{"id":19766,"date":"2025-04-10T02:26:20","date_gmt":"2025-04-10T02:26:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/19766\/"},"modified":"2025-04-10T02:26:20","modified_gmt":"2025-04-10T02:26:20","slug":"arzneimittelmangel-diese-medikamente-sind-in-deutschland-knapp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/19766\/","title":{"rendered":"Arzneimittelmangel: Diese Medikamente sind in Deutschland knapp"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Herbst 2024. In einem niederl\u00e4ndischen Werk des Medikamentenherstellers Teva fallen die Maschinen aus. Wenig sp\u00e4ter geht beim Bundesinstitut f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Meldung des Unternehmens ein: Ein l\u00e4ngerer Produktionsausfall droht. Und damit die Knappheit bestimmter Krebsmittel wie Doxorubicin.\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Auch f\u00fcr\u00a0Herz-Kreislauf-Medikamente mehren sich beim BfArM 2024 die Meldungen \u00fcber Medikamentenengp\u00e4sse. Ein betroffenes <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/medikament\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mittel<\/a>: Notfallpens mit Adrenalin, die Allergiker im Ernstfall das Leben retten k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Noch h\u00e4ufiger von Engp\u00e4ssen betroffen sind Medikamente f\u00fcr das Nervensystem, auch Schmerzmittel geh\u00f6ren dazu. 2024 meldeten etwa 15 Hersteller Lieferprobleme mit Hydromorphon, einem Opioid, das in der Palliativ- und Krebstherapie eingesetzt wird.\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Zwar gibt es auch positive Tendenzen:\u00a0Antibiotika, die nach der Pandemie h\u00e4ufiger knapp waren, tauchten zuletzt seltener im Register des BfArM auf. Doch Lieferengp\u00e4sse beim Mittel Azithromycin lie\u00dfen die Kurve zuletzt wieder etwas steigen. \u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">All diese Mittel eint: Sie sind besonders relevant f\u00fcr die Versorgung von Patienten \u2013 um Krebs zu behandeln, Infektionen zu heilen oder starke Schmerzen zu lindern. Einige dieser Mittel sind noch dazu versorgungskritisch. F\u00fcr sie gibt es keine Alternativen, nur wenige Produzenten und sie waren schon einmal knapp. Engp\u00e4sse dieser Mittel sind deshalb besonders ernst \u2013 und zuletzt auf einem hohen Niveau. \u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wer in Deutschland krank ist und Medikamente braucht, der bekommt sie. Dieses Selbstverst\u00e4ndnis ist in den letzten Jahren ins Wanken geraten. Immer wieder drohen teils lebenswichtige Medikamente, knapp zu werden. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesundheit\/2024-09\/lieferengpaesse-medikamente-apotheken-erkaeltungssaison\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Und immer wieder warnen \u00c4rzte und Apotheker<\/a> davor, dass sich die Lage weiter zuspitzen k\u00f6nnte. Dass die Versorgung zunehmend in Gefahr ger\u00e4t.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Aber tut sie das wirklich? David Francas von der Hochschule Worms erforscht, wie resilient Lieferketten der Pharma- und Biotechnologie sind. Er hat Daten des Bundesinstituts f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) analysiert, die Engp\u00e4sse listen \u2013 und erstmals ausgewertet, ob sich die Versorgung mit Arzneimitteln seit 2018 tats\u00e4chlich verschlechtert hat. Diese Auswertung liegt ZEIT ONLINE nun exklusiv vor. &#8222;Lieferengp\u00e4sse sind ein Warnzeichen daf\u00fcr, dass man keine Reserven, keinen Puffer mehr im System hat&#8220;, sagt Francas. &#8222;Und die Daten zeigen: Unser System hat nicht mehr allzu viel Puffer. Es operiert an der Kante.