{"id":18479,"date":"2025-04-09T14:38:14","date_gmt":"2025-04-09T14:38:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/18479\/"},"modified":"2025-04-09T14:38:14","modified_gmt":"2025-04-09T14:38:14","slug":"raubkunst-mdbk-leipzig-gibt-einblicke-in-provenienzforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/18479\/","title":{"rendered":"Raubkunst: MdbK Leipzig gibt Einblicke in Provenienzforschung"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nViele Museen und Sammlungen schauen mittlerweile kritisch auf ihren Bestand, doch immer noch vergehen mitunter Jahrzehnte bis zur Restitution von Raubkunst. Darum wird am 9. April, dem Internationalen Tag der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/deutschland\/gesellschaft\/museum-kunst-herkunft-provenienz-forschung-befragung-sachsen-anhalt-thueringen-kultur-news-100.html\" title=\"Geraubte Kunst: Wie in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Th\u00fcringen geforscht wird\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Provenienzforschung<\/a>, an die immer noch bestehenden &#8222;Grauzonen&#8220; in den Depots und Archiven aufmerksam gemacht \u2013 und auf die Bem\u00fchungen, sie zu kl\u00e4ren. In Leipzig etwa gibt es eine F\u00fchrung mit Ulrike Sa\u00df vom Museum der bildenden K\u00fcnste (MdbK).\n<\/p>\n<p>So erforscht das <a name=\"leipzig\">MdbK Leipzig<\/a> die Herkunft von Kunst<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas MdbK hat nach eigenen Angaben bislang rund 1.200 Objekte an fr\u00fchere Eigent\u00fcmer restituiert. Vor allem in den 1990er- und 2000er-Jahren seien viele Antr\u00e4ge auf R\u00fcckerstattung gestellt worden, durch ehemalige Besitzerinnen und Besitzer oder deren Nachkommen.\u00a0Diese Antr\u00e4ge betreffen Eigentum aus den Jahren bis 1945, aber auch die Zeit danach.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nNeben der verfolgungsbedingten <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/provenienzforschung-ns-raubgut-ausstellung-kultur-news-100.html\" title=\"Leipzig: Stadtgeschichtliches Museum erforscht NS-Raubgut im eigenen Bestand\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Enteignung von j\u00fcdischem Besitz im Nationalsozialismus<\/a> geht es um das Eigentum derer, die nach der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/mauer-grenze\/flucht-geheimes-u-boot-ostsee-fluchtversuch-100.html\" title=\"Spektakul\u00e4rer Fluchtversuch: Mit dem U-Boot aus der DDR\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Republikflucht<\/a> aus der DDR, erzwungener Ausreise oder anderweitiger Enteignung im Osten beispielsweise Kunstgegenst\u00e4nde verloren.\u00a0In gr\u00f6\u00dferen Museen gibt es Expertinnen und Experten, die sich meist in befristeten Vertr\u00e4gen oder projektbezogen mit den Sammlungen besch\u00e4ftigen und sie einem Erstcheck unterziehen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nUlrike Sa\u00df vom <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/ausstellung-rollenbilder-mdbk-kultur-news-100.html\" title=\"Leipziger Museum der bildenden K\u00fcnste arbeitet fehlende weibliche Perspektive auf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">MdbK Leipzig<\/a> hat die einzige feste Personalstelle als Provenienzforscherin in einem <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/chemnitz\/zwickau\/provenienzforschung-kangxi-vasen-glauchau-kultur-news-100.html\" title=\"Museum Glauchau: R\u00fcckgabe von chinesische Vasen an j\u00fcdische Erben\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">s\u00e4chsischem Kunstmuseum<\/a>, um &#8222;pro-aktiv&#8220; der Herkunft von Kunstwerken auf die Spur zu gehen. Ihren Alltag bestimmen dabei nicht die<a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/highlights-mdbk-kunst-museum-kultur-news-100.html\" title=\"Leipzig: Das sind die Highlights 2025 im MdbK\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> Picassos<\/a> oder andere teure Gem\u00e4lde der klassischen Moderne, wie sie betont. Oftmals seien es die kleinen, unscheinbaren Objekte oder Skizzen, mitunter aber auch tats\u00e4chlich Werke namhafter K\u00fcnstler.\n<\/p>\n<p>R\u00e4tsel um Bild von Caspar David Friedrich<\/p>\n<p class=\"text\">\nSo gebe ihr ein Aquarell von <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/caspar-david-friedrich-leipzig-dresden-weimar-108.html\" title=\"Caspar David Friedrich: Hier h\u00e4ngen seine wichtigsten Bilder \u2013 Dresden, Leipzig, Weimar, Erfurt, Rudolstadt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Caspar David Friedrich<\/a> R\u00e4tsel auf: &#8222;Ich wei\u00df aus dem Inventarbuch, dass wir es bei Curt Naubert erworben haben. Aber ich wei\u00df nicht, wo es Curt Naubert 1936 erworben hat. Und das ist der springende Punkt f\u00fcr mich.&#8220; Zumal der Preis ihr recht niedrig erscheint.