{"id":196172,"date":"2025-06-17T01:41:11","date_gmt":"2025-06-17T01:41:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/196172\/"},"modified":"2025-06-17T01:41:11","modified_gmt":"2025-06-17T01:41:11","slug":"zwischen-angst-und-aufstand-die-menschen-im-iran-wissen-nicht-was-sie-tun-sollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/196172\/","title":{"rendered":"Zwischen Angst und Aufstand: &#8222;Die Menschen im Iran wissen nicht, was sie tun sollen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Israels Premier spricht von einem m\u00f6glichen Regime-Wechsel im Iran infolge der israelischen Angriffe. Im Land w\u00e4chst tats\u00e4chlich der Frust auf die Machthaber. Ein Aufstand der Menschen gegen die autorit\u00e4re Staatsf\u00fchrung scheint zumindest m\u00f6glich.<\/strong><\/p>\n<p>Kilometerlange Staus, Tankstellen ohne Benzin: Angesichts immer neuer Luftangriffe, Anschl\u00e4ge und martialischer Drohungen der Netanjahu-Regierung fliehen zahlreiche Bewohner der iranischen Hauptstadt Teheran aus der Millionen-Metropole. &#8222;Die Einwohner Teherans werden den Preis zahlen &#8211; und zwar bald&#8220;, droht Israels Verteidigungsminister Israel Katz am Montagmorgen, nachdem der Iran am Wochenende zahlreiche Raketen auf israelische Wohngebiete abgefeuert hat. Die israelische F\u00fchrung dagegen reklamiert f\u00fcr sich, im Iran nur milit\u00e4rische Ziele ins Visier zu nehmen. Bilder und Nachrichten aus Teheran zeigen: Zivilisten wurden sehr wohl Opfer der am Freitag gestarteten israelischen Angriffe. Iranische Nachrichtenagenturen, die nicht frei berichten k\u00f6nnen, meldeten seither eine dreistellige Zahl an get\u00f6teten Menschen.<\/p>\n<p>&#8222;Die Menschen sind verzweifelt. Sie wissen nicht, ob sie die Nacht \u00fcberleben&#8220;, berichtet der freie Journalist Farhad Payar im Gespr\u00e4ch mit ntv.de. Der ehemalige Redaktionsleiter des deutschsprachigen &#8222;Iran Journal&#8220; steht im Austausch mit anderen Journalisten und Menschen vor Ort. &#8222;Die Menschen schlafen in Autos, in den U-Bahn-Sch\u00e4chten und Bahnh\u00f6fen, weil es keine Luftschutzr\u00e4ume f\u00fcr sie gibt.&#8220; Weder gebe es rechtzeitigen Luftalarm noch Luftschutzr\u00e4ume oder wenigstens offizielle Informationen zum richtigen Verhalten durch Beh\u00f6rden und Regierung.<\/p>\n<p>Von Fluchtbewegungen aus Teheran sowie knapp gewordenem Benzin wei\u00df auch der deutsch-iranische Journalist Bamdad Esmaili zu berichten. &#8222;Was am Anfang die Israelis gesagt haben, n\u00e4mlich dass nur Regime-Leute getroffen werden, hat sich ja nicht bewahrheitet&#8220;, sagt Esmaili bei ntv. &#8222;Mittlerweile sind auch viele Zivilisten unter den Opfern.&#8220; Doch von der iranischen Regierung erf\u00fchren die Menschen wenig, wie es nun im Land weitergehen soll. &#8222;Man hat das Gef\u00fchl, dass sie sich zum Teil verstecken&#8220;, sagt Esmaili. Zahlreiche Anf\u00fchrer der offiziellen Streitkr\u00e4fte sowie der eng mit dem Regime verkn\u00fcpften Revolutionsgarden hat Israel in den vergangenen vier Tagen get\u00f6tet, aus der Luft oder mittels Anschl\u00e4gen. <\/p>\n<p>Regime f\u00fcrchtet den Aufstand<\/p>\n<p>Die Ermordung des Oberhaupts des islamischen Regimes, Ayatollah Ali Chamenei durch die Israelis wurde nach eigener Darstellung nur von der US-Regierung gestoppt. Dennoch k\u00f6nnte Chameneis Zeit und die seiner Mitstreiter an der Spitze der islamischen Republik zu Ende gehen. Ein Regime-Wechsel &#8222;k\u00f6nnte sicherlich ein Ergebnis sein, weil das iranische Regime sehr schwach ist&#8220;, sagt Israels Premier Benjamin Netanjahu am Sonntag dem US-Sender Fox. Israel wolle die existenzielle Bedrohung durch iranische Atomwaffen und ballistische Raketen beseitigen. &#8222;Wir k\u00f6nnen nicht zulassen, dass das gef\u00e4hrlichste Regime der Welt \u00fcber die gef\u00e4hrlichsten Waffen der Welt verf\u00fcgt&#8220;, so Netanjahu. <\/p>\n<p>Ein Macht- und Systemwechsel im Iran w\u00e4re demnach im Sinne Israels. Aber steigt die Wahrscheinlichkeit tats\u00e4chlich? &#8222;Ein Problem ist: Es gibt einfach keine Alternative zum Regime&#8220;, sagt der Journalist Payar. Die oppositionellen Kr\u00e4fte innerhalb und au\u00dferhalb des Iran seien vielstimmig, verfolgten unterschiedliche Ansichten und Ziele und seien teils untereinander zerstritten. Zudem ist den Menschen im Iran die gewaltsame Niederschlagung der im Herbst 2022 begonnenen &#8222;Frauen, Leben, Freiheit&#8220;-Proteste weiter pr\u00e4sent. &#8222;Das Regime kann weiter auf seine bis zu den Z\u00e4hnen bewaffneten Schl\u00e4gertrupps zur\u00fcckgreifen&#8220;, sagt Payar. Festnahmen, Folter, Hinrichtungen: