{"id":192305,"date":"2025-06-15T13:58:11","date_gmt":"2025-06-15T13:58:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/192305\/"},"modified":"2025-06-15T13:58:11","modified_gmt":"2025-06-15T13:58:11","slug":"ein-geruecht-wurde-ihr-zum-verhaengnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/192305\/","title":{"rendered":"Ein Ger\u00fccht wurde ihr zum Verh\u00e4ngnis"},"content":{"rendered":"<p>Vorlesen<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"transition-colors duration-200 cursor-pointer text-inherit no-underline text-black bg-whitelilac rounded-8 grid items-center group py-[6px] px-8 text-12 hover:bg-magenta hover:text-whitelilac gap-8 grid-cols-[min-content_34px] hover:dark:text-salemsfur\" href=\"https:\/\/news.google.com\/publications\/CAAiEIJQzYzeY7hM4UzfQTU6gT8qFAgKIhCCUM2M3mO4TOFM30E1OoE_\/sections\/CAQqKggAIhCCUM2M3mO4TOFM30E1OoE_KhQICiIQglDNjN5juEzhTN9BNTqBPzDKh8gG?hl=de&amp;gl=DE&amp;ceid=DE%3Ade\" aria-label=\"Auf Google News folgen\">News folgen<\/a><img style=\"--width:16;--height:16\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.t-online.de\/s\/paper\/_next\/static\/media\/sharing-menu-icon.1eb71368.svg\" alt=\"Teilen Menu auf machen\" title=\"Teilen Menu auf machen\" class=\"&#10;        block&#10;        h-[calc(var(--height)_\/_16_*_1rem)]&#10;        w-[calc(var(--width)_\/_16_*_1rem)]&#10;        max-w-none&#10;        group-hover:invert group-hover:grayscale group-hover:contrast-200 dark:group-hover:invert dark:contrast-200 dark:grayscale dark:invert\" decoding=\"async\"\/>Artikel teilen<\/p>\n<p class=\"font-bold text-18 leading-17\">Im Jahr 1782 kursiert im Schweizer Kanton Glarus ein b\u00f6ses Ger\u00fccht: Eine Magd soll eine Aff\u00e4re mit einem angesehenen B\u00fcrger haben. Doch was als Skandal beginnt, wird bald zur t\u00f6dlichen Anklage. Ein Fall von Liebe, Macht und t\u00f6dlicher Willk\u00fcr.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Die Hexenverfolgungen forderten sch\u00e4tzungsweise 70.000 Todesopfer \u2013 betroffen waren vor allem Frauen, die der Magie bezichtigt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Sie waren nicht die T\u00e4terinnen, sondern Opfer eines fanatischen Justizsystems. Und diese Justiz w\u00fctete bis ins sp\u00e4te 18. Jahrhundert \u2013 mit t\u00f6dlichem Ausgang.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Am 13. Juni 1782 wurde im Schweizer Kanton Glarus die letzte Frau in Europa offiziell als Hexe hingerichtet: Anna G\u00f6ldi. Ihr wurde der Kopf abgeschlagen \u2013 durch das Schwert des Henkers.<\/p>\n<ul class=\"text-18 leading-17 block pl-24 *:pb-16 *:before:inline-block *:before:size-8 *:before:mt-0 *:before:mr-12 *:before:mb-2 *:before:-ml-[20px] *:before:bg-magenta\">\n<li class=\"\"><strong class=\"font-bold\">D\u00fcster, korrupt, skandal\u00f6s:<\/strong> <a class=\"transition-colors duration-200 cursor-pointer text-inherit no-underline text-salemsfur md:hover:text-magenta md:hover:border-magenta md:focus:text-magenta border-current border-b border-solid break-words\" href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/panorama\/wissen\/geschichte\/id_100638472\/die-skandaloesesten-konklaven-der-geschichte.html\" data-sctrack=\"BodyAnchor\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die schockierendsten Konklaven der Geschichte<\/a><\/li>\n<li class=\"\"><strong class=\"font-bold\">Verschollener Palast:<\/strong> <a class=\"transition-colors duration-200 cursor-pointer text-inherit no-underline text-salemsfur md:hover:text-magenta md:hover:border-magenta md:focus:text-magenta border-current border-b