{"id":200858,"date":"2025-06-18T20:18:22","date_gmt":"2025-06-18T20:18:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/200858\/"},"modified":"2025-06-18T20:18:22","modified_gmt":"2025-06-18T20:18:22","slug":"70-jahre-stahlschutzplanke-es-begann-mit-einem-knall-bei-bochum-nachrichten-aus-kamen-auf-kamenweb-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/200858\/","title":{"rendered":"70 Jahre Stahlschutzplanke: Es begann mit einem Knall bei Bochum | Nachrichten aus Kamen auf KamenWeb.de"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine moderne Schutzplanke mit dem sogenannten B-Profil. (Foto: Autobahn Westfalen)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wegweisender Unfall: Die Stahlschutzplanke 1955 nach dem Crash. (Foto: Autobahn Westfalen)Bochum. <\/strong>Nur drei Tage stand die erste Stahlschutzplanke Deutschlands, dann knallte es: Ein Anh\u00e4nger hatte sich losgerissen und war in voller Fahrt gegen die Planken geprallt. \u201eDiese hielten das Fahrzeug vom Absturz \u00fcber eine gro\u00dfe B\u00f6schung zur\u00fcck und lie\u00dfen es unbesch\u00e4digt auf die Fahrbahn zur\u00fcckrollen. Mehrere Planken wurden verbeult\u201c, blickte sp\u00e4ter ein Ingenieur auf die Situation zur\u00fcck. Es war in mehrfacher Hinsicht ein wegweisender Unfall, dessen Folgen auch heute noch die Arbeit der Autobahn Westfalen pr\u00e4gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn die kurze Stahlplanke, die als Pilotprojekt 1955 an der A40 bei Bochum eingerichtet wurde, hatte eigentlich eine andere Hauptfunktion: Sie sollte den Verkehr leiten, indem sie als \u201ehelles Band\u201c den Stra\u00dfenrand deutlich markierte. Doch obwohl die \u201eLeitplanke\u201c auch heute noch in der Umgangssprache fest verankert ist, trat bald die Funktion als Schutzeinrichtung in den Vordergrund. Schon 1960 sahen Experten in der Fachzeitschrift \u201eStra\u00dfe und Autobahn\u201c nach der Analyse diverser Unf\u00e4lle die \u201eBedeutung f\u00fcr die Verkehrssicherheit\u201c als \u201eerwiesen\u201c an.<\/p>\n<p>A-Profil oder B-Profil?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit setzte sich das neue System gegen\u00fcber seinem Vorg\u00e4nger durch, dem sogenannten \u201eAlpengel\u00e4nder\u201c. Dieses bestand aus Prellsteinen, welche an steilen Stellen durch Holz- oder Betonbalken verbunden wurden. Bei den Stahlschutzplanken orientierte man sich dagegen an US-Systemen, die dort schon seit den 1930er Jahren genutzt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei verschiedene Konstruktionsweisen, A-Profil und B-Profil genannt, wurden nach Deutschland importiert und werden bis heute genutzt. Da diese Profile nicht kompatibel sind, gab es mehrere Versuche, sich deutschlandweit zu einigen \u2013 vergeblich. Etwa 80 Prozent aller Schutzplanken in Deutschland weisen heute das B-Profil auf, aber Rheinland-Pfalz und einige Orte im Norden Deutschlands setzen weiterhin rein auf das A-Profil. Die Niederlassung Westfalen verwendet beide, das A-Profil in Niedersachsen, das B-Profil in NRW und Hessen. F\u00fcr die Verkehrssicherheit ist der Unterschied unerheblich: Beide Systeme haben sich bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Mehr Verkehr, mehr Sicherheit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit 1950 hat der Verkehr auf Deutschlands Autobahnen massiv zugenommen. Entsprechend wurden auch die Stahlschutzplanken immer wichtiger, denn mit der Zahl der Autos stieg die Zahl der Unf\u00e4lle. Versuche mit neuen Materialien folgten und die Qualit\u00e4t wurde mit G\u00fctesiegeln sichergestellt. Ende der 1990er Jahre durchgef\u00fchrte normierte Anprallversuche flossen in die Entwicklung ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ergebnis waren deutlich leistungsf\u00e4higere und komplexere Schutzsysteme. Gut zu sehen ist dies an der A42 zwischen Gelsenkirchen und Herne, wo die Autobahn Westfalen aktuell 20 Kilometer neue Schutzplanken mit einem Gesamtgewicht von 1400 Tonnen einbaut. Diese Schutzplanken sind mit einer gr\u00f6\u00dferen \u201eKnautschzone\u201c ausgestattet. Dazu kommt die zus\u00e4tzliche Sicherung durch einen sogenannten Holm auf der Planke, der das Brechen verhindert. Diese verbesserte \u201eAufhaltestufe\u201c bietet mehr Sicherheit, egal ob ein schnell fahrender Pkw darauf trifft oder ein schwer beladener Lkw.<\/p>\n<p>Die Alternative hei\u00dft Beton<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Alternative zur Stahlschutzplanke setzt die Autobahn Westfalen zudem R\u00fcckhaltesysteme aus Beton ein. Diese werden dort genutzt, wo es eng wird oder wo der Untergrund das Rammen von Pfosten nicht zul\u00e4sst. Die Experten w\u00e4gen diese Entscheidung genau ab, denn ein Aufprall auf eine Betonwand hat st\u00e4rkere Auswirkungen auf das Fahrzeug. Zudem bleibt bei einer Betonwand wenig Platz, um beim Winterdienst den Schnee wegzuschieben. Daher werden sie in schneereichen Gebieten seltener genutzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus wird auf Br\u00fccken die Stahlschutzplanke angepasst: Dort baut die Autobahn Westfalen heutzutage zus\u00e4tzliche Absturzsicherungen ein, die verhindern sollen, dass schwere Fahrzeuge die Schutzplanke komplett durchbrechen. Dank verst\u00e4rkter Konstruktion und fester Verankerung halten diese sogar 40-Tonner auf. Davon konnten die Ingenieure 1955 nur tr\u00e4umen. Und dennoch: Ohne ihre Pilotstrecke bei Bochum und die Erfahrungen aus dem ersten Unfall w\u00e4re das alles wohl kaum m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine moderne Schutzplanke mit dem sogenannten B-Profil. 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