{"id":196266,"date":"2025-06-17T02:31:10","date_gmt":"2025-06-17T02:31:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/196266\/"},"modified":"2025-06-17T02:31:10","modified_gmt":"2025-06-17T02:31:10","slug":"kaiser-marc-aurel-vor-seinem-thron-wurden-gefangene-im-akkord-enthauptet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/196266\/","title":{"rendered":"Kaiser Marc Aurel: Vor seinem Thron wurden Gefangene im Akkord enthauptet"},"content":{"rendered":"<p>Politiker wie Friedrich der Gro\u00dfe und Helmut Schmidt fanden Trost bei ihm: Obwohl er viele Jahre Krieg f\u00fchrte, gilt der r\u00f6mische Kaiser Marc Aurel als Inbegriff des guten Herrschers. Warum, erkl\u00e4rt eine gro\u00dfe Ausstellung in Trier.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Nicht wenige Politiker der Gegenwart w\u00fcrden diese Warnung sicherlich weit von sich weisen: \u201eAchte darauf, dass der Purpur nicht auf dich abf\u00e4rbt, wenn du zum Herrscher gemacht wirst. Bleibe ein einfacher, guter Mensch, integer, ernsthaft, schlicht, ein Freund der Gerechtigkeit, gottesf\u00fcrchtig, wohlwollend, liebevoll und standhaft in der Erf\u00fcllung deiner Pflichten.\u201c Diesen Appell formulierte vor rund 1800 Jahren ein Mann, der weite Teile der bekannten Welt regierte und nebenbei als g\u00f6ttliches Wesen verehrt wurde:  Marcus Aurelius Antoninus, kurz Marc Aurel, von 161 bis 180 Kaiser des r\u00f6mischen Imperiums und bis heute einer der angesehensten Machthaber der antiken Welt.<\/p>\n<p>\u201eMarc Aurel ist noch heute von einer erstaunlichen Aktualit\u00e4t\u201c, sagt <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marcus_Reuter\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marcus_Reuter&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Markus Reuter<\/a>, Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier und erkl\u00e4rt damit das Gro\u00dfprojekt, das vom 15. Juni 2025 an die Moselstadt einmal mehr zu einem Zentrum antiker Kultur macht. Denn nach den fulminanten Ausstellungen \u00fcber Konstantin (2007), Nero (2016) und den Untergang des R\u00f6mischen Reiches (2022) <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/rheinland-pfalz-saarland\/article254962982\/Wieso-der-antike-Kaiser-Marc-Aurel-noch-aktuell-ist.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/rheinland-pfalz-saarland\/article254962982\/Wieso-der-antike-Kaiser-Marc-Aurel-noch-aktuell-ist.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gehen jetzt in Trier gleich zwei Museen der Frage nach, was Marc Aurel<\/a> zu einem guten Politiker gemacht hat. W\u00e4hrend Reuters Haus die Geschichte des 2. Jahrhunderts n. Chr. ausbreitet, will das Stadtmuseum Simeonstift das Wirken des Kaisers einer kritischen Pr\u00fcfung unterziehen.  <\/p>\n<p>Wie seine drei Vorg\u00e4nger Trajan, Hadrian und Antoninus Pius war Marc Aurel nicht durch Abstammung, sondern durch Adoption an die Macht gelangt. Weil unter diesen Herrschern das R\u00f6mische Reich auf dem H\u00f6hepunkt seiner Macht stand, wird die Epoche der sogenannten Adoptivkaiser mit dem gro\u00dfen britischen Historiker Edward Gibbon gern als eine Zeit gesehen, \u201ein der das Gl\u00fcck eines gro\u00dfen Volkes alleiniges Ziel der Regierung war\u201c. Denn \u201edie Verdienstvollsten\u201c seien bewusst auf den Thron gehoben worden. <\/p>\n<p>Im Landesmuseum wird schnell deutlich, dass die Welt schon damals nicht so gut war. Denn es waren wohl mehr dynastische Erw\u00e4gungen, die den kinderlosen Kaiser Hadrian bewogen, den entfernten Neffen und Schwiegersohn seines designierten Nachfolgers nach dessen vorzeitigem Tod als k\u00fcnftigen Thronerben zu bestimmen. Sozusagen als Zwischenl\u00f6sung wurde der in Ehren ergraute Senator Antoninus Pius zum direkten Nachfolger erhoben, mit der Ma\u00dfgabe, Marc Aurel den Thron zu vererben. Dass dieses System sicherstellte, den \u201eBesten\u201c auf den Thron zu bringen, war nette Propaganda. Tats\u00e4chlich konnten  durch diese Form der Sukzession die Legitimit\u00e4t \u00fcbertragen und damit blutige Usurpationen weitgehend verhindert werden.