&#8220;\u00a0 <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In den Daten sieht man, dass sich Engp\u00e4sse nach bestimmten Geschehnissen h\u00e4uften.\u00a0Da sind Engp\u00e4sse des Blutdruckmittels Valsartan im Jahr 2018. Gro\u00dfe Chargen des in China produzierten Mittels mussten damals zur\u00fcckgerufen werden, weil sie erh\u00f6hte Mengen Nitrosamine enthielten, ein krebserregender Stoff. Und da ist die Pandemie, w\u00e4hrend der globale Lieferketten abrupt abrissen. Beides zeigt: Unsere Arzneimittelversorgung baut auf ein globales Netzwerk. &#8222;Zwei Drittel der Wirkstoffe kommen aus China und Indien&#8220;, sagt Francas. \u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In Francas&#8216; Daten sieht man jedoch auch einen l\u00e4ngerfristigen Trend, eine kontinuierliche Zuspitzung, die nicht von einzelnen Geschehnissen abh\u00e4ngt \u2013 und die zeigt, dass Medikamente zuletzt tats\u00e4chlich h\u00e4ufiger knapp waren als noch vor ein paar Jahren. Dass sich die Zahlen zuletzt auf einem \u2013 wie Francas sagt \u2013 historisch hohen Niveau bewegen. Nur: Was bedingt diesen Anstieg? Und wie gef\u00e4hrlich ist die Lage f\u00fcr Patientinnen und Patienten in Deutschland tats\u00e4chlich? \u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wenn ein Medikament knapp wird, k\u00f6nnen Mediziner in den meisten F\u00e4llen auf alternative Mittel zur\u00fcckgreifen, etwa auf ein anderes Antibiotikum oder Blutdruckmedikament. In anderen F\u00e4llen m\u00fcssen Patienten nur etwas l\u00e4nger auf ihre Therapie warten. &#8222;Es ist deshalb schwierig, genau zu quantifizieren, was unsere Daten f\u00fcr Patientinnen und Patienten bedeuten&#8220;, sagt Francas. &#8222;Es gibt aber <a href=\"https:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article\/file?id=10.1371\/journal.pone.0215837&amp;type=printable\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u00dcbersichtsarbeiten<\/a> (PDF), die durchaus zeigen, dass erh\u00f6hte Lieferengp\u00e4sse mit mehr Versorgungsproblemen bis hin zu einer h\u00f6heren Mortalit\u00e4t von Patienten einhergehen.&#8220; \u00a0 <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ein Hauptproblem, sagt Francas, sei eine immer h\u00f6here Marktkonzentration. Das hei\u00dft: Immer weniger Pharmaunternehmen halten die Zulassung f\u00fcr ein bestimmtes Arzneimittel. Meist, weil sich die Produktion wirtschaftlich nicht lohne, sagt der Forscher. Das betreffe vor allem Generika. Medikamente also, deren Patentschutz abgelaufen ist und deren Marge sehr knapp bemessen sei. \u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">F\u00e4llt in diesem konzentrierten Markt einer der wenigen Produzenten weg, dann kann das System den Ausfall nicht ausreichend kompensieren. Ein prominentes Beispiel aus den Vorjahren, das vielen Eltern noch in Erinnerung sein d\u00fcrfte: Fiebersaftknappheit. &#8222;Vor drei Jahren hat sich ein gro\u00dfer Player mit rund einem Drittel des Marktanteils zur\u00fcckgezogen&#8220;, sagt Francas. \u00dcbrig blieb nur ein anderes Unternehmen, das den Kapazit\u00e4tsausfall nicht sofort auffangen konnte.\u00a0 <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Viele Medien berichteten damals \u00fcber verzweifelte Eltern, die unz\u00e4hlige Apotheken abfuhren, um vergeblich nach Fiebersaft f\u00fcr ihre kranken Kinder zu suchen.