{"id":197048,"date":"2025-06-17T09:41:10","date_gmt":"2025-06-17T09:41:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/197048\/"},"modified":"2025-06-17T09:41:10","modified_gmt":"2025-06-17T09:41:10","slug":"wer-erinnert-sich-noch-an-den-17-juni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/197048\/","title":{"rendered":"Wer erinnert sich noch an den 17. Juni?"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 17.06.2025 10:12 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>72 Jahre nach dem Arbeiteraufstand in der DDR ger\u00e4t der 17. Juni 1953 langsam in Vergessenheit. Zeitzeugen berichten von m\u00e4\u00dfigem Interesse &#8211; nicht nur bei der jungen Generation.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/kartschall-andre-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Andre Kartschall\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kartschall-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWolfgang J\u00e4hnichen war dabei, als die Arbeiter im Arbeiter-und-Bauern-Staat DDR die Nase voll hatten. Der 17. Juni 1953 war ein pr\u00e4gendes Erlebnis f\u00fcr den damals 13-J\u00e4hrigen. In Dresden erlebte er mit, wie Tausende die Stra\u00dfen entlang zogen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nErst ging es gegen Erh\u00f6hungen der staatlich verordneten Arbeitsnormen. Kurz darauf forderten die Demonstranten auch den R\u00fccktritt der Regierung. Dann kamen die sowjetischen Panzer und bereiteten dem Treiben ein Ende. Der Volksaufstand war niedergeschlagen, die DDR-Justiz verh\u00e4ngte harte Strafen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeine Erlebnisse gibt J\u00e4hnichen gern an junge Menschen weiter. F\u00fcr ihn ist der Tag ein Lehrst\u00fcck \u00fcber mutige Menschen, die spontan Widerstand gegen ein autorit\u00e4res System leisteten. &#8222;Man sagt uns Deutschen ja nach: Revolutionen m\u00fcssen 14 Tage vorher bei den Beh\u00f6rden angemeldet werden. Beim 17. Juni aber handelt es sich um einen spontanen Arbeiteraufstand.&#8220;<\/p>\n<p>    Zeitzeugen zur Erinnerung einladen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDamit das Datum mit all seinen Lehren nicht in Vergessenheit ger\u00e4t, k\u00f6nnen Schulen Zeitzeugen wie J\u00e4hnichen einladen. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unterh\u00e4lt ein eigenes Zeitzeugenb\u00fcro.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Ich mach das schon seit 20 Jahren. Wenn die Sch\u00fcler gut vorbereitet sind durch die Lehrerschaft, dann funktioniert es auch&#8220;, sagt J\u00e4hnichen. Doch das ist vor allem der Fall, wenn ein besonderer Anlass besteht. Ansonsten schaue er beim Thema 17. Juni oft in fragende Gesichter. Doch das sei nicht nur bei Jugendlichen der Fall.<\/p>\n<p>    Unwissen auch bei Erwachsenen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wenn man sich mit Menschen zwischen 30 und 50 unterh\u00e4lt, kommt meist erst einmal das gro\u00dfe Luftschnappen.&#8220; Schade findet er das. &#8222;Das ist ein ganz wichtiges Ereignis in der deutschen Geschichte.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber vielleicht sei es auch einfach eine Frage der Allgemeinbildung. Viele k\u00f6nnten oft auch nicht sagen, wof\u00fcr Ostern und Pfingsten stehen. &#8222;Da kommt auch oft nichts. Aber sie kennen alle Br\u00fcckentage&#8220;, sagt J\u00e4hnichen mit Blick auch auf die Erwachsenen. &#8222;Wir sollten also vielleicht nicht nur auf den Kindern herumhacken. Es ist bei vielen so, dass sie nicht viel wissen.