border-solid break-words\" href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/panorama\/wissen\/geschichte\/id_100617034\/spektakulaere-entdeckung-verschollener-palast-loest-mittelalter-raetsel.html\" data-sctrack=\"BodyAnchor\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spektakul\u00e4re Entdeckung \u2013 Mittelalter-R\u00e4tsel gel\u00f6st<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"text-18 leading-17\">G\u00f6ldi war eine Magd aus \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen. Sie arbeitete im Haus von Jakob Tschudi. Er war ein angesehener Glarner Arzt, Ratsherr, Richter und Regierungsrat. Als ein Ger\u00fccht \u00fcber eine heimliche Aff\u00e4re zwischen G\u00f6ldi und Tschudi die Runde machte, nahm die verh\u00e4ngnisvolle Geschichte ihren Lauf: Die gesellschaftlichen und moralischen Konventionen jener Zeit duldeten solche Verbindungen nicht \u2013 schon gar nicht zwischen Arm und Reich.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Kurz darauf wurde G\u00f6ldi beschuldigt, der Tochter Tschudis mit Magie geschadet zu haben: Sie soll mehrmals Stecknadeln in die Milch des M\u00e4dchens gezaubert haben. Au\u00dferdem soll die Tochter des einflussreichsten Protestanten nach Aussagen von Angeh\u00f6rigen der Familie Tschudi mehrfach N\u00e4gel gespuckt haben. So lauteten die fantastischen Vorw\u00fcrfe. Aus einer privaten Aff\u00e4re wurde ein \u00f6ffentlicher Skandal, aus der Magd eine angebliche Teufelsdienerin.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Die Beh\u00f6rden fahndeten nach G\u00f6ldi, in den Schweizer Zeitungen wurde ein Steckbrief ver\u00f6ffentlicht. Sinngem\u00e4\u00df l\u00e4sst sich der Text heute so zusammenfassen: Der evangelische Stand Glarus setzt eine Belohnung von 100 Kronentalern aus, f\u00fcr die Person, die Anna G\u00f6ldi auffindet und der Justiz \u00fcbergibt.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Gleichzeitig werden alle Beh\u00f6rden und Beamten freundlich, aber ausdr\u00fccklich aufgefordert, bei der Festnahme dieser Person jede m\u00f6gliche Unterst\u00fctzung zu leisten. Der Grund: Anna G\u00f6ldi wird einer \u00e4u\u00dferst schweren Tat beschuldigt. Sie soll durch geheime und kaum begreifliche Mittel, insbesondere durch das Verabreichen einer gro\u00dfen Anzahl Stecknadeln und anderer Gegenst\u00e4nde, ein achtj\u00e4hriges Kind schwer gesch\u00e4digt haben.<\/p>\n<p><a href=\"#focus-1\" class=\"transition-colors duration-200 focus-within:text-magenta block text-current relative\" data-sctrack=\"FocusGalleryImage.Reference\"><img   loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/1749995891_952_image.jpg\" alt=\"Steckbrief zur Suche nach Anna G\u00f6ldi, Z\u00fcrcher Zeitung vom 9. Februar 1782\" title=\"Steckbrief zur Suche nach Anna G\u00f6ldi, Z\u00fcrcher Zeitung vom 9. Februar 1782\" width=\"644\" height=\"722\" class=\"w-full h-full max-w-full rounded-8\" decoding=\"async\"\/><img style=\"--width:32;--height:32\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.t-online.de\/s\/paper\/_next\/static\/media\/zoom-in.f7dae02f.svg\" alt=\"Vergr\u00f6\u00dfern des Bildes\" title=\"Vergr\u00f6\u00dfern des Bildes\" class=\"&#10;        block&#10;        h-[calc(var(--height)_\/_16_*_1rem)]&#10;        w-[calc(var(--width)_\/_16_*_1rem)]&#10;        max-w-none&#10;        absolute bottom-8 right-8 rounded-4 bg-snow p-8\" decoding=\"async\"\/>Steckbrief zur Suche nach Anna G\u00f6ldi, Z\u00fcrcher Zeitung vom 9. Februar 1782 <\/a><\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">G\u00f6ldi wird in dem Steckbrief folgenderma\u00dfen beschrieben: Sie habe eine kr\u00e4ftige und gro\u00dfe K\u00f6rperstatur. Ihr Gesicht sei ebenm\u00e4\u00dfig geformt und weise eine auffallend r\u00f6tliche Gesichtsfarbe auf. Ihre Haare und Augenbrauen seien schwarz. Ihre Augen seien grau, erschienen jedoch ungesund und seien h\u00e4ufig ger\u00f6tet. Ihr Gesichtsausdruck sei niedergeschlagen. In ihrer Sprache sei ein deutlicher Dialekt aus Sennwald zu erkennen.