{"id":191844,"date":"2025-06-15T09:39:10","date_gmt":"2025-06-15T09:39:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/191844\/"},"modified":"2025-06-15T09:39:10","modified_gmt":"2025-06-15T09:39:10","slug":"stuttgart-album-zu-innenstadtkinos-filmreif-seit-75-jahren-ein-ort-fuer-traeume-feiert-die-liebe-zum-kino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/191844\/","title":{"rendered":"Stuttgart-Album zu Innenstadtkinos: Filmreif seit 75 Jahren: Ein Ort f\u00fcr Tr\u00e4ume feiert die Liebe zum Kino"},"content":{"rendered":"<p>Aus den Ruinen des Luxushotels Marquardts hat Eugen Mertz einen Ort der Tr\u00e4ume geschaffen. Jetzt feiern die Innenstadtkinos den 75. Geburtstag. Eine Liebeserkl\u00e4rung ans Kino.<\/p>\n<p> Als Eugen Mertz f\u00fcr den 12. Juli 1950 prominente Ehreng\u00e4ste zur ersten Vorstellung in sein neues Kino im Marquardt-Geb\u00e4ude eingeladen hat, w\u00e4hlte er einen unter den Nazis verbotenen Film von 1938 aus. Zur Premiere des neuen Filmtheaters unweit des Stuttgarter Schlossplatzes lief die Historien-Schmonzette \u201eLiebeslegende\u201c, die Joseph Goebbels wohl nicht allein aus politischen Gr\u00fcnden verboten hatte. Die Hauptdarstellerin L\u00edda Baarov\u00e1 an der Seite von Willy Fritsch war die Geliebte des Reichspropagandaministers \u2013 doch sie hatte sich von ihm abgewendet, was zum Aus des Films f\u00fchrte. Erst 1950 ist die preu\u00dfische Liebesgeschichte f\u00fcr die Bundesrepublik freigegeben worden. <\/p>\n<p>Eugen Mertz: Vision\u00e4r und Gr\u00fcnder der Innenstadtkinos <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> <\/p>\n<p>Das Kino im gro\u00dfen Saal des einstigen Luxushotel hie\u00df <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/EM2024\" title=\"EM\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EM<\/a> \u2013 und hei\u00dft auch heute noch so. EM sind die Initialen von Eugen Mertz. Der Cannstatter Architekt, der zu den K\u00f6pfen des Widerstands in Stuttgart z\u00e4hlte (die Naziherrschaft war f\u00fcr ihn \u201edie Machtergreifung des P\u00f6pels\u201c), bat nach der Vorstellung zu einer \u201ezwanglosen Stunde\u201c im Caf\u00e9. So steht\u2019s in dem Brief, mit dem er wichtige Herrschaften samt \u201eIhrer verehrten Frau Gemahlin\u201c eingeladen hatte. Was damals niemand ahnte: Bereits zwei Jahre nach der feierlichen Kinopremiere ist der Gr\u00fcnder der heutigen Innenstadtkinos im Alter von 56 Jahren viel zu fr\u00fch gestorben. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/media.media.a89a8fc7-2367-4df8-97aa-5eebdd0bebdd.original1024.media.jpeg\"\/>     Eugen Mertz (kleines Foto) hat 1946 die Ruine des Hotel Marquardt gekauft.    Foto: Innenstadtkinos    OB Klett holt Eugen Mertz ins Stadtplanungsamt  <\/p>\n<p>Eugen Mertz, der vor dem Krieg ein Kino in Cannstatt betrieb und aus einer Winzerfamilie stammte, war mit dem parteilosen Rechtsanwalt Arnulf Klett befreundet. Beide kannte sich aus dem Widerstand gegen die NSDAP. Als Klett von der franz\u00f6sischen Milit\u00e4rverwaltung zum Oberb\u00fcrgermeister ernannt wurde, bat der neue Rathauschef ihn, sich im Stadtplanungsamt um den Aufbau der zerst\u00f6rten Stadt zu k\u00fcmmern. <\/p>\n<p>Das tat dieser mit voller Kraft. F\u00fcr den schaffigen und konventionellen Mertz lief es gut. Doch mit seinem Plan, die Cannstatter Mineralwasser in Leitungen zum Schlossplatz zu f\u00fchren und dort in der Schlossruine ein Mineralbad zu er\u00f6ffnen, konnte er nicht den Gemeinderat \u00fcberzeugen. Entt\u00e4uscht verlie\u00df der Vision\u00e4r das Rathaus und kaufte 1946 die Marquardt-Ruine von der W\u00fcrttembergischen Hypothekenbank \u2013 sein pers\u00f6nliches Gl\u00fcck: Denn dieser Kauf war der Beginn einer Erfolgsgeschichte als Unternehmer. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/media.media.cfcab946-163e-45c8-9ae9-fa6e276ed0e9.original1024.media.jpeg\"\/>     In den 1970ern hat die Familie Mertz die Kinos Gloria und City er\u00f6ffnet.    