{"id":19331,"date":"2025-04-09T22:24:09","date_gmt":"2025-04-09T22:24:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/19331\/"},"modified":"2025-04-09T22:24:09","modified_gmt":"2025-04-09T22:24:09","slug":"eu-verhaengt-gegenzoelle-gegen-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/19331\/","title":{"rendered":"EU verh\u00e4ngt Gegenz\u00f6lle gegen USA"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem die von US-Pr\u00e4sident Donald Trump angek\u00fcndigten Strafz\u00f6lle am Mittwoch fr\u00fch in Kraft getreten sind, hat auch die Europ\u00e4ische Union mit Gegenma\u00dfnahmen reagiert. Diese fallen allerdings relativ bescheiden aus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/0866b59d-0058-4266-a7b6-dda9526d1a0a\" style=\"max-height:100%\"\/>Containerschiffe im Hamburger Hafen<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die USA auf nahezu alle Waren aus der EU Importz\u00f6lle von 20 Prozent erheben (die bereits fr\u00fcher verh\u00e4ngten Z\u00f6lle von 25 Prozent auf Autos, Stahl und Aluminium bleiben in Kraft), belegt die EU lediglich ausgew\u00e4hlte Waren im Wert von 21 Milliarden Euro mit Z\u00f6llen zwischen 10 und 25 Prozent. Das sind weniger als die 26 Milliarden Euro, die in den USA f\u00fcr Stahl und Aluminium aus Europa anfallen.<\/p>\n<p>Die Z\u00f6lle sollen zudem erst nach und nach in Kraft treten: Etwa ein F\u00fcnftel ab Mitte April, ein weiterer Teil ab Mitte Mai und die Abgaben auf Mandeln und Sojabohnen sogar erst Anfang Dezember. Die Liste der betroffenen Waren, die vor allem Regionen mit einem hohen Anteil von Trump-W\u00e4hlern trifft, war bereits als Reaktion auf die Stahl- und Aluminiumz\u00f6lle erarbeitet worden.<\/p>\n<p>Anders als China, das auf horrende US-Z\u00f6lle von 104 Prozent mit Gegenz\u00f6llen von 84 Prozent reagiert hat, hofft Br\u00fcssel immer noch auf ein Abkommen mit Washington. Die EU-Kommission betonte: \u201eDiese Gegenma\u00dfnahmen k\u00f6nnen jederzeit ausgesetzt werden, wenn die USA einem fairen und ausgewogenen Verhandlungsergebnis zustimmen.\u201c Die EU ziehe es \u201eeindeutig vor, mit den USA eine ausgewogene und f\u00fcr beide Seiten vorteilhafte Verhandlungsl\u00f6sung zu finden\u201c.<\/p>\n<p>Es gibt auch Hoffnungen, dass \u2013 wie es die FAZ ausdr\u00fcckte \u2013 \u201edie Macht des Faktischen Trump in die Schranken weisen wird\u201c, dass das Ansteigen der Konsumentenpreise in den USA und die negativen Folgen der Z\u00f6lle f\u00fcr amerikanische Unternehmen und Finanzinstitutionen Trump zum R\u00fcckzug bewegen werden. Der Schlagabtausch zwischen dem Leiter von Trumps Handelspolitik Peter Navarro und Tesla-Chef Elon Musk, die sich gegenseitig w\u00fcst beschimpften, wurde in Europa mit gro\u00dfem Interesse verfolgt. Die damit verbundenen Hoffnungen k\u00f6nnten sich allerdings als verfehlt erweisen.<\/p>\n<p>Die Folgen eines eskalierenden Handelskriegs zwischen den USA und der Europ\u00e4ischen Union w\u00e4ren verheerend. Es gibt keine anderen zwei Weltregionen, die wirtschaftlich derart eng miteinander verzahnt sind. Zusammen machen sie fast 30 Prozent des weltweiten Handels mit Waren und Dienstleistungen und 43 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung (BIP) aus.<\/p>\n<p>2024 tauschten die EU und die USA Waren im Wert von 865 Milliarden Euro und Dienstleistungen im Wert von 746 Milliarden Euro aus. 26 Prozent der Warenausfuhren der EU gingen in die USA, w\u00e4hrend 13,7 der eingef\u00fchrten Waren aus den USA stammten. Im Warenhandel erzielte die EU einen \u00dcberschuss von 157 Milliarden Euro (mit dem Trump die Strafz\u00f6lle begr\u00fcndet), bei den Dienstleistungen ist es umgekehrt: Hier lagen die USA mit 109 Milliarden Euro im Plus.