{"id":200783,"date":"2025-06-18T19:35:11","date_gmt":"2025-06-18T19:35:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/200783\/"},"modified":"2025-06-18T19:35:11","modified_gmt":"2025-06-18T19:35:11","slug":"neun-neue-gedenktafeln-fuer-muenchner-shoah-opfer-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/200783\/","title":{"rendered":"Neun neue Gedenktafeln f\u00fcr M\u00fcnchner Shoah-Opfer\ufeff &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">\u201eJeder j\u00fcdische Mensch in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a> kannte ihn\u201c, sagt Miriam Oles, w\u00e4hrend sie hilft, das Erinnerungszeichen f\u00fcr ihren Urgro\u00dfvater Abraham Schindler an der Fassade des Mehrfamilienhauses in der Buttermelcherstra\u00dfe 14 zu befestigen. Ihre Mutter, seine Enkelin, habe ihr h\u00e4ufig davon erz\u00e4hlt: \u201eIn seinem koscheren Laden kauften selbst die Juden vom anderen Ende der Stadt ein.\u201c 1907 er\u00f6ffnete Abraham Schindler, Jahrgang 1872, sein Lebensmittelgesch\u00e4ft in der Buttermelcherstra\u00dfe, wo er auch lebte. Am 11. Mai 1943 ermordeten ihn die Nazis im Ghetto Theresienstadt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">82 Jahre sp\u00e4ter gibt die Stadt ihm und acht weiteren Opfern der Shoah \u201eein St\u00fcck weit ihren Platz in M\u00fcnchen zur\u00fcck.\u201c So dr\u00fcckte es am Mittwoch Stadtrat Stefan Jagel (Linke) bei der Gedenkveranstaltung im J\u00fcdischen Gemeindezentrum aus. Nicht nur Abraham Schindler, sondern auch seine Ehefrau Necha Schindler, die gemeinsame Tochter Judith Steinberg, der Schwiegersohn Eli Steinberg sowie die Enkel Issachar Dow Steinberg und Klara Steinberg sind jetzt wieder ein Teil des Lebens in der Buttermelcherstra\u00dfe 14. Sie alle sind an ihrem einstigen Wohnhaus von nun an mit einer vergoldeten Wandtafel aus Edelstahl verewigt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Ein Mitarbeiter der Stadt schraubt die Gedenktafel f\u00fcr Klara Steinberg, die Enkelin von Abraham Schindler, in der Buttermelcherstra\u00dfe fest.\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/0940b5f4-a5be-41bc-8320-5191155f3e27.jpeg\"  role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"css-y4bre2\"\/>Ein Mitarbeiter der Stadt schraubt die Gedenktafel f\u00fcr Klara Steinberg, die Enkelin von Abraham Schindler, in der Buttermelcherstra\u00dfe fest. (Foto: Robert Haas)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">F\u00fcnf weitere solcher Gedenktafeln wurden in der Westerm\u00fchlenstra\u00dfe 37 angebracht, dem ehemaligen Zuhause von Mina Blumenberg, der Schwester Abraham Schindlers, und ihrer Familie: Ehemann Michael Blumenberg, Tochter Eva Mandel, Schwiegersohn Leon Mandel, Enkelin Klara Krippel. \u201eIhre Leben wurden ausgel\u00f6scht, nur weil sie Juden waren\u201c, sagte <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Charlotte_Knobloch\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Charlotte Knobloch<\/a>, die Pr\u00e4sidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, bei ihrer Rede im Gemeindezentrum: \u201eSie geh\u00f6ren zu den mehr als 5000 M\u00fcnchner Juden, die get\u00f6tet wurden. Sie bleiben Teil unserer Gemeinde.\u201c<\/p>\n<p>Viele Angeh\u00f6rige sind zum ersten Mal in Deutschland<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Die 92-j\u00e4hrige Knobloch hat ma\u00dfgeblich dazu beigetragen, dass es in M\u00fcnchen seit 2017 knapp 300 Erinnerungszeichen im \u00f6ffentlichen Raum gibt\u00a0\u2013 und keine Stolpersteine. Diese existieren nur vereinzelt auf Privatgrund. Knobloch sprach sich stets gegen sie aus. Sie, die den NS-Terror in M\u00fcnchen als Kind miterlebt hatte, sagte einmal: \u201eVor meinem geistigen Auge sehe ich die Menschen, auf die man schon auf dem Boden liegend immer weiter eintrat und die mit schweren ledernen, stahlbekappten Stiefeln in die Transporter getreten wurden.\u201c Also solle den Menschen heute auf Augenh\u00f6he gedacht werden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">\u201eIch finde das gut\u201c, sagt Miriam Oles, die Urenkelin von Abraham Schindler, als die Tafeln angebracht und alle Fotos geknipst sind. \u201eStolpersteine hielt ich schon immer f\u00fcr etwas merkw\u00fcrdig.\u201c Mit rund 20 Mitgliedern ihrer Familie ist Oles vor einigen Tagen aus den USA nach M\u00fcnchen gekommen. Und fast alle von ihnen, erz\u00e4hlt sie, seien zum ersten Mal in jener Stadt, in der die Wurzeln ihrer Familie liegen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Auch sie, 78 Jahre alt, habe vorher noch nie deutschen Boden betreten: \u201eWir sind aufgewachsen damit, dass alles Deutsche b\u00f6se ist.