{"id":203911,"date":"2025-06-20T00:44:15","date_gmt":"2025-06-20T00:44:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/203911\/"},"modified":"2025-06-20T00:44:15","modified_gmt":"2025-06-20T00:44:15","slug":"remigration-russland-iran-nato-wehrpflicht-die-fuenf-triggerpunkte-im-strategiestreit-der-afd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/203911\/","title":{"rendered":"&#8222;Remigration&#8220;, Russland, Iran, Nato, Wehrpflicht: Die f\u00fcnf Triggerpunkte im Strategiestreit der AfD"},"content":{"rendered":"<p>                    &#8222;Remigration&#8220;, Russland, Nato<br \/>\n                Die f\u00fcnf Triggerpunkte im Strategiestreit der AfD<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t              \tVon Martin Debes und Tom Kollmar<br \/>\n\t\t\t\t              19.06.2025, 18:45 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p><strong>Maximilian Krah beschert der AfD die n\u00e4chste Debatte \u00fcber den Propagandabegriff &#8222;Remigration&#8220;. Doch das Konfliktpotenzial bei anderen Themen ist noch h\u00f6her. Ein \u00dcberblick.<\/strong><\/p>\n<p>Zuletzt wurde Maximilian Krah vom rechtsextremen Verleger G\u00f6tz Kubitschek zum Rapport einbestellt. Der AfD-Bundestagsabgeordnete sollte sich in einem Podcast daf\u00fcr rechtfertigen, dass er von der gemeinsamen v\u00f6lkischen Linie abgewichen ist.<\/p>\n<p>Es wurde laut gestritten. Denn Krah will die millionenfache &#8222;Remigration&#8220;, die er als einer der ersten AfD-Politiker offensiv propagierte, deutlich zur\u00fcckhaltender als bisher definieren. Seine Forderung: Die Partei sollte nicht mehr suggerieren, dass die Masseneinwanderung und ihre Folgen irgendwie r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die neueste Volte Krahs wirkt erstaunlich. Gleichzeitig passt sie aber zu dem wendigen und schillernden Politiker, gegen den zurzeit wegen Bestechlichkeit ermittelt wird. Sein politisches Gesch\u00e4ftsmodell ist es, mit gezielter Disruption maximale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Entsprechend bem\u00fchte sich die AfD-F\u00fchrungsebene, die \u00c4u\u00dferungen Krahs klein zu reden, sofern sie \u00fcberhaupt reagierte. Parteichefin Alice Weidel dementierte einen Richtungsstreit und sagte sonst nicht viel.<\/p>\n<p>Doch das Thema l\u00e4sst sich kaum ignorieren. Denn Krahs Vorsto\u00df ber\u00fchrt einen der zentralen AfD-internen Konflikte, zu denen auch die au\u00dfenpolitische Positionierung, die gesellschaftspolitische Verortung und die strategische Ausrichtung der Partei geh\u00f6ren. Eine \u00dcbersicht der f\u00fcnf wichtigsten Triggerpunkte:<\/p>\n<p><b>Die AfD und die &#8222;Remigration&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Weidel versuchte im Bundestagswahlkampf einen propagandistischen Kunstgriff. Sie adaptierte den im extremen Milieu in- und au\u00dferhalb der Partei popul\u00e4ren Begriff der &#8222;Remigration&#8220; und grenzte ihn gleichzeitig ein: Gemeint seien damit &#8222;alle Ma\u00dfnahmen und Anreize einer rechtsstaatlichen und gesetzeskonformen R\u00fcckf\u00fchrung ausreisepflichtiger Ausl\u00e4nder in ihre Heimat&#8220;.<\/p>\n<p>Auch er stehe hinter dieser Formulierung, sagte Krah dem &#8222;Stern&#8220;. Doch das Problem sei, dass &#8222;das Vorfeld der Partei&#8220; den Begriff &#8222;Remigration&#8220; anhand eines &#8222;ethnischen Volksbegriffs&#8220; definiere und damit verfassungsrechtliche Probleme bis hin zu einem Verbotsverfahren provoziere.<\/p>\n<p>Mit dem &#8222;Vorfeld&#8220; sind offenkundig Leute wie Kubitschek und der \u00f6sterreichische Rechtsextremist Martin Sellner gemeint. Deren Einfluss reicht weit hinein in die Partei. Wenn etwa der th\u00fcringische Landeschef Bj\u00f6rn H\u00f6cke vom &#8222;autochthonen Volk&#8220; redet oder der Bundesvorstand Hannes Gnauck alle Deutschen durch &#8222;ein unsichtbares Band&#8220; verbunden sieht, dann erscheinen Migranten ausdr\u00fccklich nicht mitgemeint.<\/p>\n<p><b>Russland und Israel<\/b><\/p>\n<p>Die AfD positioniert sich seit Jahren gegen Russland-Sanktionen und kritisiert die Milit\u00e4rhilfen an die Ukraine. Dar\u00fcber hinaus jedoch wirkt die Partei gespalten, wobei ausgerechnet die beiden Parteivorsitzenden das Schisma repr\u00e4sentieren. W\u00e4hrend Weidel nicht zu Moskau-freundlich erscheinen will, vertritt ihr Co-Chef Tino Chrupalla offensiv Kreml-Positionen.<\/p>\n<p>Immer wieder kam es zu Eklats. So mokierte sich Weidel \u00f6ffentlich dar\u00fcber, dass Chrupalla 2023 am Empfang der russischen Botschaft in Berlin teilnahm.<\/p>\n<p>Die Konfliktlinie verl\u00e4uft hier zwar nicht immer, aber oft genug zwischen den West- und Ostverb\u00e4nden. Das gilt ebenso f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zu Israel. Als Chrupalla zuletzt den Angriff auf den Iran einseitig verurteilte, riskierte er damit die Konfrontation mit Weidel, aber auch mit seinem Mentor, dem Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland.