{"id":18475,"date":"2025-04-09T14:36:14","date_gmt":"2025-04-09T14:36:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/18475\/"},"modified":"2025-04-09T14:36:14","modified_gmt":"2025-04-09T14:36:14","slug":"ob-kandidat-martin-cremer-dortmund-hat-ein-sicherheitsproblem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/18475\/","title":{"rendered":"OB-Kandidat Martin Cremer: \u201eDortmund hat ein Sicherheitsproblem\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Dipl-Kaufmann Martin Cremer (54) tritt als Parteiloser f\u00fcr die Wahl zum Oberb\u00fcrgermeister (OB) an. In der Politik ist er ein unbeschriebenes Blatt. Das k\u00f6nne sein Vorteil sein, meint er.<\/p>\n<p>Wei\u00dfes Hemd und blauer Anzug. Die Haare akkurat gestylt. \u201eDen Kaffee schwarz, bitte.\u201c Das also ist er: Martin Cremer, jener Kandidat, der sich zutraut, auch ohne Parteibuch dem amtierenden SPD-OB Westphal das Amt streitig zu machen. Und, wenn alles gut l\u00e4uft, nach der Wahl im September 2025 als neuer Dortmunder OB ins Rathaus zu ziehen. Kann das funktionieren? Seine Kandidatur jedenfalls hat bei den Parteien f\u00fcr \u00dcberraschung gesorgt. \u201eMartin Cremer? Kenn\u2019 ich nicht, wer ist das?\u201c, hie\u00df es anfangs bei den Gr\u00fcnen. \u201eEr hat keine Partei im R\u00fccken, keine schlagkr\u00e4ftige Organisation. Also keine Chance\u201c, klingt es aus der CDU.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/630_0900_4625013_Offensive-1024x683.jpg\" alt=\"Arbeiter flicken auf einer Stra\u00dfe in Dortmund Schlagl\u00f6cher.\" class=\"wp-image-2001618503\" title=\"Arbeiter flicken auf einer Stra\u00dfe in Dortmund Schlagl\u00f6cher.\"  \/>Es m\u00fcsse mehr Geld in die \u201eStra\u00dfenoffensive\u201c flie\u00dfen, meint Cremer. \u201eDer Verfall wird nur verlangsamt, nicht gestoppt.\u201c\u00a9 Schaper<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat Cremer mit solchen Reaktionen gerechnet. \u201ePolitisch interessiert war ich immer, habe mich aber bewusst nie in einer Partei engagiert\u201c, sagt er. Cremer sieht sich als Dortmunder durch und durch. Er wohnt im Dortmunder S\u00fcden (Stadtbezirk Hombruch), ist verheiratet und dreifacher Familienvater. Nach seinem Abitur am Stadtgymnasium folgte das Betriebswirtschaftsstudium an der M\u00fcnsteraner Wilhelms-Universit\u00e4t, die er als fertiger Dipl-Kaufmann verlie\u00df.<\/p>\n<p>\u201eUnglaubliche Unzufriedenheit\u201c<\/p>\n<p>Martin Cremer ist entfernt verwandt mit der Dortmunder Brauereifamilie Cremer, Inhaber der fr\u00fcheren Thier-Brauerei. In der Brauwirtschaft selber war er aber nicht t\u00e4tig. Er arbeitet als freiberuflicher Unternehmensberater. Zuvor hatte er mehrere F\u00fchrungspositionen inne und war unter anderem als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer verschiedener Unternehmen bei Lensingmedia t\u00e4tig, zu Lensingmedia geh\u00f6ren auch die Ruhr Nachrichten. Seit 2022 sitzt er im Aufsichtsrat von Wilo, einem der gr\u00f6\u00dften und bedeutendsten Unternehmen in Dortmund. Sein Werdegang veranlasst ihn prompt zu einer Klarstellung: Ja, sein beruflicher Hintergrund sei die Privatwirtschaft. \u201eAber ich bin nicht der Kandidat der Dortmunder Wirtschaft\u201c, sagt Cremer. \u201eIch bin der Kandidat der Dortmunder.