{"id":197432,"date":"2025-06-17T13:05:09","date_gmt":"2025-06-17T13:05:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/197432\/"},"modified":"2025-06-17T13:05:09","modified_gmt":"2025-06-17T13:05:09","slug":"praevention-und-frueherkennung-von-diabetes-mellitus-wie-steht-es-um-oesterreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/197432\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4vention und Fr\u00fcherkennung von Diabetes mellitus \u2013 wie steht es um \u00d6sterreich?"},"content":{"rendered":"<p>Lange Zeit fehlten in \u00d6sterreich belastbare Daten zur Verbreitung von Diabetes mellitus und dessen Vorstufen. Nun liegen erstmals Ergebnisse gro\u00df angelegter Auswertungen vor \u2013 darunter \u00fcber 6,5 Millionen N\u00fcchternblutzuckerwerte aus der Gesundenuntersuchung sowie aktuelle Pr\u00e4valenzdaten aus Hausarztpraxen und Spit\u00e4lern. Diese neue Evidenz zeigt deutlich, wie hoch die Dunkelziffer nicht diagnostizierter Diabetesf\u00e4lle ist \u2013 und unterstreicht die Dringlichkeit fr\u00fchzeitiger Erkennung und gezielter Pr\u00e4vention.<\/p>\n<p><strong>Stille Epidemie<\/strong><\/p>\n<p>In einer der bislang gr\u00f6\u00dften Studien ihrer Art haben Forscherinnen und Forscher aus Ober\u00f6sterreich systematisch den Blutzuckerwert (HbA1c) von \u00fcber 3000 erwachsenen Krankenhauspatient:innen untersucht. Das Ergebnis ist alarmierend: Mehr als jeder zweite Patient (51,5 %) litt an Diabetes oder einer Vorstufe davon \u2013 teilweise ohne es zu wissen.<\/p>\n<p>\u201eDiese Zahlen zeigen, dass wir es mit einer weitgehend unerkannten Epidemie zu tun haben\u201c, erkl\u00e4rt Studienleiter und Past-President der \u00d6sterreichischen Diabetes Gesellschaft (\u00d6DG), Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Clodi. \u201eBesonders alarmierend ist, dass viele der Betroffenen nichts von ihrer Erkrankung wussten \u2013 erst im Zuge der station\u00e4ren Aufnahme wurde der Diabetes festgestellt.\u201c<\/p>\n<p>Durchgef\u00fchrt wurde die Untersuchung an drei Krankenh\u00e4usern in Linz und Gmunden. \u201eInsgesamt 27,8 % der Patientinnen und Patienten hatten manifesten Diabetes, bei weiteren 23,7 % fanden wir sogenannte Pr\u00e4diabetes-Werte\u201c, erkl\u00e4rt Autor Clodi. Besonders h\u00e4ufig betroffen waren \u00e4ltere Menschen: In der Altersgruppe zwischen 70 und 79 Jahren hatte sogar \u00fcber ein Drittel der Patient:innen Diabetes.<\/p>\n<p>Besonders besorgniserregend: Bei 73 Patient:innen wurde der Diabetes erst im Rahmen des Krankenhausaufenthalts entdeckt. \u201eDiese Menschen kamen wegen ganz anderer Beschwerden, etwa wegen Herzproblemen oder Infektionen. Niemand wusste, dass sie auch Diabetes haben\u201c, betont Clodi.