<\/p>\n<p>Zuletzt immerhin versuchten die beiden Parteichefs, den Dissens mit einer gemeinsamen Pressemitteilung zu kaschieren. Sie geben sich einig in der Verurteilung von CDU-Kanzler Friedrich Merz, der erkl\u00e4rt hatte, dass Israel im Iran die &#8222;Drecksarbeit&#8220; f\u00fcr &#8222;uns alle&#8220; verrichte.<\/p>\n<p><b>Wehrpflicht und Nato<\/b><\/p>\n<p>Der Streit um die Au\u00dfenpolitik korrespondiert mit dem verteidigungspolitischen Triggerpunkt. Offiziell steht die Partei zur Wehrpflicht, sowohl im Grundsatz- als auch im Bundestagswahlprogramm. Doch Chrupalla ist ihr entschiedener Gegner. Insbesondere im Osten funktioniert das Drohszenario, als Soldat wom\u00f6glich in den Russland-Ukraine-Konflikt zu geraten.<\/p>\n<p>Im Bundestagswahlkampf irritierte wiederum Weidel weite Teile ihrer Partei mit der Forderung, Deutschland solle f\u00fcnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts f\u00fcr R\u00fcstung ausgeben. Parallel dazu ging wiederum Chrupalla auf Distanz zur Nato. Inzwischen versuchen der neue au\u00dfenpolitische Sprecher Markus Frohnmaier, ein Intimus Weidels, gemeinsam mit anderen Abgeordneten, die Partei n\u00e4her an die USA und das westliche B\u00fcndnis heranzur\u00fccken. Aber entschieden ist auch in dieser Frage: nichts.<\/p>\n<p><b>Ehe und Abtreibung<\/b><\/p>\n<p>Die Parteivorsitzende verk\u00f6rpert privat geradezu den gesellschaftspolitischen Kernwiderspruch der AfD: Eine Frau, die in der Schweiz in einer lesbischen Ehe mit einer in Sri Lanka geborenen Frau und deren Kindern lebt, f\u00fchrt eine \u00fcberwiegend reaktion\u00e4re und xenophobe sowie dezidiert m\u00e4nnliche Partei. Beim j\u00fcngsten Parteitag in Riesa musste die frisch gek\u00fcrte Kanzlerkandidatin dabei zusehen, wie ihr Familienmodell auf offener B\u00fchne verh\u00f6hnt wurde. Danach wurde im Wahlprogramm dekretiert, dass die Familie als Keimzelle der Gesellschaft aus &#8222;Vater, Mutter und Kindern&#8220; bestehe.<\/p>\n<p>Weidel verhinderte immerhin, dass eine Mehrheit auf dem Parteitag die Forderung beschloss, das Abtreibungsrecht stark einzuschr\u00e4nken. Doch der erbittert gef\u00fchrte Kampf d\u00fcrfte beim kommenden Programmparteitag erneut ausbrechen.<\/p>\n<p><b>Machtstrategie<\/b><\/p>\n<p>Das Ziel ist die Regierungsmacht, daran sind sich alle in der Partei einig. Doch der Streit dar\u00fcber, wie dies gelingen kann, begleitet die AfD seit ihrer Gr\u00fcndung. Gro\u00dfe Teil des &#8222;Vorfeldes&#8220;, aber auch der einstige &#8222;Fl\u00fcgel&#8220; und Teile der ostdeutschen Landesverb\u00e4nde setzen auf eine &#8222;konservative Revolution&#8220;. H\u00f6cke formuliert dies so: &#8222;Wenn einmal die Wendezeit gekommen ist, dann machen wir Deutschen keine halben Sachen.&#8220;<\/p>\n<p>Weidel und ihre Unterst\u00fctzer setzten auf den Marsch durch die Institutionen. Ihre Schlussfolgerung aus den Erfolgen der Fratelli d&#8217;Italia unter Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni und des franz\u00f6sischen Rassemblement National unter Marine Le Pen: professioneller auftreten, weniger extrem reden, Anschlusspunkte suchen.<\/p>\n<p>Doch das extreme Lager, das vor einer &#8222;Melonisierung&#8220; warnt, bleibt stark in Partei und Fraktion. Weidel muss sich arrangieren. Die Triggerpunkte sind zahlreich und in ihrer Wirkung oft unberechenbar. Fast so unberechenbar wie Maximilian Krah.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Remigration&#8220;, Russland, Nato Die f\u00fcnf Triggerpunkte im Strategiestreit der AfD Von Martin Debes und Tom Kollmar 19.06.2025, 18:45&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":203912,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[6238,186,331,332,3025,13,13612,35667,14,1159,15,16,4043,4044,850,307,12,30684,690],"class_list":{"0":"post-203911","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-abtreibung","9":"tag-afd","10":"tag-aktuelle-nachrichten","11":"tag-aktuelle-news","12":"tag-alice-weidel","13":"tag-headlines","14":"tag-iran-konflikt","15":"tag-maximilian-krah","16":"tag-nachrichten","17":"tag-nato","18":"tag-news","19":"tag-politik","20":"tag-russia","21":"tag-russian-federation","22":"tag-russische-foederation","23":"tag-russland","24":"tag-schlagzeilen","25":"tag-tino-chrupalla","26":"tag-wehrpflicht"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114712927505540660","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/203911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=203911"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/203911\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/203912"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=203911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=203911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=203911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}