{"id":202532,"date":"2025-06-19T11:54:11","date_gmt":"2025-06-19T11:54:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/202532\/"},"modified":"2025-06-19T11:54:11","modified_gmt":"2025-06-19T11:54:11","slug":"die-first-lady-krise-zwischen-chanel-und-cancel-culture","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/202532\/","title":{"rendered":"Die First-Lady-Krise: Zwischen Chanel und Cancel Culture"},"content":{"rendered":"<p>Die Medien feiern First Ladys \u2013 aber nur, wenn sie ganz exakt dem zeitgeistigen Frauenbild entsprechen. Charlotte Merz passt da offensichtlich nicht rein: zu unproblematisch, zu pr\u00e4sent, zu falsch verheiratet. \u00dcber eine Rolle, die fr\u00fcher Couture war und heute als Fehlkauf gilt.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Mit Charlotte Merz h\u00e4tte Deutschland theoretisch wieder eine First Lady. Im Klatsch-Boulevard ploppt der Begriff vorsichtig auf, nach Jahren eines nicht erw\u00e4hnenswerten Kanzlergatten und einem Jahr Britta Ernst (zur Erinnerung: das ist die Frau von Olaf Scholz) fremdelt man hierzulande noch mit dem glamour\u00f6s besetzten Wort. In \u201eseri\u00f6seren\u201c Medien wird das Thema First Lady gleich komplett ignoriert. Warum eigentlich? Charlotte Merz scheint nicht v\u00f6llig abgeneigt, sich \u2013 in welcher Weise auch immer \u2013 in dieser Funktion zu pr\u00e4sentieren. Neben ihrer T\u00e4tigkeit als Richterin hat sie gerade noch ein paar Urlaubstage freigeschaufelt, um ihren Mann zum G-7-Gipfel zu begleiten. H\u00f6rt sich nach einer modernen, gl\u00fccklich realistischen, stabilen Ehe an, die die First Lady da \u2013 jetzt vor aller Augen \u2013 lebt. <\/p>\n<p>Eigentlich doch ein sch\u00f6nes Empowerment-St\u00fcck f\u00fcr \u201eZeit Online\u201c? Aber nein, s\u00e4mtliche Redakteurinnen sind in der Frauen-gegen-Merz-Instagram-Gruppe und da reicht schon die geheuchelte Solidarit\u00e4t, um klarzustellen: die Frau von \u2013 und dann auch noch die Frau von Merz \u2013 kommt hier nicht vor. Man ist ohnehin schon ein paar Schritte weiter Richtung Matriarchat, grunds\u00e4tzlich nicht in romantischer Stimmung, glorifiziert gerade lieber Scheidungen oder z\u00e4hlt den Kohlenstoffdioxid-Aussto\u00df, den die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/iconist\/trends\/article256256870\/jeff-bezos-und-lauren-sanchez-venedig-ruestet-sich-fuer-die-hochzeit-der-superlative.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/iconist\/trends\/article256256870\/jeff-bezos-und-lauren-sanchez-venedig-ruestet-sich-fuer-die-hochzeit-der-superlative.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hochzeit von Jeff Bezos<\/a> verursacht.<\/p>\n<p>Auch bei den Haupstadtjournalist*innen des \u00d6RR ist das Verh\u00e4ltnis zu Charlotte Merz gespalten. Einerseits hat man sie f\u00fcr ihren <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/harald-martenstein\/plus251551054\/Harald-Martenstein-ueber-Kritik-an-Charlotte-Merz-Wenn-das-Pressefreiheit-sein-soll-bin-ich-dagegen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/harald-martenstein\/plus251551054\/Harald-Martenstein-ueber-Kritik-an-Charlotte-Merz-Wenn-das-Pressefreiheit-sein-soll-bin-ich-dagegen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">h\u00f6flichen Kommentar<\/a> zur Leitkultur beim Parteitag in Berlin im vergangenen Jahr gen\u00fcsslich gemobbt, andererseits beim Bundespresseball zwischen gratis Champagner, gratis H\u00e4ppchen und Selfies wom\u00f6glich feststellen m\u00fcssen, dass die Merzens ja doch keine Nazis sind. Also schreibt man lieber gar nichts und verzichtet auf verl\u00e4ssliche Klicks.<\/p>\n<p>Michelle oder nichts<\/p>\n<p>Die Medien feiern First Ladys \u2013 aber eben, nur wenn sie ganz exakt dem Frauenbild entsprechen, das man gerne in \u201eNew York Times\u201c-Essays und mit \u201eVogue\u201c-Covern vermitteln m\u00f6chte. So wie Michelle Obama. Sie war die richtige Frau von, mit dem richtigen Hautton, dem richtigen Ivy-League-Abschluss und der richtigen \u201eHaltung\u201c.  Die linksintellektuelle Elite liebt es, sich selbst im Spiegel \u201eprogressiver\u201c Vorzeigefiguren zu betrachten. Michelle Obama war genau dieser Spiegel: Eine Frau, die gegen Rassismus ist, die Gleichheit predigt \u2013 und gleichzeitig ihre wichtigtuerischen Memoiren mit 65 Millionen Dollar Vorschuss verkauft.<\/p>\n<p>Jackie Kennedy kam in ihrer Zeit ebenfalls gut an. Sehr sch\u00f6n, sehr gebildet, sehr gut erzogen, sehr katholisch, sehr sophisticated, sehr gut gekleidet in Chanel. Als Frauen noch \u00e4u\u00dferst geringe Ambitionen aufs Pr\u00e4sidentenamt hegten, r\u00fcckte sie als First Lady erstaunlich nah ans Machtzentrum. Beizeiten \u00fcberstrahlte sie sogar ihren Ehemann, sodass Jack Kennedy sich in Paris einmal als der \u201eMann von Jackie Kennedy\u201c vorstellte. Nach seinem Tod war sie wesentlich mitverantwortlich f\u00fcr das aufpolierte Erbe ihres Mannes, den heutigen Mythos JFK. <\/p>\n<p>Eine traditionelle First Lady wie Jackie Kennedy w\u00e4re auch <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/iconist\/article254384056\/Melania-Trump-Endlich-wieder-eine-inspirierende-First-Lady.