{"id":198175,"date":"2025-06-17T19:41:14","date_gmt":"2025-06-17T19:41:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/198175\/"},"modified":"2025-06-17T19:41:14","modified_gmt":"2025-06-17T19:41:14","slug":"ausstellung-der-bastian-gallery-der-aufbruch-in-die-gegenwart-beginnt-in-paris","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/198175\/","title":{"rendered":"Ausstellung der Bastian Gallery: Der Aufbruch in die Gegenwart beginnt in Paris"},"content":{"rendered":"<p>Kunstwerke von Frauen waren im Handel lange unterrepr\u00e4sentiert \u2013 in \u00f6ffentlichen wie privaten Sammlungen sind sie es noch. Aber die Zeiten \u00e4ndern sich. Wie, das will die Galerie Bastian in ihrer neuen Dependance zeigen und dabei doch konservativ bleiben.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Sieben K\u00fcnstlerinnen, zwei zu Pferde, posieren in Cowboy-Outfits: Ingeborg L\u00fcscher (geboren 1936), Xenia Hauser (1951), Val\u00e9rie Favre (1959), Liliane Tomasko (1967), Sandra V\u00e1squez de la Horra (1967), Cristina Lucas (1973) und Simone Haack (1978). Die aus drei Aufnahmen zusammengesetzte Fotografie leiht sich den Titel von John Sturges Westernepos \u201eDie glorreichen Sieben\u201c aus dem Jahr 1960. Die damals quasi idealtypische M\u00e4nnlichkeit avanciert hier allerdings zur reinen Frauensache. <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.bastian-gallery.com\/ausstellungen\/les-sept-mercenaires\/\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.bastian-gallery.com\/ausstellungen\/les-sept-mercenaires\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">\u201eLes Sept Mercenaires+\u201c<\/a> hei\u00dft auch die Ausstellung in der Pariser Dependance der Bastian Gallery, die vor zwei Wochen er\u00f6ffnet hat. Dort h\u00e4ngt das Foto (19.000 Euro, Auflage drei Exemplare) nun im Entr\u00e9e. Aufgenommen wurde es von der 1941 in \u00d6sterreich geborenen Fotografin Elfie Semotan \u2013 dem Plus der Sieben \u2013 in der Berliner Galerie von Aeneas Bastian. Zwischenzeitlich betrieb der Kunsth\u00e4ndler in zweiter Generation auch eine Niederlassung in London, aber nach dem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/plus224335826\/Der-Brexit-Der-Kunsthaendler-Aeneas-Bastian-ueber-die-Folgen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/plus224335826\/Der-Brexit-Der-Kunsthaendler-Aeneas-Bastian-ueber-die-Folgen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Brexit-bedingten R\u00fcckzug<\/a> war Paris die logische Konsequenz, sagt der Galerist im Gespr\u00e4ch: \u201eEs ist f\u00fcr mich auch in gewisser Weise ein Aufbruch in die Gegenwart.\u201c<\/p>\n<p>Der Schritt sei das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit den K\u00fcnstlerinnen der Moderne und Gegenwart. Er habe sich eingestehen m\u00fcssen, dass sein Blick auf die zeitgen\u00f6ssische Kunst immer sehr fokussiert auf m\u00e4nnliche K\u00fcnstler war. \u201eIch denke, es ist ein Lernprozess, nun einen anderen Blickwinkel einzunehmen\u201c, so Bastian, dessen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/article234875514\/Neues-Galeriehaus-in-Berlin-Aus-dem-Eigentum-des-Bundes.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/article234875514\/Neues-Galeriehaus-in-Berlin-Aus-dem-Eigentum-des-Bundes.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Galerie bisher vor allem f\u00fcr deutsche und amerikanische Nachkriegsmoderne bekannt<\/a> ist. Jetzt leite er eine \u201ePhase des Wachsens\u201c ein.