<\/p>\n<p>Da Antoninus Pius \u00fcber eine stabile Gesundheit verf\u00fcgte und 22 Jahre regierte, hatte sein Adoptivsohn gen\u00fcgend Zeit, sich auf seine Aufgabe vorzubereiten. Das hatte mehr mit Pflichterf\u00fcllung als mit Berufung zu tun. Denn wie aus der erhaltenen Korrespondenz mit seinem Lehrer Fronto und anderen Intellektuellen deutlich wird, widmete sich der Prinz lieber der Philosophie als den Staatsgesch\u00e4ften. Theater, Circus, Gladiatorenspiele mied er. Stattdessen machte er sich Gedanken \u00fcber seine Kinder, von denen ihm seine Frau Faustina immerhin 13 geboren hatte. Nur vier T\u00f6chter und ein Sohn sollten den Vater \u00fcberleben. Ger\u00fcchte \u00fcber die sexuellen Eskapaden der Kaiserin sagen mehr aus \u00fcber die Laxheit der Zensur in Rom aus als \u00fcber die Realit\u00e4t in den Betten der oberen Zehntausend.<\/p>\n<p>Dass der 39-j\u00e4hrige Marc Aurel sofort nach seinem Regierungsantritt am 7. M\u00e4rz 161 seinen zehn  Jahre j\u00fcngeren Adoptivbruder Lucius Verus zum vollwertigen Mitregenten erhob, erkl\u00e4rt sich nicht einfach mit Familiensinn, sondern vor allem auch mit dem Umstand, dass ein Krieg gegen die Parther vor der T\u00fcr stand. Diese Samtherrschaft war ein Novum und sollte ein Vorbild f\u00fcr sp\u00e4tere Regentschaften mit mehreren Kaisern werden. In seinem Fall konnte Marc Aurel geschickt einen potenziellen Usurpationsherd ausschalten und den Legionen, die im Osten in Marsch gesetzt wurden, zugleich einen Kaiser als formellen Oberbefehlshaber pr\u00e4sentieren. Erhebungen ehrgeiziger Gener\u00e4le war damit ein Riegel vorgeschoben.<\/p>\n<p>Obwohl Marc Aurel in dieser Doppelherrschaft die F\u00fchrung zukam \u2013 was Lucius  Verus stets anerkannt hat \u2013 gestand der \u00c4ltere diesem den Kriegsruhm zu. Denn der  Feldzug gegen den Partherk\u00f6nig Vologaises IV. entwickelte sich h\u00f6chst erfolgreich. Bis 166 wurden weite Teile Mesopotamiens mit der Parther-Hauptstadt Ktesiphon (bei Bagdad) erobert. Doch kurz darauf erwies sich ein anderer Feind als \u00fcberm\u00e4chtig. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article221657856\/Roemische-Reich-Die-Antoninische-Pest-besudelte-alles-Land-mit-Ansteckung-und-Tod.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article221657856\/Roemische-Reich-Die-Antoninische-Pest-besudelte-alles-Land-mit-Ansteckung-und-Tod.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bei den Pl\u00fcnderungen \u201eentwich aus einem<\/a> verschlossenen, geweihten Raum infolge chald\u00e4ischer Geheimk\u00fcnste ein urt\u00fcmliches Verderben, das sogleich unheilbare Krankheiten erzeugte\u201c, hei\u00dft es in einer Quelle. <\/p>\n<p>Bald \u201ebesudelte die Seuche alles Land von den Grenzen der Perser bis zum Rhein und Gallien mit Ansteckung und Tod\u201c. Man hat diese \u201eAntoninische Pest\u201c mit Pocken, Masern, Ebola oder Grippe identifiziert. Zwar tat Marc Aurel sein Bestes, um diese, wie er schrieb, \u201eSchl\u00e4ge des Schicksals\u201c zu lindern. Aber f\u00fcr die Zeitgenossen stand au\u00dfer Frage, dass die G\u00f6tter die Menschen damit f\u00fcr ihr ungeb\u00fchrliches Benehmen straften.<\/p>\n<p>Es kam noch schlimmer. W\u00e4hrend <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article190978589\/Roms-Kaiser-Antoninus-Pius-Ein-Pazifist-der-viele-Kriege-fuehrte.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article190978589\/Roms-Kaiser-Antoninus-Pius-Ein-Pazifist-der-viele-Kriege-fuehrte.