{"id":201855,"date":"2025-06-19T05:43:17","date_gmt":"2025-06-19T05:43:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/201855\/"},"modified":"2025-06-19T05:43:17","modified_gmt":"2025-06-19T05:43:17","slug":"angeklagter-aeussert-sich-erstmals-im-prozess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/201855\/","title":{"rendered":"Angeklagter \u00e4u\u00dfert sich erstmals im Prozess"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bisher hat Issa Al H. geschwiegen. Er war stumm und sa\u00df meistens nach vorn gebeugt auf der Anklagebank. Am f\u00fcnften Prozesstag vor dem D\u00fcsseldorfer Landesgericht k\u00fcndigt sein Verteidiger Daniel Sprafke am Morgen eine Einlassung seines Mandanten an. Was folgt, ist aber nicht der Versuch einer Erkl\u00e4rung der Tat oder eine Antwort auf die Frage, warum er sich das <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/stadtfest\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stadtfest<\/a> von Solingen daf\u00fcr ausgesucht hat. \u201eEr will mitteilen, wie es zu seiner Festnahme am 24. August kam\u201c, sagt Sprafke.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Angeklagte beginnt mit den Worten: \u201eIch bin der Issa Al H.\u201c Dann beschreibt der Syrer seine Orientierungslosigkeit am Tag nach dem Anschlag am 23. August 2024. Doch wo er die Nacht verbracht hat, als die Fahndung nach ihm auf Hochtouren lief, sagt er nicht. Nur, dass er sich von Bl\u00e4ttern von B\u00e4umen und \u201eallem m\u00f6glichen\u201c ern\u00e4hrt habe in den Stunden nach der Tat. Seine Schilderungen beziehen sich auf eine Situation mehr als 24 Stunden nach dem Messeranschlag am Fronhof, bei dem drei Menschen starben und zehn weitere verletzt wurden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Issa Al H. beschreibt mithilfe eines Dolmetschers die Situation, in der er am Abend des 24. August in Solingen in einen Bus der Linie 695 stieg. Wo, wei\u00df er nicht mehr. \u201eEs hat geregnet, meine Jacke war nass, deshalb wollte ich mich nicht hinsetzen\u201c, sagt der 27-J\u00e4hrige. \u201eIch habe mich im Bus hingestellt, habe mich festgehalten und bin dabei eingeschlafen.\u201c Als h\u00e4tte er das Bewusstsein verloren, sagt er. Er sei wieder zu sich gekommen, als der \u201eChauffeur\u201c irgendetwas zu ihm gesagt habe.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Kameraaufnahmen aus dem Bus zeigen, dass es 22.18 Uhr war, als Issa Al H., der einzige Fahrgast, an der Haltestelle \u201eBahnhof Mitte\u201c ausstieg, bekleidet mit einem gelben Regenmantel. Den Platz vor dem Bahnhof habe er wiedererkannt. \u201eIch war krank und dachte, ich brauche irgendetwas zum Zudecken, mir war kalt\u201c, sagt er. Da habe er zuf\u00e4llig einen Bekannten getroffen, ihn gefragt, ob er mit zu ihm k\u00f6nne.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eIch wollte dann eigentlich zur Polizei, um mich zu stellen, dann kam mir ein Polizeifahrzeug entgegen\u201c, sagt der Angeklagte. Es war 22.32 Uhr, als Issa Al H. die Polizisten traf. \u201eIch deutete ihnen an, dass ich es war, der die Tat begangen hat.\u201c Er habe seine Jacke ausgezogen, sich hingekniet und beide H\u00e4nde \u00fcber den Kopf gehalten, sodass die Polizisten seine blutverschmierte Kleidung sehen konnten. \u201eSie haben mich gefesselt und ins Auto gesetzt, ich habe mein Bild auf einem ihrer Handys gesehen\u201c, sagt er. Auf Nachfragen des Vorsitzenden Richters, etwa ob er vorhatte, noch einmal in die Fl\u00fcchtlingsunterkunft zu gehen, in der er damals wohnte, antwortet Issa Al H.: \u201eIch war total verloren, ich war ja auch sehr durstig.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Vorsitzende will wissen: \u201eDas war der Anlass, zur Polizei zu gehen?\u201c. Da greift Verteidiger Sprafke ein und wehrt weitere Nachfragen ab. \u201eWir w\u00fcrden es an dieser Stelle dabei belassen\u201c, sagt er. Der Vorsitzende ordnet die Einlassung eher als Fakten des \u201eRandgeschehens\u201c ein. \u201eWir w\u00fcrden viel lieber mit ihm dar\u00fcber reden, wie es zu dem Ganzen gekommen ist.\u201c Trotzdem sei es gut gewesen, den Angeklagten nun einmal in einer pers\u00f6nlichen Interaktion zu erleben.<\/p>\n<p>Kein Widerstand bei Festnahme      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In der Nacht nach dem Anschlag und am Tag darauf waren Hunderte Polizisten in Solingen eingesetzt, um den fl\u00fcchtigen T\u00e4ter zu finden. Einer von ihnen sagt am Mittwochnachmittag als Zeuge im Prozess aus. Er war mit seinem Kollegen am 24. August vor der Fl\u00fcchtlingsunterkunft auf Streife und die Schicht war eigentlich zu Ende, wie er erz\u00e4hlt. \u201eAuf der Fahrt habe ich wahrgenommen, dass eine Person geb\u00fcckt aus einer Hecke rausgekommen ist. Ich bin davon ausgegangen, dass es ein psychisch Kranker ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Mit seinem Kollegen stieg er aus dem Streifenwagen aus, um den seltsam wirkenden Mann im gelben Regenmantel zu kontrollieren. Der Regenmantel sei offen gewesen, so habe er gesehen, dass der Mann seine blutbefleckte Jeans auf Links trug. Der Mann habe seinen Daumen zu seinem Hals gef\u00fchrt und von links nach rechts eine \u201eSchneidebewegung\u201c gemacht. Das habe er als Drohung aufgefasst, sagt der Polizeibeamte. \u201eIch habe meine Waffe gezogen, er sagte: \u201aKein Deutsch, kein Deutsch\u2019\u201c. Der Mann habe sehr geschw\u00e4cht gewirkt und schlie\u00dflich keinen Widerstand bei der Festnahme geleistet.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Vorsitzende will vom Zeugen wissen: \u201eWie war Ihr Eindruck: Ist er auf sie zugegangen, um sich festnehmen zu lassen, oder ist er in eine Kontrolle gelaufen?\u201c Der Polizist sagt: \u201eIch hatte nicht das Gef\u00fchl, dass er sich stellen will. Wir sind auf ihn zugegangen. Ich hatte eher das Gef\u00fchl, er will, dass man ihn erschie\u00dft.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Issa Al H. wird dreifacher Mord, zehnfacher Mordversuch und Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung vorgeworfen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat f\u00fcr sich. Er r\u00e4umte den Messerangriff am ersten Prozesstag ein, lie\u00df damals aber seinen Verteidiger f\u00fcr sich sprechen. \u201eIch habe schwere Schuld auf mich geladen&#8220;, hie\u00df es in der Erkl\u00e4rung. Er verdiene und erwarte f\u00fcr seine Tat eine lebenslange Freiheitsstrafe.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil f\u00e4llt fr\u00fchestens im September.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bisher hat Issa Al H. geschwiegen. 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