{"id":18965,"date":"2025-04-09T18:59:30","date_gmt":"2025-04-09T18:59:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/18965\/"},"modified":"2025-04-09T18:59:30","modified_gmt":"2025-04-09T18:59:30","slug":"kunst-wann-besitzern-von-kunst-steuern-erlassen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/18965\/","title":{"rendered":"Kunst: Wann Besitzern von Kunst Steuern erlassen werden"},"content":{"rendered":"<p>Der Staat verdient mit, wenn Kunst den Eigent\u00fcmer wechselt. Manchmal m\u00f6chte der Staat auch selbst Eigent\u00fcmer werden. Dann kann es sogar Steuererleichterungen geben \u2013 wenn bestimmte Voraussetzungen erf\u00fcllt sind. Ein Blick nach Gro\u00dfbritannien und auf die Situation in Deutschland.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Das Gem\u00e4lde \u201eFlaming June\u201c von Frederic Leighton aus dem Jahr 1895 ist eine Ikone britischer Kunst. Doch es geh\u00f6rt dem Museum de Arte de Ponce in Puerto Rico. 1963 war das Bild versteigert und im Auftrag eines puerto-ricanischen Unternehmers f\u00fcr das Museum gekauft worden. Die einzige vorbereitende Farbstudie tauchte 2024 \u00fcberraschend aus Privatbesitz auf, konnte aber vor einem Verkauf au\u00dfer Landes bewahrt werden. Sie wird nun in dem als Museum dienenden ehemaligen Palais des viktorianischen Malerf\u00fcrsten Lord Leighton permanent gezeigt \u2013 sozusagen als Trostpreis f\u00fcr die britische Kunstwelt. <\/p>\n<p>Wie kam es dazu? Ein englisches Gesetz erlaubt, die bei Schenkung, \u00dcbertragung oder Vererbung anfallenden Steuern abzusetzen, wenn dadurch f\u00fcr die Nation wichtige Kunstwerke im Land gehalten werden k\u00f6nnen. Von der \u201everschleierten Philanthropie\u201c profitieren nicht nur Privatleute, sondern auch Museen und Bibliotheken, die sich sonst das Erbe kostbarer Objekte (wie etwa \u201eFlaming June\u201c) nicht leisten k\u00f6nnten. Als Br\u00fccke zwischen den Eigent\u00fcmern, Finanz\u00e4mtern und Museen dient der Arts Council, ein Kunstrat, der \u201eKreativit\u00e4t und Kultur entwickelt, f\u00f6rdert und in sie investiert\u201c. <\/p>\n<p>Finanziert wird er vom Ministerium f\u00fcr Kultur, Medien und Sport. Die gegen einen Steuererlass angebotenen Werke sollen von \u201ebesonderem historischen, k\u00fcnstlerischen, wissenschaftlichen oder lokalen Interesse\u201c sein oder einen Bezug zu einem speziellen Geb\u00e4ude aufweisen. Zustand und die Provenienz \u2013 vor allem w\u00e4hrend der Jahre zwischen 1939 und 1945 \u2013 m\u00fcssen einwandfrei sein: Kriterien, die \u201eFlaming June\u201c allesamt erf\u00fcllte. <\/p>\n<p>Der Eigent\u00fcmer der Studie profitierte dabei von zwei steuerlichen Vorteilen. Erstens geschah die \u00dcbergabe noch zu Lebzeiten gem\u00e4\u00df dem \u201eCultural Gifts Scheme\u201c. Als Gegenleistung erhielt er eine Steuerreduzierung gewisserma\u00dfen als Entsch\u00e4digung. Zweitens k\u00f6nnen national bedeutende Objekte gem\u00e4\u00df dem \u201eAcceptance in Lieu Scheme\u201c akzeptiert werden, um oft erhebliche Erbschaftssteuern zu mindern. <\/p>\n<p>Auch hier wenden sich Bewerber an den Arts Council, unabh\u00e4ngige Experten geben ihre Urteile ab, der Arts Council reicht sie an den jeweiligen Minister weiter. Daraufhin wird die Steuererleichterung vertraglich festgelegt, die angenommenen Werke werden den jeweiligen Institutionen \u00fcbergeben. <\/p>\n<p>Wie der j\u00fcngste Gesch\u00e4ftsbericht des Arts Council zeigt, wechselten so zwischen April 2023 und M\u00e4rz 2024 Objekte im Wert von \u00fcber 45 Millionen Pfund aus privatem in \u00f6ffentlichen Besitz. Dazu geh\u00f6ren Bachs Manuskript zur Kantate \u201eAuch Christi Himmelfahrt allein\u201c. Als eines von nur vier Bach-Manuskripten in England registriert, wurde es von der deutsch-britischen Familie des 1933 aus Deutschland geflohenen Unternehmers Sir Ralph Cohn angeboten. Nun bereichert es die ehrw\u00fcrdige Bodleian Library in Oxford. <\/p>\n<p>Ganze Archive wie das des Schriftstellers John le Carr\u00e9, Gem\u00e4lde wie Bridget Rileys in den Nationalfarben Rot, Wei\u00df und Blau gehaltene \u201eFlagge I\u201c (Fitzwilliam Museum, Cambridge) oder eine Sammlung an englischen Stickereien sind ebenso zu nennen wie ein Portr\u00e4t von Lovis Corinth, eine Vedute von Turner oder ein Brief von Churchill. Dabei wurden Werte beziffert von 7000 Pfund f\u00fcr eine Sammlung Teedosen bis zu 7,1 Millionen Pfund f\u00fcr ein Gem\u00e4lde von Nicolas Poussin. Jeder Fall eine, wie die Engl\u00e4nder sagen, Win-win-Situation.<\/p>\n<p>In Deutschland bietet die \u201eHingabe von Kunstgegenst\u00e4nden an Zahlung statt\u201c ebenfalls eine M\u00f6glichkeit der Steuerersparnis, jedoch ist sie weniger transparent und obliegt den Bundesl\u00e4ndern. Eine Erbschaftssteuerbefreiung in H\u00f6he von 60 Prozent ist m\u00f6glich, wenn es im \u00f6ffentlichen Interesse liegt. Dabei kann auch ein als bedeutend beurteiltes Objekt abgeschrieben werden, wenn es 20 Jahre an ein Museum geliehen und \u00f6ffentlich gezeigt wurde. <\/p>\n<p>F\u00fcr einen vollen Steuernachlass muss das Objekt mindestens 20 Jahre im Familienbesitz oder als national wertvolles Kulturgut amtlich eingetragen sein. Falls ein sch\u00fctzenswertes Objekt aber innerhalb von zehn Jahren verkauft wird, entf\u00e4llt die Befreiung r\u00fcckwirkend. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/plus222191320\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/plus222191320&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rasches \u201eFlippen\u201c<\/a>, der schnelle Weiterverkauf von Kunstwerken, ist damit blockiert. Manchmal ist es also gut, wenn die M\u00fchlen langsamer mahlen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Staat verdient mit, wenn Kunst den Eigent\u00fcmer wechselt. Manchmal m\u00f6chte der Staat auch selbst Eigent\u00fcmer werden. 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