&#8220;<\/p>\n<p>    Geringes Interesse in Schulen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Was war da nochmal am 17. Juni 1953?&#8220; Die Frage kennt auch G\u00fcnter Toepfer. Auch er, Jahrgang 1941, geriet als Kind in den Arbeiteraufstand. &#8222;Das hat mich f\u00fcr mein Leben ganz nachhaltig gepr\u00e4gt.&#8220; Mit reingerutscht sei er, als die Massen das Gef\u00e4ngnis in Jena st\u00fcrmten. &#8222;Zwischen Tausend Menschen. Ich hatte Angst, unter die F\u00fc\u00dfe der anderen zu geraten&#8220;, erinnert er sich.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch er steht als Zeitzeuge zur Verf\u00fcgung. Doch das Interesse seitens der Schulen sei gering, sagt er. &#8222;Zum 70. Jahrestag hat es nicht eine Anfrage gegeben. In diesem Jahr war es eine.&#8220; Toepfer kam sp\u00e4ter selbst ins Gef\u00e4ngnis, weil er &#8222;Republikflucht&#8220; begehen wollte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr ihn ist der 17. Juni ein Symbol f\u00fcr den Unrechtsstaat DDR. &#8222;Mir geht es darum, wie wichtig Rechtsstaatlichkeit ist. Und was Willk\u00fcr anrichten kann.&#8220; Wenn es einen Termin mit einer Schulklasse gebe, sage er ihnen, dass er damals genau so alt war wie sie heute. Das klappe aber nur manchmal &#8211; und eben nur, wenn Schulen ihn \u00fcberhaupt einladen.<\/p>\n<p>    Was war die Mauer?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Das Interesse der Schulen ist extrem schlecht. Das Vorwissen ist schlecht &#8211; im Osten noch schlechter als im Westteil der Stadt&#8220;, so sein Fazit. &#8222;Einmal gab es Sch\u00fcler, die waren so desinteressiert, da habe ich angeboten, zu gehen.&#8220; Mittlerweile sage selbst der Mauerbau vielen Sch\u00fclern nichts mehr.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Vorbildung \u00fcber die DDR und die Zeit der deutschen Teilung sei nicht sehr ausgepr\u00e4gt, so seine Erfahrung. Toepfer fasst einen typischen Besuch in Schulklassen so zusammen: &#8222;Die Sch\u00fcler haben in der Regel bestenfalls vorher gewusst: Jetzt kommt ein alter Mann und erz\u00e4hlt von fr\u00fcher.&#8220;<\/p>\n<p>    In zehn Bundesl\u00e4ndern im Lehrplan<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKatharina Hochmuth ist bei der Bundesstiftung Aufarbeitung f\u00fcr den Bereich Schulische Bildung verantwortlich. Zeitzeugen zur DDR-Geschichte w\u00fcrden immer noch gern gebucht, sagt sie. Dass es gerade beim 17. Juni ein eher \u00fcberschaubares Interesse gebe, erkl\u00e4rt sie so: &#8222;Vielleicht wissen auch viele nicht, dass es immer noch Zeitzeugen gibt. Aber wir haben noch einige wenige, die noch Auskunft geben k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn zehn von 16 Bundesl\u00e4ndern stehe das historische Datum explizit im Lehrplan. Geschichtsstunden seien rar ges\u00e4t. Doch der 17. Juni sei auch f\u00fcr andere F\u00e4cher geeignet, sagt Hochmuth: &#8222;Man kann das Thema auch im Fach Ethik oder f\u00e4cher\u00fcbergreifend behandeln. Oder bei Exkursionen oder Zeitzeugen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAm Arbeiteraufstand k\u00f6nnen man sehen, was Menschen dazu bewege, sich gegen ein autorit\u00e4res System zu demonstrieren, warum sie sich f\u00fcr Freiheit und Menschenrechte einsetzten. F\u00fcr Hochmuth sind das eigentlich auch Themen, &#8222;f\u00fcr die sich junge Menschen interessieren&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 17.06.2025 10:12 Uhr 72 Jahre nach dem Arbeiteraufstand in der DDR ger\u00e4t der 17. 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