{"id":186964,"date":"2025-06-13T11:05:16","date_gmt":"2025-06-13T11:05:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/186964\/"},"modified":"2025-06-13T11:05:16","modified_gmt":"2025-06-13T11:05:16","slug":"made-in-europe-bonus-mehr-schein-als-substanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/186964\/","title":{"rendered":"Made in Europe-Bonus: Mehr Schein als Substanz?"},"content":{"rendered":"<p>Ab dem 23. Juni 2025 k\u00f6nnen Photovoltaikprojekte in \u00d6sterreich mit einem neuen Bonus punkten \u2013 dem \u201eMade in Europe\u201c-Zuschlag. Wer bei Modulen, Wechselrichtern oder Speichern auf Technik mit europ\u00e4ischer Wertsch\u00f6pfung setzt, erh\u00e4lt bis zu 20 % mehr F\u00f6rderung. Doch was nach einem starken Signal f\u00fcr die heimische PV-Industrie klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als b\u00fcrokratisch enges Korsett. Wie europ\u00e4isch ist dieser Bonus wirklich \u2013 und ist er praxistauglich?<\/p>\n<p>Ein Bonus mit guten Absichten<\/p>\n<p>Der \u201eMade in Europe\u201c-Bonus ist Teil des zweiten und dritten F\u00f6rdercalls im Rahmen der EAG-Investitionszusch\u00fcsse 2025. Ziel ist es, die europ\u00e4ische PV-Industrie zu st\u00e4rken, die Abh\u00e4ngigkeit von asiatischen Lieferketten zu reduzieren und nachhaltige Produktionsstandorte in der EU zu f\u00f6rdern. Bis zu 20 Prozent zus\u00e4tzlich zur Basisf\u00f6rderung gibt es \u2013 vorausgesetzt, die eingesetzten Komponenten stammen nachweislich aus europ\u00e4ischer Wertsch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Diese liegt bei Modulen und Wechselrichtern dann vor, wenn mehrere definierte Fertigungsschritte in einem Mitgliedstaat der Europ\u00e4ischen Union, des Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraums oder in der Schweiz erfolgt sind. F\u00fcr Speicher gen\u00fcgt es bereits, wenn einer der festgelegten Fertigungsschritte in einem dieser L\u00e4nder durchgef\u00fchrt wird. Ma\u00dfgeblich ist dabei eine offiziell ver\u00f6ffentlichte Whitelist der f\u00f6rderf\u00e4higen Produkte.<\/p>\n<p>Auf der Website der EAG-Abwicklungsstelle hei\u00dft es dazu: \u201eF\u00f6rderwerber k\u00f6nnen alle Komponenten, die sich f\u00fcr den Made-in-Europe-Bonus qualifiziert haben, den folgenden Whitelists entnehmen. Die Listen werden durch die EAG-Abwicklungsstelle stets aktuell gehalten und laufend erweitert.\u201c Das klingt nach einem lebendigen System \u2013 doch bislang ist die Auswahl stark eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t auf den Whitelists<\/p>\n<p>Ein Blick in die offiziellen Listen (Stand: 11. Juni 2025) zeigt eine ern\u00fcchternde Auswahl: Bei PV-Modulen sind Bisol, Meyer Burger, Kioto Solar, SoliTek und Eurener gelistet. Im Bereich der Wechselrichter finden sich Fronius, Kaco und Kostal wieder. F\u00fcr Stromspeicher gibt es derzeit nur einen Anbieter: Varta. Einige andere namhafte europ\u00e4ische Hersteller fehlen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel ist Solarwatt. Das Unternehmen produziert seine Module laut eigenen Angaben vollst\u00e4ndig in Dresden \u2013 und trotzdem stehen sie nicht auf der Whitelist. F\u00fcr viele Planer ein \u00c4rgernis, das F\u00f6rderpotenziale blockiert und Vertrauen in die F\u00f6rderlogik untergr\u00e4bt.<\/p>\n<p>Made in Germany, aber ohne Bonus?<\/p>\n<p>Solarwatt produziert laut eigenen Angaben auch im Juni 2025 vollst\u00e4ndig in Dresden. Das Unternehmen wirbt mit \u201e100 % Made in Germany\u201c. Die Fertigung der Glas-Glas-Module erfolgt in Sachsen, doch auf der offiziellen Whitelist fehlen sie. Gr\u00fcnde k\u00f6nnten fehlende Einreichungen, laufende Pr\u00fcfverfahren oder eine bewusste strategische Entscheidung sein. Trotz realer EU-Produktion bleibt der F\u00f6rderbonus damit au\u00dfen vor \u2013 ein Beispiel f\u00fcr die Kluft zwischen politischem Ziel und F\u00f6rderrealit\u00e4t.<\/p>\n<p>Europ\u00e4ische Hersteller abseits der Whitelist<\/p>\n<p>Trotz enger Whitelist gibt es etliche Hersteller, die auf den \u201eersten Blick\u201c in Europa produzieren \u2013 und das per 11. Juni 2025 auch behaupten. Allerdings ist der Begriff \u201enachweislich in Europa gefertigt\u201c in diesem Zusammenhang nicht unproblematisch.<\/p>\n<p>Zum einen: Nicht alle europ\u00e4ischen L\u00e4nder z\u00e4hlen zur EU oder zum EWR \u2013 so sind beispielsweise Albanien und das Vereinigte K\u00f6nigreich au\u00dfen vor.<\/p>\n<p>Zum anderen: Ein Produkt gilt nur dann als \u201eMade in Europe\u201c im Sinne der F\u00f6rderrichtlinie, wenn alle f\u00fcr die Zertifizierung relevanten Fertigungsschritte gem\u00e4\u00df Anhang 1 der Verordnung innerhalb der EU, des EWR oder der Schweiz erfolgen. \u201eWird etwa ein Wechselrichter vollst\u00e4ndig in Deutschland produziert, aber in Bosnien (kein EWR-Mitglied) verpackt, ist er vom Bonus ausgeschlossen\u201c, verr\u00e4t eine Insiderin dem i-Magazin.