{"id":186691,"date":"2025-06-13T08:28:12","date_gmt":"2025-06-13T08:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/186691\/"},"modified":"2025-06-13T08:28:12","modified_gmt":"2025-06-13T08:28:12","slug":"trotz-job-und-sozialem-engagement-kita-mitarbeiterin-abgeschoben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/186691\/","title":{"rendered":"Trotz Job und sozialem Engagement: Kita-Mitarbeiterin abgeschoben"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 13.06.2025 08:30 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Amira ist vor drei Jahren vor den Taliban aus Afghanistan geflohen. Sie arbeitete in einer Kita in Offenbach und hoffte auf ein neues Leben. Doch pl\u00f6tzlich wurde sie nach Litauen abgeschoben. Ihr Kita-Team ist fassungslos.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/emal-atif-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"HR-Redakteur Emal Atif\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/emal-atif-103.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Sprachnachricht kam fr\u00fch am Morgen, eine Kollegin h\u00f6rte sie zuerst. &#8222;Ich kann heute nicht kommen, die Polizei ist da.&#8220; Viel mehr hat Amira nicht gesagt. Kurz darauf war sie verschwunden &#8211; abgeschoben aus dem Alltag einer hessischen Kita in ein Aufnahmelager in Litauen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Mir geht es psychisch sehr schlecht. Ich weine viel und wei\u00df nicht weiter&#8220;, sagt sie tagesschau.de am Telefon. Ihren echten Namen m\u00f6chte sie aus Schutzgr\u00fcnden nicht ver\u00f6ffentlicht sehen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAmira stammt aus Afghanistan<strong>.<\/strong> Vor drei Jahren musste sie ihr Zuhause, ihren Job, ihr Leben zur\u00fccklassen. Nach der Macht\u00fcbernahme der Taliban floh sie zun\u00e4chst nach Litauen, wo sie Schutz erhielt. &#8222;Ich hatte dort eine Aufenthaltserlaubnis und grunds\u00e4tzlich die Arbeitserlaubnis. Aber leider wurde mir dort keine Chance gegeben, mich einzubringen&#8220;, sagt sie. Deshalb sei sie weitergezogen.<\/p>\n<p>    &#8222;Wir waren beeindruckt, aber erst skeptisch&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n2022 begann sie in Offenbach ein neues Leben. Sie lernte Deutsch &#8211; erst mit YouTube-Videos, sp\u00e4ter im Sprachkurs. Dann bewarb sie sich bei der Kita &#8222;Die Krabbelstubb&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Schon bei ihrer Bewerbung waren wir beeindruckt&#8220;, sagt Vorst\u00e4ndin Hanna Fischer. &#8222;Aber wir dachten auch: Das kann man ja heute mit ChatGPT alles gl\u00e4tten.&#8220; Amira \u00fcberzeugte aber auch vor Ort. &#8222;Sie sprach erstaunlich gutes Deutsch, war herzlich, engagiert &#8211; einfach eine Bereicherung.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSchnell \u00fcbernahm sie Verantwortung. Sie betreute eine eigene Kindergruppe, organisierte Yogakurse, schrieb sogar den Kita-Newsletter. &#8222;Und selbst in der Extremsituation der Abschiebung hat sie noch Bescheid gesagt, dass sie nicht kommen kann\u201c, sagt Fischer. Das zeige, welchen Stellenwert die Kita-Arbeit f\u00fcr sie gehabt habe.<\/p>\n<p>    Auf dem Weg zur offiziellen Anerkennung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAmira hatte in Afghanistan P\u00e4dagogik studiert und auch dort als Erzieherin gearbeitet. In Deutschland war sie auf dem Weg zur offiziellen Anerkennung. Gerade lief ihr zweites berufspraktisches Jahr &#8211; der letzte Schritt zur Fachkraft. &#8222;Wir hatten sie fest eingeplant&#8220;, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Bastian Klinzing.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Ich war gl\u00fccklich&#8220;, sagt Amira. &#8222;Ich wollte hier bleiben, arbeiten, einen Unterschied machen f\u00fcr die Kinder.&#8220; Dann kam die Polizei. &#8222;Ich war im Schlafanzug. Ich durfte nur das N\u00f6tigste mitnehmen.&#8220; Ihre Stimme bricht am Telefon. &#8222;Ich wusste: Mein Leben, wie ich es aufgebaut hatte, ist vorbei.