{"id":189286,"date":"2025-06-14T09:00:10","date_gmt":"2025-06-14T09:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/189286\/"},"modified":"2025-06-14T09:00:10","modified_gmt":"2025-06-14T09:00:10","slug":"die-bayern-sind-auch-menschen-otto-rehhagels-verhaengnisvoller-abschied-von-werder-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/189286\/","title":{"rendered":"&#8222;Die Bayern sind auch Menschen!&#8220;: Otto Rehhagels verh\u00e4ngnisvoller Abschied von Werder Bremen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach vierzehn Jahren verlie\u00df Otto Rehhagel im Sommer 1995 seinen Klub Werder Bremen, um in M\u00fcnchen bei den Bayern einen Neuanfang zu wagen. Doch schon bevor er beim Rekordmeister \u00fcberhaupt startete, ging alles schief, was schieflaufen konnte.<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Ich hoffe nicht, dass er sich gedem\u00fctigt vorkommt. Ich habe es vermieden bei den Toren in die Fankurve zu rennen. Man braucht niemanden unn\u00f6tig wild machen.&#8220; Bayerns Nationalspieler Mehmet Scholl machte sich nach dem letzten Spiel der Saison 1994\/95 echte Sorgen um seinen zuk\u00fcnftigen Trainer Otto Rehhagel. Gerade eben hatten die Bayern zu Hause Werder Bremen mit 3:1 besiegt &#8211; und so indirekt Borussia Dortmund zum neuen Deutschen Meister gemacht. Mit ein wenig Gl\u00fcck h\u00e4tte Werder sogar ein Punkt beim Rekordmeister f\u00fcr den Titelgewinn gereicht, doch mit der Niederlage hatten die Bayern-Profis ihrem neuen Coach einen sch\u00f6nen Ausstand bei seinem langj\u00e4hrigen Klub vermiest.<\/p>\n<p>Die Partie war damals deshalb so besonders pikant und ein mediales Gro\u00dfereignis, da Rehhagel Bremen nach unglaublichen 14 Jahren verlie\u00df, um in M\u00fcnchen anzuheuern. F\u00fcr Werders ewigen Trainer ein echter Neuanfang &#8211; und den hatte er sich pers\u00f6nlich eigentlich mit einem sch\u00f6nen und erfolgreichen Abschied gew\u00fcnscht. Auch Mario Basler hatte f\u00fcr die Momente nach dem Schlusspfiff am 34. Spieltag schon einen festen Plan: &#8222;Dann drehen wir mit Otto Rehhagel eine Ehrenrunde und setzen ihn anschlie\u00dfend auf die Bayern-Bank.&#8220; Das fiel nun ins Wasser und Bayerns Kapit\u00e4n Thomas Helmer machte sich \u00e4hnlich wie Scholl so seine Gedanken um Rehhagels Gem\u00fctsverfassung: &#8222;Hoffentlich ist er nicht so sauer, dass der Start bei uns nicht optimal verl\u00e4uft.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Sie haben nach dem Schlusspfiff zwei Spieler entlassen&#8220;<\/p>\n<p>Nur eine Woche zuvor war die Welt des Trainers noch in Ordnung gewesen. Unter Tr\u00e4nen und mit vielen netten Worten &#8211; &#8222;Otto Rehhagel, Mr. Werder Bremen pers\u00f6nlich, wechselt zu Bayern M\u00fcnchen, nachdem er hier alles erreicht hat&#8220;, Stadionsprecher Christian G\u00fcnther &#8211; hatten sie ihren beliebten Coach nach einem Sieg im letzten Heimspiel gen M\u00fcnchen verabschiedet. Allerdings nicht, ohne dem Trainer klar und deutlich zu verstehen zu geben, dass er jederzeit gerne wieder zur\u00fcckkehren k\u00f6nne: &#8222;Kommst Du in Bayern nicht klar, sind wir Bremer f\u00fcr Dich da!&#8220; Rehhagels emotionaler Abschied war vom Trainer selbst mit einem Wunsch begleitet worden. Er bat die Fans, keine &#8222;Hassgef\u00fchle&#8220; gegen\u00fcber den M\u00fcnchenern aufkommen zu lassen, denn, so Rehhagel w\u00f6rtlich: &#8222;Die Bayern sind auch Menschen!