buchtipps","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europaeische-union","15":"tag-europe","16":"tag-european-union","17":"tag-headlines","18":"tag-nachrichten","19":"tag-ndr","20":"tag-nell-zink","21":"tag-news","22":"tag-norddeutscher-rundfunk","23":"tag-norddeutschland","24":"tag-radio","25":"tag-roman","26":"tag-romane","27":"tag-schlagzeilen","28":"tag-sister-europe"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114668714985606949","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/183763","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=183763"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/183763\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/183764"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=183763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=183763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=183763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}