{"id":193880,"date":"2025-06-16T04:42:10","date_gmt":"2025-06-16T04:42:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/193880\/"},"modified":"2025-06-16T04:42:10","modified_gmt":"2025-06-16T04:42:10","slug":"spionagegefahr-wie-sich-bayerische-hochschulen-schuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/193880\/","title":{"rendered":"Spionagegefahr: Wie sich bayerische Hochschulen sch\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein Dilemma f\u00fcr die Hochschulen und Forschungseinrichtungen: Die Wissenschaft lebt vom internationalen Austausch. Studierende und Mitarbeitende der Universit\u00e4ten profitieren vom globalen Know-how. Chinesische Universit\u00e4ten geh\u00f6ren zu den Besten weltweit. China f\u00f6rdert Stipendien ins Ausland verst\u00e4rkt. Aber genau da liegt die Gefahr der Spionage. <\/p>\n<p>Aktuell: Ermittlungen gegen chinesische Studentin der TUM<\/p>\n<p>Wie die Generalstaatsanwaltschaft M\u00fcnchen jetzt mitteilte, ermittelt die Bayerische Zentralstelle zur Bek\u00e4mpfung von Extremismus und Terrorismus gegen eine chinesische Studentin der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen (TUM). Sie wird unter anderem verd\u00e4chtigt, Informationen, die einer besonderen Geheimhaltungspflicht unterliegen, weitergegeben zu haben. Dabei handelt es sich laut Generalstaatsanwaltschaft um einen TUM-Lehrstuhl zur Erforschung erneuerbarer Energien wie der Batterieforschung. Laut TUM laufen die Ermittlungen bereits seit 2023. &#8222;Wir haben nat\u00fcrlich ein gro\u00dfes Interesse an der Aufkl\u00e4rung des Falls und kooperieren vollumf\u00e4nglich mit den Ermittlungsbeh\u00f6rden&#8220;, so das Statement der TUM. <\/p>\n<p>LMU-Sinologe: &#8222;Nat\u00fcrlich hat China Interesse an Spionage&#8220;<\/p>\n<p>Allein an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen (LMU) waren im vergangenen Jahr 2.500 Studierende aus China eingeschrieben, berichtet LMU-Vize-Pr\u00e4sident Hans van Ess. Seit 27 Jahren leitet der Professor den LMU-Lehrstuhl f\u00fcr Sinologie. Er kennt Land und Leute in China. Seine Erfahrung: Den Chinesen ist der wissenschaftliche Austausch wichtig. Der kommunistische Staat sch\u00fctzt sich selbst vor Spionage. &#8222;Wenn unsere Wissenschaftler einen Vertrag mit chinesischen Partnern machen, dann m\u00fcssen sie darauf achten, dass sie hinterher die Daten, die sie in China erarbeiten, auch wirklich aus dem Land herausbekommen&#8220;, erz\u00e4hlt der Sinologe van Ess. <\/p>\n<p>Dem Vize-Pr\u00e4sidenten sind zwar keine Spionagef\u00e4lle an der LMU bekannt, aber f\u00fcr ihn ist klar: Es gibt Spionage aus China. Die Frage sei nur, wie viel das ist und mit welchem Auftrag Wissenschaftler hierherkommen, um etwas auszuspionieren.<\/p>\n<p>Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz warnt: China nutzt gezielt mangelndes Risikobewusstsein aus<\/p>\n<p>China betreibt seit Jahren ein umfassendes System des Technologie- und Know-how-Transfers, <a href=\"https:\/\/www.verfassungsschutz.de\/DE\/verfassungsschutz\/der-bericht\/vsb-spionageabwehr\/vsb-spionageabwehr-node.