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Antoninus Pius noch mit erfolgreichen Vorst\u00f6\u00dfen<\/a> in Britannien die Grenze bis an den nach ihm benannten Wall zwischen Firth of Clyde und Firth of Forth vorschieben konnte, hatte Marc Aurel M\u00fche, das Weltreich ohne gro\u00dfe Verluste zu erhalten. Denn in den Tiefen Germaniens hatten sich inzwischen umfangreiche Ver\u00e4nderungen vollzogen. Kleine V\u00f6lker hatten sich zu gr\u00f6\u00dferen Verb\u00e4nden zusammengeschlossen. Einer von ihnen, die Markomannen, dr\u00e4ngten von B\u00f6hmen und Ungarn aus \u00fcber die Donau und brachen auf ihren Beutez\u00fcgen sogar in Norditalien ein. <\/p>\n<p>Ein fr\u00fches Opfer wurde Lucius Verus, der 169 in Altinum (bei Venedig) starb. Die Lage war so dramatisch, dass Sklaven, Gladiatoren und Banditen die L\u00fccken in den Legionen f\u00fcllen mussten. Marc Aurel sah sich gezwungen, das Tafelsilber aus den kaiserlichen Pal\u00e4sten zu versteigern, um die Mobilmachung finanzieren zu k\u00f6nnen. Obwohl zeit seines Lebens mit schwacher Gesundheit geschlagen, scheute er sich auch nicht, selbst ins Feld zu ziehen. Rund zehn Jahre, bis zu seinem Tod, sollte er an der Front ausharren, l\u00e4nger als jeder Kaiser seit Augustus. <\/p>\n<p>Obwohl er die taktische F\u00fchrung seiner Truppen seinen Gener\u00e4len \u00fcberlie\u00df (der Auftakt von Ridley Scotts <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article441868\/Gladiator-ist-Oscar-Gewinner-2001.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article441868\/Gladiator-ist-Oscar-Gewinner-2001.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sandalenfilm \u201eGladiator\u201c<\/a> von 2001 zeigt das in prallen Bildern), legte Marc Aurel gro\u00dfen Wert darauf, sich nicht als Friedensbringer, sondern als Kriegsherr zu pr\u00e4sentieren. Denn milit\u00e4rische Erfolge waren ein zentrales Standbein kaiserlicher Legitimit\u00e4t. Zwar sind viele der erhaltenen Portr\u00e4tb\u00fcsten des Kaisers dem Typ des nachdenklichen Philosophen verpflichtet, darunter die in der Ausstellung gezeigte lebensgro\u00dfe Statue aus dem British Museum. <\/p>\n<p>Aber die f\u00fcnf mit dem Kopf erhaltenen Statuen, vor allem die ber\u00fchmte Reiterstatue auf dem Kapitol in Rom \u201ezeigen jedoch eine deutliche milit\u00e4rische Komponente\u201c, schreibt der Historiker <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hartwin_Brandt\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hartwin_Brandt&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Hartwin Brandt<\/a>, der auch zu den Autoren des prachtvollen Kataloges geh\u00f6rt. Auch auf der monumentalen S\u00e4ule auf der Piazza Colonna in Rom, auf denen die Markomannenkriege in 116 Szenen dargestellt sind und von der eine verbl\u00fcffende Nachbildung im Landesmuseum zu sehen ist, wird Marc Aurel auf 59 als siegreicher Milit\u00e4r pr\u00e4sentiert. Da werden <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article242846375\/Mark-Aurels-Markomannenkriege-Legionaere-schleppten-Frauen-mit-ihren-Kindern-fort-um-sie-zu-vergewaltigen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article242846375\/Mark-Aurels-Markomannenkriege-Legionaere-schleppten-Frauen-mit-ihren-Kindern-fort-um-sie-zu-vergewaltigen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">vor seinem Thron Barbaren in Massen geschlachtet oder Gefangene<\/a> im Akkord exekutiert. <\/p>\n<p>Der Lohn war neben der Loyalit\u00e4t der Soldaten und Untertanen \u2013 die Usurpation des Avidius Cassius 175 endete nach wenigen Monaten mit dessen Ermordung durch die eigenen Leute \u2013 <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/history\/article106366988\/Gegen-die-Germanen-lernten-die-Roemer-beten.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/history\/article106366988\/Gegen-die-Germanen-lernten-die-Roemer-beten.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">das ber\u00fchmte Regenwunder, das sich 172 im Quadenland<\/a> im Westen der Slowakei ereignete: Die r\u00f6mischen Truppen waren in einen Hinterhalt geraten und ohne Wasser bei gro\u00dfer Hitze eingeschlossen. Ein Wolkenbruch rettete sie vor dem Verdursten. Derart gest\u00e4rkt, machten sie den Barbaren den Garaus, unterst\u00fctzt von den G\u00f6ttern mit Hagel und Blitz. