{"id":195772,"date":"2025-06-16T21:58:09","date_gmt":"2025-06-16T21:58:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/195772\/"},"modified":"2025-06-16T21:58:09","modified_gmt":"2025-06-16T21:58:09","slug":"schau-mal-was-da-flattert-seit-20-jahren-werden-bei-uns-schmetterlinge-gezaehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/195772\/","title":{"rendered":"Schau mal, was da flattert: Seit 20 Jahren werden bei uns Schmetterlinge gez\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nDie Biologin Elisabeth K\u00fchn geht heute auf Schmetterlingssuche. Das macht sie regelm\u00e4\u00dfig. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen vom Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung in Halle haben eine Strecke von 50 Metern, ein sogenanntes Transekt, das sie jede Woche abgehen. Dieses Transekt liegt in den Brandbergen, einem Naturschutzgebiet in Halle an der Saale.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nHeute stehen die Zeichen schlecht: 15 Grad, Wind und Wolken, das m\u00f6gen die Falter nicht so gerne. &#8222;Es sollte optimalerweise sonnig sein, \u00fcber 16 Grad und nicht zu windig. Aber wir schauen mal, was fliegt&#8220;, so die Biologin.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nK\u00fchn kennt die Schmetterlingsarten, die hier vorkommen. Schon von Weitem kann sie meist erkennen, um welche es sich handelt. Daf\u00fcr muss man kein Profi sein, versichert sie. Erkennungsb\u00fccher oder Apps helfen. Und nach einer Weile auf dem Transekt hat man es dann raus: &#8222;Dann kennen Sie die Arten auch, die da vorkommen. Es kommen ja nicht so viele Arten in einem Transekt vor, also hier in diesem wirklich guten Gebiet, in den Brandbergen, haben wir maximal 30 verschiedene Arten, das ist wirklich schon viel.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAlle Falter, die Elisabeth K\u00fchn f\u00fcnf Meter links und rechts vom Weg sieht, benennt und z\u00e4hlt sie. Alle Informationen schreibt sie in ihr B\u00fcchlein, zusammen mit dem Wetter und dem Datum. Diese Informationen gibt sie dann sp\u00e4ter an das Tagfalter-Monitoring Deutschland weiter.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nMitmachen kann beim Monitoring jeder. Die Z\u00e4hlsaison geht von April bis September. Die Strecke darf man sich selbst aussuchen. Auch gibt es keine Pflicht, wie oft man sie ablaufen muss. Die Daten k\u00f6nnen online abgegeben werden, auf der<a href=\"https:\/\/www.ufz.de\/tagfalter-monitoring\/\" title=\"Tagfalter Monitoring \" data-ctrl-link=\"{&#039;id&#039;: &#039;4893288c-0498-4b18-979c-86f9e6b0dcf8&#039;,&#039;type&#039;:&#039;external&#039;,&#039;window&#039;:{&#039;type&#039;:&#039;empty&#039;,&#039;config&#039;:{&#039;title&#039;:&#039;Tagfalter Monitoring &#039;,&#039;top&#039;:&#039;0&#039;,&#039;left&#039;:&#039;0&#039;,&#039;width&#039;:&#039;0&#039;,&#039;height&#039;:&#039;0&#039;,&#039;status&#039;:&#039;0&#039;,&#039;menubar&#039;:&#039;0&#039;,&#039;location&#039;:&#039;0&#039;,&#039;scroll&#039;:&#039;0&#039;,&#039;toolbar&#039;:&#039;0&#039;,&#039;resizable&#039;:&#039;0&#039;}}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Seite des Tagfalter-Monitorings. <\/a>\n<\/p>\n<p>Schmetterlinge fangen \u2013 nur mit Genehmigung<\/p>\n<p class=\"text\">\nWenn K\u00fchn sich doch Mal bei einer Art nicht sicher ist, z\u00fcckt sie ihren Kescher. Mit dem wischt sie \u00fcber die Grashalme und dreht ihn so, dass der Falter nicht mehr entwischen kann. Auf die Frage, ob sie damit den Schmetterlingen schadet, lacht die Biologin. <\/p>\n<p>Das sei ihre Lieblingsfrage, denn Schmetterlinge seien viel robuster, als man denkt. Trotzdem darf nicht einfach jeder die Falter mit dem Netz fangen. Daf\u00fcr braucht es n\u00e4mlich eine beh\u00f6rdliche Fanggenehmigung. Die Regelungen unterscheiden sich hier je nach Bundesland.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIst der Falter dann erst einmal im Kescher, kommt die Becherlupe zum Einsatz. K\u00fchn erkennt eine typische Falter-Art f\u00fcr die halleschen Brandberge, einen Heidespanner. Der wird aber nicht mitgez\u00e4hlt, denn der geh\u00f6rt zu den 3600 Nachtfalter-Arten in Deutschland. Im Gegensatz dazu sind die 140 Tagfalterarten \u00fcbersichtlicher. Deswegen beschr\u00e4nkt sich das Monitoring mit Hobby-Z\u00e4hlerinnen und -z\u00e4hlern auf diese Arten.\n<\/p>\n<p>R\u00fcckgang der Schmetterlinge<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Ergebnisse der vergangenen 20 Jahre Monitoring zeigen bei den Schmetterlingen einen Abw\u00e4rtstrend. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Arten nimmt ab. Daf\u00fcr gibt es mehrere Gr\u00fcnde, darunter fehlender Lebensraum, Landwirtschaft mit Insektiziden und auch der Klimawandel, wobei manche w\u00e4rmeliebenden Arten von dem auch profitieren.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDennoch macht die zunehmende D\u00fcrre vor allem den Raupen zu schaffen. Denn die sind viel anf\u00e4lliger als der filigran wirkende Schmetterling, erkl\u00e4rt K\u00fchn: &#8222;Weil die viel Nahrung brauchen. Die Falter brauchen Nektar, aber nicht so in der Menge, und sie sind auch nicht so w\u00e4hlerisch. Die k\u00f6nnen durchaus auch verschiedene Bl\u00fctenpflanzen anfliegen.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Raupe kann das oftmals nicht. Es gibt viele Arten, die auf ganz spezielle Pflanzen angewiesen sind. Wenn die Pflanze vertrocknet, findet dann auch die Raupe nichts mehr zu fressen. Das betrifft dann sogar h\u00e4ufige Arten wie das Tagpfauenauge oder den kleinen Fuchs, die spezialisiert sind auf Brennnesseln: &#8222;Die sind trotzdem h\u00e4ufig, weil Brennnesseln \u00fcberall vorkommen, aber gerade in diesen trockenen Sommern vertrocknen viele Brennnesseln, sodass die Arten gerade in den Niederungen, also Brandenburg oder aus der Niederrheinischen Bucht, [von dort] haben wir die Meldung, dass die da ganz weg sind, weil einfach dort die Brennnessel dort seltener wird.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSchmetterlingsschutz hei\u00dft also Raupenschutz. Wie der aussehen kann, auch dabei sollen die Daten des Tagfalter-Monitorings helfen.\n<\/p>\n<p>Warum Schmetterlinge gez\u00e4hlt werden?\u00a0<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Wir nehmen die Tagfalter beispielhaft f\u00fcr die gro\u00dfe Gruppe der Fluginsekten&#8220;, sagt Biologin K\u00fchn. Schmetterlinge sind schlie\u00dflich beliebt, sch\u00f6n und vor allem einfach zu bestimmen. Im Gegensatz zu anderen Fluginsekten, wie Wildbienen oder Schwebfliegen. Die Daten der Falter k\u00f6nnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann auf andere Artengruppen \u00fcbertragen. Die Schmetterlinge dienen also als gute Indikatoren, wie es anderen Fluginsekten geht.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSie sind aber auch ein Indikator daf\u00fcr, wie sich die Umwelt ver\u00e4ndert. Durch ihre oftmals sehr speziellen Anspr\u00fcche an ihre Lebensumgebung reagieren sie prompt auf Ver\u00e4nderungen, indem die Best\u00e4nde schrumpfen oder wachsen. Schlie\u00dflich haben die Falter nur wenig Zeit f\u00fcr ihre Fortpflanzung, bei einer Lebensdauer von ein paar Monaten bis maximal einem Jahr.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nBiologin K\u00fchn nennt als Beispiel den Aurorafalter, der fr\u00fch im Jahr im M\u00e4rz, April und Mai fliegt. Der kommt in der Tendenz mittlerweile sogar h\u00e4ufiger vor. Die Forschenden erkl\u00e4ren sich das damit, dass der Falter den trockenen Sommermonaten entkommt. Ab Juni sind seine Raupen n\u00e4mlich verpuppt und machen Pause. Sie schl\u00fcpfen erst im kommenden Jahr und profitieren dann von den feuchteren Fr\u00fchlingen.\n<\/p>\n<p>Langj\u00e4hriges Monitoring n\u00f6tig<\/p>\n<p class=\"text\">\nAllerdings k\u00f6nnen Best\u00e4nde von Natur aus schwanken, deswegen braucht es langj\u00e4hrige Beobachtungen. 20 Jahre Tagfalter-Monitoring sind eigentlich zu wenig, sagt K\u00fchn: &#8222;Es br\u00e4uchte eigentlich noch viel mehr Daten und es ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAu\u00dferdem ist das Monitoring auch zu sp\u00e4t gestartet. Als das Umweltforschungszentrum zusammen mit der Gesellschaft f\u00fcr Schmetterlingsschutz (GfS) 2005 das Projekt startete, waren Insekten und mit ihnen die Schmetterlinge bereits stark zur\u00fcckgegangen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Es gibt alte B\u00fccher vom Anfang des 20. Jahrhunderts, da werden Arten als sehr h\u00e4ufig beschrieben, die jetzt kaum noch vorkommen, oder auch Beschreibungen von Wolken von Schmetterlingen auf den Fl\u00e4chen, die wir so gar nicht mehr finden. Wir haben also auf einem niedrigen Niveau angefangen zu z\u00e4hlen&#8220;, so K\u00fchn. Dennoch z\u00e4hlen die Schmetterlingsfreunde weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Biologin Elisabeth K\u00fchn geht heute auf Schmetterlingssuche. Das macht sie regelm\u00e4\u00dfig. 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