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">so das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz<\/a> (externer Link). Alle relevanten Erkenntnisse der zivilen Forschung d\u00fcrften auch dem chinesischen Milit\u00e4r und dem R\u00fcstungssektor zug\u00e4nglich gemacht werden, hei\u00dft es weiter. Ein zentraler Aspekt dabei sind auch die wissenschaftlichen Kooperationen mit deutschen Universit\u00e4ten und Forschungseinrichtungen. <\/p>\n<p>Der chinesische Staat nutzt gezielt rechtliche Grauzonen, ein mangelndes Risikobewusstsein sowie die in Deutschland verfassungsrechtlich garantierte akademische Freiheit aus, schreibt der Verfassungsschutz. Zudem sind staatliche Stipendien, die haupts\u00e4chlich \u00fcber das China\u00a0Scholarship Council\u00a0(CSC) vergeben werden, ein Element, um Wissen aus der deutschen Forschungslandschaft abzuziehen.\u00a0<\/p>\n<p>Spionageexpertin Verena Jackson: Die Spionagef\u00e4lle nehmen zu<\/p>\n<p>Die Spionageexpertin Verena Jackson der Bundeswehr-Universit\u00e4t M\u00fcnchen stellt fest: In den vergangenen Jahren hat es in Deutschland insgesamt immer mehr Spionagef\u00e4lle gegeben. Auch f\u00fcr Hochschulen und Forschungseinrichtungen sei diese Gefahr gro\u00df, so Verna Jackson. &#8222;Wir haben in Bayern sehr viele, sehr gute Universit\u00e4ten, auch mit internationalem Ruf. Dieses Renommee zieht nat\u00fcrlich auch Spione an.&#8220; <\/p>\n<p>Waren bayerische Unis also jahrelang zu naiv, wenn es um die Zusammenarbeit mit Forschenden aus dem Ausland ging? Die M\u00fcnchner Spionageexpertin antwortet diplomatisch: &#8222;Das Bewusstsein ist noch nicht ganz klar. Diese Naivit\u00e4t, die lange in der Wissenschaft war, nach dem Motto: Es wird schon gut &#8211; die sollte langsam abgelegt werden.&#8220;<\/p>\n<p>BR-Recherche: Hochschulen sind sensibilisiert f\u00fcr Spionagegefahr<\/p>\n<p>Die bayerischen Unis sind seit einigen Jahren vorsichtiger geworden. Wie eine BR-Recherche zeigt, haben sie Kontrollmechanismen eingef\u00fchrt, um sich vor einer m\u00f6glichen Spionage zu sch\u00fctzen. So hat die TUM eine Schutzsoftware in Verbindung mit KI im Einsatz. Die Uni Bamberg und die Technische Uni Ingolstadt lassen sich vom Verfassungsschutz beraten. Die Uni Passau gibt Schulungen im Umgang mit sensiblen Daten und Sicherheitshinweise f\u00fcr Dienstreisen ins Ausland. Die Uni W\u00fcrzburg und die LMU M\u00fcnchen haben einen &#8222;China Competence Center&#8220; bzw. Chinabeirat eingerichtet, um Mitarbeitenden, die mit chinesischen Forschenden kooperieren wollen, eine Anlaufstelle f\u00fcr Informationen und Austausch zu geben. <\/p>\n<p>Spionagegefahr: Staatsregierung soll vor Wissenschaftsausschuss aussagen<\/p>\n<p>Ein vermeintlicher Spionageverdacht einer ausl\u00e4ndischen Forscherin am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) in Oberpfaffenhofen bleibt ungekl\u00e4rt. Aus juristischen Gr\u00fcnden d\u00fcrfen wir nicht dar\u00fcber berichten. Mittlerweile befasst sich der Bayerische Landtag mit dem Fall. Der Wissenschaftsausschuss fordert dazu Aufkl\u00e4rung von der Staatsregierung. &#8222;Wir brauchen eine klare Strategie und Leitlinien, wie wir damit umgehen, vor allem auch mit Verdachtsf\u00e4llen&#8220;, sagt Gr\u00fcnen-Fraktionsmitglied Verena Osgyan.<\/p>\n<p>Nach den Pfingstferien sollen Vertreter der Staatsregierung zu dem Spionageverdachtsfall am DLR vor dem Wissenschaftsausschuss des Bayerischen Landtags aussagen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist ein Dilemma f\u00fcr die Hochschulen und Forschungseinrichtungen: Die Wissenschaft lebt vom internationalen Austausch. 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