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Jahre an der Front, wahrscheinlich zwischen 172 und 178, formulierte Marc Aurel 487 Aphorismen an sich selbst. Diese Reflexionen in griechischer Sprache sind in die Weltliteratur eingegangen und haben vor allem den Weltruhm ihres Autors begr\u00fcndet, der sich damit als letzter gro\u00dfer Vertreter der Philosophenschule der Stoa profilierte. Die setzte auf eine Ethik, die mit Tugend und Disziplin die Herausforderungen des Lebens ertragen half. In diesem Sinne verstand Marc Aurel seine Notizen \u201eAn mich selbst\u201c als Selbstdialog, als geistige \u00dcbungen, die nicht zur Ver\u00f6ffentlichung bestimmt waren.<\/p>\n<p>Erst ihre Wiederentdeckung in der Renaissance (auf dem Umweg \u00fcber Byzanz) machten die \u201eSelbstbetrachtungen\u201c, wie sie in der Regel genannt werden, zu einem der meistgelesenen antiken Texte: \u201eBesitzt du Vernunft? Ja. Warum gebrauchst du sie also nicht?\u201c Oder: \u201eMach dich weder zum Tyrannen noch zum Sklaven eines anderen Menschen.\u201c Oder: \u201eWas auch immer ich bin, es ist ein wenig Fleisch, ein wenig Atem und die herrschende Vernunft. Fort mit den B\u00fcchern! Lass dich durch sie nicht l\u00e4nger ablenken!\u201c Daher: \u201eNimm dir Zeit, etwas Gutes dazuzulernen, und h\u00f6re auf, planlos umherzuirren.\u201c Derartige S\u00e4tze gew\u00e4hren seltene Einblicke in Intellekt und Gef\u00fchle eines Menschen der Antike.<\/p>\n<p>Weil er zudem ein Kaiser war, zog er Schlussfolgerungen f\u00fcr die praktische Politik: \u201eWir sind ja zur Zusammenarbeit geschaffen, wie die F\u00fc\u00dfe, H\u00e4nde, Augenlider oder die obere und untere Zahnreihe.\u201c Auf dieser Grundlage sollst \u201edu tun, was notwendig ist und was die Vernunft eines von Natur zur Staatsgemeinschaft bestimmten Wesens gebietet\u201c. Dabei \u201eversuche, die Menschen zu \u00fcberzeugen, handle aber auch gegen ihren Willen, wenn der Gedanke an die Gerechtigkeit dich dazu treibt\u201c. Bedenke aber stets, \u201edass du auch selbst viele Fehler machst und ein Mensch bist\u201c.<\/p>\n<p>Erkenntnisse wie diese haben die \u201eSelbstbetrachtungen\u201c zu einem Bestseller gemacht, dessen Erfolg bis heute anh\u00e4lt. Zahlreiche Politiker behaupten zumindest, eine Richtschnur f\u00fcr ihr Handeln gefunden zu haben. Friedrich der Gro\u00dfe fand darin Trost nach seinen Niederlagen, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article138088590\/Kleine-Geheimnisse-eines-grossen-Staatsmannes.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article138088590\/Kleine-Geheimnisse-eines-grossen-Staatsmannes.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Helmut Schmidt hielt es seit seiner Konfirmation in Ehren und<\/a> sch\u00f6pfte noch als Bundeskanzler daraus \u2013 das Exemplar mit seinen handschriftlichen Anmerkungen geh\u00f6rt zu den Trouvaillen im Stadtmuseum. <\/p>\n<p>Die Reaktionen von Marc Aurels Zeitgenossen waren allerdings gespalten. Die einen begannen, wie ein Sittenprediger an jeder Stra\u00dfenecke zu philosophieren, h\u00f6hnte der Satiriker Lukian. Andere dagegen erinnerten an die Sitte der Vorfahren, f\u00fcr die Philosophie zu Sorglosigkeit und M\u00fc\u00dfiggang f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Zwar gelang es dem Kaiser, den Ersten Markomannenkrieg 175 mit einem Vertrag zu beenden, der Rom einige tausend barbarische S\u00f6ldner und die Freilassung von 100.000 Gefangenen beschert haben soll. Doch schon zwei Jahre sp\u00e4ter kam es zu neuen K\u00e4mpfen an der Donau. Wie eine Inschrift berichtet, trug sich Marc Aurel sogar mit dem Gedanken, jenseits des Flusses eine neue Provinz zu errichten. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Als er am 17. M\u00e4rz 180 in Sirmium oder Vindobona (Wien) eines nat\u00fcrlichen Todes starb, schleppte sich der Zweite Markomannenkrieg weiter. <\/p>\n<p>War Marc Aurel ein guter Herrscher? Wenige Jahrzehnte nach seinem Tod sah Herodian in ihm den Inbegriff des \u201eguten und milden Herrschers\u201c. F\u00fcr den Historiker-Kollegen Cassius Dio endete mit ihm \u201edas goldene Zeitalter und es begann eines aus Eisen und Rost\u201c. Ein Grund war f\u00fcr <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article237577143\/Commodus-Er-schnitt-ihnen-die-Nase-ein-Ohr-oder-sonst-etwas-ab.