<\/p>\n<p>Korrektur der Kunstwelt<\/p>\n<p>Angesichts der andauernden Krisen und geopolitischen Unsicherheitsfaktoren, der sinkenden Verk\u00e4ufe und Auktionserl\u00f6se im Kunstmarkt, den Standortschlie\u00dfungen und dem Personalabbau im Kunsthandel, ist Expansion zurzeit als ein Wagnis zu sehen. Zeitgen\u00f6ssische weibliche Positionen haben dagegen Aufwind, ebenso wie jene K\u00fcnstlerinnen, die bisher nicht die ihnen eigentlich geb\u00fchrende Aufmerksamkeit erfahren haben. Museen und Sammlungen holen in ihrer Ankaufspolitik zumindest langsam nach. Die K\u00fcnstlerinnen der Pariser Schau werden in Summe w\u00e4hrend der kommenden 18 Monate in rund 40 musealen Ausstellungen weltweit zu sehen sein.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wird es eine Korrektur der \u00fcberm\u00e4\u00dfig von M\u00e4nnern dominierten Kunstwelt geben, davon ist Aeneas Bastian \u00fcberzeugt. \u201eUm eine Balance und eine gewisse Nat\u00fcrlichkeit zu finden, bedarf es jetzt zun\u00e4chst eines ersten Schrittes: einige K\u00fcnstlerinnen deutlich in den Fokus zu nehmen.\u201c F\u00fcr seine Galerie bedeutet das auch eine deutliche Aufstockung des bis dato \u00fcberschaubaren zeitgen\u00f6ssischen Programms. Das zeigt sich beim Rundgang durch die Ausstellung in der neuen Filiale im Marais-Viertel.<\/p>\n<p>Durch die verglasten Fl\u00fcgelt\u00fcren des historischen Geb\u00e4udes aus dem 17. Jahrhundert sieht man bereits ein gro\u00dfformatiges Gem\u00e4lde der Wiener Malerin Xenia Hausner, \u201eRiver of Doubt\u201c von 2024. Blickfang im Erdgeschoss ist zudem ein Schl\u00fcsselwerk von Ingeborg L\u00fcscher aus der in den 1990er-Jahren entstandenen Serie \u201eVisionen aus Pech und Schwefel\u201c. Entgegen des an h\u00f6llische Abgr\u00fcnde denken lassenden Titels symbolisieren das tiefe Schwarz und das grelle Gelb f\u00fcr die schweizerische K\u00fcnstlerin \u201edas Leben\u201c an sich.<\/p>\n<p>Die Bastian Gallery verwaltet einen beachtlichen Teil von L\u00fcschers Werk als \u201eVorlass\u201c, wie der Kurator der Ausstellung Sebastian C. Strenger erkl\u00e4rt, ein anderer Teil sei an der Uni Bochum, wo man sich um die kunsthistorische Forschung k\u00fcmmert. Ein Triptychon der \u201ePech-und-Schwefel\u201c-Reihe sei f\u00fcr 140.000 Euro angesetzt. \u201eUnter der Auflage, das Werk muss an ein bedeutendes \u00f6ffentliches Museum oder eine nicht minder bedeutende Privatsammlung gehen\u201c, so Strenger. Das nahe gelegene Centre culturel suisse wird L\u00fcscher bald eine Retrospektive widmen.<\/p>\n<p>Aus chemischen Elementen, die den menschlichen K\u00f6rper ausmachen, komponiert die spanische K\u00fcnstlerin Cristina Lucas Bilder, oder besser gesagt \u201elebende\u201c und wegen des Phosphors im Dunkeln leuchtende Landschaften \u2013 die chemischen Reaktionen sind keinesfalls abgeschlossen (\u201eQuand des montagnes dansent\u201c, 28.000 Euro). Die K\u00fcnstlerin begann zun\u00e4chst Chemie und Geschichte zu studieren, ehe sie zur Kunst wechselte. Konflikte, Kriege, Rohstoffe, Handelsrouten, das kapitalistische System und patriarchalische Strukturen, die sie schon einmal mit dem Vorschlaghammer zerschlug, spielen in ihrem Werk eine zentrale Rolle. Wie L\u00fcscher und Lucas zeigt auch Val\u00e9rie Favre gro\u00dfformatige Bilder (etwa \u201eColumbia\u201c, 2009).<\/p>\n<p>Am Abgang zu den Gew\u00f6lben des Untergeschosses stellt Simone Haack, die Berliner Wegbereiterin eines \u201eneuen magischen Realismus\u201c erstmals Fotografien in einer Lightbox aus (um 20.000 Euro), aber auch die f\u00fcr sie typischen altmeisterlich gemalten Bilder von Haarstrukturen, Wurzeln, Wegen und Lichtungen. Wie die K\u00fcnstlerin sagt, \u201esind es Welten, die sie, seit sie ein pubertierendes M\u00e4dchen war, in ihren Tr\u00e4umen erlebt, und die sie bis heute in ihrer Malerei pr\u00e4gen\u201c. Bereits am Er\u00f6ffnungsabend seien ihre Werke laut der Galerie stark nachgefragt worden. Das anhaltende Kaufinteresse mag auch daran liegen, dass sie als einzige deutsche K\u00fcnstlerin zur \u201e100 Jahre Surrealismus\u201c-Schau im Centre Pompidou eingeladen war.