{"id":201400,"date":"2025-06-19T01:23:09","date_gmt":"2025-06-19T01:23:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/201400\/"},"modified":"2025-06-19T01:23:09","modified_gmt":"2025-06-19T01:23:09","slug":"unser-haus-steht-allen-offen-einzug-am-1-juli-du-bist-halle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/201400\/","title":{"rendered":"\u201eUnser Haus steht allen offen\u201c \u2013 Einzug am 1. Juli \u2013 Du bist Halle"},"content":{"rendered":"<p>Die Paul-Singer-Stra\u00dfe in Reideburg ist normalerweise eine ruhige Wohngegend am Stadtrand von Halle (Saale). Doch seit Wochen herrscht Unruhe. Der Grund: In ein Geb\u00e4ude soll eine Einrichtung f\u00fcr unbegleitete minderj\u00e4hrige Gefl\u00fcchtete einziehen \u2013 betrieben vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Geplant ist die Unterbringung von bis zu 20 Jugendlichen ab 14 Jahren.<\/p>\n<p>Die Kritik einiger Anwohner lie\u00df nicht lange auf sich warten. Auf Bannern rund um das Geb\u00e4ude prangte der Slogan \u201eNein zum Heim\u201c, in sozialen Netzwerken entlud sich die Aufregung in Form von Unverst\u00e4ndnis, Sorgen und zum Teil auch offen fremdenfeindlichen Kommentaren. Der traurige H\u00f6hepunkt: ein Brandanschlag auf das Geb\u00e4ude vor wenigen Tagen. Das Geb\u00e4ude wurde dabei besch\u00e4digt, Menschen wurden gl\u00fccklicherweise nicht verletzt. Die Polizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung \u2013 ein politisches Motiv kann nicht ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Trotz allem h\u00e4lt das DRK an den Pl\u00e4nen fest \u2013 mit Offenheit statt Abschottung. Am Mittwoch lud der Kreisverband zu einem Tag der offenen T\u00fcr ein. Reideburgerinnen und Reideburger konnten sich selbst ein Bild machen, mit Mitarbeitenden sprechen und erstmals auch einige der k\u00fcnftigen Bewohner kennenlernen. Unsere Redaktion hat vor Ort mit Claudia Rosa, der stellvertretenden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des DRK-Kreisverbandes Halle-Saalkreis-Mansfelder Land, gesprochen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/WhatsApp-Image-2025-06-18-at-15.52.36-1200x675.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-319982\"  \/><\/p>\n<p><strong>\u201eEs geht darum, Vorurteile abzubauen \u2013 durch N\u00e4he und Gespr\u00e4che\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Frau Rosa, wie ist der Tag der offenen T\u00fcr bislang verlaufen?<\/p>\n<p>Wir sind heute mit gemischten Gef\u00fchlen hergekommen. Nach all dem, was in den letzten Wochen passiert ist \u2013 insbesondere dem Brandanschlag \u2013 wussten wir nicht, wie die Stimmung sein w\u00fcrde. Aber wir wollten ein Zeichen setzen: Wir sind offen f\u00fcr Dialog, wir haben nichts zu verbergen. Und wir waren ehrlich gesagt auch etwas \u00fcberrascht, denn die Menschen, die bisher da waren, waren sehr freundlich. Es kamen haupts\u00e4chlich \u00e4ltere Nachbarinnen und Nachbarn aus der Umgebung \u2013 sie waren neugierig, interessiert und haben uns gleich zu Beginn ihre Unterst\u00fctzung zugesichert. Das war ein gutes Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>Gab es auch kritische Stimmen \u2013 oder Menschen, die sich bislang gegen das Heim ausgesprochen hatten?<\/p>\n<p>Wir werden ab Anfang Juli mit dem Betrieb starten. Und das Haus wird weiterhin offen bleiben \u2013 f\u00fcr Gespr\u00e4che, f\u00fcr Besichtigungen, f\u00fcr Anliegen der Anwohnerinnen und Anwohner. Unsere Mitarbeitenden sind hier vor Ort und haben ein offenes Ohr. Auch einige der Jugendlichen, die hier einziehen werden, waren heute dabei. Das schafft Transparenz. Wir glauben, dass man nur so Vorurteile abbauen kann: durch Begegnung.<\/p>\n<p>Ein Zuhause auf Zeit \u2013 und ein Alltag mit Struktur<\/p>\n<p>Wie ist das Heim konkret aufgebaut? Welche Wohnformen wird es geben?<\/p>\n<p>Das Haus ist in erster Linie auf Einzelzimmer ausgelegt \u2013 wir haben insgesamt zwei Doppelzimmer, alle anderen sind Einbettzimmer. Uns ist wichtig, dass die Jugendlichen einen R\u00fcckzugsort haben, in dem sie zur Ruhe kommen und sich individuell entfalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie viele Jugendliche werden zu Beginn einziehen?<\/p>\n<p>Zum Start im Juli rechnen wir mit etwa zehn jungen Menschen. Eine volle Belegung wird es nicht sofort geben, das passiert schrittweise. Derzeit befinden wir uns im Umzugsprozess, daher kommen aktuell keine neuen Bewohner hinzu. Perspektivisch wird die Einrichtung dann Platz f\u00fcr bis zu 20 Jugendliche bieten. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir auch noch einige Dinge fertigstellen \u2013 M\u00f6bel, Ausstattung, Technik. Aber das l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Was erwartet die Jugendlichen im Alltag?<\/p>\n<p>Die Jugendlichen gehen tags\u00fcber ganz normal zur Schule. Wir arbeiten dabei eng mit verschiedenen Schulformen in Halle zusammen: von Sekundarschulen \u00fcber Gymnasien bis hin zu F\u00f6rderschulen. F\u00fcr migrantische Jugendliche gibt es zus\u00e4tzlich spezielle Sprachklassen. Wichtig ist uns, dass jeder die Chance bekommt, einen Schulabschluss zu machen oder eine Ausbildung zu beginnen.<\/p>\n<p>Nachmittags kommen die Jugendlichen zur\u00fcck, dann setzen wir uns meist erstmal zusammen: Was war heute los? Gibt es Probleme oder Besonderheiten? Danach ist Zeit f\u00fcr Hausaufgaben, Deutschkurse, Freizeitangebote. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen auch Alltagsdinge erledigt werden \u2013 einkaufen, kochen, sauber machen. Das Leben in der Einrichtung soll ein m\u00f6glichst normales, strukturiertes Jugendleben widerspiegeln.<\/p>\n<p><strong>\u201eDie Jugendlichen werden rund um die Uhr betreut\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Wie ist die Betreuung organisiert? Gibt es rund um die Uhr Ansprechpartner?<\/p>\n<p>Ja, selbstverst\u00e4ndlich. Die Jugendlichen sind nicht auf sich allein gestellt. Wir haben ein professionelles Team aus staatlich anerkannten Erzieherinnen und Erziehern sowie Sozialp\u00e4dagoginnen und -p\u00e4dagogen. Die Betreuung erfolgt im Schichtsystem \u2013 mit Fr\u00fch-, Sp\u00e4t- und Nachtdiensten. Auch nachts sind immer mindestens zwei Mitarbeitende im Haus. Dieses Konzept hat sich bereits in unserer bestehenden Einrichtung in Nietleben bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Wie wird das Thema Ordnung und Sauberkeit geregelt?<\/p>\n<p>Auch das ist Teil unseres p\u00e4dagogischen Ansatzes. Die Jugendlichen lernen, Verantwortung f\u00fcr ihren Lebensraum zu \u00fcbernehmen. Es gibt klare Putzpl\u00e4ne, wer wann was zu erledigen hat \u2013 im eigenen Zimmer genauso wie in Gemeinschaftsr\u00e4umen. Nat\u00fcrlich klappt das nicht immer perfekt, aber unsere Mitarbeitenden sind da sehr engagiert hinterher.<\/p>\n<p>Sie erw\u00e4hnten bereits die Einrichtung in Nietleben. K\u00f6nnen Sie sagen, wie die Erfahrungen dort sind?<\/p>\n<p>In Nietleben betreiben wir bereits seit mehreren Jahren eine \u00e4hnliche Einrichtung \u2013 ebenfalls f\u00fcr unbegleitete minderj\u00e4hrige Gefl\u00fcchtete. Nat\u00fcrlich gibt es da auch Herausforderungen, wie bei jeder Arbeit mit Jugendlichen. Aber insgesamt funktioniert es gut. Und das Wichtigste: Die Jugendlichen entwickeln sich, sie \u00fcbernehmen Verantwortung, lernen Deutsch, schlie\u00dfen die Schule ab, starten in die Ausbildung. Das macht Mut \u2013 und das wollen wir auch in Reideburg erreichen.<\/p>\n<p><strong>\u201eWir haben auch viel Zuspruch bekommen \u2013 das zeigt uns, wir sind nicht allein\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Wie blicken Sie \u2013 trotz des schwierigen Starts \u2013 in die Zukunft dieses Projekts?<\/p>\n<p>Wir freuen uns auf den Einzug und sind zuversichtlich. Auch wenn es in den letzten Wochen schwer war: Die vielen positiven R\u00fcckmeldungen von Menschen hier vor Ort zeigen uns, dass wir nicht allein dastehen. Viele sagen: \u201eSch\u00f6n, dass ihr da seid.\u201c Das best\u00e4rkt uns.<\/p>\n<p>Wir wollen ein guter Nachbar sein. Wenn es Probleme gibt \u2013 etwa mit L\u00e4rm oder M\u00fcll \u2013 sollen die Leute auf uns zukommen. Unsere T\u00fcr steht offen. Und wir sind \u00fcberzeugt: Wenn man miteinander spricht, kann man vieles kl\u00e4ren. Wir laden alle Reideburgerinnen und Reideburger ein, genau das zu tun.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund: Wer sind unbegleitete minderj\u00e4hrige Gefl\u00fcchtete?<\/strong><\/p>\n<p>Unbegleitete minderj\u00e4hrige Ausl\u00e4nder (UMA) sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die ohne ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten nach Deutschland gefl\u00fcchtet sind. Ihre Aufnahme und Betreuung erfolgt nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII). Sie haben Anspruch auf Schutz, Unterkunft, Bildung und F\u00f6rderung \u2013 wie jedes andere Kind auch. Einrichtungen wie die des DRK sollen ihnen ein stabiles Umfeld bieten, in dem sie sich integrieren und entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Paul-Singer-Stra\u00dfe in Reideburg ist normalerweise eine ruhige Wohngegend am Stadtrand von Halle (Saale). 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