Die Machthaber schreckten vor keiner Methode der Unterdr\u00fcckung zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Dennoch scheint die Staatsf\u00fchrung nerv\u00f6s zu sein und zu f\u00fcrchten, dass die Proteste parallel zu den israelischen Angriffen zunehmen. &#8222;Schon jetzt hat der Staat die Sicherheitskr\u00e4fte massiv verst\u00e4rkt, um Proteste zu verhindern&#8220;, sagt der Politologe Ali Fathollah-Nejad im Interview mit der &#8222;Welt&#8220;. Zugleich befeuert die Regierung den Frust der Bev\u00f6lkerung: Weil das Regime selbst wenig \u00fcber die israelischen Angriffe informiert, tauschen die Menschen Informationen zum Geschehen \u00fcber das Internet, an der staatlichen Zensur vorbei &#8211; auch um M\u00f6glichkeiten zum Selbstschutz zu finden. Payar hat in diesem Zusammenhang von 15 Verhaftungen erfahren, doch verifizieren lie\u00dfen sich die Zahlen derzeit kaum.<\/p>\n<p>Abschreckende Beispiele in direkter Nachbarschaft<\/p>\n<p>Schon vor den israelischen Angriffen war die wirtschaftliche Lage im Iran katastrophal und die Stimmung schlecht. &#8222;Die Menschen haben den Eindruck, die Regierung habe mehr Geld f\u00fcr den Krieg gegen Israel und den Westen ausgegeben als f\u00fcr die eigene Bev\u00f6lkerung&#8220;, sagt Payar. Und nun, wo der Krieg eskaliert, werde offensichtlich, dass kaum bis gar keine Vorbereitungen getroffen wurden, um die eigene Bev\u00f6lkerung im Kriegsfall zu sch\u00fctzen. Wie gro\u00df der R\u00fcckhalt der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die Staatsdoktrin einer Vernichtung Israels ist, lasse sich nicht seri\u00f6s feststellen, sagt Payar. Gro\u00dfen Enthusiasmus f\u00fcr das Thema hat er in seiner langj\u00e4hrigen Berichterstattung \u00fcber den Iran jenseits der Hardliner nicht feststellen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Doch auch wenn der R\u00fcckhalt f\u00fcr die islamische Revolution durch die derzeitige Lage weiter br\u00f6ckeln sollte, sind die Meinungen in der Opposition zu einem Regime-Wechsel durch die israelischen Angriffe sehr unterschiedlich. Am Samstag rief der Sohn des fr\u00fcheren Schahs und iranische Exil-Oppositionelle Resa Pahlavi die Menschen in seiner Heimat zu einem Bruch mit der Islamischen Republik auf. Er habe &#8222;dem Milit\u00e4r, der Polizei und den Sicherheitskr\u00e4ften gesagt: Brecht mit dem Regime&#8220;, teilte Pahlavi mit. Doch die Monarchisten &#8211; Pahlavi will nach eigenen Angaben keine neue Monarchie &#8211; sind nur eine von vielen iranischen Gruppen, die den Ayatollah-Staat ablehnen.<\/p>\n<p>&#8222;Es gibt Oppositionskr\u00e4fte, die den Krieg bef\u00fcrworten, weil sie auf den Regime-Sturz hoffen&#8220;, so Payar. Andere Kr\u00e4fte lehnten die Angriffe auf die eigene Bev\u00f6lkerung entschieden ab. Zudem w\u00fcrden Warnungen laut, dass ein von au\u00dfen herbeigef\u00fchrter Sturz der Machthaber den Iran ins Chaos st\u00fcrzen k\u00f6nnte. So wie es Libyen, Irak und Afghanistan ergangen ist. Payar h\u00e4lt in der momentanen Lage viele Szenarien f\u00fcr denkbar. &#8222;Wenn die Menschen morgen auf die Stra\u00dfe gehen, wei\u00df niemand, wer am Ende die Oberhand gewinnt.&#8220; Beobachter halten es f\u00fcr m\u00f6glich, dass sich die demokratischen Kr\u00e4fte w\u00e4hrend eines landesweiten Aufstandes zusammenschlie\u00dfen. Daf\u00fcr aber, so Payar, m\u00fcssten sie auch internationalen R\u00fcckhalt sp\u00fcren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Israels Premier spricht von einem m\u00f6glichen Regime-Wechsel im Iran infolge der israelischen Angriffe. Im Land w\u00e4chst tats\u00e4chlich der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":196173,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[45248,331,332,3364,29,30,13,345,411,14,15,16,12],"class_list":{"0":"post-196172","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-ajatollah-ali-chamenei","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-headlines","15":"tag-iran","16":"tag-israel","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-politik","20":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114696164695615542","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/196172","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=196172"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/196172\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/196173"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=196172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=196172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=196172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}