<\/p>\n<p>\u201eDiese Daten sind ein Weckruf\u201c, kommentiert \u00d6DG-Pr\u00e4sident Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Fasching. \u201eWenn mehr als die H\u00e4lfte aller Krankenhauspatient:innen von einer Zuckerstoffwechselst\u00f6rung betroffen ist \u2013 teilweise ohne es zu wissen \u2013 zeigt das den enormen Handlungsbedarf. Die fl\u00e4chendeckende Bestimmung des HbA1c-Wertes bei Spitalsaufnahmen muss zur Routine werden, wenn wir Versorgungsl\u00fccken schlie\u00dfen und Folgeerkrankungen verhindern wollen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Herzerkrankungen h\u00e4ufig mit Diabetes verkn\u00fcpft<\/strong><\/p>\n<p>Die Studie zeigt auch einen engen Zusammenhang zwischen erh\u00f6htem Blutzucker und anderen Erkrankungen: Herzschw\u00e4che, Bluthochdruck und Gef\u00e4\u00dfverkalkungen waren bei Menschen mit Diabetes oder Pr\u00e4diabetes deutlich h\u00e4ufiger. \u201eDas zeigt, wie wichtig eine fr\u00fchzeitige Diagnose ist, da diese Erkrankungen durch Diabetes mitverursacht werden\u201c, betont Clodi.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Daten fordert die \u00d6DG die routinem\u00e4\u00dfige Bestimmung des HbA1c-Wertes bei allen Krankenhausaufnahmen. Dieser Langzeitblutzuckerwert kann fr\u00fchzeitig Hinweise auf Diabetes oder Pr\u00e4diabetes liefern \u2013 kosteng\u00fcnstig und zuverl\u00e4ssig.<\/p>\n<p><strong>Hohe Dunkelziffer<\/strong><\/p>\n<p>In einer Untersuchung der \u00d6sterreichischen Diabetesgesellschaft (\u00d6DG) wurden nun knapp 6.5 Millionen N\u00fcchternblutzuckerwerte aus der Vorsorgeuntersuchung von den Jahren 2017-2023 untersucht und mit einer weiteren Studie der \u00d6DG , der AUSTRO-PROFIT Studie, die in Allgemeinmedizinischen und internistischen Ordinationen in ganz \u00d6sterreich durchgef\u00fchrt wurde, verglichen. Diese zeigt, dass 7 % der Teilnehmer:innen an bekanntem Typ-2-Diabetes leiden, w\u00e4hrend 3 % bislang unentdeckten Diabetes aufwiesen. Pr\u00e4diabetes wurde bei rund 20 % festgestellt.<\/p>\n<p>\u201eDass 3% der erwachsenen Bev\u00f6lkerung, die eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen, von einem unerkannten Diabetes mellitus betroffen sind, ist alarmierend und unterstreicht die Wichtigkeit von Blutzuckerbestimmungen insbesondere bei Risikopersonen, wie etwa jenen mit \u00dcbergewicht\u201c, berichtet der Leiter der Studiengruppe und President elect der \u00d6DG,<strong> <\/strong>Univ.Prof. Dr. Harald Sourij<strong> <\/strong>von der MedUni Graz.<\/p>\n<p>Diese Daten sind insbesondere von Relevanz, da bereits fr\u00fchzeitig bei Menschen mit Typ 2 Diabetes Komplikationen auftreten k\u00f6nnen, wie Gef\u00e4\u00dferkrankungen oder Nervenst\u00f6rungen. Daten aus der AUSTRO-PROFIT Studie zeigen weiters, dass die gesundheitsbezogene Lebensqualit\u00e4t auch bei Menschen mit undiagnostizierten Zuckerstoffwechselst\u00f6rungen reduziert ist.<\/p>\n<p><strong>Fokus auf Fr\u00fcherkennung<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00d6sterreichische Diabetes Gesellschaft hat die Studien ma\u00dfgeblich unterst\u00fctzt und sieht sich in ihrer Rolle als wissenschaftliche Gesellschaft best\u00e4tigt: Forschung, Fr\u00fcherkennung und Pr\u00e4vention m\u00fcssen weiter gest\u00e4rkt werden. \u201eGerade in der breiten Versorgung durch Haus\u00e4rzt:innen m\u00fcssen wir den Fokus verst\u00e4rkt auf die fr\u00fchzeitige Erkennung von Diabetes legen\u201c, betont Priv.