&#8220; <\/p>\n<p>Dass er bei Werder geradezu paradiesische Verh\u00e4ltnisse zur\u00fccklassen w\u00fcrde, wusste Rehhagel genau: &#8222;In Bremen habe ich mir im Laufe der letzten Jahre meine Machtposition erarbeitet. Hier quatscht mir niemand rein, und keiner kann sich hinter meinem R\u00fccken bei irgendeinem ausheulen. Nach schlechten Spielen werde ich schon mal sehr laut und schreie was heraus. Am n\u00e4chsten Tag frage ich dann meinen Assistenten Kalli Kamp: &#8218;War ich wieder so laut? Was habe ich Samstag nach dem Spiel gesagt?&#8216; Kalli antwortet dann: &#8218;Trainer, Sie haben nach dem Schlusspfiff zwei Spieler entlassen.&#8216; Ich antworte: &#8218;Sag den Jungs, sie sind wieder eingestellt!'&#8220;<\/p>\n<p>Dass er aber in M\u00fcnchen genau das Gegenteil erleben w\u00fcrde, ahnte der Coach des SV Werder zwar vielleicht, ging aber dennoch relativ naiv an die ganze Geschichte heran. Und so sollte der Schritt des mehrfachen Meistertrainers &#8211; raus aus dem beschaulichen Bremen, hinein in die Weltstadt mit Herz &#8211; am Ende doch viel gr\u00f6\u00dfer sein, als er es sich in seinen k\u00fchnsten (Alb-)Tr\u00e4umen vorher ausgemalt hatte. Denn all das, was in Bremen \u00fcber so viele Jahre als &#8222;K\u00f6nig Otto&#8220; funktioniert hatte, sorgte in M\u00fcnchen f\u00fcr viel Irritation. Tats\u00e4chlich hier und da allerdings auch absolut nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Harald Schmidt l\u00e4stert \u00fcber Otto Rehhagel<\/p>\n<p>Denn allen Ernstes hatte Rehhagel im Sommer vor drei\u00dfig Jahren angeregt, dass man seine Frau Beate zur bayrischen Kultusministerin ernennen k\u00f6nne. Ein Vorschlag, der vor allem im Ministerium selbst ein gro\u00dfes Echo erzeugte. Man fertigte eigens eine Presseantwort an, in der es hie\u00df, dass man im Moment leider keinerlei Bedarf habe (man sei mit Hans Zehetmaier sehr gut besetzt auf dieser Position) und man sich &#8222;angesichts der finanziellen Situation der \u00f6ffentlichen Haushalte&#8220; fast sicher sei, die &#8222;Abl\u00f6sesumme f\u00fcr Frau Rehhagel&#8220; nicht stemmen zu k\u00f6nnen. In einem Gegenvorschlag empfahlen sie aber die Neubesetzung der Bayern-Bank noch einmal zu \u00fcberdenken: Ihr Wunschkandidat w\u00e4re die Theaterpers\u00f6nlichkeit August Everding auf der Trainerposition. Eine (ironische) Spitze, die sa\u00df!<\/p>\n<p>Nach dem sportlich missgl\u00fcckten Start am 34. Spieltag der Vorsaison war dies nun auch \u00f6ffentlich ein eher suboptimaler Beginn der Zeit in M\u00fcnchen. Und dann schoss sich auch noch die Presse direkt auf Rehhagel ein. Als enttarnt wurde, dass an seinem Klingelschild in der Schwabinger &#8222;Casa Schellissima&#8220; nicht Rehhagel, sondern &#8222;Rubens&#8220; stand, titelten die Boulevardbl\u00e4tter sp\u00f6ttisch: &#8222;Vom Malermeister zum Meistermaler&#8220;. Nat\u00fcrlich lasen auch die Bayern-Profis hier und da Zeitungen und nannten ihren \u00dcbungsleiter ab sofort nur noch &#8222;Rubens&#8220;. Die Kratzer an Rehhagels Autorit\u00e4t h\u00e4tte fortan selbst ein Meistermaler wie der fl\u00e4mische Barockk\u00fcnstler nicht mehr \u00fcbert\u00fcnchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dass das Abenteuer des ehemaligen Werder-Coachs an der Isar dann tats\u00e4chlich relativ schnell wieder vorbei sein w\u00fcrde, deutete sich sp\u00e4testens Mitte Februar 1996 an. TV-Komiker Harald Schmidt l\u00e4sterte in seiner Sendung \u00fcber den gelernten Anstreicher und Lackierer Rehhagel: &#8222;Eines Tages Uli Hoene\u00df: &#8218;Otto, das Training macht jetzt der Augenthaler. Du kannst schon mal die Wand streichen.'