{"id":193578,"date":"2025-06-16T01:50:30","date_gmt":"2025-06-16T01:50:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/193578\/"},"modified":"2025-06-16T01:50:30","modified_gmt":"2025-06-16T01:50:30","slug":"katalysatoreffekt-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/193578\/","title":{"rendered":"Katalysatoreffekt \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Das Jahr 2021 sehen viele als eine Art Stunde null der Kultur an. Vorsichtig, ganz vorsichtig konnte man wieder etwas vor und mit Publikum machen. Es war wieder so etwas wie Live-Kultur jenseits digitaler R\u00e4ume m\u00f6glich. Um Verpuffungen zu vermeiden, wurde ein Festival mit Katalysatoreffekt ins Leben gerufen: Katapult bringt seitdem Stadttheater und Freie Szene zusammen, in diesem Jahr zum dritten Mal.<\/p>\n<p>Die Residenz am Schauspiel, die Schaub\u00fchne Lindenfels und das Lofft haben in einer gemeinsamen Aktion das Modellprojekt ausgerufen: Katapult ist als Produktions- und Netzwerkplattform konzipiert, um die sonst fragmentierte Leipziger Performanceszene zusammenzubringen. Das Verfahren hat sich etabliert, diesmal konnten sich auch Akteurinnen und Akteure von au\u00dferhalb der Stadt bewerben. Wichtig dabei: Abwechslung und Ans\u00e4tze jenseits g\u00e4ngiger Wege. Installation und bildende Kunst, Musikperformances sowie Tanzst\u00fccke sollen f\u00fcr Austausch sorgen. Eine aus den drei beteiligten H\u00e4usern gebildete Jury hat sechs Projekte ausgew\u00e4hlt. Interessanterweise ist ihnen allen gemeinsam, dass sie sich mit dem K\u00fcnftigen, dem Verschwindenden und dessen Archivieren respektive Bewahren auseinandersetzen.<\/p>\n<p>Mit \u00bbChirp\u00ab erinnert Jakob Altmayer daran, dass in den letzten 45 Jahren Europas Vogelpopulation um ein Viertel gesunken ist. Nimmt der Mensch schon andere Umweltkatastrophen nicht sehr ernst, so geschieht das Vogelsterben gleichsam unter seinem Radar. Die Installation will das Publikum darauf sto\u00dfen: den Verlust sicht- und h\u00f6rbar machen. Nat\u00fcrlich werden archivierte Vogelstimmen zwitschern, textlich und visuell angereichert ist die Situation auch.<\/p>\n<p>Das Nain-Theatercolaborativ, das zuletzt mit \u00bbDas Ding in uns\u00ab den eigenen kapitalistischen Verstrickungen nachging (s. kreuzer 4\/2022), erschafft einen Erinnerungsort aus der Zukunft: \u00bbHome\/Not Alone\u00ab entwirft einen Blick zur\u00fcck von der Utopie auf die Gegenwart. An mehreren Stationen eines Parcours nimmt das Publikum am Was-w\u00e4re-wenn-Spiel teil.<\/p>\n<p>Gewinnen kann man bei Bingowings, nur wird der Preis nicht vorher verraten. Einsatz ist das eigene Leben \u2013 zumindest setzen die Spielerinnen vom Bingo-Kollektiv Leipzig ihre Leben aufs Spiel. Weil alte Leute angeblich so gern dem \u00fcberschaubaren Gl\u00fccksspiel fr\u00f6nen, nehmen die nicht mehr ganz jungen Darstellerinnen dieses als Medium, um Lebensfragen zu stellen: Wo komme ich her, wo gehe ich hin, was wird bleiben?<\/p>\n<p>Alma Toaspern und Mathias Monrad M\u00f8ller vertanzen in \u00bbPlex\u00ab Spuren von antiquierter Popmusik und den aktuellen Limbo an der Aufmerksamkeitsschwelle. \u00bbPom Pom Pom\u00ab vom Kollektiv Neue Sorgfalt l\u00e4dt in ein Archiv ein, das vor allem durch Leere besticht. Es geht um Oh- und Aha-Effekte: Die scheinbar freie Sicht wird nur durch Einfriedungen m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Zum zeitgen\u00f6ssischen Zirkus ruft schlie\u00dflich David Eisele aus Altenburg. Er tanzt im inneren Auge des Sturms um sein Cello herum. Tanz und Musik vereint er mit Objektmanipulationen. Musiker und Instrument werden zur Drehscheibe, auf der Dinge aufscheinen und verschwinden. Ein St\u00fcck au\u00dfergew\u00f6hnliche Artistik.<\/p>\n<p>Die Bandbreite der k\u00fcnstlerischen Ans\u00e4tze ist gro\u00df, auch wenn das nat\u00fcrlich noch nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t des Festivals aussagt. Die Zug\u00e4nge versprechen immerhin Originalit\u00e4t. \u00bbRoten Pl\u00fcsch jedenfalls gibt es woanders\u00ab, steht selbstbewusst in der Katapult-Ank\u00fcndigung. Und die Festivalverantwortlichen schweigen sich \u00fcber ihre Leerstellen nicht aus. Was zur \u00bbFestivaler\u00f6ffnung mit Tamtam und der Leipzig Underground Opera\u00ab genau zu erleben ist, war im Vorfeld nicht zu erfahren. Au\u00dfer, dass es wohl etwas Kleineres wird, es vor allem um Geselligkeit mit schr\u00e4gem Touch geht. Die Erwartungen sind ged\u00e4mpft, aber als kostenloser Einstieg wird das schon irgendwie taugen. Man muss sich, so wiederholt sich die Plattit\u00fcde, halt einlassen k\u00f6nnen, um aussteigen zu k\u00f6nnen. Als Katalysator \u00fcber die Stunde null hinaus hat Katapult in der Vergangenheit jedenfalls funktioniert.\u00a0<\/p>\n<p>&gt; Katapult \u2013 Performance-Plattform Leipzig: 13.\/14., 20.\/21.6., Schaub\u00fchne Lindenfels, Residenz im Schauspiel, Lofft<br \/>&gt; \u00bbOpener mit Opera\u00ab: 13.6., 18 Uhr, Schaub\u00fchne Lindenfels<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Jahr 2021 sehen viele als eine Art Stunde null der Kultur an. 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