{"id":184097,"date":"2025-06-12T08:29:11","date_gmt":"2025-06-12T08:29:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/184097\/"},"modified":"2025-06-12T08:29:11","modified_gmt":"2025-06-12T08:29:11","slug":"eine-psychiaterin-fuer-obdachlose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/184097\/","title":{"rendered":"Eine Psychiaterin f\u00fcr Obdachlose"},"content":{"rendered":"<p>&#13;<br \/>\n            Frankfurt\/Main. Viele Menschen, die auf der Stra\u00dfe leben, leiden unter psychischen Problemen. Doch der Weg in eine angemessene Behandlung sei ihnen meist versperrt, sagt Eva Fu\u010d\u00edk. Um Hilfe anzubieten, hat die \u00c4rztin f\u00fcr Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie in Frankfurt am Main eine Praxis er\u00f6ffnet, die sich gezielt an Wohnsitzlose wendet.<\/p>\n<p>Seit September vergangenen Jahres hat die \u00c4rztin mehr als 100 Patientinnen und Patienten behandelt, darunter Menschen mit einer Suchterkrankung oder einer Depression. Andere f\u00fchlten sich verfolgt und h\u00f6rten Stimmen: \u201eDas kann Menschen dazu veranlassen, ihre Wohnung fluchtartig zu verlassen, weil sie f\u00fcrchten, dort \u00fcberwacht zu werden. Sie schlafen dann lieber auf der Stra\u00dfe\u201c, sagt die 47-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>          Hoher Bedarf, wenig Angebot<\/p>\n<p>So k\u00f6nne eine psychische Erkrankung Obdachlosigkeit verursachen. Hilfe zu bekommen, sei f\u00fcr die Menschen schwer bis unm\u00f6glich. Denn sie \u00fcberblickten oft kaum die n\u00e4chsten Wochen, schildert die \u00c4rztin die Situation: \u201eBei den meisten geht es ums \u00dcberleben: Wo kann ich nachts schlafen? Wo bekomme ich Essen? Auch gibt es h\u00e4ufig kein Handy oder kein Guthaben oder keine g\u00fcltige Krankenkassenkarte.\u201c<\/p>\n<p>Psychische Erkrankungen spielten eine zentrale Rolle im Zusammenhang mit Wohnungslosigkeit, sowohl als Ursache als auch als Folge, teilt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe mit. Der Bedarf an Hilfen sei hoch, doch es gebe zu wenige geeignete Angebote.<\/p>\n<p>          \u00c4rztin spricht Obdachlose an<\/p>\n<p>Die Bundesregierung ging nach letzten Zahlen von Anfang 2024 von rund 531.600 wohnungslosen Menschen in Deutschland aus. Auf der Stra\u00dfe oder in Behelfsunterk\u00fcnften lebten demnach rund 47.300 Menschen.<\/p>\n<p>In Frankfurt sucht die \u00c4rztin Fu\u010d\u00edk auch Obdachlose auf, die ihr von den Sozialdiensten genannt werden. Viele gingen trotz schwerer Symptome nicht zum Arzt. Das k\u00f6nne an schlechten Vorerfahrungen, Angst vor weiterer Stigmatisierung oder Scham liegen.<\/p>\n<p>\u201eOft verhindert die psychische Erkrankung selbst, dass Hilfe gesucht wird. Das ist der gro\u00dfe Unterschied zu regul\u00e4ren Praxen, dass wir auf die Menschen zugehen m\u00fcssen\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>Der Praxiser\u00f6ffnung ging eine einj\u00e4hrige Vorlaufzeit voraus, in der gegen\u00fcber den Beh\u00f6rden ausf\u00fchrlich und wiederholt die Notwendigkeit dargelegt werden musste. Schlie\u00dflich erhielt die Praxis eine Genehmigung f\u00fcr zun\u00e4chst zwei Jahre. Sie ist angegliedert an den Franziskustreff, der in Frankfurt ein Fr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr 50 Cent sowie Sozialberatung anbietet.<\/p>\n<p>          Wichtige Unterlagen fehlen<\/p>\n<p>Es gibt auch Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Demenz, Epilepsie oder Gangst\u00f6rungen. \u201eEs ist ein bisschen Detektivarbeit, mit dem Patienten zusammen m\u00fcssen wir schauen, gibt es Angeh\u00f6rige, gab es vielleicht einmal einen Betreuer und welche Medikamente wurden schon eingenommen? H\u00e4ufig fehlen wichtige Unterlagen\u201c, sagt die \u00c4rztin.<\/p>\n<p>Ihre Arbeit beginnt mit dem Aufbau einer Beziehung: \u201eIch spreche die Menschen an, sage, dass ich \u00c4rztin bin und frage, wie es ihnen geht, und irgendwann, vielleicht nach dem dritten Mal, kommen sie auch einmal in die Praxis. Es braucht Zeit, bis die Menschen Vertrauen fassen.\u201c<\/p>\n<p>Um dies zu erreichen, sei es wichtig, regelm\u00e4\u00dfige und verbindliche Sprechstunden anzubieten. \u201eEs ist besonders f\u00fcr die Schwerstkranken wichtig, dass auch diese Versorgung professionalisiert wird. Sie haben die gleiche Behandlung verdient wie jeder andere\u201c, sagt Fu\u010d\u00edk.<\/p>\n<p>Ein Ziel der Praxis wie auch der Sozialberatung ist, die Menschen wieder in eine Krankenkasse zu bringen. F\u00fcr Patienten ohne Krankenversicherung tr\u00e4gt die Franziskustreff-Stiftung die Kosten.<\/p>\n<p>          Normales Leben erm\u00f6glichen<\/p>\n<p>Wenn Fu\u010d\u00edk Medikamente verschreibt, m\u00fcssen die Patienten mehrmals in der Woche in die Praxis kommen, bis eine regelm\u00e4\u00dfige Einnahme sichergestellt ist. \u201eErstes Ziel ist, dass sie auch anderen Menschen vertrauen und beispielsweise in ein Wohnheim gehen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Das kann schnell gehen oder l\u00e4nger dauern. \u201eIch erinnere mich an eine Person, mit der ich immer wieder Kontakt hatte. Nach einem halben Jahr stellte sich heraus, dass sie Stimmen h\u00f6rt und deshalb unter einer Br\u00fccke schl\u00e4ft. Mit den richtigen Medikamenten ging es ihr bald besser. Schlie\u00dflich hatte sie auch wieder eine Wohnung und einen Job\u201c, berichtet die \u00c4rztin. \u201eDen langen Atem muss man haben.\u201c (dpa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#13; Frankfurt\/Main. 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