{"id":20132,"date":"2025-04-10T06:01:25","date_gmt":"2025-04-10T06:01:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/20132\/"},"modified":"2025-04-10T06:01:25","modified_gmt":"2025-04-10T06:01:25","slug":"ausgleichsflaechen-hamburg-zerstoert-eigenes-naturschutzgebiet-ndr-de-fernsehen-sendungen-a-z","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/20132\/","title":{"rendered":"Ausgleichsfl\u00e4chen: Hamburg zerst\u00f6rt eigenes Naturschutzgebiet | NDR.de &#8211; Fernsehen &#8211; Sendungen A-Z"},"content":{"rendered":"<p>\nStand: 08.04.2025 22:01 Uhr\n<\/p>\n<p class=\"preface\">Erst im Februar hatte Hamburg einen Wald, der sich 60 Jahre ohne menschlichen Einfluss entwickeln konnte, als Naturschutzgebiet ausgewiesen: die Vollh\u00f6fner Weiden. Doch kurz bevor diese Ausweisung offiziell wurde, lie\u00df die Stadt Hunderte B\u00e4ume f\u00e4llen.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Alexa H\u00f6ber<\/p>\n<p>Wenige Tage nach diesem Kahlschlag trat die Verordnung f\u00fcr das Naturschutzgebiet im Hamburger S\u00fcden in Kraft. Die Stadt wollte jetzt noch den wertvollen Waldboden aus dem Gebiet abfahren, um stattdessen trockenen Sand auf die Fl\u00e4che aufzubringen und dort Gr\u00e4ser einzus\u00e4en.<\/p>\n<p>Der Grund: Im Hamburger Hafengebiet soll eine Fl\u00e4che mit sogenanntem Trockenrasen demn\u00e4chst bebaut und der Boden damit versiegelt werden. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz muss aber, wo gebaut und Natur versiegelt wird, an anderer Stelle ein Ausgleich geschaffen werden. Die Waldvernichtung wurde also als Ausgleichsma\u00dfnahme deklariert.<\/p>\n<p><strong>Intakte Natur zerst\u00f6rt, um zerst\u00f6rte Natur zu kompensieren<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/moorfrosch112_v-contentgross.jpg\" class=\"zoomimage\" title=\"Ein Moorfrosch-M\u00e4nnchen - zur Paarungszeit f\u00e4rben sie sich blau. \u00a9 picture alliance \/ Bildagentur-online Foto: Rolfes-McPhoto\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/moorfrosch112_v-contentgross.jpg\" alt=\"Ein w\u00e4hrend der Paarungszeit blau gef\u00e4rbtes Moorfrosch-M\u00e4nnchen \u00a9 picture alliance \/ Bildagentur-online Foto: Rolfes-McPhoto\" title=\"Ein w\u00e4hrend der Paarungszeit blau gef\u00e4rbtes Moorfrosch-M\u00e4nnchen\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p><\/a><br \/>\nEin Moorfrosch-M\u00e4nnchen &#8211; zur Paarungszeit f\u00e4rben sie sich blau.<\/p>\n<p>F\u00fcr den BUND ist so ein Vorgehen kein Einzelfall. Jeden Tag werden in Deutschland durchschnittlich 52 Hektar f\u00fcr Siedlungs- und Verkehrsprojekte neu versiegelt, sagt Gisela Bertram von der Naturschutzorganisation. Bei einem solchen Versiegelungstempo gebe es immer weniger Fl\u00e4chen in der N\u00e4he, die f\u00fcr den gesetzlich notwendigen Ausgleich geeignet seien. St\u00e4dte und Kommunen w\u00fcrden daher dazu \u00fcbergehen, bestehende Natur zu ver\u00e4ndern, statt versiegelte Fl\u00e4chen zu renaturieren &#8211; und das dann als &#8222;Aufwertung&#8220; und als Kompensation f\u00fcr den Verlust an anderer Stelle werten.<\/p>\n<p>Die Umweltsch\u00fctzer des BUND sieht diesen Trend h\u00f6chst kritisch. Die Natur k\u00f6nne nicht auf immer weniger Fl\u00e4che gesch\u00fctzt werden. Ausgleichsma\u00dfnahmen m\u00fcssten der Natur neue Fl\u00e4chen zur Verf\u00fcgung stellen. Bertram zum Beispiel hat f\u00fcr eine Stiftung auf einer alten Obstwiese zus\u00e4tzlich einen T\u00fcmpel angelegt. Nach sieben Jahren taucht dort in diesem Jahr zum ersten Mal der stark vom Aussterben <a href=\"https:\/\/www.dght.de\/startseite\/natur-und-artenschutz\/reptil-lurch-des-jahres\/moorfrosch-lurch-des-jahres-2025\/\" title=\"Link: \" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">bedrohte Moorfrosch<\/a> auf, den die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Herpetologie und Terrarienkunde 2025 zum Lurch des Jahres k\u00fcrte.<\/p>\n<p><strong>Naturschutzverein will Waldboden erhalten<\/strong><\/p>\n<p>In den Vollh\u00f6fner Weiden lebten zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tierarten, die auf besondere Waldr\u00e4nder mit viel Totholz angewiesen sind. Daher reichte der Naturschutzverein Schlickfall e.V. einen Eilantrag beim Hamburger Verwaltungsgericht ein, um zu verhindern, dass nach dem Kahlschlag der Waldboden abtransportiert wird.