\u201c<\/p>\n<p>Was ihn bewogen habe, nach dem OB-Amt zu greifen? Er habe in vielen Gespr\u00e4chen mit Freunden, Bekannten und Menschen aus unterschiedlichsten Schichten \u201eeine unglaubliche Unzufriedenheit\u201c festgestellt, sagt er. Sowohl mit den Zust\u00e4nden auf Bundesebene als auch mit denen in Dortmund. \u201eDie Aussagen sind immer extremer geworden\u201c, schildert Cremer. Da es aus der b\u00fcrgerlichen Mitte heraus aber keine Bereitschaft f\u00fcr eine Kandidatur gegeben habe, habe er im November 2024 entschieden, sich \u201eselber als Alternative zur Alternative anzubieten\u201c, wie er sich ausdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Cremer vermeidet es, einen Namen zu nennen. Klar ist aber, dass er damit in direkter Konkurrenz zu CDU-OB-Kandidat Alexander Kalouti tritt. Im Kampf ums OB-Amt sind beide aus Stimmen aus dem b\u00fcrgerlichen Lager zwingend angewiesen. Auffallend: Einen direkten Seitenhieb gegen einen seiner Mitbewerber aber spart Cremer im Verlauf des Gespr\u00e4chs aus.<\/p>\n<p>\u201eMeilenweit von AfD entfernt\u201c<\/p>\n<p>Ihn \u00e4rgert, dass \u201ein Dortmund nichts vorangeht\u201c, wie er es in seiner k\u00fcrzlich pr\u00e4sentierten Video-Botschaft formuliert. Jetzt aber, am Tisch sitzend, wird er an einigen Stellen pr\u00e4ziser, ohne sich in Details zu verlieren. Beispiel City: \u201eWir haben ein Sicherheitsproblem\u201c, konstatiert er. Es k\u00f6nne nicht sein, dass sich Besucher der Dortmunder City \u201ean das Wohlbefinden der Drogenszene auszurichten\u201c h\u00e4tten. Wenn eine Stadt ein Umfeld f\u00fcr Drogenkonsum schaffe, so Cremer, befeuere sie letztlich nur das Gesch\u00e4ftsmodell der Dealer. Gegen die, sagt er, m\u00fcsse deutlich h\u00e4rter vorgegangen werden. Die vor Kurzem gef\u00fchrte, aber l\u00e4ngst nicht ausgestandene Diskussion \u00fcber die Verlegung des Drogenkonsumraums (\u201eCafe Kick\u201c) vom Grafenhof zur K\u00fcpferstra\u00dfe hat er eher mit Kopfsch\u00fctteln verfolgt.<\/p>\n<p>Vielmehr fragt er, wo eigentlich geschrieben stehe, dass eine Stadt einen Drogenkonsumraum haben m\u00fcsse? Man m\u00fcsse sich dar\u00fcber klar werden, was Dortmund wolle. \u201eIst es unser Ziel, ein gepflegtes und sicheres Umfeld zu haben \u2013 oder ist es unser Ziel, m\u00f6glichst viele Kn\u00f6llchen zu schreiben?\u201c Wohl ahnend, dass er damit Kritik auf sich ziehen und seine Aussagen als \u201epopulistisch\u201c abgestempelt werden k\u00f6nnten, f\u00fcgt er sofort an: \u201eVon der AfD bin ich meilenweit entfernt.\u201c<\/p>\n<p>Es ist ja nicht allein das City-Thema, das ihn umtreibt. Auch die \u201eaufgebl\u00e4hte B\u00fcrokratie\u201c in der Verwaltung hat er als Hemmnis ausgemacht. Die Abl\u00e4ufe m\u00fcssten effizienter und damit schneller werden, meint Cremer. Er nennt ein Beispiel: Warum m\u00fcsse bei einem Bauprojekt extra nochmal ein Statiker vor Ort pr\u00fcfen, wenn die Statik doch zuvor von einem staatlich anerkannten Ingenieur berechnet worden sei? K\u00f6nne eine Plausibilit\u00e4tspr\u00fcfung nicht auch reichen? Und \u00fcberhaupt: \u201eBauantr\u00e4ge m\u00fcssten sp\u00e4testens innerhalb von drei Monaten entschieden sein\u201c, findet Cremer. Er sei \u00fcberzeugt, dass es in vielen Teil der Verwaltung Ermessensspielraum zugunsten des B\u00fcrgers gebe. Der werde aber kaum genutzt. \u201eWarum nicht?\u201c, fragt Cremer.<\/p>\n<p>Er braucht 450 Unterschriften<\/p>\n<p>Der Teufel steckt immer im Detail, das wei\u00df er. Und er wei\u00df auch, dass OB Westphal als oberster Chef der Stadtverwaltung gegen\u00fcber ihm in vielen Fragen einen nicht unerheblichen Wissensvorsprung haben d\u00fcrfte. Deshalb arbeitet er sich ein. Er f\u00fchrt an, dass f\u00fcr die Reparatur der Stra\u00dfen ein Gesamtbetrag von 25 Millionen Euro f\u00fcr die Jahre 2025\/2026 vorgesehen sei. \u201eUnd das bei einem Sanierungsstau von insgesamt 570 Millionen Euro\u201c, sagt Cremer.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/630_0900_4625058_Nordbad-1024x683.jpg\" alt=\"Schwimmbecken im Nordbad in Dortmund.\" class=\"wp-image-2001618504\" title=\"Schwimmbecken im Nordbad in Dortmund.