&#8220; Es war die Zeit des missgl\u00fcckten Starts in die R\u00fcckrunde. Als es zu Hause eine deutliche 1:4-Klatsche gegen den KSC gab und Markus Babbel das, was alle sahen, mit einer mathematisch interessanten Feststellung auf den Punkt brachte: &#8222;In der Truppe stimmt es \u00fcberhaupt nicht. Im Vergleich zur Vorrunde fehlen uns 100 Prozent!&#8220; <\/p>\n<p>In M\u00fcnchen gefeuert, mit dem FCK obenauf <\/p>\n<p>Und so \u00fcberraschte es am Ende niemanden mehr, als der FC Bayern, punktgleich mit dem Tabellenf\u00fchrer BVB, der allerdings noch ein Spiel ausstehend hatte, nach einer 0:1-Niederlage am 30. Spieltag gegen Hansa Rostock Otto Rehhagel schlie\u00dflich entlie\u00df. Karl-Heinz Rummenigge meinte damals: &#8222;Der Zeitpunkt war gekommen, da wir reagieren mussten.&#8220; F\u00fcr Otto Rehhagel endete das Abenteuer M\u00fcnchen so schon nach wenigen Monaten. Und seine Worte beim Abschied aus Bremen hatten ihn schneller eingeholt, als er selbst und viele Experten es erwartet hatten: &#8222;Seit meiner Vertragsunterschrift vor 14 Jahren f\u00fchrte der Weg von Werder steil nach oben. Was ich in Bremen geleistet habe, wird man erst richtig einsch\u00e4tzen, wenn ich weg bin. Und ich werde sehen, wie gut ich es bei Werder hatte.&#8220;<\/p>\n<p>Nur zwei Jahre sp\u00e4ter war Otto Rehhagel allerdings endg\u00fcltig wieder obenauf. Nach einem sensationellen Aufstieg mit dem 1. FC Kaiserslautern aus der zweiten in die erste Bundesliga, sollten die Pf\u00e4lzer auch fulminant in die folgende Saison starten &#8211; und zwar mit einem Sieg ausgerechnet bei Bayern M\u00fcnchen. Was damals noch niemand ahnen konnte: Es war nur der Auftakt zu einer Wunder-Spielzeit. Am Ende holte Otto Rehhagel mit den Roten Teufeln die deutsche Meisterschaft und verwies den FC Bayern M\u00fcnchen auf den zweiten Tabellenplatz. Auch wenn es Otto Rehhagel selbst nie laut sagte: Mehr Genugtuung konnte es f\u00fcr den gedem\u00fctigten mehrfachen Meistertrainer nicht geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach vierzehn Jahren verlie\u00df Otto Rehhagel im Sommer 1995 seinen Klub Werder Bremen, um in M\u00fcnchen bei den&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":189287,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1824],"tags":[2420,3364,29,458,485,30,27842,537],"class_list":{"0":"post-189286","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bremen","8":"tag-bremen","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-fc-bayern-muenchen","12":"tag-fussball-bundesliga","13":"tag-germany","14":"tag-otto-rehhagel","15":"tag-werder-bremen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114680904084912145","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/189286","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=189286"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/189286\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/189287"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=189286"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=189286"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=189286"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}