<\/p>\n<p>Mit Erfolg: Weitere Ma\u00dfnahmen der Stadt Hamburg w\u00fcrden gegen die eigene Naturschutz-Verordnung versto\u00dfen, entschied das Gericht. Es sei unter anderem verboten, Pflanzen oder einzelne Teile von ihnen auszurei\u00dfen, auszugraben oder zu entfernen und den Boden zu ver\u00e4ndern. Der Waldboden d\u00fcrfe nicht abgefahren werden, da er noch Baumst\u00fcmpfe enthalte, die wieder ausschlagen k\u00f6nnten.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Stadt verteidigt den Kahlschlag zun\u00e4chst<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/schillerfalter102_v-contentgross.jpg\" class=\"zoomimage\" title=\"Die Raupen des Gro\u00dfen Schillerfalters sind auf B\u00e4ume angewiesen, die in den Vollh\u00f6fner Weiden gef\u00e4llt wurden. \u00a9 picture alliance \/ Zoonar Foto: Karin Jaehne\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/schillerfalter102_v-contentgross.jpg\" alt=\"Gro\u00dfer Schillerfalter (Apatura iris) auf dem Waldboden. \u00a9 picture alliance \/ Zoonar Foto: Karin Jaehne\" title=\"Gro\u00dfer Schillerfalter (Apatura iris) auf dem Waldboden.\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p><\/a><br \/>\nDie Raupen des Gro\u00dfen Schillerfalters sind auf B\u00e4ume angewiesen, die in den Vollh\u00f6fner Weiden gef\u00e4llt wurden.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber dem Gericht argumentierte die Umweltbeh\u00f6rde, man habe mit der Ansiedlung von Trockenrasen unter anderem der vom Aussterben bedrohten Zwergschaumzikade einen Lebensraum bieten wollen. Dem folgte das Gericht nicht. In der Verordnung zum Naturschutzgebiet sei der Schutz von Tieren, die Trockenrasen ben\u00f6tigen, nicht aufgef\u00fchrt. Stattdessen sollten Arten gesch\u00fctzt werden, die ebenfalls vom Aussterben bedroht seien und auf Waldr\u00e4nder angewiesen sind.<\/p>\n<p>In den Vollh\u00f6fner Weiden lebt zum Beispiel der Schillerfalter, der auf der Hamburger Roten Liste in der Kategorie 1 steht, also als stark vom Aussterben bedroht gilt. Seine Raupen ben\u00f6tigen als Nahrungsquelle Sal-Weiden, die nach NDR Informationen durch den Kahlschlag im Naturschutzgebiet entfernt wurden.<\/p>\n<p>Im Wald wurden auch zwei K\u00e4ferarten nachgewiesen, die zu den sogenannten &#8222;Urwaldrelikt-Arten&#8220; geh\u00f6ren, den bundesweit anspruchsvollsten Totholzbewohnern. Auch ihr potenzieller Lebensraum wurde durch den Kahlschlag kleiner.<\/p>\n<p><strong>Hamburg akzeptiert Gerichtsbeschluss<\/strong><\/p>\n<p>Laut Hamburger Umweltbeh\u00f6rde soll der Ursprungszustand der Fl\u00e4che m\u00f6glichst wieder hergestellt werden. Doch mehr als 20 Jahre alte B\u00e4ume lassen sich nicht einfach ersetzen. Wer in einem Naturschutzgebiet B\u00e4ume entfernt, muss eigentlich laut Bu\u00dfgeldkatalog eine Strafe zwischen 50 und 50.000 Euro zahlen. Doch nach den Recherchen des NDR droht der Umweltbeh\u00f6rde keine Strafe. Sie m\u00fcsste diese ja gegen sich selbst verh\u00e4ngen &#8211; und das hat sie bislang nicht vor.<\/p>\n<p>Dieses Thema im Programm:<\/p>\n<p>Panorama 3 |<br \/>\n08.04.2025 | 21:15 Uhr<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/ndr_printlogo.gif\" alt=\"NDR Logo\" title=\"NDR Logo\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 08.04.2025 22:01 Uhr Erst im Februar hatte Hamburg einen Wald, der sich 60 Jahre ohne menschlichen Einfluss&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":19927,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[5252,12491,29,30,692,12569,6237,7295,16,383,12031,12568],"class_list":{"0":"post-20132","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-artenschutz","9":"tag-ausgleichsflaechen","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-hamburg","13":"tag-moorfrosch","14":"tag-natur","15":"tag-naturschutzgebiet","16":"tag-politik","17":"tag-umwelt","18":"tag-umweltschutz","19":"tag-vollhoefner-weiden"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114312150215015440","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20132","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20132"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20132\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19927"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20132"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20132"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}