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nCurt Naubert war ein Kunsth\u00e4ndler aus Leipzig. Gerne w\u00fcsste Ulrike Sa\u00df mehr \u00fcber ihn und die anderen rund zehn <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/dresden\/dresden-radebeul\/diebstahl-diamanten-gruenes-gewoelbe-privatdetektiv-remmo-clan-100.html\" title=\"Kunstdetektiv \u00fcber 40.000-Euro-Betr\u00fcger: &quot;Mit so einer kleinen Summe l\u00e4uft in unserer Branche keiner davon&quot;\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kunsth\u00e4ndler<\/a> und Galerien, die es damals gegeben hat. Hier gebe es &#8222;eine Forschungsl\u00fccke&#8220;, so Sa\u00df. So wisse sie nicht, wie seine Position zum NS-System gewesen sei oder aus welchen Quellen er seine Kunst bezogen habe. Fest steht: Die Leipziger Sammlung, in der sie heute forscht, hat etliche St\u00fccke von ihm \u00fcbernommen.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Gute Provenienzforschung dauert und braucht langen Atem.<\/p>\n<p>Ulrike Sa\u00df<br \/>\nProvenienzforscherin <\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nDass es diese L\u00fccken gebe, sei typisch und keine Ausnahme, sobald sich Provenienzforschung intensiv mit der Herkunftsgeschichte von Sammlungsobjekten auseindersetze, so Ulrike Sa\u00df. &#8222;Das k\u00f6nnen Personen sein, wo wir nicht mal die Biografie kennen. Das k\u00f6nnen Institutionen sein, deren Geschichte wir nicht kennen. Und so k\u00f6nnen wir auch nicht die Geschichte des Kunstwerkes rekonstruieren.&#8220; <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/provenienzforschung-kunstobjekte-100.html\" title=\"Provenienzforschung: den Biografien von Kunstobjekten auf der Spur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gute Provenienzforschung<\/a> brauche langen Atem.\n<\/p>\n<p><a name=\"Geschichte\">Geschichte<\/a> von Herkunft und Verlust erz\u00e4hlen<\/p>\n<p class=\"text\">\nAber es gibt eben auch Gl\u00fccksf\u00e4lle, wie Sa\u00df erz\u00e4hlt: Wenn Kunstwerke an Familien zur\u00fcckgegeben werden, komme es nicht selten vor, dass die neuen Eigent\u00fcmer sie den Museen als Leihgabe \u00fcberlie\u00dfen oder sogar schenkten. &#8222;Manchmal m\u00f6chten Nachfahren einfach nur, dass die Geschichte erz\u00e4hlt wird.&#8220; Es sei wichtig, die Geschichten, die hinter Herkunft und Verlust liegen, zu erz\u00e4hlen, betont die Provenienzforscherin:\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Wenn wir die Geschichten nicht erz\u00e4hlen, erz\u00e4hlt sie niemand. Wir leisten auch Erinnerungsarbeit.<\/p>\n<p>Ulrike Sa\u00df<br \/>\nProvenienzforscherin <\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nSo pr\u00fcfe Provenienzforschung nicht nur, ob Werke rechtm\u00e4\u00dfig in Besitz seien, stellt Ulrike Sa\u00df fest: &#8222;Wir leisten auch Erinnerungsarbeit.&#8220;\n<\/p>\n<p>Wie umgehen mit DDR-Raubkunst?<\/p>\n<p class=\"text\">\nEin Kapitel steht allerdings noch am Anfang: Der Entzug von Eigentum nach 1945. Ber\u00fccksichtigt wurden Personen, die in den 1990er-Jahren einen Antrag gestellt haben, doch mittlerweile sind Fristen verstrichen, \u00c4mter f\u00fcr offene Verm\u00f6gensfragen geschlossen und manche ehemalige Besitzer sehen wenig Chance, hier einen Dialog zu f\u00fchren \u2013 auch, weil der juristische Rahmen derzeit nicht ausreichend ist. Auch f\u00fcr das Leipziger Museum der bildenden K\u00fcnste stelle sich die Frage, &#8222;wie wir mit solchen Entz\u00fcgen umgehen, wir k\u00f6nnen nicht einfach etwas aus einem Bestand weggeben.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSa\u00df hofft auf eine L\u00f6sung, zumal in manchen F\u00e4llen vermutlich doppeltes Unrecht geschehen sei: weil die Objekte den Eigent\u00fcmerinnen und Eigent\u00fcmern zweifach entzogen worden seien, &#8222;zuerst im Kontext des Nationalsozialismus, sp\u00e4ter dann zum Beispiel aus Gr\u00fcnden der Republikflucht&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Viele Museen und Sammlungen schauen mittlerweile kritisch auf ihren Bestand, doch immer noch vergehen mitunter Jahrzehnte bis zur&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":18480,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[11820,129,3364,29,30,11821,66,71,11819,81,2264,11823,11818,4965,859,11822],"class_list":{"0":"post-18479","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-caspar-david-friedrich","9":"tag-ddr","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-herkunft","14":"tag-kulturnachrichten","15":"tag-leipzig","16":"tag-mdbk","17":"tag-mdr","18":"tag-museum","19":"tag-ns","20":"tag-provenienzforschung","21":"tag-raubkunst","22":"tag-sachsen","23":"tag-sowjetische-besatzungszone"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114308520546281410","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18479","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18479"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18479\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18480"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18479"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18479"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18479"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}