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article237577143\/Commodus-Er-schnitt-ihnen-die-Nase-ein-Ohr-oder-sonst-etwas-ab.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">den Senator Marc Aurels Sohn Commodus<\/a>, der dem Vater nachfolgte, sich lieber als Gladiator den blutigen Spielen als den Staatsgesch\u00e4ften widmete und nach seinem Tod der \u201edamnatio memoriae\u201c (Verdammung des Andenkens) zum Opfer fiel.<\/p>\n<p>Christen erinnerten sich mit Grauen an einzelne Prozesse, die unter Marc Aurels Regierung in Rom und Lyon stattfanden und mit Todesstrafen endeten. Aber dahinter d\u00fcrfte kaum ein kaiserlicher Auftrag gestanden haben, sondern eine extreme Auslegung der traditionellen Rechtsprechung durch einzelne Statthalter. Dagegen zeichnen sich die mehr als 300 Gesetze, die von Marc Aurel erhalten sind, durch Humanit\u00e4t und Pragmatismus aus. Die Gladiatorenspiele wurden eingeschr\u00e4nkt, in Not geratene St\u00e4dte unterst\u00fctzt. Ihm selbst wird \u201eeine gewaltige Arbeits- und Willensleistung\u201c (Hartwin Brandt) attestiert. <\/p>\n<p>Das positive Urteil der Zeitgenossen gr\u00fcndet denn auch auf Marc Aurels Leistungen in der Verwaltung und Verteidigung des Reiches. Nicht umsonst zeigen die Szenen der Marc Aurel-S\u00e4ule in Rom, die f\u00fcr die Ausstellung im Landesmuseum nachgebaut wurden, blutigen Kriegsalltag, Schlachten, Massaker, Sklaverei. Ein siegreicher Kaiser war ein guter Kaiser. Dass er weder die Strategie der linearen Grenzverteidigung aufgegeben noch Reformen gegen die Erosion der urbanen Wirtschaftskraft auf den Weg brachte, haben ihm erst moderne Kritiker vorgehalten. Sie dagegen ma\u00dfen ihn an seiner Ethik in Worten und Taten.   <\/p>\n<p>Fazit: Das Urteil \u00fcber historische Gr\u00f6\u00dfe ist vor allem eine Frage der Perspektive.  <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/marc-aurel-trier.de\/\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/marc-aurel-trier.de\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">\u201eMarc Aurel. Kaiser, Feldherr, Philosoph\u201c, Rheinisches Landesmuseum; \u201eWas ist gute Herrschaft\u201c, Stadtmuseum Simeonstift, beide 15. Juni bis 23. November 2025; <\/a>Katalog: wbg\/Theiss, 30 Euro, im Handel 39,90 Euro. <\/p>\n<p><b>Schon in seiner Geschichts-Promotion besch\u00e4ftigte sich <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/berthold-seewald\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/berthold-seewald\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Berthold Seewald<\/b><\/a><b> mit Br\u00fcckenschl\u00e4gen zwischen antiker Welt und Neuzeit. Als WELT-Redakteur geh\u00f6rte die Arch\u00e4ologie zu seinem Arbeitsgebiet.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Politiker wie Friedrich der Gro\u00dfe und Helmut Schmidt fanden Trost bei ihm: Obwohl er viele Jahre Krieg f\u00fchrte,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":196267,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[64605,29,30,13,49832,64604,14,15,49829,64606,12,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-196266","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-roem-kaiser","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-headlines","12":"tag-kriege-der-antike-bis-500-n-chr","13":"tag-mark-aurel","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-roemische-antike-ks","17":"tag-roemisches-reich-ks","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-top-news","20":"tag-top-meldungen","21":"tag-topmeldungen","22":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114696361477499709","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/196266","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=196266"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/196266\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/196267"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=196266"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=196266"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=196266"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}