<\/p>\n<p>\u201eNicht nur Zerstreuung\u201c<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Elfie Semotan, die neben ihrem verstorbenen Ehemann <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/article236055156\/Martin-Kippenberger-Der-Kuenstler-der-zu-viel-Bier-trank.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/article236055156\/Martin-Kippenberger-Der-Kuenstler-der-zu-viel-Bier-trank.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Martin Kippenberger<\/a>, die Autorin Elfriede Jelinek oder die Bildhauerin Louise Bourgeois zeigen, seien vom Pariser Publikum sehr gut angenommen worden (Preise zwischen 5000 und 20.000 Euro). Markenzeichen der chilenischen K\u00fcnstlerin Sandra V\u00e1squez de la Horra sind mit Wachs \u00fcberzogene Leporello-Faltbilder weiblicher, indigener und spiritueller Darstellungen. Bastian stellt nun eine Reihe kleiner Gem\u00e4lde mit Vulkanlandschaften aus. Das Centre Pompidou besitzt bereits mehr als hundert ihrer Arbeiten und hat V\u00e1squez de la Horra schon mehrfach ausgestellt. Ende des Jahres folgt eine Schau im Haus der Kunst in M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Die Bastian Gallery vertritt mit den Neuzug\u00e4ngen mittlerweile 15 bis 20 zeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler an zwei Standorten. Hinzu kommen Nachl\u00e4sse der Moderne und Nachkriegsmoderne. \u201eWir m\u00f6chten niemanden mit der Kunst nur unterhalten oder Zerstreuung geben\u201c, merkt der Galerist an. Kunst d\u00fcrfe nicht Teil einer \u201eoberfl\u00e4chlichen Eventkultur\u201c werden, sondern solle die \u201eernsthaft Interessierten und die wirklich Kunstbegeisterten, Sammler und auch Institutionen ansprechen\u201c. Die Landung in Paris sei jedenfalls schon jetzt ein Erfolg. Und der messe sich laut Bastian \u201enicht nur daran, ob man alle Werke einer Ausstellung verkaufe\u201c. Er und sein Pariser Galeriedirektor Santiago Rumney-Guggenheim verfolgen \u201eeine konservative Sicht\u201c und eine langfristige Entwicklung. Das gelte f\u00fcr die Galerie als Ort, die K\u00fcnstlerinnen und die Kunst.<\/p>\n<p>\u201eLes Sept Mercenaires+\u201c, bis 22. Juni 2025, Bastian Gallery, Paris<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kunstwerke von Frauen waren im Handel lange unterrepr\u00e4sentiert \u2013 in \u00f6ffentlichen wie privaten Sammlungen sind sie es noch.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":198176,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,15323,29,65084,214,30,65082,1794,2148,65081,65083,215],"class_list":{"0":"post-198175","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-balken-inbox","10":"tag-deutschland","11":"tag-elfie","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-ingeborg","15":"tag-kunst-und-design","16":"tag-kunsthandel","17":"tag-luescher","18":"tag-semotan","19":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114700411437389462","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/198175","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=198175"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/198175\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/198176"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=198175"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=198175"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=198175"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}