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Schlie\u00dflich fanden die Schergen die gesuchte G\u00f6ldi. Unter Folter gestand sie, mit d\u00e4monischen Kr\u00e4ften zusammenzuarbeiten. Ihr Bekannter und Schwager der Familie Tschudi, Ruedi Steinm\u00fcller, wurde ebenfalls beschuldigt. Er war verm\u00f6gend und vermutlich in einen Erbschaftsstreit mit der Familie geraten. Am 11. Mai 1782 beging er in Haft Suizid. Dies wurde als Schuldeingest\u00e4ndnis gewertet, sein Besitz konfisziert.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Der Prozess gegen G\u00f6ldi wurde streng geheim gef\u00fchrt, das Urteil am 6. Juni 1782 gef\u00e4llt. Am 13. Juni folgte die Hinrichtung.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Im Urteil wurde der Begriff Hexerei bewusst vermieden \u2013 G\u00f6ldi wurde stattdessen als Giftm\u00f6rderin verurteilt. Dennoch gilt ihr Fall als einer der letzten dokumentierten Hexenprozesse Europas. Die Anklage hatte kein rechtm\u00e4\u00dfiges Fundament, denn G\u00f6ldi war keine B\u00fcrgerin Glarus&#8216;, sondern Ausw\u00e4rtige. Dennoch entschied der Evangelische Rat \u00fcber Leben und Tod.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Die \u00d6ffentlichkeit blieb nicht stumm: Trotz Zensur berichteten Journalisten \u00fcber den Fall. 2007 gelang es dem Historiker Walter Hauser, anhand von Tageb\u00fcchern des Journalisten Heinrich Ludwig Lehmann nachzuweisen, dass der Gerichtsschreiber Johann Melchior Kubli geheime Prozessakten an die \u00d6ffentlichkeit brachte \u2013 ein lebensgef\u00e4hrlicher Schritt. Kubli hatte sich bereits w\u00e4hrend des Verfahrens f\u00fcr G\u00f6ldi eingesetzt. W\u00e4re seine Rolle bekannt geworden, h\u00e4tte auch ihm die Todesstrafe gedroht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"VorlesenNews folgenArtikel teilen Im Jahr 1782 kursiert im Schweizer Kanton Glarus ein b\u00f6ses Ger\u00fccht: Eine Magd soll eine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":192306,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1776],"tags":[1434,522,63566,1801,29,214,663,980,2803,30,235,63567,63569,63568,63570,1802,215,19452],"class_list":{"0":"post-192305","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-prominente","8":"tag-1434","9":"tag-522","10":"tag-anna-goeldi","11":"tag-celebrities","12":"tag-deutschland","13":"tag-entertainment","14":"tag-europa","15":"tag-festnahme","16":"tag-folter","17":"tag-germany","18":"tag-geruecht","19":"tag-glarus","20":"tag-helen-duncan","21":"tag-jakob-tschudi","22":"tag-johann-melchior-kubli","23":"tag-prominente","24":"tag-unterhaltung","25":"tag-verhaengnis"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114687738179575355","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/192305","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=192305"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/192305\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/192306"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=192305"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=192305"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=192305"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}