-Doz. Dr. Gersina Rega-Kaun, erste Sekret\u00e4rin der \u00d6DG und liefert weitere Daten die das begr\u00fcnden: \u201eWie neueste Daten aus D\u00e4nemark zeigen, entwickelt jeder 5. Mensch mit Pr\u00e4diabetes in den n\u00e4chsten 5 Jahren einen Diabetes. Bereits die vielzitierte Diabetes Prevention Program (DPP)-Studie mit 3.234 Teilnehmenden zeigte, dass Lebensstilver\u00e4nderungen \u2013 also Gewichtsreduktion von mindestens 7 % und mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche \u2013 das Risiko f\u00fcr eine Diabetesmanifestation um 58 % senken k\u00f6nnen. In derselben Studie reduzierte Metformin das Risiko um 31 % im Vergleich zu Placebo.\u201c<\/p>\n<p><strong>Neue Medikamente reduzieren Progression<\/strong><\/p>\n<p>Im Fokus stehen derzeit neue Medikamente, die beim Abnehmen helfen und den Blutzucker regulieren \u2013 sogenannte Inkretine, die Mono GLP-1- und duale GLP1\/GIP-Rezeptoragonisten. In der SCALE-Studie (n=3.731) f\u00fchrte Liraglutid zu nachhaltiger Gewichtsabnahme und normoglyk\u00e4mischen Remissionen. In den STEP 10- (n=207) und SELECT-Studien (n&gt;17.000) zeigte Semaglutid \u00e4hnliche Ergebnisse. Besonders eindrucksvoll waren die Ergebnisse der SURMOUNT-1-Studie mit Tirzepatid: Nach 176 Wochen konnte die Progression zum Typ-2-Diabetes um 93 % reduziert werden \u2013 begleitet von einer signifikanten Gewichtsabnahme und Verbesserung kardiometabolischer Parameter. Allerdings kam es nach Absetzen der Medikation zu einem R\u00fcckgang der positiven Effekte, was auf die Notwendigkeit einer langfristigen Therapie bei Hochrisikopatient:innen hinweist.<\/p>\n<p>Die aktuellen Daten belegen: \u00d6sterreich steht vor einer gro\u00dfen Herausforderung \u2013 aber auch vor der Chance, durch gezielte Vorsorge und strukturierte Fr\u00fcherkennung langfristig gesundheitliche und \u00f6konomische Sch\u00e4den zu vermeiden.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die \u00d6sterreichische Diabetes Gesellschaft (\u00d6DG)<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00d6sterreichische Diabetes Gesellschaft (\u00d6DG) ist die \u00e4rztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der \u00f6sterreichischen Diabetes-Experten:innen. Ordentliche Mitglieder der Gesellschaft sind \u00c4rzt:innen und wissenschaftlich einschl\u00e4gig orientierte Akademiker:innen. Assoziierte Mitglieder sind Diabetesberater:innen und Di\u00e4tolog:innen. Die \u00d6sterreichische Diabetes Gesellschaft sieht es als ihre Aufgabe, die Gesundheit und Lebensqualit\u00e4t von Menschen mit Diabetes mellitus zu verbessern. Sie setzt sich daher f\u00fcr die Anliegen der Betroffenen ein. Sie fordert und f\u00f6rdert die stetige Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus. Sie unterst\u00fctzt die Forschung und verbreitet wissenschaftliche Erkenntnisse aller den Diabetes ber\u00fchrenden Fachgebiete sowohl zur Verbesserung der medizinischen Betreuung als auch zur bestm\u00f6glichen Vorbeugung von Neuerkrankungen.<\/p>\n<p>Informationen \u00fcber die Aktivit\u00e4ten der \u00d6DG finden Sie unter <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"http:\/\/www.oedg.at\">www.oedg.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Lange Zeit fehlten in \u00d6sterreich belastbare Daten zur Verbreitung von Diabetes mellitus und dessen Vorstufen. 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