&#8220;<\/p>\n<p>    F\u00fcr die Kinder entsteht eine L\u00fccke<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAmira erz\u00e4hlt, dass sie sich ersch\u00f6pft f\u00fchle. Sie habe geglaubt, dass Sprache, Arbeit und gesellschaftliches Engagement ihr eine Perspektive verschaffen w\u00fcrden. Aber das habe niemanden interessiert. Jetzt sei sie verzweifelt und wisse nicht, wie es weitergehen solle. &#8222;Ich h\u00e4tte nie gedacht, dass man so tief fallen kann, obwohl man alles richtig machen wollte.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch f\u00fcr das Kita-Team war es ein Schock. &#8222;Wir waren sprachlos&#8220;, sagt Fischer. F\u00fcr die Kinder sei pl\u00f6tzlich eine L\u00fccke entstanden. Zwei Gruppen mussten zusammengelegt, Eltern informiert werden. &#8222;Alle wollten wissen: Wo ist Amira?&#8220;, sagt sie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wir sprechen st\u00e4ndig \u00fcber Fachkr\u00e4ftemangel&#8220;, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Bastian Klinzing. &#8222;Und dann wird jemand wie Amira einfach abgeschoben? Das ist frustrierend.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Bastian Klinzing und Hanna Fischer vom Kita-Tr\u00e4ger &#8222;Die Krabbelstubb&#8220; setzen sich f\u00fcr Amiras R\u00fcckkehr ein. Sie pr\u00fcfen rechtliche Wege f\u00fcr eine m\u00f6gliche R\u00fcckkehr.\n                    <\/p>\n<p>    Integration spielt im Asylverfahren keine Rolle<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BAMF) teilt auf Anfrage mit: Ob jemand Deutsch lerne, arbeite oder integriert sei, habe &#8222;keinen Einfluss auf das Asylverfahren&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Das BAMF pr\u00fcft ausschlie\u00dflich, ob einer Person bei R\u00fcckkehr in ihr Herkunftsland eine Gefahr droht&#8220;, so die Beh\u00f6rde. Nach einem abgelehnten Asylantrag ergehe eine Ausreiseaufforderung. Die Abschiebung liege dann in der Verantwortung der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Fall Amira war laut Kita-Leitung ausschlaggebend, dass sie bereits in Litauen Schutz erhalten hatte. Eine R\u00fcckkehr w\u00e4re theoretisch \u00fcber ein Arbeitsvisum m\u00f6glich. Nach einer Abschiebung gilt allerdings in der Regel eine Einreisesperre. Wie lange sie in Amiras Fall greift, ist unklar.<\/p>\n<p>    Zur\u00fcck in der Unsicherheit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAmira lebt nun wieder in Litauen in einer Fl\u00fcchtlingsunterkunft, gemeinsam mit ihrem Bruder. Die Bedingungen seien schwierig. &#8222;Ich kann gerade nicht klar denken&#8220;, sagt sie. &#8222;Ich bin verzweifelt. Ich w\u00fcnsche mir einfach, dass das alles nicht wahr ist.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSie vermisse die Kinder, die Kita, das Team. Besonders als Frau falle es ihr schwer, mit der Situation umzugehen, sagt sie. &#8222;In Afghanistan ist es nicht einfach als Frau.&#8220; In Deutschland habe sie gehofft, endlich ihren Platz zu finden. &#8222;Ich hatte das Gef\u00fchl, ich bin angekommen. Jetzt fange ich wieder bei Null an.&#8220;<\/p>\n<p>    Hoffnung auf R\u00fcckkehr<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIhr Appell: &#8222;Ich w\u00fcnsche mir, dass die Beh\u00f6rden nicht nur auf das Papier schauen. Sie sollen sehen, wer ich bin. Warum darf ich nicht bleiben?&#8220; Ihr Schutzstatus in Litauen gilt noch bis 2027. Was danach passiert, wei\u00df sie nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch der Aufenthalt ihrer Familie in Deutschland ist unklar. Trotz allem gibt sie die Hoffnung nicht auf: &#8222;Ich will zur\u00fcck. Ich will meine Ausbildung zu Ende bringen. Das wird f\u00fcr immer mein Traum bleiben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Kita setzt sich weiter f\u00fcr sie ein. &#8222;Wir pr\u00fcfen alle Wege, ob und wie eine R\u00fcckkehr m\u00f6glich ist&#8220;, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klinzing. &#8222;Wir stehen weiter hinter ihr.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 13.06.2025 08:30 Uhr Amira ist vor drei Jahren vor den Taliban aus Afghanistan geflohen. 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