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/iconist\/article254384056\/Melania-Trump-Endlich-wieder-eine-inspirierende-First-Lady.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Melania Trump<\/a> gerne geworden. Das hat sie 1999 in einem Interview mit einem Reporter von ABC News erz\u00e4hlt, der sich vorstellen konnte, dass Trump, damals noch Knauss, die n\u00e4chste glamour\u00f6se First Lady werden k\u00f6nnte. Auf die Frage, ob sie daf\u00fcr ihre Modelkarriere aufgeben w\u00fcrde, antwortete sie l\u00e4ssig: \u201eI will stand by man\u201c. <\/p>\n<p>Trotz interessanter Pers\u00f6nlichkeit wird ihr sp\u00e4ter jede Anerkennung verwehrt. Die Medien verachten Donald Trump oder haben Angst vor ihm, also boykottieren sie auch die First Lady. Weil er sie immer wieder respektvoll in Reden erw\u00e4hnt? Weil er sie nicht \u00f6ffentlich betr\u00fcgt, wie seine Vorg\u00e4nger Kennedy und Clinton? Oder weil die beiden sich privat nichts erlauben, wor\u00fcber man sich das Maul zerrei\u00dfen kann? Melania reagiert mit W\u00fcrde, greift zum Hut, schirmt sich ab und erledigt ihre karitativen Dienste mit einer beeindruckenden Egal-Haltung. Sie interessiert sich nicht daf\u00fcr, was man von ihr denkt und bleibt lieber zu Hause, als sich beim G-7-Gipfel von Ursula von der Leyen schr\u00e4g mustern zu lassen. Auf Umwegen wurde sie so zur selbstbestimmtesten First Lady, die es je gab.<\/p>\n<p>Von Chanel zu Ohrfeigen<\/p>\n<p>Mit der Bereitschaft, jede First Lady zu canceln, die nicht zur eigenen Weltanschauung passt, ist man im Grunde dabei, die Rolle \u2013 eigentlich eine wirkm\u00e4chtige, diplomatisch wichtige und m\u00f6glicherweise effektivere als ein G-7-Gipfel mit Klassenfahrtcharakter \u2013 abzuschaffen. Zunehmend zeigt sich die First-Lady-Krise nun auch in anderen L\u00e4ndern. Etwa bei Brigitte Macron, die nach ihrem Gastauftritt in \u201eEmily in Paris\u201c (ein Bild franz\u00f6sischer Repr\u00e4sentation, das in L.A. entworfen wurde, nicht in Paris) in Frankreich selbst vor allem Stirnrunzeln ausl\u00f6ste. Dazu kommt der \u00fcbergreifende <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus256259622\/eklat-in-le-bourget-warum-macron-israel-gerade-jetzt-provoziert.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus256259622\/eklat-in-le-bourget-warum-macron-israel-gerade-jetzt-provoziert.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Antisemitismus<\/a>, den ihr Mann neuerdings kultiviert. Jedenfalls scheint auch bei Madame Macron die Lust am Repr\u00e4sentieren verflogen. Das zumindest erz\u00e4hlt <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256179162\/emmanuel-macron-wirbel-um-video-mit-ehefrau-brigitte-nun-meldet-sich-ein-mitreisender-zu-wort.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256179162\/emmanuel-macron-wirbel-um-video-mit-ehefrau-brigitte-nun-meldet-sich-ein-mitreisender-zu-wort.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Ohrfeige<\/a> vor laufender Kamera.<\/p>\n<p>Hat Charlotte Merz nun First Lady Ambitionen, oder nicht? Die Antwort liegt wie immer im Outfit. Im Fall des G7-Trips ein grauer Hosenanzug, der nicht deutlicher sagen k\u00f6nnte \u201eich will nicht thematisiert werden\u201c. Nachvollziehbar, siehe oben. Vielleicht ist die Rolle der First Lady einfach zu widerspr\u00fcchlich f\u00fcr eine Zeit, die lieber weiter an Frauenbildern feilt, als sich mit echten Frauen zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Medien feiern First Ladys \u2013 aber nur, wenn sie ganz exakt dem zeitgeistigen Frauenbild entsprechen. Charlotte Merz&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":202533,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1776],"tags":[15323,1801,29,114,214,30,44605,66194,8707,1802,113,215,64],"class_list":{"0":"post-202532","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-prominente","8":"tag-balken-inbox","9":"tag-celebrities","10":"tag-deutschland","11":"tag-donald-geb-1946","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-melania-3-ehefrau","15":"tag-michelle-ehefrau","16":"tag-obama","17":"tag-prominente","18":"tag-trump","19":"tag-unterhaltung","20":"tag-usa"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114709899662161002","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/202532","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=202532"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/202532\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/202533"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=202532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=202532"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=202532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}