\"  \/>Beispiel Nordbad: \u201eMan hat das Gef\u00fchl, um die st\u00e4dtische Infrastruktur ist es schlechter bestellt als in den 80er Jahren\u201c, findet Cremer.\u00a9 RN<\/p>\n<p>Da k\u00f6nne man sich das Ergebnis der aktuellen \u201eStra\u00dfenoffensive\u201c leicht ausrechnen: Der Verfall werde nicht gestoppt, sondern bestenfalls verlangsamt. Stra\u00dfen, Schulen, st\u00e4dtische Geb\u00e4ude, B\u00e4der und Leitungsnetze: \u201eMan hat das Gef\u00fchl, um Dortmunds Infrastruktur ist es schlechter bestellt als in den 80er Jahren\u201c, sagt Cremer.<\/p>\n<p>Er nimmt einen Schluck Kaffee. Seine Botschaften verkauft er schn\u00f6rkellos, klar und fl\u00fcssig. Man nimmt ihm ab, dass er seine Kandidatur ernst meint. Warum er sich zutraue, eine Verwaltung mit 11.000 Mitarbeitern zu f\u00fchren? Antwort: Er habe in seinem Berufsleben in unternehmerischer Verantwortung ebenfalls gr\u00f6\u00dfere Mitarbeiterst\u00e4be geleitet. Im \u00dcbrigen: Wieviel Mitarbeiter habe denn Westphal als Wirtschaftsf\u00f6rderer der Metropole Ruhr geleitet, bevor er 2013 in die Dortmunder Stadtverwaltung gewechselt sei? \u201eAuf den F\u00fchrungsstil kommt es an\u201c, meint Cremer, der sich selbst als \u201efr\u00f6hlichen, geselligen und strategisch denkenden Menschen\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Fragen weicht er selten aus, bleibt aber hier und da etwas unscharf: etwa bei dem Punkt, auf welchen Unterst\u00fctzerkreis er sich verlassen wolle? An den 450 Unterschriften, die er als parteiloser Kandidat bis Anfang Juli vorlegen muss, werde es jedenfalls nicht scheitern. Aber ein OB-Wahlkampf kostet Geld, viel Geld. Zumal Cremer zwei Agenturen (aus Dortmund und Berlin) beauftragt hat und ein Wahlkampf- bzw. Organisationsteam zusammenstellt. Gibt es Zusagen f\u00fcr Spenden von Privatpersonen aus der Dortmunder Wirtschaft, wie kolportiert wird? Cremer schweigt dazu.<\/p>\n<p>\u201eIch kann \u00fcberparteilich agieren\u201c<\/p>\n<p>Kommt das Gespr\u00e4ch auf die vermeintlichen W\u00e4hlerstimmen, verweist er auf die niedrige Beteiligung von gerade 47,05 Prozent bei der Dortmunder OB-Wahl 2020. Da sieht er Potenzial, das es zu aktivieren gelte. Jenen, die damals zuhause geblieben sind, will er sich ganz bewusst als parteiloser Bewerber anbieten \u2013 als Alternative zu allen anderen OB-Kandidaten, die an die Programme ihrer politischen Organisationen gebunden seien. \u201eParteien\u201c, sagt Cremer, \u201enehmen immer nur ihre eigene W\u00e4hlerklientel in den Blick.\u201c<\/p>\n<p>Er nicht. Er als Parteiloser, das ist seine Botschaft, sei an kein Programm gebunden und k\u00f6nne frei agieren. Als \u201e\u00fcberparteilicher OB\u201c k\u00f6nne er zwischen den Ratsfraktionen besser moderieren als jemand, der an Parteiprogramme gebunden sei, sagt Cremer. Seinen Status sieht er eher als Chance denn als Hindernis. Er verweist auf den Mainzer OB Nino Haase. Der war 2023 ebenfalls als parteiloser Kandidat angetreten und holte bei der Stichwahl 63,6 Prozent der Stimmen. Unterst\u00fctzt wurde er dabei lediglich von der \u00d6PD (\u00d6kologisch-Demokratische Partei) und den Freien W\u00e4hlern. Derlei Beispiel machen Cremer Mut. Ende April\/Anfang Mai will er eine \u201eerste Bekanntheitskampage\u201c in Dortmund starten. Wie die aussieht, will er in K\u00fcrze bekanntgeben.<\/p>\n<p>Nach drei Stunden sind die Kaffeetassen leer, das Gespr\u00e4ch geht zuende. Martin Cremer steht auf, er hat noch viel zu tun. Die Suche nach einem geeigneten Wahlkampfb\u00fcro, das er finden muss, d\u00fcrfte noch das Leichteste sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dipl-Kaufmann Martin Cremer (54) tritt als Parteiloser f\u00fcr die Wahl zum Oberb\u00fcrgermeister (OB) an. 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