Foto: Kraufmann    <\/p>\n<p>Heute werden die Innenstadtkinos, die aus dem EM hervorgingen, von Karin Fritz gef\u00fchrt, der Enkelin des Gr\u00fcnders (ihr Vater Eberhard Mertz war bis 2013 aktiv). Die Kinos Cinema, Gloria und City kamen sp\u00e4ter hinzu und sind Teil einer kulturellen Institution, die mit viel Leidenschaft von den Nachkommen von Eugen Mertz gef\u00fchrt werden. Vom Metropol-Kino wenige Meter weiter hat sich die Familie Mertz 2020 getrennt \u2013 und dort nun mit der \u00dcbernahme mit Teilen des ehemaligen Bahnhofs von Traumpalast-Chef Heinz Lochmann neue Konkurrenz in der Nachbarschaft bekommen. <\/p>\n<p>Vielf\u00e4ltiges Programm zum 75. Geburtstag <\/p>\n<p>Zum 75-j\u00e4hrigen Bestehen laden <a href=\"https:\/\/www.innenstadtkinos.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">die Innenstadtkinos vom 2. bis 6. Juli zum gro\u00dfen Feiern ein<\/a>: Mit dem Blockbuster \u201eJurassic World: Die Wiedergeburt\u201c startet nicht nur ein neues Kinoabenteuer auf der Leinwand, sondern auch das vielf\u00e4ltige Jubil\u00e4umsprogramm mit Aktionen, Gewinnspielen, Dekorationen und Mitmach-Aktionen. <\/p>\n<p>Das Hotel Marquardt war vor dem Krieg das erste Haus am Platze. Wer auf einem der kleinen Balkone \u00fcber der K\u00f6nigstra\u00dfe stand, mit der prachtvollen Fassade im R\u00fccken, sah vor lauter B\u00e4umen das Neue Schloss kaum. Der Baumbestand des Schlossplatzes war damals \u00fcppig und fast so dicht wie in einem Wald. Den Namen verdankt das Hotel dem Unternehmer Wilhelm Marquardt.<\/p>\n<p> Wenige Schritte vom alten Bahnhof entfernt hat dieser im 19. Jahrhundert eine Herberge gegr\u00fcndet, die rasch zur internationalen Topadresse geworden ist. Der Komponist Richard Wagner (auf der Flucht vor seinen Gl\u00e4ubigern) stieg hier ab, aber auch Otto von Bismarck, Karl May und Graf Ferdinand von Zeppelin. Eugen Mertz machte aus dem ehemaligen Hotel ein Gesch\u00e4fts- und Kinohaus. Sp\u00e4ter kam noch die Kom\u00f6die im Marquardt hinzu. <\/p>\n<p>Die Kinostars reisten einst pers\u00f6nlich an \u2013 wie etwa 1957 Gina Lollobrigida zum Deutschlandstart von \u201eDer Gl\u00f6ckner von Notre Dame\u201c. Der Ansturm der Fans war so gro\u00df, dass der gesamte Marquardt-Bau von der Polizei abgesperrt werden musste. In den 70ern kam Peter Alexander zur Er\u00f6ffnung des Gloria, eines weiteren Kinos der Familie. <\/p>\n<p> Anfang der 50er hie\u00df der EM-Betriebsleiter Armin Albert Lerche. Der Mann liebte Filme \u2013 und Schallplatten. Im Marquardt-Bau er\u00f6ffnete er einen Plattenladen. Lerche hat Stadtgeschichte geschrieben. Denn er war Ende der 50er Gr\u00fcnder der legend\u00e4ren Lerche-Musikh\u00e4user. In dem Raum, in dem sich sein erstes Plattengesch\u00e4ft im Marquardt befand, lagern die Innenstadtkinos heute ihre Getr\u00e4nke.<\/p>\n<p> Generationen von Kinos haben die 75 Jahre begleitet <\/p>\n<p>Viele Erinnerungen sind mit diesen Kinos verbunden: das erste Date, das gemeinsame Lachen \u00fcber eine Kom\u00f6die, das stille Mitf\u00fchlen bei einem bewegenden Drama, heimliche K\u00fcsse. Hier werden Geschichten lebendig \u2013 auf der Leinwand und im Leben der Menschen. <\/p>\n<p>Generationen von Kinofans haben die 75 Jahre begleitet: vom ersten frisch vor Ort hergestellten Popcorn \u00fcber den 35-mm-Projektor bis zur digitalen Projektion, vom Stereoton der Anfangsjahre bis zum heutigen Dolby-Atmos-Sound, vom harten Klappsitz bis zum modernen D-Box Mofion Seat. Die Kinos\u00e4le haben sich technisch weiterentwickelt \u2013 doch die cineastische Liebe ist unver\u00e4ndert gleich gro\u00df geblieben. <\/p>\n<p>In einer Zeit, in der Filme rund um die Uhr per Knopfdruck verf\u00fcgbar sind, wirkt der Weg ins Kino beinahe wie ein nostalgisches Ritual. Doch das gemeinsame Erlebnis vor der riesigen Leinwand zieht einen mit dem Surround-Soundsystem noch viel tiefer in die Geschichte hinein. Deshalb glauben die Kinobetreiber an die Zukunft ihrer Filmtheater. <\/p>\n<p>Diskutieren Sie mit unter <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Album.Stuttgart\/?locale=de_DE\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.facebook.com\/Album.Stuttgart<\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aus den Ruinen des Luxushotels Marquardts hat Eugen Mertz einen Ort der Tr\u00e4ume geschaffen. 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