<\/p>\n<p>Die folgende Auswahl erhebt somit keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit und stellt auch keine Aussage \u00fcber die tats\u00e4chliche F\u00f6rderf\u00e4higkeit dar \u2013 sie zeigt aber das technische Potenzial am europ\u00e4ischen Markt:<\/p>\n<p>\u2022 Wechselrichter:<\/p>\n<p>SMA (Deutschland), Delta Electronics (Slowakei) und Fimer (Italien)<\/p>\n<p>\u2022 Stromspeicher:<\/p>\n<p>Sonnen (Bayern), E3\/DC (Osnabr\u00fcck) und Tesvolt (Wittenberg). Letzteres produziert in seiner neuen Gigafab laut PV Magazine vom 13. Mai 2025 in hoher St\u00fcckzahl automatisiert in Deutschland und m\u00fcsste damit grunds\u00e4tzlich die F\u00f6rderkriterien erf\u00fcllen \u2013 zumindest sofern alle relevanten Fertigungsschritte innerhalb der f\u00f6rderf\u00e4higen Region stattfinden.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Die Definition von \u201eMade in Europe\u201c ist komplex \u2013 und in manchen F\u00e4llen nicht eindeutig.<\/p>\n<p>F\u00f6rderrealit\u00e4t: Die meisten gehen leer aus<\/p>\n<p>Neben den genannten H\u00fcrden kommt ein weiteres Problem hinzu: die enorme \u00dcberzeichnung der F\u00f6rdermittel. Laut Einsch\u00e4tzung eines Branchenprofis reichen die bereitgestellten Budgets im aktuellen F\u00f6rdercall vermutlich nur f\u00fcr drei bis f\u00fcnf Prozent der eingereichten Antr\u00e4ge. Jeder zwanzigste Antrag d\u00fcrfte zum Zug kommen \u2013 der Rest geht leer aus. Die Folge: Entt\u00e4uschte Kundinnen und Kunden, Frust bei Elektrikern und Verz\u00f6gerungen bei Projekten, die l\u00e4ngst geplant sind.<\/p>\n<p>Einige Branchenkenner raten angesichts dieser Realit\u00e4t sogar dazu, aktuell ganz auf die F\u00f6rderung zu verzichten. Denn wer heute auf den Bonus setzt, riskiert nicht nur eine Ablehnung, sondern auch Missverst\u00e4ndnisse mit Kundinnen und Kunden \u2013 die oft nicht nachvollziehen k\u00f6nnen, warum ihr Projekt trotz \u201eeurop\u00e4ischer Technik\u201c keinen Zuschlag erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Lichtblick aus der Branche<\/p>\n<p>Trotz aller Kritik gibt es auch positive Stimmen. Vera Immitzer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Branchenvertretung PV Austria, sieht im neuen Bonus ein zukunftsweisendes Modell: \u201eMit dem \u201aMade in Europe Bonus\u2018 nimmt \u00d6sterreich eine Vorreiterrolle in Europa ein, indem es bereits jetzt gezielt europ\u00e4ische Komponenten in der F\u00f6rderpolitik priorisiert. Damit setzt das Land fr\u00fchzeitig F\u00f6rdervorgaben um, die in den kommenden Jahren EU-weit verpflichtend werden sollen. Es ist ein erster Schritt und ein wichtiges Instrument, um die PV-Industrie in Europa zu unterst\u00fctzen und damit auch ein wichtiges Signal in Richtung wirtschaftlicher Souver\u00e4nit\u00e4t im Energiesektor.\u201c, sagt <a href=\"https:\/\/i-magazin.com\/100-tage-neue-bundesregierung\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Immitzer als Vertreterin des Branchenverbandes.<\/a><\/p>\n<p>Fazit: Bonus mit Hindernissen \u2013 und Hoffnung<\/p>\n<p>Der \u201eMade in Europe\u201c-Bonus ist ein politisches Signal \u2013 aber eines mit komplexer Umsetzung. F\u00fcr eine praxistaugliche Anwendung braucht es klarere Definitionen, bessere Kommunikation und schnellere Zertifizierungsprozesse. Die laufende Erweiterung der Whitelists ist ein Schritt in die richtige Richtung. Entscheidend wird aber sein, wie stark sich Theorie und Praxis k\u00fcnftig ann\u00e4hern. Denn aktuell bleibt das Bonusmodell f\u00fcr viele ambitioniert \u2013 aber kaum nutzbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ab dem 23. Juni 2025 k\u00f6nnen Photovoltaikprojekte in \u00d6sterreich mit einem neuen Bonus punkten \u2013 dem \u201eMade in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":186965,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,1520,548,663,158,3934,3935,13,14,15,1523,62382,62383,42423,12],"class_list":{"0":"post-186964","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-energiewende","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europaeische-union","14":"tag-europe","15":"tag-european-union","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-photovoltaik","20":"tag-photovoltaik-austria","21":"tag-photovoltaik-foerderung","22":"tag-pv","23":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114675733365152306","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/186964","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=186964"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/186964\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/186965"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=186964"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=186964"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=186964"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}