\u00a0Oder \u00fcber Apotheker mit leeren Regalen, die die Eltern vertr\u00f6sten mussten. Der Druck auf die Politik stieg. Und die Politik handelte. Am 23. Juni 2023 beschloss der Bundestag ein Gesetz zur Bek\u00e4mpfung von Lieferengp\u00e4ssen. \u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Bundesregierung verpflichtete Hersteller und Gro\u00dfh\u00e4ndler, gr\u00f6\u00dfere Vorr\u00e4te anzulegen. Sie erlaubte Krankenkassen, h\u00f6here Preise zu zahlen, wenn Antibiotika aus der EU stammten \u2013 ein Anreiz f\u00fcr mehr Produktion in Europa. Und sie lockerte Preisregeln f\u00fcr Generika \u2013 wenn auch nur f\u00fcr bestimmte Medikamentengruppen, etwa Kinderarzneien. &#8222;Seitdem ist es nicht schlimmer geworden. Das hei\u00dft im Umkehrschluss aber auch: Es ist nicht besser geworden&#8220;, sagt Francas. &#8222;Es fehlt einfach das Geld im System. Und Resilienz kostet Geld.&#8220; Geld also f\u00fcr die Widerstandsf\u00e4higkeit des Systems vor Konflikten in L\u00e4ndern wie etwa China, aus denen wir einen Gro\u00dfteil unserer Medikamente beziehen.\u00a0 <\/p>\n<p>        Verteidigungsgelder f\u00fcr Medikamente        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Europ\u00e4ische Union m\u00f6chte das nun \u00e4ndern. Sie m\u00f6chte Anreize schaffen, die Produktion von bis zu 280 kritischen Wirkstoffen nach Europa zur\u00fcckzuverlegen \u2013 auch um in einer immer weniger berechenbaren Welt nicht von L\u00e4ndern wie China abh\u00e4ngig zu sein. Am 11. M\u00e4rz dieses Jahres stellte sie dazu den Critical Medicines Act vor.\u00a0\u00a0 <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">F\u00fcr den Zeitraum 2026 und 2027 sieht der eine Finanzierung von 80 Millionen Euro vor. &#8222;Daf\u00fcr bekommt man die Produktion eines Wirkstoffs von China nach Europa zur\u00fcckverlagert&#8220;, sagt Francas. Zumindest den Aufbau und Produktionsstart. Denn eine Anlage in Europa dauerhaft zu betreiben, sagt Francas, werde immer teuer sein als eine vergleichbare Anlage in China oder Indien. &#8222;Mit der Konsequenz, dass sie dauerhaft subventioniert werden muss, um wettbewerbsf\u00e4hig zu sein.&#8220;\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die politische Botschaft, die Produktion zur\u00fcckholen und halten zu wollen, die verfange bislang mehr auf dem Papier als in der Realit\u00e4t, sagt er. Immerhin \u2013 das stimmt auch den Forscher vorsichtig optimistisch \u2013 ist das Problem aber nun allen politischen Entscheidungstr\u00e4gern bewusst. Es gibt klare Bekenntnisse, etwas \u00e4ndern zu wollen. \u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mehrere EU-Gesundheitsminister etwa forderten <a class=\"Hyperlink SCXW262391472 BCX2\" href=\"https:\/\/de.euronews.com\/gesundheit\/2025\/03\/09\/exklusiv-eu-will-mittel-fur-verteidigung-fur-wichtige-medikamente-ausgeben\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">k\u00fcrzlich in einer Stellungnahme<\/a>, Gelder des EU-Verteidigungsfonds auf kritische Medikamente auszuweiten. Einem Fonds, der \u2013 <a class=\"Hyperlink SCXW262391472 BCX2\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2025-03\/04\/von-der-leyen-800-milliarden-euro-plan-fuer-aufruestung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">wenn es nach Ursula von der Leyen geht<\/a> \u2013\u00a0800 Milliarden Euro umfassen soll. Die Gesundheitsminister schreiben, dass Europas Verteidigungskapazit\u00e4ten ohne unentbehrliche Medikamente gef\u00e4hrdet seien. Dass man es sich nicht l\u00e4nger leisten k\u00f6nne, Arzneimittelsicherheit als zweitrangiges Thema zu behandeln. Sie schreiben: &#8222;Alles andere w\u00e4re eine schwerwiegende Fehleinsch\u00e4tzung.&#8220;\u00a0 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herbst 2024. In einem niederl\u00e4ndischen Werk des Medikamentenherstellers Teva fallen die Maschinen aus. 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