<\/p>\n<p>Es gibt in Europa aber auch Stimmen, die auf einen h\u00e4rteren Kurs gegen die USA dr\u00e4ngen. Vor allem Deutschland und Frankreich wollen auch gegen amerikanische Dienstleistungsunternehmen vorgehen.<\/p>\n<p>Deutschland ist von den US-Z\u00f6llen besonders stark betroffen. Es exportierte 2024 Waren im Wert von 161 Milliarden Euro in die USA. Die deutsche Pharmaindustrie und der Autobauer Porsche lieferten jeweils etwa ein Viertel ihrer Produktion in die USA. Auch der Flugzeugbau, die Hersteller von Spezialg\u00fctern wie medizinischen Ger\u00e4ten, der Schiffbau, der Kreuzfahrtschiffe f\u00fcr die USA baut, und insbesondere die Autoindustrie sind stark von den Z\u00f6llen betroffen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend einige Automarken, wie Porsche und Audi, nur in Europa produzierte Modelle in den USA verkaufen, verf\u00fcgen andere, wie Volkswagen, BMW und Mercedes, zwar \u00fcber Werke in den USA, importieren aber auch aus Europa und Mexiko und sind auf internationale Zulieferer angewiesen. Audi hat bereits mit einem Exportstopp auf die Strafz\u00f6lle reagiert und will vorerst nur noch Autos in den USA verkaufen, die bereits vor Ort auf Lager sind.<\/p>\n<p>Der scheidende deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck (Gr\u00fcne) schlug am Montag vor, das \u201eAnti-Coercion Instrument\u201c gegen Trumps Strafz\u00f6lle einzusetzen, das als \u201eBazooka\u201c im Handelsarsenal der EU gilt. Das Ende 1923 eingef\u00fchrte Instrument zur Bek\u00e4mpfung von Zwangsma\u00dfnahmen erlaubt eine breite Palette von Gegenma\u00dfnahmen, die weit \u00fcber Z\u00f6lle hinausreichen. Amerikanische Tech-Unternehmen wie Alphabet, Meta, Apple, Microsoft und Amazon, die in Europa Milliarden umsetzen, k\u00f6nnten damit in ihrer T\u00e4tigkeit eingeschr\u00e4nkt und mit zus\u00e4tzlichen Abgaben belegt werden. Das w\u00fcrde eine Eskalationsspirale mit verheerenden wirtschaftlichen Folgen in Gang setzen.<\/p>\n<p>Am Mittwochnachmittag setzte Trump die erh\u00f6hten Z\u00f6lle f\u00fcr 75 L\u00e4nder, die sich zu Verhandlungen bereit gezeigt h\u00e4tten, f\u00fcr 90 Tage aus und belie\u00df es bei einem Einheitszoll von 10 Prozent. Gleichzeitig k\u00fcndigte er eine weitere Erh\u00f6hung der Z\u00f6lle f\u00fcr Importe aus China auf 125 Prozent mit sofortiger Wirkung an. Doch selbst wenn der Konflikt zwischen den USA und der EU nicht weiter eskalieren sollte, ist Europa direkt vom Zollkrieg zwischen den USA und China betroffen. Die europ\u00e4ischen B\u00f6rsen haben mit heftigen Schwankungen und Verlusten darauf reagiert.<\/p>\n<p>Die EU steht vor einem Dilemma. Unterst\u00fctzt sie China gegen Trumps Zollpolitik, drohen eine Versch\u00e4rfung des Konflikts mit den USA und das endg\u00fcltige Auseinanderbrechen der Nato, auf die sie im Krieg gegen Russland angewiesen ist. Stellt sie sich mit den USA gegen China, droht ihr der Verlust ihres neben den USA wichtigsten Handelspartners. Die EU exportierte 2024 Waren im Wert von 213 Milliarden Euro nach China und importierte Waren im Wert von 518 Milliarden Euro.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw7-l bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/freebogdan.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/1744237449_988_7e4eabbf-72c5-4c32-bbe7-fbf358c98be8\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/1744237449_962_0fbce9ab-d2c4-417c-a910-46ad612cfce5\"\/><\/a><\/p>\n<p>Die EU bem\u00fcht sich deshalb, den Konflikt zu entsch\u00e4rfen. Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen hatte noch am Dienstag mit dem chinesischen Ministerpr\u00e4sidenten Li Quiang telefoniert und ihn aufgefordert, eine weitere Eskalation zu verhindern. Angesichts der durch die US-Z\u00f6lle verursachten ausgedehnten St\u00f6rungen h\u00e4tten Europa und China als die beiden weltgr\u00f6\u00dften M\u00e4rkte die Verantwortung f\u00fcr ein freies und faires Handelssystem, sagte von der Leyen. Doch sie hatte keinen Erfolg. China war nicht bereit, sich dem Druck der USA zu beugen, und erh\u00f6hte einen Tag sp\u00e4ter seine Gegenz\u00f6lle von 34 auf 84 Prozent.<\/p>\n<p>China ist, selbst wenn Trump \u201eFreund und Feind\u201c mit Z\u00f6llen belegt, das eigentliche Ziel seiner Offensive, wie seine j\u00fcngste Wendung belegt. Das versteht selbst die konservative FAZ. \u201eTrump versch\u00e4rft mit seinem Zollkrieg den globalen Gro\u00dfkonflikt, der das 21. Jahrhundert pr\u00e4gen wird,\u201c hei\u00dft es dort in einem Kommentar von Nikolas Busse. China, und nicht Russland, sei aus Sicht der Vereinigten Staaten das Hauptproblem. \u201eSeine Z\u00f6lle hat Trump gegen die ganze Welt verh\u00e4ngt, milit\u00e4risch l\u00e4sst er aber vor allem gegen China planen. Darin un\u00adterscheidet er sich nicht von seinen Vorg\u00e4ngern.\u201c<\/p>\n<p>Deutschland und die EU reagieren auf das aggressive Vorgehen der USA, indem sie ihrerseits aufr\u00fcsten, um sich eigenst\u00e4ndig an der gewaltsamen imperialistischen Neuaufteilung der Welt zu beteiligen. Den Preis bezahlen dies- und jenseits des Atlantiks die Arbeiterklasse und die Jugend in Form von Massenentlassungen, Sozialabbau, Unterdr\u00fcckung und als Kanonenfutter in kommenden Kriegen.<\/p>\n<p>Parteien, die sich einst links oder reformistisch nannten, spielen dabei eine Schl\u00fcsselrolle. In Deutschland hat die SPD am selben Tag, an dem Trumps Strafz\u00f6lle in Kraft traten, einen Koalitionsvertrag mit der Union vereinbart, in dessen Zentrum die umfassendste Aufr\u00fcstung seit Hitler, der Ausbau des staatlichen Unterdr\u00fcckungsapparats, die \u00dcbernahme der Fl\u00fcchtlingspolitik der AfD und der Abbau von Arbeitspl\u00e4tzen stehen.<\/p>\n<p>In den USA z\u00e4hlen die Gewerkschaften zu den eifrigsten Unterst\u00fctzern von Trumps Strafz\u00f6llen. In Deutschland sorgen sie f\u00fcr die Senkung der Reall\u00f6hne und organisieren die Massenentlassungen in der Autoindustrie.<\/p>\n<p>Die Arbeiterklasse darf sich nicht in diesen Strudel von Nationalismus und Reaktion hinabziehen lassen. Sie ist die einzige gesellschaftliche Kraft, die ihm entgegentreten kann, indem sie sich international zusammenschlie\u00dft und f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus und den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft k\u00e4mpft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nachdem die von US-Pr\u00e4sident Donald Trump angek\u00fcndigten Strafz\u00f6lle am Mittwoch fr\u00fch in Kraft getreten sind, hat auch die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":19332,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,227,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12,113,211],"class_list":{"0":"post-19331","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-china","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europaeische-union","14":"tag-europe","15":"tag-european-union","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen","20":"tag-trump","21":"tag-zoelle"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114310353007108732","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19331","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19331"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19331\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19332"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19331"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19331"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19331"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}