{"id":185117,"date":"2025-06-12T17:50:23","date_gmt":"2025-06-12T17:50:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/185117\/"},"modified":"2025-06-12T17:50:23","modified_gmt":"2025-06-12T17:50:23","slug":"oetker-geht-essen-der-gourmetgott-wohnt-in-der-eifel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/185117\/","title":{"rendered":"Oetker geht essen: Der Gourmetgott wohnt in der Eifel"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Waldhotel Sonnora&#8220; \u2013 das klingt so verschroben wie aus der Zeit gefallen. Dabei ist das unaufgeregte Haus in Moseln\u00e4he DAS Mekka f\u00fcr Gourmets \u2013 und hat anders als viele Konkurrenten gar keine Probleme, die Tische vollzubekommen. <\/strong><\/p>\n<p>Beginnen wir mit dem Coup, der den Inhabern des Waldhotels Sonnora vor anderthalb Jahren gelungen ist: Da trat Magdalena Rambichler, selbst Sommeli\u00e8re, einen Schritt zur\u00fcck, um den vielleicht besten Sommelier unseres Landes in ihr Restaurant zu locken. Nun ist Dreis, so der Name des Ortes unweit von Wittlich, nicht der Nabel der Welt, nein, wahrlich nicht, und doch lie\u00df sich Marco Franzelin, Sommelier des Jahres in der Gourmetzeitschrift DER FEINSCHMECKER, hierherlocken. Und zwar aus dem sagenumwobenen Schloss Schauenstein von Koch Caminada im schweizerischen Graub\u00fcnden, wo die Weinkeller so voll wie die Geh\u00e4lter hoch sind.<\/p>\n<p>Das allein zeigt schon, wie besonders dieses Waldhotel am Ende der Moselschleifen sein muss \u2013 wenn einer wie Franzelin sich \u00fcberzeugen l\u00e4sst, hier Dienst zu tun. Und wer einen Abend mit diesem Mann verbringen darf, der versteht schon nach dem ersten Glas, warum der Kerl so grandios ist.<\/p>\n<p>Er ist keiner, der dem Gast mit erhobenem Zeigefinger erkl\u00e4ren muss, wie viel er von Wein versteht. Auch keiner, der irgendwelche \u00fcberkandidelten Weinempfehlungen von Roman\u00e9e-Conti und Co. geben muss, f\u00fcr deren Flaschenpreis man den Erstgeborenen in Zahlung geben m\u00fcsste. Und er ist gottlob auch kein Sommelier, der noch den zweiundzwanzigsten naturvergorenen Orangenwein empfehlen muss, der mit seiner maischevergorenen Brechstange noch die aromatischste Languste plattwalzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Keine Massenware<\/p>\n<p>Nein, dieser Franzelin versteht es einfach, grandiose Pr\u00e4ziosen zu entdecken und sie dann seinen G\u00e4sten zu empfehlen. In enger Zusammenarbeit mit seinem Chefkoch Clemens Rambichler, Magdalenas Ehemann, der, bevor er einen Gang erfindet, nachfragt, welcher Wein denn gut dazu passen k\u00f6nnte. Franzelin hat in der Champagne einige wunderbare kleine Produzenten, die zu den besten ihrer Zunft geh\u00f6ren, Flavien Novack zum Beispiel oder Cl\u00e9ment Perseval. Die produzieren nur wenige Flaschen, aber sind in ihrem Handwerk so genau und dabei preiswert, dass sie f\u00fcr derlei Gourmetmen\u00fcs viel besser taugen als die Massenware von Mo\u00ebt und Co.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Sonnora-Nov-2020-0066.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Das Ehepaar Rambichler, das den Laden mit drei Sternen unaufgeregt f\u00fchrt, stellt alten Tugenden junge Ideen gegen\u00fcber, die kreativ zur Vollendung gebracht werden.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Sonnora-Nov-2020-0066.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Das Ehepaar Rambichler, das den Laden mit drei Sternen unaufgeregt f\u00fchrt, stellt alten Tugenden junge Ideen gegen\u00fcber, die kreativ zur Vollendung gebracht werden.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Alexander Oetker)<\/p>\n<p>Auch bei franz\u00f6sischen und italienischen Weinen hat Franzelin f\u00fcr die Weinbegleitung echte Rarit\u00e4ten auf Lager, die er wohltuend unpr\u00e4tenti\u00f6s erkl\u00e4rt, genau wie die F\u00fclle an Riesling und Wei\u00dfburgunder, die der wunderbare Keller des Sonnora ohnehin bereith\u00e4lt. Da l\u00e4sst sich auch mal ein echter Jahrhundertwein probieren, wie der 1997er Riesling vom Wachauer Nikolaihof.<\/p>\n<p>Und all das macht dieser junge Mann mit seinem bubenhaften Grinsen, er ist schelmisch und sympathisch, nahbar und immer auf Augenh\u00f6he, wahrscheinlich k\u00f6nnte er noch einen Scheich zu seinem ersten Vinho Verde verleiten.<\/p>\n<p> Froschschenkel und Ferkel-Fu\u00df <\/p>\n<p>Doch damit ist nur der erste Glanzpunkt dieses Hauses gesetzt, das vor fast f\u00fcnfzig Jahren in ebendiesem D\u00f6rfchen Dreis als Restaurant geboren wurde, von Helmut Thieltges, Verfechter der gro\u00dfen franz\u00f6sischen Klassik in der K\u00fcche und Chefkoch des Hauses, der 2017 leider viel zu fr\u00fch starb. <\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/WAE-0332.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Im Sonnora kann man auch gleich ins Bett fallen, das ist praktisch.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/WAE-0332.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Im Sonnora kann man auch gleich ins Bett fallen, das ist praktisch.