\u201c Allein mit Lufthansa zu fliegen, sei lange unvorstellbar gewesen. Ihre Gef\u00fchle seien deshalb, bevor sie herkam, sehr gemischt gewesen. Lange, sagt sie, habe sie gezweifelt, ob es eine gute Idee ist. Und nicht alle Familienmitglieder h\u00e4tten sich entschieden wie sie: Ihre Schwester zum Beispiel sei in den USA geblieben: \u201eEs ging nicht.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Und wie f\u00fchlt es sich an, jetzt, wo sie in M\u00fcnchen ist? \u201eIt&#8217;s a lovely town with lovely people\u201c, sagt Oles, eine reizende Stadt mit reizenden Menschen. Sie sei besonders dankbar daf\u00fcr, wie entgegenkommend die Stadt gewesen sei. W\u00e4hrend Stolpersteine vielerorts durch private Spenden\u00a0\u2013 nicht selten also durch die Nachfahren der Opfer\u00a0\u2013 finanziert werden m\u00fcssen, kommt in M\u00fcnchen die Stadt f\u00fcr die Kosten und die Pflege auf. Nur, wer m\u00f6chte, kann sich daran beteiligen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Rabbiner Jan Guggenheim trug nach dem Anbringen der Tafeln ein Gebet in der Buttermelcherstra\u00dfe vor.\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/954ae853-2824-48cb-a6dd-116b35f67d62.jpeg\"  role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"css-y4bre2\"\/>Rabbiner Jan Guggenheim trug nach dem Anbringen der Tafeln ein Gebet in der Buttermelcherstra\u00dfe vor. (Foto: Robert Haas)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Eigentlich h\u00e4tte die Reisegruppe etwa doppelt so gro\u00df sein sollen, doch all jene Familienmitglieder, die heute in Israel leben, konnten das Land wegen des Krieges nicht wie geplant verlassen. Knobloch ging in ihrer Rede auch darauf ein: \u201eIch w\u00fcnsche mir, dass die Menschen in Israel sicher leben k\u00f6nnen\u201c, sagte die 92-J\u00e4hrige, die zudem, wie so oft, davor warnte, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen: \u201eDer Judenhass hat zugenommen, von rechts und links\u201c, so Knobloch. \u201eWir d\u00fcrfen Antisemitismus keinen Fu\u00df breit Platz gew\u00e4hren.\u201c<\/p>\n<p>1941 musste Abraham Schindler in ein sogenanntes \u201eJudenhaus\u201c ziehen<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">1938 wurde das Gesch\u00e4ft von Abraham Schindler, der 1903 mit seiner Familie nach M\u00fcnchen gekommen war und dessen Sohn Salomon im Ersten Weltkrieg starb, zwangsliquidiert. 1941 musste er, wenige Wochen nach dem Tod seiner Frau, in ein sogenanntes \u201eJudenhaus\u201c in der Ickstattstra\u00dfe ziehen, wo auch seine Schwester Mina Blumenberg und sein Schwager Michael Blumenberg hin gezwungen wurden. Sie starb noch in der Ickstattstra\u00dfe, er wurde genau wie Abraham Schindler nach Theresienstadt deportiert und anschlie\u00dfend ins Vernichtungslager Treblinka verschleppt. Dort wurde er im September 1942 ermordet.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Neben Charlotte Knobloch sprachen auf der Gedenkveranstaltung auch einige Nachfahren Schindlers, der J\u00fcngste von ihnen war Yel, der jugendliche Enkel von Miriam Oles. Die f\u00fcnfte Generation also. Und Yel sagte: \u201eEs ist eine Sache, \u00fcber den Holocaust in der Schule und von Erz\u00e4hlungen in der Familie zu lernen. Aber es ist etwas v\u00f6llig anderes, hier zu sein, wo unsere Familie einst lebte, lachte und liebte. Diese Menschen hatten Traditionen, Lieblingsmusik und Lieblingsessen. Sie waren Teil ihrer Gemeinde. Und sie sind wichtig, nicht weil sie starben, wie sie starben\u00a0\u2013 sondern weil sie lebten, wie sie lebten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eJeder j\u00fcdische Mensch in M\u00fcnchen kannte ihn\u201c, sagt Miriam Oles, w\u00e4hrend sie hilft, das Erinnerungszeichen f\u00fcr ihren Urgro\u00dfvater&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":200784,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,54730,29,15738,24214,30,2989,3311,1268,57,2987,149],"class_list":{"0":"post-200783","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-charlotte-knobloch","10":"tag-deutschland","11":"tag-erinnerungskultur","12":"tag-gedenkkultur","13":"tag-germany","14":"tag-geschichte","15":"tag-leben-und-gesellschaft-in-muenchen","16":"tag-muenchen","17":"tag-nationalsozialismus","18":"tag-ns-vergangenheit","19":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114706050275817939","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/200783","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=200783"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/200783\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/200784"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=200783"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=200783"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=200783"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}