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Alexander Oetker)<\/p>\n<p>Das Ehepaar Rambichler \u00fcbernahm Haus und Herd, Clemens geh\u00f6rte hier schon sechs Jahre zum Team, nun trat er in die riesigen Fu\u00dfstapfen und machte alles richtig: Weil er nicht mit den Traditionen brach, weil er dem Haus seine \u00fcberschaubare Gr\u00f6\u00dfe lie\u00df und weil er die Signature-Gerichte seines Mentors auf der Karte lie\u00df. Noch heute gibt es hier die Froschschenkel oder die Wachtel aus den Vogesen, Kalbszunge und Ferkel-Fu\u00df.<\/p>\n<p>Und die Torte vom Rindertatar mit Kaviar und Cr\u00e8me fra\u00eeche, geschichtet auf einen knusprigen Kartoffelr\u00f6sti, \u00fcber die mein Kollege Christoph Teuner hier vor Jahren eine Liebeserkl\u00e4rung schrieb.<\/p>\n<p>Heute aber soll es um die Grandezza gehen, die Clemens Rambichler hier allabendlich in der K\u00fcche veranstaltet \u2013 ein Feuerwerk der Produkte, niemals um den sch\u00f6nen Schein bem\u00fcht, sondern immer nur um den gro\u00dfen Geschmack.<\/p>\n<p>Das beginnt schon bei der Ouvert\u00fcre, die hier nicht aus kleinen Amuse-Bouches besteht und die alle gemeinsam an den Tisch kommen. Bachsaibling gibt es genau wie ein grandioses Tatar von Tomaten, ein Tartelette von Lachs und noch ein paar Pr\u00e4ziosen, die alle punktgenau warm und perfekt serviert werden. Der Gast merkt gar nicht, dass er schon anderthalb Stunden hier sitzt, angeregt lacht und diskutiert und noch nicht einmal beim ersten Gang angekommen ist.<\/p>\n<p>Gourmet f\u00fcr Anf\u00e4nger  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/ff0310d0-a3a6-4d88-9e41-c82686e01b92.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Auch f\u00fcr Anf\u00e4nger geeignet ...\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/ff0310d0-a3a6-4d88-9e41-c82686e01b92.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Auch f\u00fcr Anf\u00e4nger geeignet &#8230;<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Alexander Oetker)<\/p>\n<p>Dieser kommt dann in Form einer Gillardeau-Auster, die mit Kaviar, kleinen runden Tomaten und Gin aromatisiert ist. Und sie ist in Scheiben aufgeschnitten. Ein perfekter Schachzug, denn damit nimmt Rambichler jedem, der keine Austern mag, die Angst vor der Meeresfrucht. Es ist Gourmetk\u00fcche f\u00fcr Anf\u00e4nger und damit ein Ort, der die Schwellenangst nimmt, auch mal ausgefallene Dinge zu probieren. Genial.<\/p>\n<p>Die Langoustine danach wird in ihrer Schale so anmutig pr\u00e4sentiert und dazu mit Zucchini, Tomaten und Olivenst\u00fcckchen serviert &#8211; es ist eine Liebeserkl\u00e4rung an den S\u00fcden. Genau wie der Hummer, der fest und zutiefst aromatisch schmeckt; die Produktqualit\u00e4t im Sonnora ist wirklich tadellos. Rambichler aromatisiert den Hummer aus der Bretagne mit Curry und Lauch\u00f6l, ein gegrilltes Herz vom Romana-Salat bringt beides: R\u00f6stnoten und Leichtigkeit.<\/p>\n<p>W\u00fcster Roquefort  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/DSC05811.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Die Liebe zum Detail macht, wie so oft, den Unterschied.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/DSC05811.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Die Liebe zum Detail macht, wie so oft, den Unterschied.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Alexander Oetker)<\/p>\n<p>Nach einem hervorragenden Rehr\u00fccken aus der Eifel kommt der K\u00e4sewagen. Nach dem Amuse gab es \u00fcbrigens bereits den Brotwagen &#8211; welch&#8216; herrliche Idee, ein Wagen voller Leckerbissen, Sauerteig, Landbrot, Mohnbr\u00f6tchen und klassisches Baguette, um nur vier der zwanzig Brotwaren zu erw\u00e4hnen. Und auch hier f\u00e4llt auf, wie souver\u00e4n das Personal um Magdalena Rambichler und Marco Franzelin arbeitet, denn es wird tats\u00e4chlich jede der rund f\u00fcnfzig K\u00e4sevarianten in aller Ruhe erkl\u00e4rt. Das ist nicht erm\u00fcdend, sondern richtig spannend. Anschlie\u00dfend wird die Auswahl dem Gast im Uhrzeigersinn so serviert, dass er mit dem leichtesten K\u00e4se starten und dann die aromatische Schraube anziehen kann, um mit dem w\u00fcsten Roquefort zu enden \u2013 so geht Gastfreundlichkeit bis ins kleinste Detail.<\/p>\n<p>Dass die Nachspeise aus Walderdbeeren, Eiswein und Vanille-Eis so fabelhaft ist wie ein warmer Fr\u00fchsommertag, braucht wahrscheinlich nicht mehr extra erw\u00e4hnt zu werden. Und ja, das Men\u00fc im Sonnora ist mit 345 Euro nicht gerade g\u00fcnstig. Dennoch gibt es derzeit wohl kein Drei-Sternelokal in Deutschland, das so pr\u00e4zise und gro\u00dfz\u00fcgig arbeitet, ohne dabei die Liebe zum Gast aus den Augen zu verlieren. Bodenhaftung, mehr Schein als Sein &#8211; wie sollte es sonst auch gehen, hier in der Eifel?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Waldhotel Sonnora&#8220; \u2013 das klingt so verschroben wie aus der Zeit gefallen. 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